Hauptinhalt
31. Mai 2012
Budo - japanische Kampfkunst im 21. Jahrhundert
Wenn man in Japan versucht, etwas auf offiziellem Wege zu organisieren, stößt man zunächst meist auf... nichts... Schweigen, keine Reaktion. Ein "Nein" ist in Japan der letzte Ausweg. Lieber ausweichend antworten oder am besten gar nicht. "Tot stellen" ist immer noch besser als sein Gegenüber mit einer Ablehnung zu beleidigen.
Als ehemaliger Kampfsportler war es mir sehr wichtig, diesen Aspekt der japanischen Kultur zu dokumentieren. Budo - Kampfkunst - ein für Außenstehende nur schwer einzuordnendes Konzept einer komplexen Vermischung aus Tradition, Ritual, Philosophie, Lebensform, Religion und Sport.
Als ausländischer Besucher ist es nicht möglich einfach so in ein Dojo - den Trainingsraum - zu spazieren um dort gar Foto- und Filmaufnahmen zu machen. Alle meine Bemühungen, eine Einladung in ein Dojo zu bekommen, endeten an der unüberwindbar scheinenden Mauer des Schweigens.
© marcus haid
Nach unzähligen E-Mails und Kontaktversuchen endlich eine Antwort, ich bin in ein Kendo-Dojo in Osaka eingeladen. Meine Instruktionen lauten: "Freitag, Namba Station, 18:15 Uhr, Ausgang Nr. 5". Ich habe keine Ahnung was mich erwartet, ich packe meine Ausrüstung und setze mich in den Zug von Kyoto nach Osaka. Um 18:10 spuckt mich eine Rolltreppe am Ausgang Nr. 5 auf Straßenebene aus und ich werde freundlich von einem jungen Mann begrüßt. George, ein gebürtiger Schotte, der seit Jahren in Osaka lebt, sollte mein Türöffner in die Welt eines japanischen Kendo Dojos sein. Verbindet mich doch mit Schottland aufgrund meiner Arbeit ein ganz besonderes Verhältnis, konnte ich mir ein Lächeln über die Zufälle im Leben nicht verkneifen.
Plötzlich ist alles ganz einfach, die japanischen Sensei - Lehrmeister - begrüßen mit freundlich im Dojo und ich habe uneingeschränkte Foto- und Filmerlaubnis.
Im Turnsaal einer Schule treffen sich Männer und Frauen zum Kendo-Training. Die jüngste Kämpferin an diesem Abend ist 4 Jahre alt und George erzählt mir, dass sie das erste Mal noch in Windeln durch das Dojo gelaufen ist. Den ältesten Lehrmeister schätze ich auf Ende 70.
© marcus haid
© marcus haid
© marcus haid
Eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse erfüllt die Halle. Durchdringende Kampfschreie, stampfende Füße und laute Schläge, wenn die Bambus-Schwerter mit voller Wucht auf die Rüstung des Gegners treffen.
Das moderne Kendo, was übersetzt ungefähr so viel wie "Weg des Schwertes" bedeutet, entwickelte sich aus dem traditionellen Schwertkampf-Training der Samurai, dem Kenjutsu.
Die Kendoka tragen traditionelle japanische Kleidung, darüber eine Rüstung aus Men, Do, Tare und Kote - Helm, Brustschutz, Lendenschutz und dicke Handschuhe. Gekämpft wird mit dem sogenannten Shinai, ein - simplifiziert ausgedrückt - aus Bambus gefertigtes Wettkampfschwert, welches das ursprüngliche Katana symbolisiert.
© marcus haid
© marcus haid
© marcus haid
Eine energiegeladene und kraftvolle Atmosphäre erfüllt das Dojo während die Kampfsportler mit präzisen, schnellen Bewegungen aufeinander treffen. Ein kurzes gegenseitiges Umkreisen, dann stürzt einer der beiden Kendoka mit einem gellenden Schrei nach vorne, der vordere Fuß stampft in den Boden und das Schwert kracht auf den Helm seines Gegners - Treffer.
