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28. Juni 2012
Die magischen Wälder von Yakushima
© marcus haidAber beginnen wir am Anfang des Abenteuers Yakushima:
Die Fähre zur Insel kann nur mit japanischen Sprachkenntnissen vorausgebucht werden, eine Bezahlung ist nur mit japanischer Kreditkarte oder Kontoüberweisung von einem japanischen Konto aus möglich. Ein Freund in Japan hilft aus und mein Ticket ist gebucht. Die Insel ist zwar nicht besonders groß, zur Fortbewegung braucht man idealerweise aber ein eigenes Auto. Man kann es bereits erahnen, die Buchung dieses Autos nimmt einen ähnlichen Verlauf wie die des Fährentickets - wie gut dass man Freunde hat...
Am Vorabend erreiche ich die Hafenstadt Kagoshima am südwestlichen Ende von Kyushu. Die Stadt liegt an der Westseite einer Bucht in deren Mitte sich bedrohlich der allgegenwärtige Vulkan Sakurajima erhebt. Sakurajima ist einer der aktivsten Vulkane Japans und die Tatsache dass der letzte Ausbruch am 13. März 2011 stattfand sowie die nur 12 km Entfernung des Vulkangipfels vom Stadtzentrum, macht das etwas mulmige Gefühl in meiner Magengegend nicht besser, als ich mein Zimmer im Ryokan beziehe.
An der Hafenpromenade sitze ich an einem wunderbaren Frühsommerabend in einem kleinen Shabu-Shabu Restaurant, das zu meinem großen Erstaunen auch Pizza anbietet. Des Rätsels Lösung gesellt sich recht bald zu mir an den Tisch. Maria, die Besitzerin des Restaurants, liebt Europa, ganz besonders Italien und versichert mir, dass sie die beste italienische Küche in Kyushu anzubieten hat und ihre Pizzas im original Steinofen gebacken werden. Es ist immer wieder erstaunlich welche Konversationen man mit ein paar Brocken Englisch, Japanisch, einem Bleistift und Blatt Papier führen kann. Im Verlauf des Abends erfahre ich, dass Maria ursprünglich von den Amami Inseln zwischen Kyushu und Okinawa kommt, Christin ist, bereits Europa besucht hat und es unheimlich toll findet, dass heute jemand aus Österreich bei ihr zu Gast ist. Der perfekte Ausklang des Abends ist eine junge Frau, die Shamisen spielt, singt und gemeinsam mit Maria an den Trommeln traditionelle Musik von den Amami Inseln darbietet.
Die Pizza war übrigens sehr gut - wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, sie mit Stäbchen zu essen.
Ganz früh am Morgen verlässt die Fähre den Hafen von Kagoshima mit Kurs auf Yakushima.
Die Expressfähre ist ein sehr eigenwilliges Tragflächenboot, das über die Wasseroberfläche zu fliegen scheint und nach knapp 3 Stunden den Hafen von Yakushima erreicht. Eine Konversation mit Händen und Füßen später bin ich stolzer Besitzer eines kleinen Mietwagens, mit dem ich zu meinem Minshuku, einer kleinen Herberge, fahre. Nach einigem weiteren Gestikulieren, Lächeln und vielen Verbeugungen beziehe ich mein kleines Zimmer und beginne mit der Erkundung der Insel.
Yakushima ist eine fast kreisrunde Insel mit einem Durchmesser von 28 km und kann bequem über eine Ringstraße entlang der Küste abgefahren werden. Einer der Hauptgründe Yakushima zu besuchen liegt allerdings darin, die Straßen zu verlassen und in den dichten Regenwald einzutauchen, der die gesamte Insel wie eine dicke grüne Decke überzieht. Der Großteil der Insel ist heute ein Nationalpark und seit 1993 auch eine UNESCO Welterbestätte.
© marcus haidIn der Mitte der Insel erhebt sich ein gewaltiges Gebirgsmassiv, das von den goldenen Sandstränden auf Meeresniveau bis auf 1.936 m emporschießt und Yakushima zum südlichsten Ort Japans macht, in dem im Winter Schnee auf den Bergen liegt. Diese hohen Berge sind auch der Grund dafür, dass Yakushima einer der nassesten Orte dieser Erde ist. In den Bergen fällt eine gewaltige Menge von bis zu 10.000 mm Niederschlag pro Jahr. Nicht umsonst scherzen die Bewohner der Insel, dass es hier 35 Tage pro Monat regnet.
