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28. Dezember 2011
Viva Macao!
Es gab für uns nur einen Grund, das Las Vegas des Ostens zu besuchen: Die zahllosen Casinos und die damit verbundene Hoffnung auf das schnelle Geld. Das zumindest waren meine Erwartungshaltung und der klar formulierte Anspruch an unsere einzige Nacht in Macao. Doch wider Erwarten hatte die Stadt noch mehr zu bieten.
© Jochen Müller Die Innenstadt Macaos ist eine Augenweide. Sowohl bei Tag...
© Jochen Müller ... als auch bei Nacht.
Übellaunig und nur widerwillig, weil völlig übermüdet, ließ ich mich nach unserer Ankunft in Macao zu einem Stadtspaziergang überreden. Die miese Laune verging jedoch schnell, als wir in die mit Menschen vollgestopften Gassen der Innenstadt eintauchten. Nicht so sehr wegen der Menschenmassen - die waren eher lästig, sondern wegen des unerwarteten Anblicks der sich bot. Macao wird stets mit Las Vegas verglichen und was den Neonglanz der Glücksspielmeile mit all dem dazugehörigen Kitsch angeht, so mag das durchaus stimmen. Im Gegensatz zu Vegas ist Macao jedoch kein reines Kunstprodukt, sondern blickt auf eine Geschichte mitsamt einer Epoche portugiesischer Kolonialherrschaft zurück. Und eben diese Zeit prägt das Stadtbild Macaos. Wunderschöne alte Kolonialbauten, die im Gegensatz zu anderen Baudenkmälern an anderen Orten nichts von ihrem Glanz eingebüßt haben, finden sich hier an jeder Ecke der Innenstadt. Einen schon fast perversen Kontrast dazu bilden die klassischen grauen Wohnblocks, wie man sie in vielen chinesischen Städten findet, sowie die langen Schatten, die die riesigen Casino-Gebäude über all das werfen. Aber auch wenn Macao mit weiteren Sehenswürdigkeiten, insbesondere im portugiesischen Kolonialstil, lockte, verzichteten wir auf Sightseeing. Um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: Die Aufbesserung unserer Reisekasse am Spieltisch.
© Jochen Müller Hier wollen Kolonialbauten bestaunt werden.
© Jochen Müller Und die Touristen tun dies gerne. In Scharen.
17+4
Nach einem kurzen Nickerchen und einem leichten Abendmahl machten wir uns erfrischt und gestärkt ans Werk. Das Budget war festgesetzt und die ersten Casinos ins Auge gefasst. Nach einem kurzen Rundgang durch die Spielhallen hatten wir einen groben Überblick, was hier neben den Daddel-Automaten so geboten wurde: Poker in unterschiedlichsten Varianten, Baccara noch und nöcher sowie Würfel- und Roulettespiel chinesischer Prägung. Sprich ohne Croupier und gänzlich elektronisch. Hier sitzen teilnahmslos dreinblickende Gestalten um verglaste Roulettescheiben oder vollautomatisch Glaskuppeln, in denen überdimensionierte Würfel rotieren und schieben die Banknoten oder Kreditkarten gleich in die entsprechende Vorrichtung am Spieltisch. Da ich aber weder Cowboy noch James Bond und erst recht kein Chinese bin, war das alles nichts für mich. Mein Spiel heißt Black Jack. Oder 17+4. Leicht überschaubares Reglement, das Kopfrechnen bis 21 bekomme ich gerade so noch hin und statistisch sind die Chancen des Spielers hierbei ziemlich gut. Doch man weiß ja, wie es sich mit Glücksspiel und Statistiken so verhält...
© Jochen Müller Das Lisboa ist älteren Semesters. Macht aber immer noch was her.
© Jochen Müller Das Lisboa bei Nacht. Bunt muss es sein.
Schlechtes Karma
Also visierte ich einen der Black Jack-Tische an, ließ mir von meinem Kassenwart ein wenig Spielgeld geben und setzte mich. Ein leichtes Schmunzeln umspielte die Mundwinkel der jungen Croupiers-Dame, als ich nach drei Minuten die ersten zweihundert Yuan (ca. 20 Euro) durchgebracht hatte und mir Jochen, der sich zunächst zurücknahm, weiteres Geld verweigerte. Das ging ja schon mal gut los. Nun denn, Location-Wechsel. Wir tingelten durch insgesamt vier Casinos, bis wir erneut im Grand Lisboa, dem größten, hässlichsten und mit Abstand kitschigsten Zocktempel Macaos (und darüber hinaus auch Wahrzeichen der Stadt) strandeten. Wie in den meisten Casinos lässt einen das Fehlen von Fenstern und Uhren das Vergehen der Zeit nicht bemerken. Etwa gegen Mitternacht waren wir uns einig: es muss etwas passieren, das Blatt muss sich wenden. Wir versuchten unser Glück zu erzwingen. Doch diesmal gelang uns das Kunststück, in noch kürzerer Zeit noch mehr Geld zu verlieren. Wir waren uns einig, dass die hiesige Croupiers-Hexe mit dem Teufel im Bunde sein musste. Jochen wollte bereits resigniert das Handtuch werfen, doch ich konnte ihn überreden, nicht sofort aufzugeben. Als alter Zocker weiß ich, dass man beim Glücksspiel nur geduldig auf seine Strähne warten muss. Man muss erst investieren, um schließlich den großen Wurf zu landen.