Die Fortgeschrittenen stellen sich etwas weiter oben in Reih und Glied an, um ein Match mit dem erfahrensten Sensei zu ergattern, der trotz seines Alters die Schüler der Reihe nach scheinbar mühelos bezwingt.
© marcus haid
© marcus haid
Der Besuch in Osaka scheint den Bann gebrochen zu haben, denn kurz darauf habe ich noch die Möglichkeit ein Aikido Dojo und eine Kyudo Trainingseinheit zu besuchen.
Kyudo, der "Weg des Bogens" ist die jahrhundertealte Kunst des japanischen Bogenschießens.
Der Besuch im Kyudo Dojo steht im krassen Gegensatz zum Kendo Training. Wunderbar gekleidete Männer und Frauen bewegen sich fast wie in Zeitlupe mit ritualisierten Bewegungen, in der Halle kann man eine Stecknadel fallen hören. Die Kyudoka scheinen sich eher in einer Meditation zu befinden als einen Sport auszuüben. Geschossen wird mit einem Yumi, dem traditionellen japanischen Bogen, der sich stark von westlichen Bögen unterscheidet. Ein Yumi ist über 2 Meter hoch, damit größer als der Bogenschütze und asymmetrisch aufgebaut - der obere Wurfarm des Bogens ist weitaus länger als der untere.
Bei den jüngeren und unerfahreneren Kyudoka verrät das Zittern der Hände und Arme noch wie anstrengend es ist, diesen Bogen korrekt durchzuspannen.
© marcus haid
© marcus haid
Gleich neben dem Kyudo Dojo im Kyoto Budo Center dringen vertraute Kampfschreie und die Geräusche von Bambusschwertern, die auf Rüstungen treffen aus dem Kendo Dojo. Eine Sporthalle weiter trainiert neben einigen Badminton Spielern eine kleine Gruppe gekleidet in traditioneller japanischer Kleidung Iaido - die Kunst des Schwertziehens.
Budo, seit Jahrtausenden untrennbar mit der japanischen Kultur verbunden und auch im 21. Jahrhundert in moderner Form noch sehr lebendig...
© marcus haid
Als ehemaliger Kampfsportler war es mir sehr wichtig, diesen Aspekt der japanischen Kultur zu dokumentieren. Budo - Kampfkunst - ein für Außenstehende nur schwer einzuordnendes Konzept einer komplexen Vermischung aus Tradition, Ritual, Philosophie, Lebensform, Religion und Sport.
Als ausländischer Besucher ist es nicht möglich einfach so in ein Dojo - den Trainingsraum - zu spazieren um dort gar Foto- und Filmaufnahmen zu machen. Alle meine Bemühungen, eine Einladung in ein Dojo zu bekommen, endeten an der unüberwindbar scheinenden Mauer des Schweigens.
© marcus haidNach unzähligen E-Mails und Kontaktversuchen endlich eine Antwort, ich bin in ein Kendo-Dojo in Osaka eingeladen. Meine Instruktionen lauten: "Freitag, Namba Station, 18:15 Uhr, Ausgang Nr. 5". Ich habe keine Ahnung was mich erwartet, ich packe meine Ausrüstung und setze mich in den Zug von Kyoto nach Osaka. Um 18:10 spuckt mich eine Rolltreppe am Ausgang Nr. 5 auf Straßenebene aus und ich werde freundlich von einem jungen Mann begrüßt. George, ein gebürtiger Schotte, der seit Jahren in Osaka lebt, sollte mein Türöffner in die Welt eines japanischen Kendo Dojos sein. Verbindet mich doch mit Schottland aufgrund meiner Arbeit ein ganz besonderes Verhältnis, konnte ich mir ein Lächeln über die Zufälle im Leben nicht verkneifen.
Plötzlich ist alles ganz einfach, die japanischen Sensei - Lehrmeister - begrüßen mit freundlich im Dojo und ich habe uneingeschränkte Foto- und Filmerlaubnis.
