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14. September 2011
Aller Anfang sind Fragen. Und Warten.
Das sind die Fragen, die mir in den letzten Wochen jeder stellte, den ich traf. Mit welcher Frage der Leser hier einsteigt, das frage ich mich gerade. Ansonsten hab ich keine Fragen mehr.
Ich, das ist in diesem Falle Jochen. Das andere Ich, Peer, ist gerade nicht da. Das weilt noch in Kassel. Das Jochen-Ich ist in Berlin. Wir warten. Darauf, dass es los geht. Dass die Reiselaune aufkommt und die Planungen aufhören, weil es los geht. Darauf, nicht mehr hier zu sein. Darauf, gemeinsam an einem Ort zu sein, egal wo dieser ist, weil sich das ja gerade beständig ändern soll. Darauf in Bewegung zu sein. Man kann nur die Geschwindigkeit eines Teilchens wissen oder seinen Ort, nicht beides. Die Heisenbergsche Unschärferelation als Metapher für Peers und Jochens Weltreise. Na sauber.
© Jochen MüllerSo sieht's hier aus.Wir haben uns vorgenommen um diese Welt herumzukommen, ohne sie zu verlassen. Kein Flugzeug soll bestiegen werden, keinen Millimeter wollen wir verpassen.
Ich habe mir mal sagen lassen, dass, wenn die nordamerikanischen Ureinwohner mit dem Flugzeug verreisen, sie nach der Landung mehrere Tage am Zielflughafen bleiben, damit ihre Seelen die Zeit haben, nachzukommen. Man kann sagen, sie haben ein kulturell intuitives Mittel, um in der heutigen überschleunigten Welt zurechtzukommen und nicht durchzudrehen. Sich Zeit lassen, nicht von Handlung zu Handlung hasten, nicht vor dem Moment und seiner Erfahrung wie seiner Verarbeitung entfliehen. Entfliegen. Man kann auch sagen, dass man das Flugzeug gar nicht erst zu besteigen braucht, wenn man die gewonnene Zeit ohnehin wieder durch Warten verliert. Da kann man auch die Landschaft dazwischen genießen.
Peer und ich wollen den Weg zum Ziel machen. Wir träumen von Zugreisen in Waggons voller fremder Menschen auf wackeligen Gleisen durch Reisfelder, eingetaucht in unendliches Grün. Wir wollen Busreisen über Gebirgspässe, mit den Hühnern des Sitznachbarn unfreiwillig oder freiwillig auf dem Schoß, umringt von allerlei Geschnatter und verrauchte Kartenspiele mit schmutzigen Matrosen auf Handelsschiffen auf allen Ozeanen. Nun gut, zwei Ozeanen. Aber immerhin Ozeanen. Romantik. Weniger Ritalin, mehr Baldrian, um es pharmakologisch auszudrücken.
Das ist der Plan. Bisher hapert es noch etwas an der Umsetzung, aber immerhin sind alle Vorbereitungen abgeschlossen. Na ja. Fast alle. Es besteht da noch ein unbedeutendes Visumsproblem, aber das ist in der Mache. China wird uns sicher Morgen mit einem Blumengruß unsere Visa überreichen. Und ich habe mir sagen lassen, das Putin den Medwedew telefonisch zur Eile aufgerufen hat, sich doch mit persönlich um die zeitnahe Ausstellung unserer russischen Visa zu bemühen. Wenn Medwedew seinen Anrufbeantworter abgehört hat, und der Wind nicht die Brieftaube nach Berlin verweht, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen, und am Freitag den 23.9. geht es los. Peer und ich hüpfen noch voneinander getrennt aber frohgemut in die Deutsche Bahn, schnurren nach Lübeck, treffen uns da, betreten noch viel froheren Mutes, nun endlich gemeinsam, die Fähre nach St Petersburg und verlassen diese dort wieder, hoffentlich noch immer gemeinsam, um im Gleichschritt den russischen Boden mit unseren Schuhsohlen zu begrüßen.
