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Zwei Jugendfreunde lassen Deutschland für ein Jahr hinter sich und reisen um die Welt. Immer grob in Richtung Osten und ohne ein Flugzeug zu besteigen. In ihrem Blog berichten Jochen Müller und Peer Bergholter wie sie das schaffen und was sie dabei erleben.
Eine Lanze für Vilnius
Vilnius ist schön!
Bei Nacht noch mehr als tagsüber. Das liegt nicht daran, dass man nachts weniger sieht, sondern daran, dass die meisten modernisierten Gebäude effektvoll angestrahlt werden, was ihre Schönheit nur noch mehr hervorhebt. Wer einen Faible für altes Bauwerk hat, der sollte Vilnius besuchen. Hier findet sich jeder Baustil von Gotik bis Glas und Stahl. Alleine die 50 Kirchen in der Innenstadt entlocken dem Besucher Begeisterung und Staunen, unabhängig von seiner eventuellen Religiosität. Zu erwähnen wäre hier, dass Vilnius den Namen „Rom des Ostens" genau daher hat. Weil man kaum zehn Meter gehen kann, ohne auf eine Kirche zu stoßen.
© Jochen Müller Zwei von vielen Kirchen
Es ist unglaublich, sie sind einfach überall. Manchmal direkt nebeneinander, teilweise gehen sie gleich ineinander über. Ich fragte mich zu Beginn noch, wer um alles in der Welt in all diese Kirchen gehen soll, es schienen einfach nicht genug Menschen dafür da zu sein. Doch das wurde irgendwann gleichgültig. Sie sind einfach da. Und sie sind schön. Punkt. weiterlesen
29. September 2011
Bei Nacht noch mehr als tagsüber. Das liegt nicht daran, dass man nachts weniger sieht, sondern daran, dass die meisten modernisierten Gebäude effektvoll angestrahlt werden, was ihre Schönheit nur noch mehr hervorhebt. Wer einen Faible für altes Bauwerk hat, der sollte Vilnius besuchen. Hier findet sich jeder Baustil von Gotik bis Glas und Stahl. Alleine die 50 Kirchen in der Innenstadt entlocken dem Besucher Begeisterung und Staunen, unabhängig von seiner eventuellen Religiosität. Zu erwähnen wäre hier, dass Vilnius den Namen „Rom des Ostens" genau daher hat. Weil man kaum zehn Meter gehen kann, ohne auf eine Kirche zu stoßen.
Vilnius - ein europäisches Trauerspiel
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Prost Vilnius
Wir liegen im Zimmer, obwohl es nach achtzehn Uhr ist. Draußen ist es bewölkt, doch das ist nicht das Problem. Wir sind ein wenig erschöpft.
Auch ein neuer und an sich recht komfortabler Reisebus kann es nicht verhindern, dass man sich nach beinahe elf Stunden Nachtbusfahrt wie gerädert fühlt. Schlafen im Bus ist nicht schlafen, sondern so tun als ob. Man sitzt nur halb, der Kopf baumelt herum wie besoffen. Kommt dann eine Bodenwelle, dann baumelt er noch mehr herum, und man wacht davon auf, dass er mit Wucht an die Scheibe knallt. Wenn man am Fenster sitzt. Zum Gang hin kann das noch ungemütlicher werden. Wenn man sich, so wie wir, die letzte Bank teilt, dann vergeht die Freude über den vielen Platz schnell, wenn man einsehen muss, dass das am Grundproblem auch nichts ändert. Irgendwas drückt immer, der Vordermann tobt sich an seiner Rückenlehne aus, schnarcht oder furzt herzerweichend, es ist entweder zu kalt oder zu warm, und man weiß nie, wo man die Beine hinmachen soll. Wenn man tagsüber fährt, kommt man gegen Abend an, ist etwas erschöpft, bezieht seine Unterkunft isst etwas und geht schlafen. Das ist kein Problem, das kennt man noch von anderen Reisen. Aber nach einem ganzen Tag auf den Beinen die Nacht im Bus zu verbringen, um morgens um halb sieben in einer Stadt anzukommen, in der man erst um zwölf in sein Hostel kann, stellte für uns eine neue Herausforderung dar. Wir begegneten ihr mit Gleichmut.