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© marcus haidFür viele Japaner ist ein Besuch von Yakushima neben Hokkaido ein Abenteuer in der Wildnis. Dementsprechend viele Touristen kommen auch auf die Insel. Ich entscheide mich, die kurzen Rundwege zu meiden und die etwas längeren und anstrengenderen Wanderungen zu unternehmen und habe damit den Urwald praktisch für mich alleine - aus menschlicher Sicht. Rufe von Affen und Vögeln und das stetige Plätschern und Tropfen von Wasser sind mein stetiger Begleiter durch das grüne Dickicht. Als sich dann noch einer der kleinen einheimischen Sika Hirsche an meine Seite gesellt und mich neugierig ein Stück des Weges begleitet habe ich das Gefühl, endgültig der Realität entschwunden und in einen uralten verwunschenen Märchenwald eingetaucht zu sein.
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© marcus haidDer berühmte japanische Regisseur und Oscar-Gewinner Hayao Miyazaki soll sich die Inspiration für seinen bekannten Anime Film "Prinzessin Mononoke" bei einem Besuch auf Yakushima geholt haben. Inmitten dieser magischen Wälder habe ich keinen Zweifel daran, dass diese Geschichte wahr ist.
Einer grünen Wand gleichend erstreckt sich ein endloser gemäßigter Regenwald vor mir. Riesige Wurzeln schlingen sich wie gespenstische Lebewesen über Bäume und Felsen. Die Phantasie malt Gesichter und seltsame Fabelwesen in die Landschaft. Die stummen Wächter der Wälder sind die gewaltigen Baumriesen - Yaku Sugi - uralte japanische Zedern, die zu wachsen begannen als das römische Reich in Europa im Entstehen begriffen war. Jomon-sugi ist der Älteste der Zedern und weit über 2.500 Jahre alt.
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© marcus haidWährend der Edo Periode Japans waren Dachschindeln aus dem Holz der Yakushima Zedern so wertvoll, dass sie anstelle von Reis für die Bezahlung von Steuern verwendet wurden.
Der Tag neigt sich dem Ende zu und nach einer langen Wanderung verlasse ich den Wald in Richtung Zivilisation. In den letzten warmen Sonnenstrahlen haben es sich einige neugierige Makaken - Yakuzaru genannt - am Straßenrand zur gegenseitigen Fellpflege gemütlich gemacht.
© marcus haid
© marcus haidDer Gedanke, dass die Affen eigentlich genau die richtige Idee haben, lässt mich zur Straßenkarte greifen und mein nächstes Ziel ansteuern. Ich setze mich an einen goldenen Sandstrand, stecke meine Füße in den noch warmen Sand und sehe zu wie die Sonne am Horizont in den Ozean taucht.
© marcus haid
© marcus haidKommentare zu "Die magischen Wälder von Yakushima"
Yakushima
Danke für die tollen Bilder aus Yakushima, nach dem Lesen des Artikels hab ich mir Japan als Reiseziel vorgenommen und freue mich auf weitere interessante Geschichten.
Tolle Fotos
Vielen Dank für die tollen Eindrücke - wirklich wunderschöne Fotos. Gerade die Nahaufnahme des jungen Äffchens finde ich sehr gelungen!
It's magic
Wow, fantastische Bilder!
Für mich eine super Inspiration, da ich mich gerade im fotografieren übe...
Wirklich toll!
wow echt magische fotos :-) es ist sehr schwer ein nr 1 zu finde da alles super sind
Wow - unglaublich schöne Bilder!
Ich träume schon lange von einem Japan Urlaub, aber verwunschene Wälder habe ich noch nie mit diesem faszinierenden Land verbunden! Wunderschön und ich kann mir sofort vorstellen, warum dieser Wald als Vorlage für Prinzessin Mononoke diente.
Schöne Grüße
Christina
Super Fotos voller Emotionen - würde gerne wissen mit welcher Kamera Herr Haid fotografiert hat. Und gab es Probleme mit der Technik im Urwald.
Herzliche Grüsse
Alexander
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Dieser Artikel hat mir sehr gefallen und meine Fantasie befluegelt. Vielen Dank. Warte sehnsuechtig auf den naechsten.