Hat sich schon einmal jemand darüber Gedanken gemacht, dass es eigentlich recht unhöflich ist, ein fremdes Land stets zu erst mit den Schuhsohlen zu berühren? Wieso ist bisher keine Kultur darauf gekommen, an der Grenze kurz inne zu halten, um den ersten Schritt in Neuland symbolisch auf Händen zu absolvieren? Man muss ja nicht gleich papstgleich den Boden küssen. Abgesehen davon, dass der vor dem Kuss auch immer erst ein paar Schritte macht. Und die zu küssende Stelle vorher penibel desinfiziert wird. Da werden Kriege um Länder geführt und echte Patrioten stellen ihr Land über alles, aber alle treten wir es mit Füßen. Und selbst wenn wir es berühren, dann nur frisch desinfiziert. Seufz.
Doch genug des symbolphilosophischen Exkurses, der Leser wird es mir verzeihen. Die Anspannung. Unsere Abreise war bereits auf mehrere Daten geplant. Zuletzt war der 10.9. im Gespräch gewesen. Sogar relativ lange. Was vorher war, das soll hier nicht interessieren. Eine Weltreise will wohl geplant sein. Will sie. Meine Eltern sagten früher gerne: „Möchte! Will gibt es nicht." Wohl denn. Eine Weltreise möchte wohl geplant sein. Kricht se aba nich. Ätsch. Kommt doch eh allet wiet will. Der Weg ist das Ziel! So sieht es aus. Fahren wir von China aus nach Indien? Und von da aus nach Osten? Oder Vietnam? Und von da aus nach Südwesten? Ich weiß es nicht. Das andere Ich weiß es auch nicht. Keiner weiß was. Aber bald geht es los. Bald werden wir es wissen. Bis dahin? Warten.
Beim Warten hat man vor allem viel Zeit für seltsame Blogeinträge. Ich glaube es wird wirklich Zeit, dass wir loskommen. Noch Fragen?
Jochen Müller
Kommentare zu "Aller Anfang sind Fragen. Und Warten."
Na endlisch
Meine lieben Freunde,
ich freue mich darauf, in Zukunft mehrmals die Woche hier reinzulesen. Mal mit einem Kaffee auf dem Tisch, mal mit einem Wein nach dem Fisch.
Ich werde eine treue Begleiterin sein. Euch die Daumen drücken. Mit euch bibbern. Manchmal den Kopf schütteln. Ich werde euch verfolgen. Auf der Karte.
Und an eurem Glück teilhaben!
Ich bin froh, dass es losgeht. Endlich. Yeah!
Die Reise kann beginnen.
Hals- und Beinbruch!
Lasst euch nicht erwischen.
Toi toi toi und adieu!
Re: Wech...

Danke. Solange Ihr das lest, sind wir ja nicht ganz aus der Welt, um Peer mal zu zitieren. Alles Gute nachträglich übrigens ;)
Re: Na endlisch

Juhu es geht! Wir freuen uns selber wie die Kinder über unser Blog und über jeden einzelnen Leser. Bleibt dran, es verspricht heiter zu werden. Morgen geht es nach Riga, unser Hostel mal wieder nur Spuckweite vom ZOB entfernt. Glück muss der Reisende haben. Bis bald, viele Grüße an die Heimat!
Ich wünsche euch viele aufregende Erlebnisse und offene Augen, Ohren und Nasen. Saugt die Eindrücke in euch auf und zehrt ein Leben lang daran. Mir bleibt nur mich von meinem Schreibtisch in die Ferne zu träumen. Euer Blog wird mir dabei helfen. Fliegen ohne Flügel von Tiziano Terzani zur einen und den Pc zur anderen Seite... Viel Spass!
Von nun an reise ich mit euch
Ich habe gerade diesen Blog entdeckt und fange hinten an zu lesen, dann geh ich mit euch auf die Reise. Der erste Eintrag hat mich schon gefesselt. Ein sehr schöner Schreibstil und ich ich werde mich denn langsam nach vorne arbeiten und hoffentlich am Ende eurer Reise alles gelesen haben. Ich weile selber gerade im Ausland, aber eine Reise wie ihr sie gerade erlebt ist auch ein Traum für mich. Ich habe noch ein bisschen Zeit. Viel Spaß euch noch auf den verbleibenden Etappen.
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Der Weg entsteht beim gehen!
Einen guten Weg euch Jungs! Habt Mut, Kraft und immer eine Handbreit Glück unter euren Schuhsohlen ;)