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28. September 2011
Auch ein neuer und an sich recht komfortabler Reisebus kann es nicht verhindern, dass man sich nach beinahe elf Stunden Nachtbusfahrt wie gerädert fühlt. Schlafen im Bus ist nicht schlafen, sondern so tun als ob. Man sitzt nur halb, der Kopf baumelt herum wie besoffen. Kommt dann eine Bodenwelle, dann baumelt er noch mehr herum, und man wacht davon auf, dass er mit Wucht an die Scheibe knallt. Wenn man am Fenster sitzt. Zum Gang hin kann das noch ungemütlicher werden. Wenn man sich, so wie wir, die letzte Bank teilt, dann vergeht die Freude über den vielen Platz schnell, wenn man einsehen muss, dass das am Grundproblem auch nichts ändert. Irgendwas drückt immer, der Vordermann tobt sich an seiner Rückenlehne aus, schnarcht oder furzt herzerweichend, es ist entweder zu kalt oder zu warm, und man weiß nie, wo man die Beine hinmachen soll. Wenn man tagsüber fährt, kommt man gegen Abend an, ist etwas erschöpft, bezieht seine Unterkunft isst etwas und geht schlafen. Das ist kein Problem, das kennt man noch von anderen Reisen. Aber nach einem ganzen Tag auf den Beinen die Nacht im Bus zu verbringen, um morgens um halb sieben in einer Stadt anzukommen, in der man erst um zwölf in sein Hostel kann, stellte für uns eine neue Herausforderung dar. Wir begegneten ihr mit Gleichmut.
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Warschau, ein Nachtrag
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Warschau
Un-fass-bar! Nach eineinhalb Jahren Gerede, nach Monaten von Plänen, Entwürfen und Verwürfen, nach Worten und Gedanken folgen nun endlich Taten. TATEN! Ich glaub das alles gar nicht. Wir sind wirklich unterwegs. Und zwar nicht von Amt zu Amt oder quer durch Deutschland um Freunde und Verwandte noch mal zu bespaßen, sondern außerhalb Deutschlands. Auf unserer wirklichen, echten Reiseroute. Zwar noch in der EU, aber immerhin weg. Und dann scheint auch noch die Sonne! Ja, ist denn das die Möglichkeit?
© Jochen Müller"Express" ist nicht wörtlich zu verstehen
Peer und ich stiegen am Sonntag frisch geduscht (man muss alles mitnehmen, was man kriegen kann) in den Berlin Warschau Express. Eigentlich heißt der Berlin-Warszawa Express, denn Warschau heißt in Wirklichkeit Warszawa, aber beim Versuch das auszusprechen ist irgendwas mit meiner Zunge passiert, was nicht gut war. Seither denke ich mir, dass es wohl besser ist, die jeweils eingedeutschen Versionen der Städtenamen zu nutzen. Wenn ich schon bei Warschau einen Zungenkrampf kriege, dann verspricht die Reise noch Schwierigkeiten für mich. Also lieber vorsichtig sein.
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26. September 2011
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Berlin-Warschau, ein Katzensprung
Nun denn, es ist geschafft. Es geht endlich los. Zumindest für den einen, für den anderen geht es jetzt weiter. Mit gemischten Gefühlen und einem kleinen Schlafdefizit besteigen wir den Berlin-Warszawa-Express in Richtung - genau, Warschau. Und um uns den Abschied von gewohnten deutschen Gepflogenheiten zu erleichtern, fährt der Zug auch gleich mit der landestypischen habstündigen Verspätung im Berliner Hauptbahnhof ein.
