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1. Dezember 2011
Rund um die verbotene Stadt
Tian'anmen, der Platz des himmlischen Friedens
Dieser mit fast 40 Hektar größte befestigte Platz der Welt ist der in Deutschland mit Sicherheit bekannteste Platz in China. Er liegt im Zentrum Pekings und ist wirklich wahnsinnig groß. Ich musste an den roten Platz in Moskau denken und konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass der Tian'anmen wir gemacht zu sein schien für Militärparaden, während man sich auf dem roten Platz fragt, wie dort zwei Panzer nebeneinander fahren können ohne irgendwo anzustoßen. Hier können zwei ganze Kolonnen Panzer nebeneinander fahren, ohne, dass sich die zwei Kompanien Grenadiere daneben quetschen müssen.
© Jochen Müller Auf dem Tian'anmen
Im Norden wird der Platz vom Tor des himmlischen Friedens begrenzt, welches den Eingang zur verbotenen Stadt darstellt. Richtig übersetzt heißt der Platz deshalb eigentlich Platz vor dem Tor des himmlischen Friedens. Auf der Südseite des Platzes steht seit 1976 das Mausoleum Mao Zedongs, welches wir nur von außen bestaunt haben. Ungefähr in der Mitte des Platzes steht ein großer Obelisk, das Denkmal für die Helden des Volkes, zum Westen hin wird der Platz von der großen Halle des Volkes begrenzt, zum Osten hin vom Chinesischen Nationalmuseum. Vom Tor des himmlischen Friedens lächelt einem Maos Porträt entgegen und erinnert einen daran, wo genau man sich hier befindet. Obwohl man das auch ohne ihn nicht vergessen hätte.
Man steht in der Mitte des Platzes mit dem Gefühl im wahrsten Sinne des Wortes mitten in China zu sein. Mittiger geht es wohl kaum.
© Jochen Müller Das Tor des himmlischen Friedens.
Wir standen dort, nachdem wir uns der diversen Souvenirverkäufer erwehrt hatten und drehten uns im Kreise. Dabei fiel eines auf. Man ist hier nicht allein. Ich rede hier nicht von anderen Besuchern oder Verkäufern. Ich rede auch nicht von offensichtlichen Polizisten oder Soldaten. Man ist offensichtlich unoffensichtlich unter Beobachtung. An jeder der zahlreichen Laternen auf dem Platz hängen mindestens ein halbes Dutzend Kameras, die in alle Richtungen den Platz filmen. Zusätzlich laufen ein paar Männer über den Platz, die irgendetwas an sich haben, das einem bei genauerem Hinsehen den Eindruck vermittelt, als passen sie nicht hier hin. Sie verhalten sich nicht auffällig, eher auffällig unauffällig. Und auch, wenn sie keinen Kopf im Ohr haben, so besteht kein Zweifel, wieso sie hier sind. Ich vermag es nicht in Worte zu fassen, woran ich es erkannte, aber ich sah mich genau um und war mir zu oft zu sicher Ordnungshüter in Zivil zu sehen. Von da an gingen wir alle mit leicht hoch gezogenen Schultern über diesen Platz. Man weiß genau, was hier 1989 passierte, jeder von uns war alt genug um sich an die Bilder zu erinnern und zu wissen, warum hier so viel Soldaten, Polizisten und zivile Aufpasser herumlaufen. Der Tian'anmen ist eindrucksvoll und ein Muss für jeden Peking Besucher. Aber es ist kein Ort um mit seinem Kind ein heiteres Ballspiel zu beginnen oder einen Luftballon platzen zu lassen.
© Jochen Müller Tian'anmen bei Nacht.
© Jochen Müller Tian'anmen bei Nacht
Die verbotene Stadt
© Jochen Müller Die verbotene Stadt im Herzen Pekings.
© Jochen MüllerEiner der unzähligen Thronsäle
Der Kaiserpalast im Herzen Chinas, den meisten als verbotene Stadt bekannt, war über 500 Jahre lang der Hauptsitz der chinesischen Kaiser. Von 1406 bis 1420 wurde er in Rekordzeit errichtet. Über eine Million Arbeiter, davon 90% Sklaven, arbeiteten gleichzeitig an dieser 720.000 Quadratmeter großen Anlage. Über 400 Jahre lang durfte sich kein Normalbürger dem Palastgelände auch nur nähern, geschweige denn es betreten. Erst seit der Revolution 1911 ist das Gelände wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Wir hatten Glück, dass sich an dem Tag, als wir den Palast besuchten, der Smog für ein paar Stunden lichtete und die Sonne am blauen Himmel stand. Das Farbenspiel wäre sonst nicht zur Geltung gekommen. Die Mauern in Blutrot gehalten, die Dächer alle in gelb (der Farbe der Kaiser), präsentiert sich das Innere der verbotenen Stadt als eine nicht enden wollende Ansammlung von kleinen Sälen und Palästen. Im Gegensatz zu europäischen Schlössern und Palästen, die aus einem einzelnen, großen Gebäude mit vielen Zimmern bestehen, ist der Kaiserpalast wirklich eher wie eine Stadt aufgebaut.
