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7. August 2010

© Joohn Brömstrup
Da sind wir nun endlich…angekommen in der Hauptstadt der Kontraste, laut Statistik die gefährlichste Stadt der Welt vor der wir ehrlich gesagt sehr viel Respekt hatten. Johannesburg!!
Aber von Anfang spüren wir eine großartige Gastfreundschaft, angefangen mit Alexis Fotiadis, der uns vom Flughafen abholt und uns eine kostenlose Herberge in seinem Haus bietet. Diese Hilfsbereitschaft läuft einen praktisch überall über den Weg. Wir sind pünktlich zu m Viertelfinale Ghana - Uruguay in Joburg. Leider ist es unmöglich noch an Karten zu kommen und so schauen wir das Spiel im kleinen Kreis und sind extrem deprimiert nach dem Schlusspfiff.
Johannesburg ist eine überwältigende Stadt, DIE Metropole im südlichen Afrika und voller Energie. Sie wirkt auf uns wie eine Mischung aus afrikanischer und amerikanischer Welt. Hier arm, dort reich, hier weiß, dort schwarz, beide Seiten sichtlich bemüht, diese gewollte Ordnung möglichst selten aufzubrechen. aber dann ist ja doch WM und auf einmal scheint es, als wären viele Probleme vergessen, zumindest ausgesetzt für einen Monat. Wir gehen zum Fan Fest in Downtown Johannesburg, laufen durch die Viertel, in die sich nicht viele Weiße Südafrikaner trauen, zumindest nicht zu Fuß. Wir gehen zu Fuß und werden belohnt. Man hätte unsere Anwesenheit hier nicht unbedingt erwartet, honoriert aber die Selbstverständlichkeit mit der wir uns durch das Zentrum bewegen. Das Fan Fest ist anfangs leer, zum Deutschland - Argentinien Spiel ist es voll und die Stimmung ist hervorragend. Viele Südafrikaner sind Fans der Deutschen geworden und sie feiern es enthusiastischer als viele der Deutschen auf dem Fan Fest. Uns überwältigt der Pathos und die Konsequenz mit der hier die WM zelebriert wird. Wir zelebrieren sie mit, z.B. Tor DREI von VIER gegen Argentinien!!
© Joohn Brömstrup
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© Christian Rinke-Lazo
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© Christian Rinke-Lazo
© Christian Rinke-Lazo
Am nächsten Tag fahren wir nach Alexandra, dem zweitgrößten Township in Südafrika nach Soweto. Nelson Mandela ist hier aufgewachsen, Alexandra ist südafrikanische Geschichte, weil die Bewohner sich vor und auch während der Apartheid erfolgreich gegen die rassistische Politik gewehrt haben, Land besitzen konnten und trotz aller Versuche der Verdrängung standhaft geblieben sind.
© Christian Rinke-Lazo
© Christian Rinke-Lazo
© John Brömstrup & Christian Rinke-Lazo
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
Wir begleiten 2 Teams während des Turniers. Das Projekt Moving the Goalposts aus Kilifi, Kenia ist uns schon bei unserem Besuch in Kenia und beim East Africa Cup ans Herz gewachsen. Hier in Joburg treffen wir wieder auf sie, begleiten und coachen sie, motivieren wo wir nur können. Auch Mbeyu, die ich in Kilifi portraitiert habe, ist wieder dabei. Sie ragt heraus in diesem Team, ist übermotiviert und auch erfolgreich. Für ihr Team reicht es trotzdem nicht in die Finalrunde, sie wirken zu hektisch auf dem Spielfeld, ihre Geschlossenheit außerhalb des Platzes ist auf dem Platz passé. Wir dürfen einige Male Mäuschen spielen, man fragt uns um Rat nach Niederlagen und man merkt wieder, wie schwer es ist ein gutes Team zu formen. Jeder muss sich selbst zurücknehmen, manchen fällt es leichter, manchen schwer. Auch haben sie mit Konditionsproblemen zu kämpfen, sind zum ersten Mal in ihrem Leben in einer komplett anderen Klimazone, erleben das erste Mal einen kalten Winter.
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
Das zweite Team dem ich mich annehme ist German Street Football Network. Die Spieler sind von diversen Organisationen aus Deutschland zusammengewürfelt und so finden sich Jungs und Mädels aus Berlin, Hamburg, Bremen, Bayern, Stuttgart und ganz Deutschland in einem Team wieder, das nicht nach Leistungskriterien ausgesucht wurde, sondern mehr nach sozialem Verantwortungsbewusstsein und einigen, deren Umstände besonders schwierig sind.
