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23. Dezember 2011
Shanghai. Erster Tag.
Stahl und Glas. Blitzblank. Eine Metropole die New York oder London in nichts nachsteht. Alles ist neu und modern. Wohnblocks und Wolkenkratzer überall, riesenhoch. Der Transrapid und andere Wunder der Moderne. Das alles ist Shanghai. Das war es dann aber auch schon. In anderen Städten, wie den oben genannten, oder auch in Peking, da steckt das Moderne und Sterile in dem Alten, Gewachsenen, wie Kerzen in einer Torte.
Es ist dieses lang Gewachsene wo die Seele einer Metropole wohnt, das Spezielle, was vielen Städten ihren individuellen Charakter verleiht. Orte, die einem nach einem einzigen Augenblick verraten wo man ist, weil diese Orte das Wesen der Stadt ausmachen. Genau diese Orte habe ich in Shanghai vermisst. Shanghai hat Effizienz und Moderne. Sogar sehr viel davon. Aber hat es einen unverwechselbaren Charakter? Ich weiß es nicht.
Doch bevor uns Kommentare erreichen, die uns andere Orte auch in Shanghai empfehlen. Natürlich konnten wir in kaum vier Tagen nicht die ganze Stadt erkunden. Doch um den Duft einer Stadt zu schnuppern reichen vier Tage. Es waren vier Tage, die wir zumeist zu Fuß auf den Straßen Shanghais verbrachten. Und selbst in der französischen Konzession oder am Stadtrand in Qibao, selbst dort in den kleinen Gässchen hatte man das Gefühl, als sei alles erst kürzlich gebaut worden um alt zu wirken. Die Stadt Shanghai ist zweifellos eindrucksvoll und definitiv eine Reise wert. Wer in China ist muss sie sich einfach ansehen, alles andere wäre unverständlich. Aber wer den Charakter einer chinesischen Stadt sucht, wer das pulsierende Leben auf den Straßen und Hutongs sucht, der wird es hier nicht finden. Diese Stadt, die vor gut 150 Jahren noch ein sumpfiges Fischerdorf war, ist ein Artefakt. Ein Kunstprodukt. Es ist für den Handel gemacht, es ist das Symbol für das Höher, Schneller, Weiter einer Weltmacht. Und genau so sieht es auch aus.
© Jochen Müller Der Blick vom Bund aus auf die Skyline Pudongs ist nicht nur bei Tag eindrucksvoll...
Das alte und das neue Shanghai treffen sich am Bund
© Jochen Müller Der Bund in Shanghai. Hier boomte Shanghai bereits Anfang des 20. Jahrhunderts.
Den Tag unserer Ankunft begannen wir am Bund. Das ist das Ufer des Jangtse, wo man um die Ecke geht und erst einmal baff stehen bleibt, so dass einem Leute in den Rücken rennen, die diesen Ort bereits gewohnt sind. Von einem Moment auf den anderen steht man vor der Skyline Pudongs am anderen Ufer des Huanpu Jiang. Und ja, es ist eine Skyline. Aber was für eine! Hier sind sie alle versammelt, die Wolkenkratzer, die man auf jedem Bild sieht, in dem der Fortschritt Chinas bildgewaltig und mit Symbolcharakter umgesetzt wurde. Der Oriental Pearl Tower mit seinen zwei großen Kugeln, der Jin Mao Tower oder das Shanghai World Financial Centre. Sie überragen die ganze Stadt. Man legt den Kopf in den Nacken und hält sich dabei unwillkürlich die Mütze fest, selbst wenn diese Monstrositäten auf der anderen Seite des Flusses stehen. Beinahe vergisst man sich den Bund selber anzusehen, mit seinen neoklassizistischen Gebäuden des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Immerhin war es hier, wo der Aufschwung Chinas begann. Doch die Türme Pudongs stellen alles in den Schatten. Wir liefen das Ufer ein wenig auf und ab und wollten mehr. Wir wollten da drüben hin. Doch wie hinkommen? Eine Brücke war nicht zu sehen. So etwas scheint für eine Stadt wie Shanghai zu banal. Hier gibt es neben den Fähren einen extra Tunnel für Touristen wie uns. Den Sightseeing Tunnel. In unserem Reiseführer heißt es, die Fahrt hindurch sei „ein psychedelische Erlebnis", was nicht zu viel versprochen ist. Ich könnte es nicht besser beschreiben. Bunte Lichter tanzen zu sphärischen Klängen um einen herum, während man in kleinen gläsernen Gondeln sitzt und den Mund vor lauter Fassungslosigkeit nicht mehr zu bekommt. Kitsch? Ja klar, zum Quadrat, mindestens. Aber nicht nur das. Es ist einfach ein Erlebnis, ich fand es großartig.