© Jochen MüllerErholung in einem der Gärten.
Daher auch der Name. Die einzelnen Gebäude sind durch Plätze und Treppen miteinander verbunden, von Mauern getrennt oder von Gärten umgeben. Alle sind sie in der klassischen chinesischen Bauweise gehalten, dennoch gleicht kein Hof, kein Platz oder Palastsaal dem anderen. Wir wanderten durch dieses riesige Gelände, hörten irgendwann auf die Thronsäle zu zählen, nachdem wir bereits beim Betreten des Geländes aufgehört hatten zu zählen durch das wievielte Tor wir nun bereits beschritten waren, bevor wir überhaupt am Kassenhäuschen angekommen waren. Es wird einem schnell klar, dass die chinesischen Kaiser völlig getrennt von seinem Volk gelebt haben. Umgeben von beinahe 900 Palästen, alle eingefasst von einer zehn Meter hohen Mauer, hinter der noch ein sechs Meter breiter Wassergraben liegt, hätte kein chinesischer Kaiser etwas von seinem Volk mitbekommen, selbst wenn ganz Peking vor den Toren gemeinsam laut um Hilfe geschrien hätte.
Als wir nach ein paar Stunden schlussendlich in einen kleinen Steingarten kamen, der das nördliche Ende der verbotenen Stadt darstellt, mit Wasserläufen und Bäumen, genossen wir die Ruhe und atmeten erstmal durch.
© Jochen Müller Eine Oase der Ruhe inmitten des Palastgeländes.
Die verbotene Stadt als eindrucksvoll zu beschreiben wäre eine Untertreibung. Sie war viele hundert Jahre lang das Herz einer der am weitesten fortgeschrittenen Kulturnationen der Erde, sie beherbergte die Herrscher der Ming und der Qing Dynastie und wurde selbst während der Kulturrevolution vor Plünderungen und Vandalismus von der Volksbefreiungsarmee beschützt. Ihre Geschichte füllt Bücher und Bildbände. Sie ist zwar leider an einigen Stellen in einem schlechten Zustand, aber das tut dem Staunen keinen Abbruch, mit dem der Besucher von Hof zu Hof, von Palast zu Palast, von Garten zu Garten und von Saal zu Saal geht.
© Jochen Müller Die verbotene Stadt vom Hügel des Jingshan Parks aus gesehen.
Jingshan Park
© Jochen Müller Der Blick vom Jingshan Park aus nach Norden. In Peking gibt es auch Grün.
Nördlich der verbotenen Stadt gelegen erhebt sich eine grüne Oase mitten in Peking. Der Jingshan Park.
© Jochen Müller Alt und neu ist dicht an dicht in Peking.
Hier kann man sich nicht nur von den Eindrücke der verbotenen Stadt erholen und in der schönen Parkanlage durchatmen. Hier kann man auch den Hügel besteigen und von dort aus einen prachtvollen rundum Blick genießen. Die verbotene Stadt liegt einem zu Füßen, stellt sich dem Betrachter noch einmal in voller Pracht dar und zeigt auch dem, der nur den geraden Weg hindurch genommen hat, welche Ausmaße diese Palastanlage hat. Im Nordwesten kann man Shicha Hai sehen, das Seenviertel Pekings, welches dringend zum Besuch einlädt. Im Osten ragen die Hochhäuser aus der Stadt hervor und scheinen wie übereifrige Schüler auf sich aufmerksam machen zu wollen. Peking ist nicht nur tausendjährige Geschichte, es ist auch Moderne, es ist Glas und Stahl. Der Blick in Richtung Osten, über die Dächer einer Pagode hinweg zu den glänzenden Wolkenkratzern am Horizont, macht dies auf ganz eindrückliche Weise deutlich.
Jochen Müller
Dieser mit fast 40 Hektar größte befestigte Platz der Welt ist der in Deutschland mit Sicherheit bekannteste Platz in China. Er liegt im Zentrum Pekings und ist wirklich wahnsinnig groß. Ich musste an den roten Platz in Moskau denken und konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass der Tian'anmen wir gemacht zu sein schien für Militärparaden, während man sich auf dem roten Platz fragt, wie dort zwei Panzer nebeneinander fahren können ohne irgendwo anzustoßen. Hier können zwei ganze Kolonnen Panzer nebeneinander fahren, ohne, dass sich die zwei Kompanien Grenadiere daneben quetschen müssen.