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24. September 2011
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Der erste Schritt
Es beginnt alles mit einem ersten kleinen Schritt...
Nun möchte sich auch das andere Ich - also Peer - einmal zu Wort melden. Die bisherige Absenz auf diesem Kanal liegt nicht etwa in einer vermeintlichen Schreibfaulheit begründet, sondern ist den bereits recht plastisch dargestellten Hürden und Widrigkeiten geschuldet, welche die Vorbereitungen auf eine solche Reise nun einmal mit sich bringen. Das zwanglose Zigeunerleben ohne Wohnung und Internetzugang hat halt nicht nur seine angenehmen Seiten...
Folgt man dem Volksmund, so sollte doch alles, was lange währt, irgendwann einmal gut sein. Unsere Reisevorbereitungen währten weiß Gott lange und nun ist es auch mal gut. Genug gewartet, genug Verzögerungstaktiken erduldet, genug Nerven gezeigt.
© Peer BergholterAller Abschied fällt schwer...
Man mag es kaum glauben, wie schwer es einem gemacht wird, sein bürgerliches Dasein auch nur für eine begrenzte Zeitspanne hinter sich zu lassen. Wer steht da nicht plötzlich alles auf der Matte und will etwas, der sich bislang stets rar zu machen pflegte? Die Abgesandten der Versicherungen, des Finanzamtes, der Agentur für Arbeit, der Banken, Anwälte, Steuerberater oder die netten Herrschaften der GEZ - auf einmal stehen sie alle Spalier. Von anderen Nebenkriegsschauplätzen einmal ganz zu schweigen. Wie lange man hinter einer Mietkaution herlaufen kann oder wie schwer es ist, ein Auto älteren Baujahrs an den Mann zu bringen, will ich hier gar nicht weiter erörtern. Ebenso wenig möchte ich mich in einem Diskurs über den Dienstleistungsanspruch gewisser Behörden ergehen, da es mir lediglich den Puls in die Höhe treiben würde. Wieder einmal.
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19. September 2011
Nun möchte sich auch das andere Ich - also Peer - einmal zu Wort melden. Die bisherige Absenz auf diesem Kanal liegt nicht etwa in einer vermeintlichen Schreibfaulheit begründet, sondern ist den bereits recht plastisch dargestellten Hürden und Widrigkeiten geschuldet, welche die Vorbereitungen auf eine solche Reise nun einmal mit sich bringen. Das zwanglose Zigeunerleben ohne Wohnung und Internetzugang hat halt nicht nur seine angenehmen Seiten...
Folgt man dem Volksmund, so sollte doch alles, was lange währt, irgendwann einmal gut sein. Unsere Reisevorbereitungen währten weiß Gott lange und nun ist es auch mal gut. Genug gewartet, genug Verzögerungstaktiken erduldet, genug Nerven gezeigt.
Man mag es kaum glauben, wie schwer es einem gemacht wird, sein bürgerliches Dasein auch nur für eine begrenzte Zeitspanne hinter sich zu lassen. Wer steht da nicht plötzlich alles auf der Matte und will etwas, der sich bislang stets rar zu machen pflegte? Die Abgesandten der Versicherungen, des Finanzamtes, der Agentur für Arbeit, der Banken, Anwälte, Steuerberater oder die netten Herrschaften der GEZ - auf einmal stehen sie alle Spalier. Von anderen Nebenkriegsschauplätzen einmal ganz zu schweigen. Wie lange man hinter einer Mietkaution herlaufen kann oder wie schwer es ist, ein Auto älteren Baujahrs an den Mann zu bringen, will ich hier gar nicht weiter erörtern. Ebenso wenig möchte ich mich in einem Diskurs über den Dienstleistungsanspruch gewisser Behörden ergehen, da es mir lediglich den Puls in die Höhe treiben würde. Wieder einmal.