© Jochen MüllerDas Grand Lisboa. Schreiend hässlich
aber trotzdem Symbol der Stadt.
© Jochen MüllerHier verbrachten wir die Nacht.
Man achte auf die chinesische Flagge.
Fortunas Günstlinge
© Jochen Müller Das Wynn. Innen sehr geschmackvoll und stilsicher.
Leider. Denn das äußerte sich auch in den Mindeseinsätzen
an den Spieltischen.
Diese meine wasserdichte Theorie vermochte es jedoch nicht, den Verwalter unserer gemeinsamen Finanzen zu überzeugen. Also musste ich mein eigenes Konto plündern, den Tisch und den Croupier wechseln, um Fortunas Gunst zu erlangen. Und siehe da: Das Glück ist doch mit den Dummen. Beziehungsweise mit den Geduldigen. Nun, zu später Stunde, kamen die Blätter, wie sie kommen sollten. Unsere jetzige Geberin versprühte endlich gutes Karma oder aber ich hatte endlich meine Glückssträhne. Sichtlich beeindruckt ließ sich nun auch Jochen wieder zu einem Spielchen überreden. Und auch er schien dieses Mal von Fortuna geküsst zu sein. Die Chiptürme vor uns wuchsen analog zur aufkeimenden Spielsucht.
© Jochen Müller Das MGM. Auch nett. Auch zu teuer.
Doch mit dem Wahnsinn des Süchtigen im Blick ignorierte ich geflissentlich eine andere meiner goldenen Regeln beim Zocken: Rechtzeitig den Absprung finden! So kam es, dass sich aus meinen zwischenzeitlichen ansehnlichen Gewinnen, am Ende des Abends ein kleines aber verschmerzbares Minus ergab. Jochen hingegen ließ sich diesmal nicht von meinem (schlechten) Vorbild anstecken. Glücklicherweise. Verantwortungsbewusst hörte er auf zu spielen, als er unsere gemeinsame Reisekasse um knapp 100 Euro aufgestockt hatte. Wer weiß, wozu das noch mal gut sein wird.
Doch ich bin mir nach wie vor sicher, dass mir bei einer weiteren Nacht in Macao ein ähnliches, wenn nicht gar ein noch größeres Kunststück gelungen wäre...
von Peer Bergholter
Übellaunig und nur widerwillig, weil völlig übermüdet, ließ ich mich nach unserer Ankunft in Macao zu einem Stadtspaziergang überreden. Die miese Laune verging jedoch schnell, als wir in die mit Menschen vollgestopften Gassen der Innenstadt eintauchten. Nicht so sehr wegen der Menschenmassen - die waren eher lästig, sondern wegen des unerwarteten Anblicks der sich bot. Macao wird stets mit Las Vegas verglichen und was den Neonglanz der Glücksspielmeile mit all dem dazugehörigen Kitsch angeht, so mag das durchaus stimmen. Im Gegensatz zu Vegas ist Macao jedoch kein reines Kunstprodukt, sondern blickt auf eine Geschichte mitsamt einer Epoche portugiesischer Kolonialherrschaft zurück. Und eben diese Zeit prägt das Stadtbild Macaos. Wunderschöne alte Kolonialbauten, die im Gegensatz zu anderen Baudenkmälern an anderen Orten nichts von ihrem Glanz eingebüßt haben, finden sich hier an jeder Ecke der Innenstadt. Einen schon fast perversen Kontrast dazu bilden die klassischen grauen Wohnblocks, wie man sie in vielen chinesischen Städten findet, sowie die langen Schatten, die die riesigen Casino-Gebäude über all das werfen. Aber auch wenn Macao mit weiteren Sehenswürdigkeiten, insbesondere im portugiesischen Kolonialstil, lockte, verzichteten wir auf Sightseeing. Um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: Die Aufbesserung unserer Reisekasse am Spieltisch.
