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19. Januar 2012
Ein Morgen in Kunming
Früh aufstehen, nicht gerade unsere Paradedisziplin. Doch es musste sein, denn wir wollten unsere letzten Tage in China auskosten. Diese verbrachten wir in Kunming, der Hauptstadt der Provinz Yunnan. Kunming, auf dem nahezu 2000 Meter hohen Ost-Yunnan- Plateau gelegen, wartet fast das gesamte Jahr über mit milden Temperaturen auf. Und so lud auch uns die „Stadt des ewigen Frühlings" mit einem wunderbaren sommerlichen Tag ein, sie zu erkunden.
Also raus aus den Federn, auf Frühstück verzichtet und ohne Kaffee oder Tee im leeren Magen zogen wir entsprechend übellaunig los, die Stadt zu erforschen.
Morgengymnastik im Park
© Bergholter Morgendliches Tänzchen im Park.
© Bergholter Tai Chi. Mal ohne...
© Bergholter ...mal mit Schwert.
Unser erster Weg führte uns durch die noch tief schlafende Haupteinkaufsmeile des Citycenters, in dessen unmittelbarer Nähe unser Domizil lag, in Richtung des Green Lakes und des ihn umgebenden Cui Hu Parks. Hier, so hieß es, treffe man sich in der frühen Morgenstunde zur kollektiven Leibesertüchtigung. Dieses Schauspiel, das wir zwar schon andernorts bewundern durften, wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Und wir taten gut daran. Rund um den See sowie im Park ergingen sich Gruppen meist älterer Chinesen im Frühsport. Hier eine kleine Tai Chi Choreographie, dort ein gemeinschaftliches Tänzchen. Dazwischen rüstige Rentner, die bei Volleyball und Badminton einen Mordsspaß entwickelten. Und mittenmang fanden wir vor sich hin summende Walker, textsichere Gesangsgruppen, elegante Schwertkämpfer(innen) und in sich gekehrte Rückwärtsgeher, die die Welt einmal aus einer anderen Perspektive erkunden. Das Ganze wurde entweder aus mitgebrachten Radiogeräten oder durch die parkeigene Anlage musikalisch untermalt. Zumeist schallten einem aus allen Himmelsrichtungen unterschiedlichste Melodien entgegen.
© Bergholter Egal welche Disziplin, sportlich geht es hier zu am Morgen.
Oase des Friedens
Bemerkenswert war, dass an einem Mittwochmorgen in diesem Park so viel Betrieb herrschte, wie bei uns nicht an einem Ostersonntag, wenn die Familien ihren traditionellen Osterspaziergang begehen. Trotz des Troubles lag etwas Ruhiges, Entspanntes und Friedvolles über dieser Szenerie.
© Bergholter Entspannung trotz regen Treibens. Entweder beim Spazierengehen...
© Bergholter ...bei einer kleinen Kaligraphie am Wegesrand...
© Bergholter ...oder natürlich beim traditionellen Mah Jong Spiel.
So ließen auch wir uns hier und da auf einer Bank nieder, um zwischen meterhohen Bambushainen und roten Lampions, die die Wege zierten, das Treiben zu beobachten und das Ambiente aufzusaugen. Aus dieser besinnlichen Stimmung schreckten wir gelegentlich hoch, wenn das hektische Geschrei der Möwen die meditative Musik durchriss. Möwen? Richtig. Und nicht gerade wenige. Wir konnten es uns auch nicht erklären, liegt das nächste Meer doch nicht gerade um die Ecke. Aber sie waren da. Tausende. Sie kreischten, schwammen auf den Seen, besiedelten die Lüfte oder belagerten die Dächer der Tretboote und tauchten den ursprünglich blauen Stoff in marmoriertes Weiß. Einige unerschrockene Ausflügler ließen sich davon nicht beeindrucken und tourten mit dem Tretboot über die Seenlandschaft. Wir fragten uns, wovon die unzähligen Möwen hier wohl leben mögen. Die riesigen Kois die sich in den Teichen tümmelten, erschienen uns keine leichte Beute zu sein. Und nur sporadisch von Passanten gefüttert zu werden? Ein hartes Los.
© Bergholter Auch sie finden hier ein Plätzchen zum Verweilen: unzählige Möwen.
© Bergholter Familienausflug: mit dem Tretboot die Seenlandschaft erkunden.
Und weiter
© Bergholter Am Wegesrand noch etwas angewandte
traditionelle chinesische Medizin.
Wir zogen weiter und fanden in Richtung des Ausgangs einige Stände, die Getränke und allerlei Snacks anboten. Bei dem Anblick meldeten sich auch unsere Mägen zu Wort und forderten ein, was ihnen zustand: Frühstück. Hungrig aber beseelt ließen wir diese Oase des Müßiggangs hinter uns und machten uns auf die Suche nach neuen Zielen.
Wir streiften durch kleinere und größere Alleen, passierten einen dieser typisch chinesischen Märkte, auf denen man allerlei „Markenklamotten", technisches Rüstzeug aller namhaften Anbieter und sonst eigentlich auch alles erhält. Wir schauten in die Auslagen und fühlten uns an den Silk Market in Peking erinnert. Nur in klein und wesentlich unaufdringlicher.
© Bergholter Kein Fake - echte VASN!
