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Yabusame - ein tollkühnes Fest für die Götter
© Marcus HaidEin prachtvoll gekleideter Mann öffnet langsam einen rot-orangen Fächer und schwenkt ihn über seinem Kopf. Ein ebenso fantastisch gekleideter Reiter spornt sein Pferd an und reitet in vollem Galopp mit lautem Geschrei einen engen Kurs hinab. In einer Hand den Bogen und die Zügel des Pferdes - die andere Hand greift an den Rücken und zieht einen Pfeil aus dem Köcher. Bei voller Geschwindigkeit legt er den Pfeil ein und läßt die Zügel los. Er spannt den Bogen voll durch, dreht sich zur linken Seite und schießt den Pfeil ab - die hölzerne Zielscheibe zerspringt in zwei Teile - die Menge tobt. Immer noch freihändig im Sattel wieder ein Griff zum Köcher und schon fliegt der nächste Pfeil auf eine Zielscheibe…
© Marcus HaidEine Szene aus dem feudalen Japan? Nicht ganz, wir schreiben das Jahr 2012 und befinden uns in Tsuwano in der Präfektur Shimane, circa 150 km nordwestlich von Hiroshima.
Das Geschehnis hätte aber genauso gut im Jahre 552 stattfinden können und tatsächlich hat sich in fast 1.500 Jahren nicht viel an diesem uralten Ritual verändert. Yabusame, Bogenschießen vom Pferd aus, ist ein Shinto Ritual, das von Kaiser Kinmei ins Leben gerufen wurde und bis heute praktiziert wird.
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© Marcus HaidJeden zweiten Sonntag im April donnern im Washibara Hachimangu Schrein waghalsige Männer und Frauen mit Ihren Pferden einen fast unmöglich schmal erscheinenden 240 Meter langen, von blühenden Kirschbäumen gesäumten, Kurs hinunter. Die Reitanlage aus dem Jahre 1568 ist die einzige original erhaltene Yabusame Strecke in ganz Japan. In vollem Galopp versuchen die Reiter eine hölzerne Scheibe zu treffen, die etwa die Grösse einer auf die Spitze gestellten Pizza-Schachtel hat.
Ursprünglich ein rein spirituelles Ritual, herrscht bei Yabusame der olympische Gedanke vor und es geht weniger darum, einen Sieger zu ermitteln als die Götter zufriedenzustellen.
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© Marcus HaidAllein schon die prachtvollen, farbenfrohen Kostüme der Reiter, Schiedsrichter und Helfer sind eine Augenweide, wunderschön die gepflegten Pferde mit Ihren kunstvollen Geschirren und Sättel. Die reiterliche Leistung und Körperbeherrschung beim Bogenschiessen sind beeindruckend. Vor allem wenn man bedenkt welchen riesengroßen Aufwand das Training für die Männer und Frauen neben Ihren normalen Berufen bedeutet, um diese alte Tradition am Leben zu erhalten.
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© Marcus HaidSakura - die Kirschblüte. Ein Fest der vergänglichen Schönheit
Wenn die Blüten der japanischen Pflaumenbäume abfallen, markiert das den Übergang in eine weitere Zeit der Blütenpracht und eine der wichtigsten Jahreszeiten in Japan. Gespannt verfolgen die Menschen "sakura zensen", was wörtlich übersetzt so viel wie Kirschblüten-Front bedeutet. Die Japanische Meteorologische Behörde veröffentlicht Prognosen über die sich von Okinawa im Süden ausbreitende Kirschblüte, von Anfang Februar auf den subtropischen Inseln bis Mitte Mai auf der nördlichsten Insel Hokkaido.
Zögerlich weicht die winterliche Kälte den warmen Temperaturen des Frühlings und die Menschen bereiten sich auf Hanami vor - die Feste des "Blüten-Betrachtens"
© Marcus Haid
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Geschichtlich wird der Beginn dieser Festlichkeiten in die Nara-Periode (710-794) platziert, in der noch Ume - die Pflaumenblüte - bevorzugt wurde. In der Heian-Periode (794-1185) verlagerte sich die Verehrung dann auf die Kirschblüte und in der Poesie wurde Sakura, die Kirschblüte, zum Synonym der Blume. In Gedichten und der Literatur wurden die Blüten mit dem Leben selbst verglichen - zerbrechlich und wunderschön aber auch kurz und vergänglich. Dieses Konzept der vergänglichen Schönheit zieht sich bis in die heutige Zeit durch die japanische Kunst und Kultur.
© Marcus Haid
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Diese untrennbar mit Japan verbundene Zeit wollte ich unbedingt selbst erleben und habe mir die ehemalige Kaiserstadt Kyoto als Basis für mein persönliches Hanami ausgewählt. Kyoto ist eine sehr schöne, überschaubare Stadt mit vielen wunderbaren Möglichkeiten die Kirschblüte zu erleben. Zusätzlich liegt Kyoto verkehrsgünstig zwischen Osaka und Tokyo und ermöglicht so auch Tagesausflüge in andere Gebiete um möglichst viele Eindrücke zu sammeln.
