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6. Januar 2012
Weihnachten unter Palmen
Während unsere Leser in heimischen Gefilden trotz des unweihnachtlichen Wetters hoffentlich schöne Festtage verbracht haben, so hatten wir zum ersten Mal in unserem Leben ein echtes Kontrastprogramm: Weihnachten unter Palmen.
Von Macao aus begaben wir uns mit dem Bus nach Guangzhou - landläufig bekannt als Kanton. Leider hatten wir in dieser Stadt nur wenige Stunden, bevor es mit dem Nachtbus weitergehen sollte nach Haikou, der Hauptstadt der Insel Hainan. Unser Aufenthalt reichte gerade einmal, um sich zu orientieren, die Weiterfahrt zu organisieren und die berühmte kantonesische Küche einer kurzen Kostprobe zu unterziehen. Auch wenn es leider bei dieser bleiben sollte, so hielt sie doch, was wir uns davon versprachen.
© Bergholter Der Blick auf Haikou vom Schiff aus.
Wir haben es so gewollt
Die etwa zwölfstündige Fahrt nach Haikou wollten wir in bekannter Manier mit dem Nachtzug bewältigen. Doch in Macao war es unmöglich für chinesische (Festlands-) Züge Karten zu erstehen, weshalb wir uns erst vor Ort um diese bemühen konnten. Leider zu spät. Der Zug war bereits ausgebucht. Also wählten wir die einzige Alternative: den Nachtbus. Diese sind in China als Schlafbusse mit Stockbetten ausgelegt, wir sahen sie schon oft und waren uns einig: das wollen wir auch! Doch man sollte vorsichtig sein, mit dem was man sich wünscht...
Schon vor Betreten des Busses wurden uns Plastiktüten gereicht, in die wir unsere Schuhe packen sollten. Und da wir nicht die einzigen waren, die in Socken den (oder ganz ohne) den Bus bestiegen, schlug uns ein entsprechender Geruch entgegen. Geruch? Man möge mir den Euphemismus verzeihen.
© Bergholter Beengt: Der chinesische Schlafbus ist ein wahres Raumwunder - möglichst viele Menschen auf möglichst wenig Raum.
Dreireihig nebeneinander empfingen uns doppelstöckige Betten, deren Zwischenraum kaum Platz zum Passieren ließ. Ähnlich die Betten selbst: es war ein Ding der Unmöglichkeit, den Oberkörper mitsamt beider Schultern in das eiserne Gestell zu pressen. Die Füße fanden beengten Raum in einer Vorrichtung, die unter dem Kopf des Vordermanns lag. So man die Füße denn dort verstaute. Mein Hintermann zog es vor, seinen Füßen etwas Freiheit zu gönnen. Seine unbesockten Füße kamen gefühlt neben meinen Ohren zu liegen. Hier kommt man sich näher, auch wenn man keinen Schlaf findet.
Die Fahrt war definitiv ein Erlebnis, auch wenn wir uns schworen, künftig ein paar Yuan mehr für den Zug zu investieren. Aber wir haben es ja so gewollt.
Im Tropenparadies
Ohne viel Schlaf brachte uns der Bus zur Fähre nach Haikou, unserem Zielort. Nach der knapp zweieinhalbstündigen Überfahrt erreichten den Hafen von Haikou, wo uns ein Taxi ins Hostel brachte. Dort angekommen holten wir das nach, was uns in der Nacht zuvor versagt blieb: Schlaf. Etwas erholter begaben wir uns auf eine kleine Erkundungstour des näheren Umfelds. Sommerliche Temperaturen und Palmen wollten nicht so recht zu unserer vorweihnachtlichen Stimmung passen, boten uns aber genau das, was wir uns nach Russland, der Mongolei und dem winterlichen Norden Chinas erhofften: Einen ersten Hauch von Tropenparadies.
Frohes Fest!
© Bergholter Auch in China beliebt: Weihnachtskitsch.
