© Bergholter Endlich tropisches Flair.
Einmal über die Insel Hainan, das „Hawaii des Ostens", 200 km von Haikou im Norden nach Sanya im Süden führte uns die nächste Etappe. Sanya, das Strandparadies Chinas, der Chinesen beliebtestes Urlaubsziel. Hier wollten wir Sonne tanken, am Strand die Seele baumeln lassen und von dort aus die unberührte Natur der Inselmitte erkunden. So der Plan.
© Bergholter Panorama-Blick von unserem Balkon.
Und tatsächlich, was uns in Sanya empfing waren Palmen, Sandstrand und hochsommerliche Temperaturen. Da keiner von uns bisher auf Hawaii war, können wir den Vergleich leider nicht bestätigen. Doch als wir an unserer Appartementanlage ankamen und Quartier bezogen, hatten wir alle dieselbe Assoziation: Mallorca! Denn wie mit der Deutschen liebsten Urlaubsinsel verhält es sich auch mit der der Chinesen (und Russen). Von unserem Balkon aus hatten wir eine prächtige Aussicht auf den Strand mit seiner schmucken Promenade und das türkisgrüne Meer der Sanya-Bucht dahinter. Wagte man es allerdings, den Kopf zu wenden und den Blick schweifen zu lassen, bekam man zu sehen, was die meisten massentouristisch erschlossenen Orte auch zu bieten haben: Bettenburgen soweit das Auge reicht. Tagsüber in dezentem grau, nachts in kunterbuntem Licht lagen sie da, die Hotel- und Ferienwohnungskomplexe. Und sie versauten das Ambiente.
© Bergholter Das ganze Idyll vom Strand aus gesehen.
Man muss sich arrangieren
© Bergholter Frischer Fisch direkt auf den Tisch.
© Bergholter Hmmm, lecker!
Doch was hatten wir erwartet? Eigentlich war uns klar, dass wir an den Hauptstränden auf Chinas beliebtester Urlaubsinsel keine kleinen palmbedeckten Bambushütten und unberührte einsame Buchten vorfinden würden. Daher hielt sich auch die Enttäuschung in Grenzen. Wir arrangierten uns und machten das Beste draus. Also gleich am ersten Tag ab an den Strand und euphorisch in die seichten Wellen des Südchinesischen Meeres gestürzt. Wir ergingen uns in langen Strandspaziergängen, wobei wir tunlichst darauf achteten, den Blick weg von den Bettenburgen und hinaus auf das offene Meer zu richten. Abends, wie auch an vielen weiteren Abenden, verwöhnten wir uns mit frischem Fisch und Meeresfrüchten, die hier fast jedes Restaurant in der Auslage hatte. Auslage heißt dabei eine ganze Batterie Aquarien, in denen einiges an Meeresgetier herumschwamm. Man ging also durch die Auslage, suchte sich den Fisch oder das Krustentier seiner Wahl aus, ließ es sich abwiegen und dann nach landestypischer Manier zubereiten. Frischer geht es nicht mehr.
© Bergholter Hier gibts alles...
© Bergholter ...was das Meer hergibt.
Und wir genossen es, auf der Terrasse eines Restaurants zu sitzen, an Krebsscheren zu nagen und dabei auf das Meer zu blicken. Das ist Erholung, das ist Lebensqualität. Lediglich hin und wieder getrübt von den markerschütternd laut und garantiert nicht notensicher vorgetragenen Karaokeeinlagen, die einem vom Nachbartisch aus entgegengeschmettert wurden. Aber das ist wohl die Art, wie Chinesen ihre Entspannung finden.
© Bergholter Unverwechselbar?! Chinesische Strandmode.
© Bergholter Morgens und abends kollektives Tai Chi.
Obwohl es nicht der einzige Weg der Entspannung ist, denn fast zu jeder Tages- und Nachtzeit trafen wir auf der Strandpromenade Gruppen von Chinesen, die sich im kollektiven Tai Chi oder im Gesellschaftstanz ergingen. Und dabei sichtlich Freude entwickelten. Eine ähnliche Freude hatten die Chinesen offenbar auch bei der Auswahl ihrer Strandmode: Allerorts sah man Paare und ganze Familien im Partnerlook der farblich abgestimmten Bermudashorts und Hawaii-Hemden.
© Bergholter Chinesen beim gemeinsamen Tänzchen auf der Strandpromenade. Einfach herrlich.
© Bergholter Auch das ist Sanya...
Was hat Sanya noch zu bieten? Die Stadt selber erkundeten wir in mehreren Streifzügen und fanden auch hier nette kleine Parkanlagen und Kanäle, eingefasst von interessanter Architektur sowie bunte kleine Gässchen, in denen das Leben tobte. Traditionelle Straßenbräter oder kleine Restaurants. Und natürlich unzählige Geschäfte für Strandbedarf und Souveniers. Was Sanya zu bieten hatte war zwar nicht spektakulärer als andernorts, aber es erinnerte uns doch wieder daran, dass wir nicht am Ballermann sondern nach wie vor in China waren.