Im Norden wird der Platz vom Tor des himmlischen Friedens begrenzt, welches den Eingang zur verbotenen Stadt darstellt. Richtig übersetzt heißt der Platz deshalb eigentlich Platz vor dem Tor des himmlischen Friedens. Auf der Südseite des Platzes steht seit 1976 das Mausoleum Mao Zedongs, welches wir nur von außen bestaunt haben. Ungefähr in der Mitte des Platzes steht ein großer Obelisk, das Denkmal für die Helden des Volkes, zum Westen hin wird der Platz von der großen Halle des Volkes begrenzt, zum Osten hin vom Chinesischen Nationalmuseum. Vom Tor des himmlischen Friedens lächelt einem Maos Porträt entgegen und erinnert einen daran, wo genau man sich hier befindet. Obwohl man das auch ohne ihn nicht vergessen hätte.
Man steht in der Mitte des Platzes mit dem Gefühl im wahrsten Sinne des Wortes mitten in China zu sein. Mittiger geht es wohl kaum.
Wir standen dort, nachdem wir uns der diversen Souvenirverkäufer erwehrt hatten und drehten uns im Kreise. Dabei fiel eines auf. Man ist hier nicht allein. Ich rede hier nicht von anderen Besuchern oder Verkäufern. Ich rede auch nicht von offensichtlichen Polizisten oder Soldaten. Man ist offensichtlich unoffensichtlich unter Beobachtung. An jeder der zahlreichen Laternen auf dem Platz hängen mindestens ein halbes Dutzend Kameras, die in alle Richtungen den Platz filmen. Zusätzlich laufen ein paar Männer über den Platz, die irgendetwas an sich haben, das einem bei genauerem Hinsehen den Eindruck vermittelt, als passen sie nicht hier hin. Sie verhalten sich nicht auffällig, eher auffällig unauffällig. Und auch, wenn sie keinen Kopf im Ohr haben, so besteht kein Zweifel, wieso sie hier sind. Ich vermag es nicht in Worte zu fassen, woran ich es erkannte, aber ich sah mich genau um und war mir zu oft zu sicher Ordnungshüter in Zivil zu sehen. Von da an gingen wir alle mit leicht hoch gezogenen Schultern über diesen Platz. Man weiß genau, was hier 1989 passierte, jeder von uns war alt genug um sich an die Bilder zu erinnern und zu wissen, warum hier so viel Soldaten, Polizisten und zivile Aufpasser herumlaufen. Der Tian'anmen ist eindrucksvoll und ein Muss für jeden Peking Besucher. Aber es ist kein Ort um mit seinem Kind ein heiteres Ballspiel zu beginnen oder einen Luftballon platzen zu lassen.
Die verbotene Stadt
Der Kaiserpalast im Herzen Chinas, den meisten als verbotene Stadt bekannt, war über 500 Jahre lang der Hauptsitz der chinesischen Kaiser. Von 1406 bis 1420 wurde er in Rekordzeit errichtet. Über eine Million Arbeiter, davon 90% Sklaven, arbeiteten gleichzeitig an dieser 720.000 Quadratmeter großen Anlage. Über 400 Jahre lang durfte sich kein Normalbürger dem Palastgelände auch nur nähern, geschweige denn es betreten. Erst seit der Revolution 1911 ist das Gelände wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Wir hatten Glück, dass sich an dem Tag, als wir den Palast besuchten, der Smog für ein paar Stunden lichtete und die Sonne am blauen Himmel stand. Das Farbenspiel wäre sonst nicht zur Geltung gekommen. Die Mauern in Blutrot gehalten, die Dächer alle in gelb (der Farbe der Kaiser), präsentiert sich das Innere der verbotenen Stadt als eine nicht enden wollende Ansammlung von kleinen Sälen und Palästen. Im Gegensatz zu europäischen Schlössern und Palästen, die aus einem einzelnen, großen Gebäude mit vielen Zimmern bestehen, ist der Kaiserpalast wirklich eher wie eine Stadt aufgebaut.
Als wir nach ein paar Stunden schlussendlich in einen kleinen Steingarten kamen, der das nördliche Ende der verbotenen Stadt darstellt, mit Wasserläufen und Bäumen, genossen wir die Ruhe und atmeten erstmal durch.
Die verbotene Stadt als eindrucksvoll zu beschreiben wäre eine Untertreibung. Sie war viele hundert Jahre lang das Herz einer der am weitesten fortgeschrittenen Kulturnationen der Erde, sie beherbergte die Herrscher der Ming und der Qing Dynastie und wurde selbst während der Kulturrevolution vor Plünderungen und Vandalismus von der Volksbefreiungsarmee beschützt. Ihre Geschichte füllt Bücher und Bildbände. Sie ist zwar leider an einigen Stellen in einem schlechten Zustand, aber das tut dem Staunen keinen Abbruch, mit dem der Besucher von Hof zu Hof, von Palast zu Palast, von Garten zu Garten und von Saal zu Saal geht.
Jingshan Park
Nördlich der verbotenen Stadt gelegen erhebt sich eine grüne Oase mitten in Peking. Der Jingshan Park.
Jochen Müller
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