Im Turnsaal einer Schule treffen sich Männer und Frauen zum Kendo-Training. Die jüngste Kämpferin an diesem Abend ist 4 Jahre alt und George erzählt mir, dass sie das erste Mal noch in Windeln durch das Dojo gelaufen ist. Den ältesten Lehrmeister schätze ich auf Ende 70.
© marcus haid
© marcus haid
© marcus haidEine ohrenbetäubende Geräuschkulisse erfüllt die Halle. Durchdringende Kampfschreie, stampfende Füße und laute Schläge, wenn die Bambus-Schwerter mit voller Wucht auf die Rüstung des Gegners treffen.
Das moderne Kendo, was übersetzt ungefähr so viel wie "Weg des Schwertes" bedeutet, entwickelte sich aus dem traditionellen Schwertkampf-Training der Samurai, dem Kenjutsu.
Die Kendoka tragen traditionelle japanische Kleidung, darüber eine Rüstung aus Men, Do, Tare und Kote - Helm, Brustschutz, Lendenschutz und dicke Handschuhe. Gekämpft wird mit dem sogenannten Shinai, ein - simplifiziert ausgedrückt - aus Bambus gefertigtes Wettkampfschwert, welches das ursprüngliche Katana symbolisiert.
© marcus haid
© marcus haid
© marcus haidEine energiegeladene und kraftvolle Atmosphäre erfüllt das Dojo während die Kampfsportler mit präzisen, schnellen Bewegungen aufeinander treffen. Ein kurzes gegenseitiges Umkreisen, dann stürzt einer der beiden Kendoka mit einem gellenden Schrei nach vorne, der vordere Fuß stampft in den Boden und das Schwert kracht auf den Helm seines Gegners - Treffer.
Die Fortgeschrittenen stellen sich etwas weiter oben in Reih und Glied an, um ein Match mit dem erfahrensten Sensei zu ergattern, der trotz seines Alters die Schüler der Reihe nach scheinbar mühelos bezwingt.
© marcus haid
© marcus haidDer Besuch in Osaka scheint den Bann gebrochen zu haben, denn kurz darauf habe ich noch die Möglichkeit ein Aikido Dojo und eine Kyudo Trainingseinheit zu besuchen.
Kyudo, der "Weg des Bogens" ist die jahrhundertealte Kunst des japanischen Bogenschießens.
Der Besuch im Kyudo Dojo steht im krassen Gegensatz zum Kendo Training. Wunderbar gekleidete Männer und Frauen bewegen sich fast wie in Zeitlupe mit ritualisierten Bewegungen, in der Halle kann man eine Stecknadel fallen hören. Die Kyudoka scheinen sich eher in einer Meditation zu befinden als einen Sport auszuüben. Geschossen wird mit einem Yumi, dem traditionellen japanischen Bogen, der sich stark von westlichen Bögen unterscheidet. Ein Yumi ist über 2 Meter hoch, damit größer als der Bogenschütze und asymmetrisch aufgebaut - der obere Wurfarm des Bogens ist weitaus länger als der untere.
Bei den jüngeren und unerfahreneren Kyudoka verrät das Zittern der Hände und Arme noch wie anstrengend es ist, diesen Bogen korrekt durchzuspannen.
© marcus haid
© marcus haidGleich neben dem Kyudo Dojo im Kyoto Budo Center dringen vertraute Kampfschreie und die Geräusche von Bambusschwertern, die auf Rüstungen treffen aus dem Kendo Dojo. Eine Sporthalle weiter trainiert neben einigen Badminton Spielern eine kleine Gruppe gekleidet in traditioneller japanischer Kleidung Iaido - die Kunst des Schwertziehens.
Budo, seit Jahrtausenden untrennbar mit der japanischen Kultur verbunden und auch im 21. Jahrhundert in moderner Form noch sehr lebendig...
© marcus haidKommentare zu "Budo - japanische Kampfkunst im 21. Jahrhundert"
"Budo - japanische Kampfkunst im 21. Jahrhundert" kommentieren


Beeindruckend - besonders die Bilder der (Stock-)Kämpfer.