Hauptinhalt
9. Juli 2012
Über 800 Jahre in Vergessenheit
Mit einem österreichischem Pärchen, das wir in unserer Unterkunft kennen gelernt hatten, teilten wir uns einen Minivan samt Fahrer, der uns an diesem Tage chauffieren sollte. Das Ziel lautete Borobudur, etwa eine halbe Stunde von Yogya entfernt. Wenn man nicht in den Berufsverkehr gelangt. Doch wir hatten Glück, entkamen der Rushhour um Haaresbreite und brauchten nur unwesentlich länger als angekündigt für die Fahrt. Nach indonesischen Maßstäben waren wir damit überpünktlich. Während der Fahrt erfuhren wir von unserem Fahrer einiges über die Ort- und Landschaften, die wir passierten. Insbesondere ging es um den Vulkan Merapi, der seinen drohenden Schatten nicht nur auf Yogyakarta, sondern auch auf die Tempelanlage von Borobudur wirft. Doch neben dem Merapi säumen drei weitere Vulkane das weite grüne Tal, in dem Borobudur auf einem Hügel liegt.
Unter Asche begraben
Es war wohl einer dieser Vulkane, der im 10. Jahrhundert ausbrach und die gesamte Anlage von Borobudur unter einer dicken Schicht vulkanischer Asche begrub. Dort lag der Tempelkomplex für über 800 Jahre, inzwischen nicht nur von Asche, sondern auch von üppiger Vegetation bedeckt, unentdeckt. Und offenbar in Vergessenheit geraten, da mit der Verlagerung des Machtzentrums Javas in den Osten der Insel im 10. und 11. Jahrhundert, wohl auch die Bedeutung Borobudurs abnahm, das bis dahin das geistige Zentrum des Buddhismus auf Java war.
Ein alter Bekannter
So verfiel die Anlage im Laufe der Jahrhunderte unter der vulkanischen Asche, bis schließlich ein alter Bekannter auf den Plan trat und den Tempel wieder entdeckte:
© Jochen MüllerDie Rekonstruktionen dauern bis heute an.In altem Glanz
Seit seiner Freilegung hat der Komplex diverse Restaurationen hinter sich. Besonders die an den Grundmauern 123 m lange Tempelpyramide musste aufwendig restauriert werden. Die ersten Sanierungsarbeiten begannen Anfang des 20. Jahrhunderts unter holländischer Regie, den letzten Feinschliff erhielt Borobudur in den Jahren 1973 bis 1983. Große Teile wurden komplett abgetragen, die Steine sortiert und wieder zusammengesetzt. Da das gesamte Bauwerk ohne Mörtel erbaut worden war, drohten Zeit und Witterung es in sich zusammen fallen zu lassen. Mit Hilfe der UNESCO wurde die Mammutaufgabe der Restauration und Stabilisierung Borobodurs jedoch bewältigt. Seither erstrahlt der bedeutendste buddhistische Tempel Indonesiens in altem Glanze und ist auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich.
Die wahre Attraktion
Und das ist gut so. Denn andernfalls hätten wir sicherlich ein kulturelles Highlight auf Java versäumt. So aber konnten wir über das weitläufige Areal schlendern, in dessen Mitte auf einem Hügel die gewaltige Tempelpyramide thront. Und wir taten gut daran, uns etwas zu sammeln,
zu greifen und die Hand einer Statue
zu berühren, so heißt es, werde ein
sehnlicher Wunsch erfüllt.
Wo ist Susanne?
Als wir mit dem ganzen Blitzlichtgewitter durch waren, sammelten wir uns am Fuße der Tempelpyramide. So zumindest der Plan. Alle trudelten dort ein, nur Susanne war nicht aufzutreiben. Jochen suchte die gesamte Pyramide noch einmal ab, wir hielten am Ausgang Ausschau. Keine Susanne. Jochen wurde zunehmend unrund, so dass wir gemeinsam ausschwärmten, jeder einem anderen Weg folgend, in Richtung Haupteingang des Geländes. Wo wir Susanne dann wiederfanden, umringt von einer Gruppe Einheimischer, natürlich bei einem gemeinsamen Foto. Da sie sich genau vor dem Haupteingang postiert hatte, lief der gesamte Besucherstrom an ihr vorbei. Sie war recht glücklich von uns abgeholt zu werden. „Jetzt weiß ich, wie sich ein Superstar in der Öffentlichkeit fühlt, das kann richtig anstrengend werden", war ihr Kommentar.
