Hauptinhalt
19. Dezember 2011
Was sonst noch war (3)
Der Bahnhof von Wuhan
Er war so ziemlich das einzige in der Stadt, was wir wirklich ausgiebig kennenlernen durften. Als wir nach der Jangtse-Fahrt abends mit dem Bus in Wuhan ankamen, war nicht mehr viel dran am Tag. Nach einer heißen Dusche aßen wir an einem kleinen Straßengrill in einer zugigen kleinen Seitengasse zu Abend. Dann fielen wir ins Bett und erholten uns von der Bootsfahrt.
Bahnhof Episode 1
Am folgenden Tag machten wir uns erstmals zum Bahnhof auf, um unsere Tickets für die Weiterfahrt zu kaufen. Leichtes Marschgepäck, ein für chinesische Verhältnisse gähnend leerer Bus und drei Stationen. Das war einfach. Ebenso einfach gestaltete sich der Fahrkartenkauf für den Nachtzug am nächsten Tag nach Hangzhou. Wir beschlossen, den Rückweg zu Fuß anzutreten und uns die Stadt etwas anzuschauen. Wir flanierten entlang der Hauptstraße, stießen in die bevölkerten kleinen Nebenstraßen und deckten uns mit Proviant für die bevorstehende Fahrt ein. Abends testeten wir weitere kleine Imbisse in der Nähe unserer Herberge aus. Den Rest des Tage verbrachten wir damit, soziale Kontakte zu pflegen (was ja hin und wieder auch sein muss) und ließen die Seele baumeln.
Bahnhof Episode 2
Am nächsten Tag stärkten wir uns für die knapp 16-stündige Zugfahrt mit einem ordentlichen Frühstück. Dann Sachen gepackt, geschultert und diesmal mit vollem Marschgepäck auf zum Bus. Doch er kam nicht. Wir warteten eine geschlagene halbe Stunde. Und wir wurden nervös. Wir hatten knapp kalkuliert. Doch endlich kam der Bus und diesmal war er sogar für chinesische Verhältnisse brechend voll. Egal. Einer vorne, einer hinten drückten wir uns und unsere Rucksäcke mit sanfter Gewalt noch hinein. Geschafft! Doch bereitete uns der dichte Verkehr Sorgen. Würden wir rechtzeitig zum Zug schaffen? Gerade so. Punktlandung nennt man das wohl. Wir stürzten in die Bahnhofshalle, kamen vor der Anzeige zum Stehen und rieben uns ungläubig die Augen: Nirgends war unser Zug angeschlagen! Uhrenvergleich: 10 vor Ultimo, alles im grünen Bereich. Der Blick auf das Ticket bestätigte uns: richtiger Bahnhof, richtiger Tag, richtige Zeit. Fahrscheinschwingend hechteten wir von Uniform zu Uniform und folgten den jeweiligen Fingerzeigen. Natürlich stets in unterschiedliche Richtungen. Eine viertel Stunde später hatten wir die Gewissheit: wir würden Wuhan an diesem Tage nicht verlassen.
Zurück ins Ticket-Center, in der Hoffnung auf Aufklärung. Am Fenster blieb die Frage nach dem Verbleib unseres Zuges unbeantwortet. Die Dame händigte uns lediglich achselzuckend und ohne weiteren Kommentar zwei neue Tickets für den gleichen Zug am Folgetag aus. Aber diesmal pünktlich sein, lautete ihr Rat. Na vielen Dank auch.
Also zurück ins Hostel, eine weitere Nacht in Wuhan ohne besondere Vorkommnisse. Obwohl, als wir zurückkehrten, platze die Herberge aus allen Nähten. Fotosession im Hof, viel einheimisches Jungvolk und beste Stimmung. Was war los? Wir fanden heraus, dass im großen Aufenthaltsraum ein Film seine Premiere feierte. Mit Sofas, Bänken, Beamer und Leinwand wurde ein Kinosaal hergerichtet, der zum Bersten gefüllt war. Wäre der Film nicht auf Chinesisch gewesen, hätten wir uns wohl auch dazu gesellt.
Bahnhof Episode 3
Diesmal sollte es klappen. Eingedenk der Worte der Fahrscheinverkäuferin fanden uns zweieinhalb Stunden vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof ein. Zwar blieben unsere Versuche, hier gleich die Zugtickets für die weitere Strecke zu kaufen, erfolglos, aber wenigstens fanden wir dieses Mal unseren Zug auf der Anzeigetafel. Und da wir überpünktlich waren, schafften wir es auch in diesen und schließlich nach Hangzhou.
© Bergholter Wie so oft fanden wir das beste Essen auf der Straße.
Was bleibt also von Wuhan? Ein schöner Bahnhof, der allerdings nicht zwingend dreimal besichtigt werden muss, munteres Treiben auf der Straße (wie andernorts hierzulande aber auch), ein sympathisches Hostel mit Charme und die Gewissheit, dass es auch hier an jeder Ecke gutes Essen gibt.
von Peer Bergholter
Er war so ziemlich das einzige in der Stadt, was wir wirklich ausgiebig kennenlernen durften. Als wir nach der Jangtse-Fahrt abends mit dem Bus in Wuhan ankamen, war nicht mehr viel dran am Tag. Nach einer heißen Dusche aßen wir an einem kleinen Straßengrill in einer zugigen kleinen Seitengasse zu Abend. Dann fielen wir ins Bett und erholten uns von der Bootsfahrt.