Ein erster zarter Anflug von Weihnachtsstimmung kam dann tatsächlich auf, als wir die chinesischen Rezeptionisten in unserem Hotel oder an diversen Verkaufsständen in ihren Nikolausmützen sahen. Im Vordergrund übertrieben farbenfrohe Dekoration, im Hintergrund ein Gedudel von Weihnachtsschnulzen. Wobei die Mehrzahl hier nicht ganz richtig angewandt ist. Jingle Bells war das einzige Lied im Programm. Als Ausgleich wurde es dafür in einer Endlosschleife wiederholt. Der Versuch war aller Ehren wert, trotzdem wollte es nicht recht zum restlichen Flair von Haikou passen.
© Bergholter O du föhliche... Weihnachtsständchen auf der Straße in Haikou.
Was uns letztlich zum pünktlichen Eintreffen auf Hainan veranlasste, war die Ankunft unserer Herzdamen. Nach dreimonatiger Sehnsuchtsphase bekamen wir Besuch von unseren Freundinnen, mit denen wir Weihnachten und Silvester auf Hainan verbringen wollten. Und das taten wir. Ein schönes, wenn auch recht unkonventionelles Weihnachtsfest. Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Besuch das Hauptweihnachtsgeschenk war, doch haben wir uns auch über eine neue Lage Ohropax, die Einweg-Toiletten-Überzüge (die natürlich nicht auf chinesische Hockklos passen), das antiseptische Handgel oder das deutsche Deo gefreut, denn insbesondere letzteres ist in China nur schwer zu bekommen. Ein besonderes Highlight stellte ein Bündel Postkarten und Briefe aus der Heimat dar.
© Bergholter Es weihnachtet...
Statt der traditionellen Weihnachtsgans gab es dann ein wunderbares Hot Pot-Menü. Der Great-Wall-Rotwein aus lokaler Kelterei ließ uns den heimischen Dornfelder zwar nicht vergessen, aber die Palmen waren eine adäquate Alternative zur herkömmlichen Nordmanntanne.
© Bergholter Worauf es ankommt: Weihnachten im Kreise der Lieben.
Alles in Allem konnten wir am eigenen Leib erfahren, was einem daheim zwar hin und wieder gesagt wird, was man sich aber nur schwer vorstellen kann, wenn man es nicht selber erlebt hat. Weihnachten bedeutet mit seinen Lieben zusammen zu sein. Der Rest, also Tannen, Schnee, Kerzen, etc. ist zwar nett, aber nicht das eigentlich Wichtige. Wir vermissten zwar unsere Familien, konnten aber mit ihnen telefonieren und hatten mit unseren Freundinnen ein wundervolles Weihnachtsgeschenk bekommen. Insofern fehlte es uns an nichts. Frohes Fest!
von Peer Bergholter
Von Macao aus begaben wir uns mit dem Bus nach Guangzhou - landläufig bekannt als Kanton. Leider hatten wir in dieser Stadt nur wenige Stunden, bevor es mit dem Nachtbus weitergehen sollte nach Haikou, der Hauptstadt der Insel Hainan. Unser Aufenthalt reichte gerade einmal, um sich zu orientieren, die Weiterfahrt zu organisieren und die berühmte kantonesische Küche einer kurzen Kostprobe zu unterziehen. Auch wenn es leider bei dieser bleiben sollte, so hielt sie doch, was wir uns davon versprachen.
Wir haben es so gewollt
Die etwa zwölfstündige Fahrt nach Haikou wollten wir in bekannter Manier mit dem Nachtzug bewältigen. Doch in Macao war es unmöglich für chinesische (Festlands-) Züge Karten zu erstehen, weshalb wir uns erst vor Ort um diese bemühen konnten. Leider zu spät. Der Zug war bereits ausgebucht. Also wählten wir die einzige Alternative: den Nachtbus. Diese sind in China als Schlafbusse mit Stockbetten ausgelegt, wir sahen sie schon oft und waren uns einig: das wollen wir auch! Doch man sollte vorsichtig sein, mit dem was man sich wünscht...