Tempelwechsel
Unser Plan war gewesen von Borobodur aus nach Prambanan zu fahren, einem östlich gelegenen hinduistischen Tempel,
Als wir kurz nach Einbruch der Dämmerung in Yogyakarta ankamen, galt es nun sich noch einige Stunden zu vertreiben, bis wir in der Nacht mit dem Zug nach Osten aufbrechen wollten. In großen Schritten Richtung Bali. Wo wir hofften nicht nur eine schöne Zeit zu haben, sondern uns auch gute Chancen ausrechneten in den diversen Segel-Häfen eine Mitnahme-Gelegenheit nach Australien zu finden.
Von Peer Bergholter
Kommentare zu "Über 800 Jahre in Vergessenheit"
Borobodur
Ein schoener Einblick in diese einzigartige Welt des Boudismus, die man dank euch erleben kann. Bis bald und viel Glueck.
Fantastisch!
Hatte vor knapp 3 Jahren ebenfalls die unvergessliche Gelegenheit, den Borobudur zu besuchen.
Die Fotos lassen es erahnen, aber der reale Eindruck ist wie so oft noch viel "gehaltvoller" und beeindruckender, als es die Bilder jemals ausdrücken können.
Vielen Dank für den schönen Bericht mit interessanten Infos, die mir nochmal ein wenig mehr Inhalt nachlieferten.
Viel Glück bei der Weiterreise und lasst Euch auf Bali ebenso begeistern :)
Buddha-Foto
"Wem es gelingt durch die Öffnungen
zu greifen und die Hand einer Statue
zu berühren, so heißt es, werde ein
sehnlicher Wunsch erfüllt."
Klingt ja erstmal toll und für Gläubige und Hoffnungsvolle aufbauend. Ihr habt aber schon gemerkt, dass ihr den Kommentar unter ein Foto von einem Buddha OHNE HÄNDE gesetzt habt, oder??? ;o)
Re: Buddha-Foto

Vielen Dank für die lieben Worte. Auch uns hat Borobodur begeistert. Und ja, uns ist es aufgefallen, dass die Statue auf dem Foto keine Hände hat. Ich habe in drei der Stupas hinein geschaut und allen haben die Hände gefehlt. Zwar kann ich nicht ausschließen, dass andere Statuen Hände haben, doch mir schien es, als sei genau das der Punkt. Stellen doch die obersten Ebenen die Abkehr vom Figürlichen dar, verstand ich die Volksweisheit so, dass die sehnlichsten Wünsche vielleicht nicht durch solche Dinge wie das Berührern einer Figur erfüllt werden können. Aber das ist meine persönliche Interpretation.
Weiterhin viel Spaß mit unserem Blog, wünschen Jochen und Peer
Re: Re: Buddha-Foto
Für mich sehen die Armstümpfe eher so aus, als wenn jemand die Hände abgebrochen/abgeschlagen hätte und nicht wie ein gewolltes Kunstwerk. Ich denke daher, dass vielleicht irgendwelche Ungläubigen oder Kriegsgegner o.ä. irgendwann den Statuen absichtlich die Hände abtrennten. Als Zeichen an die Gläubigen:"Na, was macht ihr jetzt? Wie wollt ihr euer Land (Gebiet) oder euer Heiligtum retten/verteidigen, wenn ihr euch nicht mehr wünschen könnt, dass dieser Kampf zu eurer Zufriedenheit ausgeht?". Ich meine, im Laufe der Geschichte gab es das doch immer wieder, dass Kriegsgegner, Besetzer, Eroberer etc ein Volk dadurch verletzten und schwächten, indem sie ihm wichtige Dinge wegnahmen: da wurden Statuen oder Tempel niedergerissen, Bücher oder andere Schriften verbrannt,... .
"Über 800 Jahre in Vergessenheit" kommentieren

Vielleicht solltet Ihr Euch kleine Kuhglöckchen umhängen, nicht daß noch einer unter Verlustängsten zu leiden hat, und jaa, so müssen sich Superstars fühlen, wenn sie die Paparazzi nerven, trotzdem, danke Peer, daß Du uns mal wieder mitgenommen hast, wir lernen immer mehr über Buddha. Weiter viel Glück, wir drücken Euch die Daumen, daß Ihr eine Überfahrt findet. LG Gisi aus KG