Doch zunächst kam die Ernüchterung…
Kyoto begrüßte mich mit Regen und eisigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Von Kirschblüten keine Spur und das sollte auch noch einige Zeit so bleiben. Auch sakura zensen war nicht besonders ermutigend. Aufgrund einer ausgedehnten Kälteperiode würde die Kirschblüte dieses Jahr ungewöhnlich spät beginnen und aus den geplanten zwei Wochen in Kyoto sollten vier werden.
© Marcus Haid
Doch in der Zwischenzeit stehen die Kirschblüten in voller Pracht und die Menschen strömen zu hunderten und tausenden in die Tempelanlagen, Gärten und Parks um die Blüten zu betrachten. Ganz Japan scheint auf den Füßen und in Bewegung zu sein, von neugeborenen Babies bis zu alten Menschen. Hochzeiten haben Hochsaison, Getränke- und Essensstände sind für den Ansturm der Massen gerüstet.
© Marcus Haid
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Besonders beliebt sind zu dieser Jahreszeit Picknicks unter freiem Himmel inmitten der Kirschbäume in den vielen Gärten. Der Boden ist von riesigen blauen Plastikplanen bedeckt, rote Papierlaternen hängen in den Bäumen und Jung und Alt treffen sich hier, um zu essen, trinken und Spass zu haben.
© Marcus Haid
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Tempelanlagen und Bäume sind nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet, viele historische, normalerweise nicht zugängliche, Gebäude und Gärten sind für die kurze Zeit der Kirschblüte für Besucher geöffnet.
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Trotz des Massenansturms gibt es noch einige Geheimtipps und es ist mir auch gelungen, kleine Tempelanlagen zu finden in denen ich die Kirschblüten ganz für mich alleine hatte und zu verstehen begann, was die Kernaussage von Hanami - das besinnliche Betrachten der Blüten - ist…
© Marcus Haid
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3. April 2012
Zögerlich weicht die winterliche Kälte den warmen Temperaturen des Frühlings und die Menschen bereiten sich auf Hanami vor - die Feste des "Blüten-Betrachtens"
© Marcus Haid
© Marcus HaidGeschichtlich wird der Beginn dieser Festlichkeiten in die Nara-Periode (710-794) platziert, in der noch Ume - die Pflaumenblüte - bevorzugt wurde. In der Heian-Periode (794-1185) verlagerte sich die Verehrung dann auf die Kirschblüte und in der Poesie wurde Sakura, die Kirschblüte, zum Synonym der Blume. In Gedichten und der Literatur wurden die Blüten mit dem Leben selbst verglichen - zerbrechlich und wunderschön aber auch kurz und vergänglich. Dieses Konzept der vergänglichen Schönheit zieht sich bis in die heutige Zeit durch die japanische Kunst und Kultur.
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© Marcus HaidDiese untrennbar mit Japan verbundene Zeit wollte ich unbedingt selbst erleben und habe mir die ehemalige Kaiserstadt Kyoto als Basis für mein persönliches Hanami ausgewählt. Kyoto ist eine sehr schöne, überschaubare Stadt mit vielen wunderbaren Möglichkeiten die Kirschblüte zu erleben. Zusätzlich liegt Kyoto verkehrsgünstig zwischen Osaka und Tokyo und ermöglicht so auch Tagesausflüge in andere Gebiete um möglichst viele Eindrücke zu sammeln.
Doch zunächst kam die Ernüchterung…
Kyoto begrüßte mich mit Regen und eisigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Von Kirschblüten keine Spur und das sollte auch noch einige Zeit so bleiben. Auch sakura zensen war nicht besonders ermutigend. Aufgrund einer ausgedehnten Kälteperiode würde die Kirschblüte dieses Jahr ungewöhnlich spät beginnen und aus den geplanten zwei Wochen in Kyoto sollten vier werden.
© Marcus HaidDoch in der Zwischenzeit stehen die Kirschblüten in voller Pracht und die Menschen strömen zu hunderten und tausenden in die Tempelanlagen, Gärten und Parks um die Blüten zu betrachten. Ganz Japan scheint auf den Füßen und in Bewegung zu sein, von neugeborenen Babies bis zu alten Menschen. Hochzeiten haben Hochsaison, Getränke- und Essensstände sind für den Ansturm der Massen gerüstet.
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© Marcus HaidBesonders beliebt sind zu dieser Jahreszeit Picknicks unter freiem Himmel inmitten der Kirschbäume in den vielen Gärten. Der Boden ist von riesigen blauen Plastikplanen bedeckt, rote Papierlaternen hängen in den Bäumen und Jung und Alt treffen sich hier, um zu essen, trinken und Spass zu haben.