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Nur der Wandel ist beständig.
Herman von Moltke war ein weiser Mann. Von ihm stammt der Satz: "Kein Schlachtplan überlebt die erste Feindberührung". Recht hatte er. Es kann aber auch schon früher schief gehen. Ich hab den Plan nur ausgesprochen, da ist er schon zum Teufel. Man kann auch sagen im Arsch. Dazu hätte ich momentan mehr Lust. Das hat mehr Kraft. Ob das die GEO.de Moderatoren durchgehen lassen? Ich hoffe doch, denn so wie es mir scheint, wird das nicht der letzte Fluch dieser Reise sein. Himmel hilf, die negativen Konnotationen beginnen schon vor der Reise. Oh Schreck. Schlechtes Karma. Ach und weh.
© Jochen MüllerDer erste Schritt einer Reise beginnt im Kopf.
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16. September 2011
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Die Lage
Fakten, Fakten, Fakten. Wir leben im Zeitalter der Fakten, also bitteschön:
Um den Leser nicht nur mit Anektoden und Bonmots, sondern auch mit knallharten Zahlen und Fakten zu versorgen, hier der Stand der Dinge:
Zurückgelegte Kilometer bisher: 0 (in Worten: Null!)
Ausgegebene Euro bisher: 3600 (in Worten: dreitausendsechshundert!!!)
Fazit: Heilige...
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14. September 2011
Um den Leser nicht nur mit Anektoden und Bonmots, sondern auch mit knallharten Zahlen und Fakten zu versorgen, hier der Stand der Dinge:
Zurückgelegte Kilometer bisher: 0 (in Worten: Null!)
Ausgegebene Euro bisher: 3600 (in Worten: dreitausendsechshundert!!!)
Fazit: Heilige...
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Aller Anfang sind Fragen. Und Warten.
Und? Schon in Reiselaune? Und? Wie weit sind die Planungen? Und? Wann geht's los? Oder einfach nur: Du bist noch hier?
Das sind die Fragen, die mir in den letzten Wochen jeder stellte, den ich traf. Mit welcher Frage der Leser hier einsteigt, das frage ich mich gerade. Ansonsten hab ich keine Fragen mehr.
Ich, das ist in diesem Falle Jochen. Das andere Ich, Peer, ist gerade nicht da. Das weilt noch in Kassel. Das Jochen-Ich ist in Berlin. Wir warten. Darauf, dass es los geht. Dass die Reiselaune aufkommt und die Planungen aufhören, weil es los geht. Darauf, nicht mehr hier zu sein. Darauf, gemeinsam an einem Ort zu sein, egal wo dieser ist, weil sich das ja gerade beständig ändern soll. Darauf in Bewegung zu sein. Man kann nur die Geschwindigkeit eines Teilchens wissen oder seinen Ort, nicht beides. Die Heisenbergsche Unschärferelation als Metapher für Peers und Jochens Weltreise. Na sauber.
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Das sind die Fragen, die mir in den letzten Wochen jeder stellte, den ich traf. Mit welcher Frage der Leser hier einsteigt, das frage ich mich gerade. Ansonsten hab ich keine Fragen mehr.
Ich, das ist in diesem Falle Jochen. Das andere Ich, Peer, ist gerade nicht da. Das weilt noch in Kassel. Das Jochen-Ich ist in Berlin. Wir warten. Darauf, dass es los geht. Dass die Reiselaune aufkommt und die Planungen aufhören, weil es los geht. Darauf, nicht mehr hier zu sein. Darauf, gemeinsam an einem Ort zu sein, egal wo dieser ist, weil sich das ja gerade beständig ändern soll. Darauf in Bewegung zu sein. Man kann nur die Geschwindigkeit eines Teilchens wissen oder seinen Ort, nicht beides. Die Heisenbergsche Unschärferelation als Metapher für Peers und Jochens Weltreise. Na sauber.
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