Bahnhof Episode 1
Am folgenden Tag machten wir uns erstmals zum Bahnhof auf, um unsere Tickets für die Weiterfahrt zu kaufen. Leichtes Marschgepäck, ein für chinesische Verhältnisse gähnend leerer Bus und drei Stationen. Das war einfach. Ebenso einfach gestaltete sich der Fahrkartenkauf für den Nachtzug am nächsten Tag nach Hangzhou. Wir beschlossen, den Rückweg zu Fuß anzutreten und uns die Stadt etwas anzuschauen. Wir flanierten entlang der Hauptstraße, stießen in die bevölkerten kleinen Nebenstraßen und deckten uns mit Proviant für die bevorstehende Fahrt ein. Abends testeten wir weitere kleine Imbisse in der Nähe unserer Herberge aus. Den Rest des Tage verbrachten wir damit, soziale Kontakte zu pflegen (was ja hin und wieder auch sein muss) und ließen die Seele baumeln.
Bahnhof Episode 2
Am nächsten Tag stärkten wir uns für die knapp 16-stündige Zugfahrt mit einem ordentlichen Frühstück. Dann Sachen gepackt, geschultert und diesmal mit vollem Marschgepäck auf zum Bus. Doch er kam nicht. Wir warteten eine geschlagene halbe Stunde. Und wir wurden nervös. Wir hatten knapp kalkuliert. Doch endlich kam der Bus und diesmal war er sogar für chinesische Verhältnisse brechend voll. Egal. Einer vorne, einer hinten drückten wir uns und unsere Rucksäcke mit sanfter Gewalt noch hinein. Geschafft! Doch bereitete uns der dichte Verkehr Sorgen. Würden wir rechtzeitig zum Zug schaffen? Gerade so. Punktlandung nennt man das wohl. Wir stürzten in die Bahnhofshalle, kamen vor der Anzeige zum Stehen und rieben uns ungläubig die Augen: Nirgends war unser Zug angeschlagen! Uhrenvergleich: 10 vor Ultimo, alles im grünen Bereich. Der Blick auf das Ticket bestätigte uns: richtiger Bahnhof, richtiger Tag, richtige Zeit. Fahrscheinschwingend hechteten wir von Uniform zu Uniform und folgten den jeweiligen Fingerzeigen. Natürlich stets in unterschiedliche Richtungen. Eine viertel Stunde später hatten wir die Gewissheit: wir würden Wuhan an diesem Tage nicht verlassen.
Zurück ins Ticket-Center, in der Hoffnung auf Aufklärung. Am Fenster blieb die Frage nach dem Verbleib unseres Zuges unbeantwortet. Die Dame händigte uns lediglich achselzuckend und ohne weiteren Kommentar zwei neue Tickets für den gleichen Zug am Folgetag aus. Aber diesmal pünktlich sein, lautete ihr Rat. Na vielen Dank auch.
Also zurück ins Hostel, eine weitere Nacht in Wuhan ohne besondere Vorkommnisse. Obwohl, als wir zurückkehrten, platze die Herberge aus allen Nähten. Fotosession im Hof, viel einheimisches Jungvolk und beste Stimmung. Was war los? Wir fanden heraus, dass im großen Aufenthaltsraum ein Film seine Premiere feierte. Mit Sofas, Bänken, Beamer und Leinwand wurde ein Kinosaal hergerichtet, der zum Bersten gefüllt war. Wäre der Film nicht auf Chinesisch gewesen, hätten wir uns wohl auch dazu gesellt.
Bahnhof Episode 3
Diesmal sollte es klappen. Eingedenk der Worte der Fahrscheinverkäuferin fanden uns zweieinhalb Stunden vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof ein. Zwar blieben unsere Versuche, hier gleich die Zugtickets für die weitere Strecke zu kaufen, erfolglos, aber wenigstens fanden wir dieses Mal unseren Zug auf der Anzeigetafel. Und da wir überpünktlich waren, schafften wir es auch in diesen und schließlich nach Hangzhou.
Was bleibt also von Wuhan? Ein schöner Bahnhof, der allerdings nicht zwingend dreimal besichtigt werden muss, munteres Treiben auf der Straße (wie andernorts hierzulande aber auch), ein sympathisches Hostel mit Charme und die Gewissheit, dass es auch hier an jeder Ecke gutes Essen gibt.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Was sonst noch war (3)"
"Was sonst noch war (3)" kommentieren


Himmel, mei Nerve, Karl die Droppe, ..... man kriegt Pickel vor Aufregung, wenn man Eure Reiseberichte liest. Alles noch mal gutgegangen. .....Und immer schön frohgemut bleiben. Weiter so