Ich konzentriere mich auf Ulas, 18-jähriger aus Berlin-Kreuzberg. Er genießt dieses Turnier jeden Moment, feuert das Publikum an und ist motiviert bis in die Haarspitzen. Er treibt sein Team nach vorne und ist Mittler in diesem Team, in dem es einige Spannungen gibt, die durch übertriebenen Ehrgeiz und gekränkte Ehre entstehen. Auch das gehört zu diesem Turnier dazu und ist ein Lernprozess innerhalb der Teams. Die Betreuer machen einen großartigen Job und können viele Spannungen lösen. Neben den Betreuern und Trainern der Teams haben die sogenannten Young Leader eine herausragende Rolle in diesem Turnier, die als Mediatoren auf dem Spielfeld und daneben agieren, die Diskussionen führen, die Spiele bei Unsportlichkeiten abbrechen können und für alle Spieler ein offenes Ohr haben. Ulas ist ein Mediator innerhalb des Teams, möchte vermitteln und schlichten, wenn es Streit gibt. Es gelingt ihm nicht immer, es bilden sich Grüppchen. Aber aus diesen Grüppchen entstehen auch Freundschaften und gegenseitige Fürsorge innerhalb des Teams ist jederzeit spürbar. Er wird seinen Weg weiter gehen. In Berlin-Kreuzberg, wo ich ihn wieder treffen werde.
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
© Joohn Brömstrup
© Joohn BrömstrupAuch Ulas schafft es mit seinem Team nicht in die Hauptrunde, spielt später gegen Moving the Goalposts. Ein "innerer Zwiespalt" für uns, aber die Teams sind so nett zu uns und spielen 1 zu 1. Vor dem Spiel schließen die Deutschen sich dem obligatorischen Gebet der Kenianer an.
© Joohn Brömstrup
Dieses Fair Play, dieses aufeinander zugehen ist nicht alleine Produkt des Zufalls. Durch das Prinzip des Turniers wird die Völkerverständigung gewissermaßen erzwungen. Vor dem Spiel gibt es die Pre Match Discussion. Es werden gemeinsam die Regeln festgelegt, Erwartungen geäußert und man stimmt sich miteinander auf das Spiel ein. Während des Spiels gibt es keine Schiedsrichter, lediglich die Mediatoren am Spielfeldrand. Alle Fouls und Situationen werden im Dialog entschieden, gemeinsam eine Lösung gefunden. So zeigen die Spieler gegenseitigen Respekt, Toleranz und Kompromissbereitschaft. Dies erzeugt Sympathien unterhalb der Spieler. Zudem jubeln BEIDE Teams nach einem Tor gemeinsam!! Nach dem Spiel wird das Spiel wieder gemeinsam diskutiert und analysiert. Es werden gegenseitig Fair Play-Punkte vergeben, man gibt dem anderen Team Tipps, wie sie ihr Spiel verbessern können. Im Camp essen alle gemeinsam, die Fahrt zum Camp geschieht mit 3 Teams pro Bus. Der Dialog wird bewusst gesucht, die Young Leader forcieren es und machen einen brillianten, ehrenvollen Volunteer-Job, der sie erfüllt und vor dem ich die größten Respekt habe. Hochachtung vor der Arbeit der Delegation von der Street Football World.
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© Christian Rinke-Lazo
© Christian Rinke-Lazo
© Christian Rinke-Lazo
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Die Mannschaften genießen dieses Turnier und wir können es bestens nachvollziehen. Wir denken an unsere Jugendturniere im Ausland als wir klein waren und wären gern noch mal 18 und bei diesem Turnier dabei. Es ist für jeden einzelnen eine wahnsinnige Ehre und sie sind sich dessen ständig bewusst und nehmen ihre Rolle als Vorbilder an. Fair Play ist hier nicht nur ein Wort! Darüber hinaus entstehen Freundschaften, es entwickeln sich Liebschaften im Camp und es fließen Tränen beim Abschied. Den schönsten Moment erleben wir eigentlich nach Ende des Turniers, der Siegerehrung (Sieger MYSA Kenya, Fair Play Pokal für Spirit of Soccer aus Kambodscha) und den Auftritten der Delegierten. Das offizielle Programm ist aus, die Boxen verstummt aber keiner der Spieler geht vom Feld. Sie fangen an zu Trommeln, zu singen und auf einmal tanzen sie gemeinsam! Es ist der nächste große Gänsehautmoment, wir genießen ihn mit unseren Freunden aus Kenia und wollen genauso wenig gehen, wie die gesamten Spieler. Sie wissen auch genauso wie wir, dass es jetzt an der Zeit ist, Tschüss zu sagen. Und diesen Moment zögert man so lange wie möglich heraus und feiert noch einmal diese wunderschöne Woche. Nach mehr als einer Stunde müssen wir Tschüss sagen, sind geschafft und überwältigt und verlassen Leute, die uns über diese Zeit ans Herz gewachsen sind.
© Joohn Brömstrup
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© Christian Rinke-Lazo
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© Christian Rinke-Lazo
© Christian Rinke-Lazo
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