© Jochen Müller Der Sightseeing Tunnel. Kitsch hoch zehn. Aber trotzdem schön.
© Jochen Müller Alles glitzert und blinkt. Dazu sphärische Klänge und geheimnisvolle Stimmen. Herrlich.
Die Wolkenkratzer Pudongs
© Jochen Müller Links das Shanghai World Financial Center
und rechts der Jing Mao Tower.
© Jochen Müller Der Oriental Pearl Tower.
Am anderen Ufer des Jangtse stiegen wir in den Schluchten der Wolkenkratzer aus. Auf welchen wollten wir? Da wir weder das Geld noch die Zeit hatten auf mehrere zu gehen, entschieden wir uns für den höchsten. Das Shanghai World Financial Centre. Dort liegt im hundertsten Stockwerk die höchste Besucherplattform der Welt. Abgesehen davon hat es den Vorteil, dass man die anderen Wolkenkratzer vor sich hat, was einem mit einem Blick das kombinierte Panorama aus anderen Wolkenkratzern, dem Fluss und der Stadt dahinter bietet. Zwar lag Shanghai, wie nicht anders erwartet, unter einer Dunstglocke, doch sie war im Gegensatz zu dem, was wir in anderen Städten Chinas erlebt hatten, kaum der Rede wert. Das Panorama war nicht anders als spektakulär zu bezeichnen. Ich denke die Bilder sprechen für sich.
© Jochen Müller Der Ausblick vom Shanghai World Financial Center. Auch nicht schlecht...
© Jochen Müller Auf der anderen Seite des Flusses liegt der Bezirk Jing'an im Dunst.
© Jochen Müller Der Glasboden im hundertsten Stockwerk ist etwas für Hartgesottene.
Wieder am Boden fuhren wir durch den Sightseeing Tunnel zurück, ergötzten uns ein weiteres Mal an dieser Reise und konnten danach vom Bund aus die Skyline in der zunehmenden Dunkelheit erleben. Sie ist wahrlich bei jedem Licht staunenswert.
Wir standen dort, schossen uns die Kamera wund und gingen mit dem Gefühl zu Bett für einen Tag mehr als genug gesehen zu haben.
© Jochen Müller Die Skyline Pudongs ist auch bei Nacht eine Augenweide.
Jochen Müller
Es ist dieses lang Gewachsene wo die Seele einer Metropole wohnt, das Spezielle, was vielen Städten ihren individuellen Charakter verleiht. Orte, die einem nach einem einzigen Augenblick verraten wo man ist, weil diese Orte das Wesen der Stadt ausmachen. Genau diese Orte habe ich in Shanghai vermisst. Shanghai hat Effizienz und Moderne. Sogar sehr viel davon. Aber hat es einen unverwechselbaren Charakter? Ich weiß es nicht.
Doch bevor uns Kommentare erreichen, die uns andere Orte auch in Shanghai empfehlen. Natürlich konnten wir in kaum vier Tagen nicht die ganze Stadt erkunden. Doch um den Duft einer Stadt zu schnuppern reichen vier Tage. Es waren vier Tage, die wir zumeist zu Fuß auf den Straßen Shanghais verbrachten. Und selbst in der französischen Konzession oder am Stadtrand in Qibao, selbst dort in den kleinen Gässchen hatte man das Gefühl, als sei alles erst kürzlich gebaut worden um alt zu wirken. Die Stadt Shanghai ist zweifellos eindrucksvoll und definitiv eine Reise wert. Wer in China ist muss sie sich einfach ansehen, alles andere wäre unverständlich. Aber wer den Charakter einer chinesischen Stadt sucht, wer das pulsierende Leben auf den Straßen und Hutongs sucht, der wird es hier nicht finden. Diese Stadt, die vor gut 150 Jahren noch ein sumpfiges Fischerdorf war, ist ein Artefakt. Ein Kunstprodukt. Es ist für den Handel gemacht, es ist das Symbol für das Höher, Schneller, Weiter einer Weltmacht. Und genau so sieht es auch aus.