Schon vor Betreten des Busses wurden uns Plastiktüten gereicht, in die wir unsere Schuhe packen sollten. Und da wir nicht die einzigen waren, die in Socken den (oder ganz ohne) den Bus bestiegen, schlug uns ein entsprechender Geruch entgegen. Geruch? Man möge mir den Euphemismus verzeihen.
Dreireihig nebeneinander empfingen uns doppelstöckige Betten, deren Zwischenraum kaum Platz zum Passieren ließ. Ähnlich die Betten selbst: es war ein Ding der Unmöglichkeit, den Oberkörper mitsamt beider Schultern in das eiserne Gestell zu pressen. Die Füße fanden beengten Raum in einer Vorrichtung, die unter dem Kopf des Vordermanns lag. So man die Füße denn dort verstaute. Mein Hintermann zog es vor, seinen Füßen etwas Freiheit zu gönnen. Seine unbesockten Füße kamen gefühlt neben meinen Ohren zu liegen. Hier kommt man sich näher, auch wenn man keinen Schlaf findet.
Die Fahrt war definitiv ein Erlebnis, auch wenn wir uns schworen, künftig ein paar Yuan mehr für den Zug zu investieren. Aber wir haben es ja so gewollt.
Im Tropenparadies
Ohne viel Schlaf brachte uns der Bus zur Fähre nach Haikou, unserem Zielort. Nach der knapp zweieinhalbstündigen Überfahrt erreichten den Hafen von Haikou, wo uns ein Taxi ins Hostel brachte. Dort angekommen holten wir das nach, was uns in der Nacht zuvor versagt blieb: Schlaf. Etwas erholter begaben wir uns auf eine kleine Erkundungstour des näheren Umfelds. Sommerliche Temperaturen und Palmen wollten nicht so recht zu unserer vorweihnachtlichen Stimmung passen, boten uns aber genau das, was wir uns nach Russland, der Mongolei und dem winterlichen Norden Chinas erhofften: Einen ersten Hauch von Tropenparadies.
Frohes Fest!
Was uns letztlich zum pünktlichen Eintreffen auf Hainan veranlasste, war die Ankunft unserer Herzdamen. Nach dreimonatiger Sehnsuchtsphase bekamen wir Besuch von unseren Freundinnen, mit denen wir Weihnachten und Silvester auf Hainan verbringen wollten. Und das taten wir. Ein schönes, wenn auch recht unkonventionelles Weihnachtsfest. Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Besuch das Hauptweihnachtsgeschenk war, doch haben wir uns auch über eine neue Lage Ohropax, die Einweg-Toiletten-Überzüge (die natürlich nicht auf chinesische Hockklos passen), das antiseptische Handgel oder das deutsche Deo gefreut, denn insbesondere letzteres ist in China nur schwer zu bekommen. Ein besonderes Highlight stellte ein Bündel Postkarten und Briefe aus der Heimat dar.
Statt der traditionellen Weihnachtsgans gab es dann ein wunderbares Hot Pot-Menü. Der Great-Wall-Rotwein aus lokaler Kelterei ließ uns den heimischen Dornfelder zwar nicht vergessen, aber die Palmen waren eine adäquate Alternative zur herkömmlichen Nordmanntanne.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Weihnachten unter Palmen"
"Weihnachten unter Palmen" kommentieren


***lol*** herrlich, eure Schilderung des Busses. Jetzt weiß ich definitiv, dass alle Schlafwagons in Zügen bisher echt o.k. waren. Auch die in Asien. War auch erstaunt, wie sehr Weihnachten ein Thema war, als ich die Zeit mal in Thailand verbrachte. Erstaunlich, erstaundlich...
Gute Reise weiterhin! L G Gabi (aus Wien)