Hauptinhalt
24. Dezember 2011
Shanghai. Zweiter Tag.
Den zweiten Tag in Shanghai verbrachten wir im Zentrum. Vom Ting'an Tempel aus schlenderten wir zum Volkspark und dem gleichnamigen Platz. Danach ließen wir den Tag auf den Straßen der französischen Konzession ausklingen. Die wehen Füße am Abend war es allemal wert.
Von Jing'an nach Huangpu
© Jochen Müller Der Jing'an Tempel im gleichnamigen Bezirk Shanghais.
Vom ursprünglichen Jing'an Tempel ist zwar nicht mehr viel übrig, aber das tat dem Eindruck keinen Abbruch.
© Jochen Müller Der Bronze Buddha im Haupttempel
Inmitten des hektischen Treibens der Nanjing Road gelegen, bietet er eine willkommene Abwechslung. Der alte Tempel wurde bereits 247 n.Chr. erbaut, doch nach seiner weitgehenden Zerstörung 1851 und den zusätzlichen Schäden während der Kulturrevolution ist von der Originalsubstanz wenig übrig geblieben. Man sieht den rohen Beton hervorschauen, das ganze Tempelareal sieht eher taufrisch denn steinalt aus. Zumal an manchen Ecken immer noch gebaut wird und die Außenseite der Tempelmauern von schicken Boutiquen und Restaurants belagert ist. Doch wie gesagt, staunen und sich daran erfreuen kann man trotzdem. 48 mächtige Säulen aus burmesischem Teak stützen die Haupthalle, in der ein mächtiger Buddha Erleuchtung verspricht. Auch der kleinere Buddha aus burmesischer Jade, der in einer Nebenhalle steht, ist prachtvoll. Leider durfte letzterer nicht fotografiert werden.
© Jochen Müller Man achte auf die Betonwände. Der Jing'an Tempel ist zu 95% neu und nur zu 5% alt. Aber trotzdem schön.
© Jochen Müller Die Nanjing Road. Gucci, Prada und Konsorten.
Wir gingen über die Nanjing Road, eine große Meile, gesäumt von Boutiquen aller namhaften Designer, in Richtung Osten, vom Bezirk Jing'an aus nach Huangpu und wunderten uns. Wo war der Schmutz einer normalen Großstadt? Mehr noch, wo waren die Straßengrills und die fliegenden Händler die das Straßenbild anderer chinesischer Städte prägen? Sie waren nicht da, und wir sahen sie auch erst, als wir später am Tag in der französischen Konzession genauer hinschauten. Was uns in Peking und Xi'an so entgegen gesprungen war, was uns sowohl in Chengdu als auch in Chongqing, in Wuhan wie in Hangzhou das Gefühl vermittelt hatte, das prägende Element einer chinesischen Stadt zu sein, es fehlte hier völlig. Wir liefen durch diese Meile und kamen uns vor wie in einer europäischen oder nordamerikanischen Großstadt. Wären da nicht die vielen Chinesen auf der Straße gewesen, wir hätten den Unterschied kaum bemerkt. Wobei hier noch zu anzumerken sei, dass wir in Shanghai mehr Nicht-Asiaten auf den Straßen sahen, als in allen anderen chinesischen Städten. Deutlich mehr. Dass Shanghai das internationale Handelszentrum Chinas ist, kann man nicht übersehen.
Teezeremonie? Nicht mit uns!
© Jochen Müller Der Volkspark (Renmin Park) im Zentrum Shanghais. Eine Insel der Ruhe im hektischen Treiben dieser Goßstadt.
Im Renmin Park, dem Volkspark, erlebten wir etwas, wovor wir zwar wiederholt gewarnt worden waren, was wir aber nicht recht ernst nahmen, bis es und gleich zwei mal hintereinander passierte. Uns sprachen Gruppen junger Chinesen auf sehr gutem Englisch und bisweilen Deutsch an.
© Jochen Müller Erst ein Foto und dann Tee? Vorsicht!