Das alte und das neue Shanghai treffen sich am Bund
Den Tag unserer Ankunft begannen wir am Bund. Das ist das Ufer des Jangtse, wo man um die Ecke geht und erst einmal baff stehen bleibt, so dass einem Leute in den Rücken rennen, die diesen Ort bereits gewohnt sind. Von einem Moment auf den anderen steht man vor der Skyline Pudongs am anderen Ufer des Huanpu Jiang. Und ja, es ist eine Skyline. Aber was für eine! Hier sind sie alle versammelt, die Wolkenkratzer, die man auf jedem Bild sieht, in dem der Fortschritt Chinas bildgewaltig und mit Symbolcharakter umgesetzt wurde. Der Oriental Pearl Tower mit seinen zwei großen Kugeln, der Jin Mao Tower oder das Shanghai World Financial Centre. Sie überragen die ganze Stadt. Man legt den Kopf in den Nacken und hält sich dabei unwillkürlich die Mütze fest, selbst wenn diese Monstrositäten auf der anderen Seite des Flusses stehen. Beinahe vergisst man sich den Bund selber anzusehen, mit seinen neoklassizistischen Gebäuden des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Immerhin war es hier, wo der Aufschwung Chinas begann. Doch die Türme Pudongs stellen alles in den Schatten. Wir liefen das Ufer ein wenig auf und ab und wollten mehr. Wir wollten da drüben hin. Doch wie hinkommen? Eine Brücke war nicht zu sehen. So etwas scheint für eine Stadt wie Shanghai zu banal. Hier gibt es neben den Fähren einen extra Tunnel für Touristen wie uns. Den Sightseeing Tunnel. In unserem Reiseführer heißt es, die Fahrt hindurch sei „ein psychedelische Erlebnis", was nicht zu viel versprochen ist. Ich könnte es nicht besser beschreiben. Bunte Lichter tanzen zu sphärischen Klängen um einen herum, während man in kleinen gläsernen Gondeln sitzt und den Mund vor lauter Fassungslosigkeit nicht mehr zu bekommt. Kitsch? Ja klar, zum Quadrat, mindestens. Aber nicht nur das. Es ist einfach ein Erlebnis, ich fand es großartig.
© Jochen Müller Der Sightseeing Tunnel. Kitsch hoch zehn. Aber trotzdem schön.
© Jochen Müller Alles glitzert und blinkt. Dazu sphärische Klänge und geheimnisvolle Stimmen. Herrlich.Die Wolkenkratzer Pudongs
und rechts der Jing Mao Tower.
Am anderen Ufer des Jangtse stiegen wir in den Schluchten der Wolkenkratzer aus. Auf welchen wollten wir? Da wir weder das Geld noch die Zeit hatten auf mehrere zu gehen, entschieden wir uns für den höchsten. Das Shanghai World Financial Centre. Dort liegt im hundertsten Stockwerk die höchste Besucherplattform der Welt. Abgesehen davon hat es den Vorteil, dass man die anderen Wolkenkratzer vor sich hat, was einem mit einem Blick das kombinierte Panorama aus anderen Wolkenkratzern, dem Fluss und der Stadt dahinter bietet. Zwar lag Shanghai, wie nicht anders erwartet, unter einer Dunstglocke, doch sie war im Gegensatz zu dem, was wir in anderen Städten Chinas erlebt hatten, kaum der Rede wert. Das Panorama war nicht anders als spektakulär zu bezeichnen. Ich denke die Bilder sprechen für sich.
Wieder am Boden fuhren wir durch den Sightseeing Tunnel zurück, ergötzten uns ein weiteres Mal an dieser Reise und konnten danach vom Bund aus die Skyline in der zunehmenden Dunkelheit erleben. Sie ist wahrlich bei jedem Licht staunenswert.
Wir standen dort, schossen uns die Kamera wund und gingen mit dem Gefühl zu Bett für einen Tag mehr als genug gesehen zu haben.
Jochen Müller
Kommentare zu "Shanghai. Erster Tag."
die Zukunft
von Melanie
am 23.12.2011 um 12:39 Uhr
Krass, Shanghai sieht aus wie ein futuristisches Modell einer Stadt in 2070. Habe sofort Raumschiff Enterprise (ihr erinnert Euch, der kultige Vorgänger der Star Trek Serie??) im Kopf. Wirklich beeindruckend und die von Dir beschriebene Unechtheit kommt in den Bildern gut rüber.
Wünsche Euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, wo auch immer auf der Welt ihr das feiern werdet :-)
"Shanghai. Erster Tag." kommentieren


Habt vielen Dank für die eindrucksvollen Berichte! Euch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, welches euch hoffentlich noch viele spannende Abenteuer, einmalige Erlebnissse, kulinarische Höhepunkte und genügend Stoff zum Hinterfragen gibt.
Viele Grüße aus Leipzig, Claudia