Beim genauen Hinsehen bekamen wir auch ein Musterbeispiel chinesischer Feinmotorik geboten. Vor einem Optikgeschäft (?) saß ein Mann auf den Stufen und bearbeitete sein oder zumindest ein Brillengestell mit einem mittelgroßen Hammer, der zumindest bei mir zuhause beim Schlagen von Nägeln in die Wand Verwendung findet. Respekt! Reflexartig überprüfte ich Sitz und Zustand meiner Brille. Und obwohl auch sie bereits von der Reise gezeichnet ist, beschloss ich, dass es definitiv noch gehen wird.
Mit hängenden Mägen ließen wir dieses Schlaraffenland für Shopaholics hinter uns, traten auf die nächste Allee und wähnten uns am Ziel unseres Vormittages: eine Meile mit kleinen Brätern und Imbissen, soweit das Auge reichte! Wir naschten hier und da unterschiedlichste Köstlichkeiten und fühlten uns gestärkt für das weitere Tagesprogramm.
von Peer Bergholter
Also raus aus den Federn, auf Frühstück verzichtet und ohne Kaffee oder Tee im leeren Magen zogen wir entsprechend übellaunig los, die Stadt zu erforschen.
Morgengymnastik im Park
Oase des Friedens
Bemerkenswert war, dass an einem Mittwochmorgen in diesem Park so viel Betrieb herrschte, wie bei uns nicht an einem Ostersonntag, wenn die Familien ihren traditionellen Osterspaziergang begehen. Trotz des Troubles lag etwas Ruhiges, Entspanntes und Friedvolles über dieser Szenerie.
So ließen auch wir uns hier und da auf einer Bank nieder, um zwischen meterhohen Bambushainen und roten Lampions, die die Wege zierten, das Treiben zu beobachten und das Ambiente aufzusaugen. Aus dieser besinnlichen Stimmung schreckten wir gelegentlich hoch, wenn das hektische Geschrei der Möwen die meditative Musik durchriss. Möwen? Richtig. Und nicht gerade wenige. Wir konnten es uns auch nicht erklären, liegt das nächste Meer doch nicht gerade um die Ecke. Aber sie waren da. Tausende. Sie kreischten, schwammen auf den Seen, besiedelten die Lüfte oder belagerten die Dächer der Tretboote und tauchten den ursprünglich blauen Stoff in marmoriertes Weiß. Einige unerschrockene Ausflügler ließen sich davon nicht beeindrucken und tourten mit dem Tretboot über die Seenlandschaft. Wir fragten uns, wovon die unzähligen Möwen hier wohl leben mögen. Die riesigen Kois die sich in den Teichen tümmelten, erschienen uns keine leichte Beute zu sein. Und nur sporadisch von Passanten gefüttert zu werden? Ein hartes Los.
Und weiter
traditionelle chinesische Medizin.
Wir streiften durch kleinere und größere Alleen, passierten einen dieser typisch chinesischen Märkte, auf denen man allerlei „Markenklamotten", technisches Rüstzeug aller namhaften Anbieter und sonst eigentlich auch alles erhält. Wir schauten in die Auslagen und fühlten uns an den Silk Market in Peking erinnert. Nur in klein und wesentlich unaufdringlicher.
Beim genauen Hinsehen bekamen wir auch ein Musterbeispiel chinesischer Feinmotorik geboten. Vor einem Optikgeschäft (?) saß ein Mann auf den Stufen und bearbeitete sein oder zumindest ein Brillengestell mit einem mittelgroßen Hammer, der zumindest bei mir zuhause beim Schlagen von Nägeln in die Wand Verwendung findet. Respekt! Reflexartig überprüfte ich Sitz und Zustand meiner Brille. Und obwohl auch sie bereits von der Reise gezeichnet ist, beschloss ich, dass es definitiv noch gehen wird.
Mit hängenden Mägen ließen wir dieses Schlaraffenland für Shopaholics hinter uns, traten auf die nächste Allee und wähnten uns am Ziel unseres Vormittages: eine Meile mit kleinen Brätern und Imbissen, soweit das Auge reichte! Wir naschten hier und da unterschiedlichste Köstlichkeiten und fühlten uns gestärkt für das weitere Tagesprogramm.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Ein Morgen in Kunming"
Cui Hu Park in Kunming
von Herbert Rulf
am 27.01.2012 um 10:43 Uhr
During the winter months, black-headed gulls from Siberia migrate to Green Lake and entertain the crowds of visitors as they circle around and snap up bread, usefully provided by a herd of local vendors, thrown up into the air by tourists.
Die Vögel überwintern hier also nur, im Sommer sieht man keine.
Re: Cui Hu Park in Kunming
von Jochen Müller
am 31.01.2012 um 06:40 Uhr

Wieder was dazu gelernt. Danke!
Re: Der frühe Vogel ...
von Jochen Müller
am 31.01.2012 um 06:41 Uhr

... kann mich mal!
Ich und Frühaufsteher? Da solltest Du mich besser kennen.
"Ein Morgen in Kunming" kommentieren

Hahaaa! Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr noch zu Frühaufstehern... eine lustige Vorstellung ;o))
Danke für den schönen gemeinsamen Spaziergang durch das morgendliche Kunming. Ich war wieder einmal ganz bei euch.