Erst baten sie uns, ein Foto von ihnen zu machen, was wir natürlich gerne taten. Dann begann ein scheinbar zufälliges Gespräch. Die jeweils zwei jungen Männer und Frauen fragten uns nach unserer Herkunft, kramten sogleich ein oder zwei deutsche Floskeln hervor und freuten sich sehr, dass uns China so gut gefiel. Sie erzählten, dass sie Studenten seien und ebenso wie wir in Shanghai, um die Stadt zu erleben. Und nun, da man sich so freundschaftlich begegnet war, was lag da näher als gemeinsam einen Tee zu trinken? Natürlich kannten sie ein Teehaus, welches besonders zu empfehlen sei, um eine traditionelle Teezeremonie zu erleben. Doch wie gesagt, wir waren gewarnt. Sowohl in Peking als auch in Shanghai hatte man uns in unserem Hostel ausdrücklich davor gewarnt mit diesen Leuten mit zu gehen. Was passiert, wenn man es doch tat, musste unser britischer Freund erleben, den wir in Peking aus den Augen verloren hatten, und der die Warnung wohl vergessen hatte. Man landet in einem Teehaus, bekommt dort keine Teezeremonie, sondern eine normale Tasse Tee vorgesetzt und wird teilweise mit einer Rechnung von stolzen 200 Euro sitzen gelassen. Ja, 200 Euro, keine Yuan. Unser Freund rettete sich durch eine spontane Flucht aus diesem Dilemma, die ihm glücklicherweise gelang. Wir hatten dies, und die Warnungen aus den Hostels, in noch guter Erinnerung und lehnten beide Male so lange dankend ab, bis die „Studenten" aufgaben. Glück gehabt.
© Jochen Müller Der Volksplatz (Renmin Platz) gleich südlich des gleichnamigen Parks.
Auf ein Tänzchen im Fuxing Park
© Jochen Müller Mitten im Fuxing Park geht die Post ab.
Auf dem Weg zur französischen Konzession gingen wir durch den Fuxing Park, wo wir nicht schlecht staunten, als wir mit einem Mal Musik hörten und uns inmitten einer Tanzveranstaltung der besonderen Art wiederfanden.
© Jochen Müller
© Jochen Müller
© Jochen Müller
Wir hatten bereits davon gehört, doch es zu sehen versetzte uns in freudiges Staunen. Mitten auf einer Wegkreuzung in diesem Park stand eine große Musikanlage aus der abwechselnd chinesische, europäische und amerikanische Lieder dröhnten. Darum versammelten sich an die zwei Dutzend Paare, die die angenehm warme Luft bei einem Tänzchen genossen. Das besondere daran: keines der Paare schien jünger als 60 zu sein. Während man daheim in Deutschland hin und wieder das Gefühl bekommt, man müsse sich im Alter verstecken, so gewannen wir hier den Eindruck als sei die Rente dazu da, gefeiert zu werden. Die Knochen halten noch, also raus auf die Straße und hoch das Tanzbein, so lange es noch geht. Richtig so. So manches Pärchen lies uns anerkennend nicken, wenn die Drehung bei einem langsamen Walzer oder einer Rumba besonders elegant erfolgte. Man konnte sehen wie sehr sie es genossen, teilweise mit geschlossenen Augen und völlig in die Musik versunken. Alleine zuzuschauen machte Freude. Unweit von dem öffentlichen „Tanzparkett" gab es einen kleinen Weiher, an dem eine Gruppe älterer Herren ihre Spielzeuge ausprobierte. Da standen sie also, etwa ein Dutzend Männer und ließen ihre ferngesteuerten Rennboote über das Wasser flitzen und freuten sich dabei wie kleine Jungs. Nebenan saßen weitere Herren und spielten Mahjong oder Karten, die einen vertieft, die anderen wild aber freundlich diskutierend. Wir kamen nicht umhin ihnen allen Respekt zu zollen. Nach sicherlich einem Leben voller Arbeit hatten sie ihren Teil getan. Die freie Zeit der Rente und das Vergnügen es im Park mit ihren Bekannten auszuleben, haben sie sich wohl verdient. Und den Genuss dabei konnte man ihnen ansehen. Wir blickten uns an und dachten wohl beide dasselbe. Wenn wir im Rentenalter unser Leben so genießen können, dann haben wir alles richtig gemacht.