17+4
Nach einem kurzen Nickerchen und einem leichten Abendmahl machten wir uns erfrischt und gestärkt ans Werk. Das Budget war festgesetzt und die ersten Casinos ins Auge gefasst. Nach einem kurzen Rundgang durch die Spielhallen hatten wir einen groben Überblick, was hier neben den Daddel-Automaten so geboten wurde: Poker in unterschiedlichsten Varianten, Baccara noch und nöcher sowie Würfel- und Roulettespiel chinesischer Prägung. Sprich ohne Croupier und gänzlich elektronisch. Hier sitzen teilnahmslos dreinblickende Gestalten um verglaste Roulettescheiben oder vollautomatisch Glaskuppeln, in denen überdimensionierte Würfel rotieren und schieben die Banknoten oder Kreditkarten gleich in die entsprechende Vorrichtung am Spieltisch. Da ich aber weder Cowboy noch James Bond und erst recht kein Chinese bin, war das alles nichts für mich. Mein Spiel heißt Black Jack. Oder 17+4. Leicht überschaubares Reglement, das Kopfrechnen bis 21 bekomme ich gerade so noch hin und statistisch sind die Chancen des Spielers hierbei ziemlich gut. Doch man weiß ja, wie es sich mit Glücksspiel und Statistiken so verhält...
Schlechtes Karma
Also visierte ich einen der Black Jack-Tische an, ließ mir von meinem Kassenwart ein wenig Spielgeld geben und setzte mich. Ein leichtes Schmunzeln umspielte die Mundwinkel der jungen Croupiers-Dame, als ich nach drei Minuten die ersten zweihundert Yuan (ca. 20 Euro) durchgebracht hatte und mir Jochen, der sich zunächst zurücknahm, weiteres Geld verweigerte. Das ging ja schon mal gut los. Nun denn, Location-Wechsel. Wir tingelten durch insgesamt vier Casinos, bis wir erneut im Grand Lisboa, dem größten, hässlichsten und mit Abstand kitschigsten Zocktempel Macaos (und darüber hinaus auch Wahrzeichen der Stadt) strandeten. Wie in den meisten Casinos lässt einen das Fehlen von Fenstern und Uhren das Vergehen der Zeit nicht bemerken. Etwa gegen Mitternacht waren wir uns einig: es muss etwas passieren, das Blatt muss sich wenden. Wir versuchten unser Glück zu erzwingen. Doch diesmal gelang uns das Kunststück, in noch kürzerer Zeit noch mehr Geld zu verlieren. Wir waren uns einig, dass die hiesige Croupiers-Hexe mit dem Teufel im Bunde sein musste. Jochen wollte bereits resigniert das Handtuch werfen, doch ich konnte ihn überreden, nicht sofort aufzugeben. Als alter Zocker weiß ich, dass man beim Glücksspiel nur geduldig auf seine Strähne warten muss. Man muss erst investieren, um schließlich den großen Wurf zu landen.
aber trotzdem Symbol der Stadt.
Man achte auf die chinesische Flagge.
Fortunas Günstlinge
Leider. Denn das äußerte sich auch in den Mindeseinsätzen
an den Spieltischen.
Doch ich bin mir nach wie vor sicher, dass mir bei einer weiteren Nacht in Macao ein ähnliches, wenn nicht gar ein noch größeres Kunststück gelungen wäre...
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Viva Macao!"
Viva Macao
von Gisi Lamprecht
am 31.12.2011 um 10:52 Uhr
Donnerwetter, Jochen, soviel Standhaftigkeit beim Verwalten der Gelder, ick staune und ick wundre mir. Glückwunsch trotzdem zum Gewinn, das ist das Startgeld für 2012. Tolle Bilder!! Ansonsten dito Barbara O.
von Georg
am 31.12.2011 um 18:37 Uhr
Hallo Peer u. Jochen,
100 Euro Gewinn sind ein gutes Omen für 2012! weiterhin gute Reise und ein happy new year wünschen Euch
Leonci u. Georg
"Viva Macao!" kommentieren


Lieber Peer, lieber Jochen,
erneut vielen Dank für eure eindrucksvollen Berichte und die tollen Bilder! Super, die Gegenüberstellung der Tag-und Nacht-Aufnahmen!
Bei euren Casino-Besuchen wäre ich gerne Mäuschen gewesen, :-) ; nur Mäuschen deshalb, weil ich, wie du, Peer, bei einem zwischenzeitlichen Gewinn (im Vertrauen auf das Gesetz der Serie) wohl auch nicht aufgehört hätte... Wie gut, wenn man Jochen an seiner Seite hat :-) somit dürfte das heutige Silvester-Mahl gesichert sein!
Wir wünschen euch einen guten Beschluß und alles Gute für das Neue Jahr, weiterhin eine tolle Reise mit weiterhin so tollen Erlebnissen und dass das Geld nie ausgehen möge. Bleibt gesund und habt viel Spaß!
Ganz liebe Grüße vom Fan-Block aus KG
Barbara