© Bergholter Und auch solch interessante Architektur findet sich hier.
© Bergholter Sanya bei Nacht: kunterbunt, wie so oft in China.
Strandurlaub de Luxe
© Bergholter Blick auf den Strand in der Yalong-Bucht.
© Bergholter Im Pool des Luxus-Resorts...
Wer dem Trubel des öffentlichen Strandes in der Sanya-Bucht entgehen möchte und dazu das nötige Kleingeld besitzt, der gönnt sich einen Aufenthalt in der Yalong-Bucht, dem Traumstrand der Insel. So zumindest wurde er uns angekündigt. Keine Frage, dass wir einen Tagesausflug dahin unternehmen mussten. Doch was uns erwartete, überraschte uns doch ein wenig. Und nicht gerade zum Positiven. Zunächst einmal mussten wir ordentlich Eintritt bezahlen, um überhaupt in die Nähe des Strandes zu gelangen. Ein künstlich angelegtes Areal inklusive Muschelmuseum galt es zu durchqueren, bevor man das Meer zu sehen bekam. Und wer keine einsame Bucht erwartet, der findet hier tatsächlich einen Traumstrand vor. In kleinen offenen Bambushütten kann man sich am Strand massieren lassen oder einen Snack einnehmen, während man aufs Meer blickt. Überflüssig zu erwähnen, dass man sich hier jede Service- und Dienstleistung vergolden lässt. Und zwar nicht zu knapp.
Wir schlenderten ein wenig den Strand entlang, bis wir den Ort erreichten, an dem offenbar die Chinesen abzusteigen pflegen, die nicht auf den Yuan schauen müssen. Ein ebenso luxuriöses wie künstliches Wellness-Resort, direkt am Strand. Kleine Hütten, unverkennbar Nobelrestaurants, säumen eine Poollandschaft zwischen künstlichen Felsen (Plastik!) und Wasserfällen. Zugegebenermaßen hielten auch wir einen Fuß in den Pool, von dem man aus über einen Palmenhain direkt aufs Meer blicken konnte. Wer auf so etwas mag, findet sich hier in einem wahren Paradies wieder. Wir mochten es nicht wirklich, genossen dennoch diesen Tag, der uns mit einem Hauch von Luxus umwehte.
© Bergholter ... mit Blick auf Palmen und Meer. Hier lässt es sich aushalten.
Die Suche nach Kontrasten Zurück in Sanya beschlossen wir, für die nächsten Tage ein etwas anderes Programm auszutüfteln. Etwas mehr von der Inselmitte mit ihren Urwäldern zu sehen und das Ursprüngliche auf Hainan zu suchen. Denn wir erlebten hier bisher das, was viele Regionen vereint, die für ihre Naturschönheit, ihre Palmenhaine und ihre Strände berühmt sind (was übrigens auch für Mallorca gilt!). Die Touristen kommen und für sie wird Platz geschaffen. Irgendwann erreicht es allerdings einen Punkt, an dem man sich fragt wie lange das noch gehen mag, bis von dem, wofür die Menschen eigentlich kommen, nichts mehr zu sehen ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen ein Einsehen haben und nicht die ganze Insel in Beton kleiden. Es wäre wahrlich ein Jammer. Denn so viel ist sicher. Hainan ist wunderschön. Hier und da, wenn man genau hinsah, eröffnete sich uns bereits ein flüchtiger Blick auf das Kontrastprogramm abseits der mit Palmen gesäumten Badestrände: Die etwa 200 km durchmessende Insel ist ein Paradies für Fahrradfahrer und Wanderer, sie bietet kleinere und größere Naturbuchten und genug Riffe für Taucher. Im Landesinneren kann man die Dörfer der Li und der Miao, der zwei größten ethnischen Minderheiten, besuchen oder durch Reisterrassen wandern, sich im Dschungel verlieren oder auf den Fünf Finger Berg, den mit 1876m höchsten Berg der Insel, steigen. Ein kleines Paradies. Und das wollten wir sehen, das chinesische Mallorca abseits des Ballermanns.
© Bergholter Erstmal genug Palmenstrand, wir suchen Dschungel.
von Peer Bergholter
Frohes Neues erstmal noch und viel Spaß und Spannung auf der weiteren Reise! Auch ich oute mich gern man wieder als regelmäßiger Besucher hier im blog. Und heute ist mir in den Kopf gekommen: sieht man mal von den Hochhäusern ab, so erinnert mich das Bild von Sanya bei Nacht irgendwie an Kassel und seinen guten, alten Laserstrahl;-) Da kommt dann sicherlich kein Heimweh auf, oder?
Beste Grüße aus B
Der Diggler