© Jochen Müller Auf ein Spielchen im Park.
Die französische Konzession
© Jochen Müller Die französische Konzession. Hippe Wohngegend für die, die es sich leisten können.
Den Abschluss des Tages bildeten die Straßen der französischen Konzession. Dies ist kein offizieller Name eines Bezirks sondern die Gegend, in denen die Franzosen um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Konzession gründeten. Heute erstreckt sich dieses Gebiet über die Bezirke Luwan, Xuhui sowie Teile von Changning und Jing'an.
© Jochen Müller sind nett anzusehende Alleen.
© Jochen Müller Die Gassen in der französischen Konzession
Die Straßen sind hier deutlich kleiner als rund um die Nanjing Road oder in Pudong, sie sind eingefasst von Bäumen und bieten durchaus das bis dahin vermisste Leben auf der Straße. Trotzdem hatte es nicht die Ausmaße wie in Peking oder Chongqing. Abgesehen davon merkt man der Gegend an, wie hip und stylisch sie ist. Für unseren Geschmack etwas zu hip, aber das war dann auch nicht so wichtig. Wir schlenderten herum, betrachteten die Auslagen in den Geschäften und ließen uns einfach treiben, bis uns die Füße so weh taten, dass wir nicht mehr weiter konnten und wollten. Man kann ja vieles über Shanghai sagen, aber klein ist es mit Sicherheit nicht.
Am Abend belohnten wir uns mit einem Essen in einem der köstlichen muslimischen Restaurants und fielen völlig fertig in die Betten.
Jochen Müller
Von Jing'an nach Huangpu
Vom ursprünglichen Jing'an Tempel ist zwar nicht mehr viel übrig, aber das tat dem Eindruck keinen Abbruch.
Teezeremonie? Nicht mit uns!
Im Renmin Park, dem Volkspark, erlebten wir etwas, wovor wir zwar wiederholt gewarnt worden waren, was wir aber nicht recht ernst nahmen, bis es und gleich zwei mal hintereinander passierte. Uns sprachen Gruppen junger Chinesen auf sehr gutem Englisch und bisweilen Deutsch an.
Auf ein Tänzchen im Fuxing Park
Auf dem Weg zur französischen Konzession gingen wir durch den Fuxing Park, wo wir nicht schlecht staunten, als wir mit einem Mal Musik hörten und uns inmitten einer Tanzveranstaltung der besonderen Art wiederfanden.
Die französische Konzession
Den Abschluss des Tages bildeten die Straßen der französischen Konzession. Dies ist kein offizieller Name eines Bezirks sondern die Gegend, in denen die Franzosen um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Konzession gründeten. Heute erstreckt sich dieses Gebiet über die Bezirke Luwan, Xuhui sowie Teile von Changning und Jing'an.
Die Straßen sind hier deutlich kleiner als rund um die Nanjing Road oder in Pudong, sie sind eingefasst von Bäumen und bieten durchaus das bis dahin vermisste Leben auf der Straße. Trotzdem hatte es nicht die Ausmaße wie in Peking oder Chongqing. Abgesehen davon merkt man der Gegend an, wie hip und stylisch sie ist. Für unseren Geschmack etwas zu hip, aber das war dann auch nicht so wichtig. Wir schlenderten herum, betrachteten die Auslagen in den Geschäften und ließen uns einfach treiben, bis uns die Füße so weh taten, dass wir nicht mehr weiter konnten und wollten. Man kann ja vieles über Shanghai sagen, aber klein ist es mit Sicherheit nicht.
Am Abend belohnten wir uns mit einem Essen in einem der köstlichen muslimischen Restaurants und fielen völlig fertig in die Betten.
Jochen Müller
"Shanghai. Zweiter Tag." kommentieren