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© Marcus Haid
© Marcus HaidTempelanlagen und Bäume sind nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet, viele historische, normalerweise nicht zugängliche, Gebäude und Gärten sind für die kurze Zeit der Kirschblüte für Besucher geöffnet.
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© Marcus HaidTrotz des Massenansturms gibt es noch einige Geheimtipps und es ist mir auch gelungen, kleine Tempelanlagen zu finden in denen ich die Kirschblüten ganz für mich alleine hatte und zu verstehen begann, was die Kernaussage von Hanami - das besinnliche Betrachten der Blüten - ist…
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© Marcus Haid5 Monate und 10.000 km über 4 Inseln
Die Faszination Japan begann in meiner Kindheit. Ich erinnere mich an Fotografien meines Vaters, der als Leichtathlet der österreichischen Nationalmannschaft 1964 bei den olympischen Spielen in Tokyo an den Start ging und an die Geschichten meines Großvaters, der 1970 die Weltausstellung in Osaka besuchte.
Als ich dann meinen ersten Kinofilm mit Ninja und Samurai sah, war ich der Faszination vollends erlegen. Es folgte die Ausübung diverser asiatischer Kampfsportarten und der Zauber Japans blieb eine Konstante in meinem Leben. Das Abenteuer des eigenen Erlebens sollte aber noch viele Jahre auf sich warten lassen.
Das Reisen, die Fotografie und der Journalismus waren in der Zwischenzeit zu meinem Beruf geworden als sich schließlich vor zwei Jahren die Gelegenheit einer Dokumentation über Japan ergab.
Dies ist die Geschichte meiner modernen Abenteuerreise…
© Marcus Haid



Ich habe die Welt bereist, aber noch nie hatte ich Kontakt mit einer so eigenständigen und fremden Kultur wie in Japan.
Tief verwurzelt in jahrtausendealten Traditionen und gleichzeitig an der Speerspitze modernster Technologie des 21. Jahrhunderts. Shinto Schreine in modernen Einkaufszentren, Geishas und Teezeremonien neben schriller und verrückter Jugendkultur.
Ein Land in dem man als westlicher Besucher ständig mit vermeintlich vertrauten Eindrücken konfrontiert ist, nur um beim näheren Hinsehen festzustellen, dass es sich um etwas einzigartig japanisches handelt. Ein Land das einen zwingt, viele der eigenen Konzepte abzulegen und sich wirklich für neue Eindrücke zu öffnen.
Überraschend wie viele Klischees sich als tatsächliche Realität herausstellen und erfrischend viele wunderbare neue Erfahrungen und Eindrücke.
© Marcus Haid
© Marcus HaidMt. Fuji im Abendlicht
© Marcus HaidUme - der japanische Pflaumenbaum blüht Anfang März und seine abfallenden Blätter leiten den Beginn der Kirschblüte ein
Als ich dann meinen ersten Kinofilm mit Ninja und Samurai sah, war ich der Faszination vollends erlegen. Es folgte die Ausübung diverser asiatischer Kampfsportarten und der Zauber Japans blieb eine Konstante in meinem Leben. Das Abenteuer des eigenen Erlebens sollte aber noch viele Jahre auf sich warten lassen.
Das Reisen, die Fotografie und der Journalismus waren in der Zwischenzeit zu meinem Beruf geworden als sich schließlich vor zwei Jahren die Gelegenheit einer Dokumentation über Japan ergab.
Dies ist die Geschichte meiner modernen Abenteuerreise…
© Marcus Haid


Ich habe die Welt bereist, aber noch nie hatte ich Kontakt mit einer so eigenständigen und fremden Kultur wie in Japan.
Tief verwurzelt in jahrtausendealten Traditionen und gleichzeitig an der Speerspitze modernster Technologie des 21. Jahrhunderts. Shinto Schreine in modernen Einkaufszentren, Geishas und Teezeremonien neben schriller und verrückter Jugendkultur.
Ein Land in dem man als westlicher Besucher ständig mit vermeintlich vertrauten Eindrücken konfrontiert ist, nur um beim näheren Hinsehen festzustellen, dass es sich um etwas einzigartig japanisches handelt. Ein Land das einen zwingt, viele der eigenen Konzepte abzulegen und sich wirklich für neue Eindrücke zu öffnen.
Überraschend wie viele Klischees sich als tatsächliche Realität herausstellen und erfrischend viele wunderbare neue Erfahrungen und Eindrücke.
© Marcus Haid
© Marcus HaidMt. Fuji im Abendlicht
© Marcus HaidUme - der japanische Pflaumenbaum blüht Anfang März und seine abfallenden Blätter leiten den Beginn der Kirschblüte ein

