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24. November 2010
Rheinsteig
Am Sonntag war ich auf dem Rheinsteig. Das ist eine Panoramaroute im Mittelrheintal, die ich seit ein paar Jahren immer mal wieder streckenweise bewandere. Ich möchte nicht behaupten, dass ich Rheinsteig-Experte bin. Aber ich kenne mich dort bestimmt so aus, dass ich mich nicht verlaufen dürfte. Vor allem nicht, weil sich die Route immer am Rhein entlang hangelt. Und außerdem erst vor ein paar Jahren eröffnet wurde, mit ziemlichen Brimborium.
Das hier mal gleich vorneweg: Wahrscheinlich gibt es im ganzen Wanderland keine andere Vorzeigestrecke, die derart miserabel ausgeschildert ist wie der Rheinsteig. Sein blauweißes Wegezeichen wurde bevorzugt auf Baumrinden gesprüht, die mittlerweile gerne genau dort weggebrochen sind, wo der Richtungspfeil sein sollte (unter oder neben diesen Bäumen liegen meist perfekte Felsbrocken). Oder hundert Meter NACH einer Kreuzung, und nicht AN einer. Beziehungsweise gar nicht an oder in der Nähe der Kreuzung, dafür aber sieben Mal auf 500 Metern an einem langen, kerzengeradeaus führendem Stück. Dazu kommt, dass im Rheintal offensichtlich jeder seinen eigenen Weg anschlagen darf, deswegen gibt es hier nicht nur den blauweißen Rheinsteig, sondern auch den gelben Burgensteig (wobei allerdings zwischendrin über mehrere Kilometer so getan wird, als seien die beiden ein und dasselbe), und den Spätburgunderweg und den Freiligrathweg gibt es auch, plus ein undurchschaubares Sammelsurium an verblassten, korrigierten und übermalten Ziffern, Buchstaben, Nordic Walking- und Weinkelchsymbolen. Hin und wieder kommt man an eine Tafel mit Landkarte, auf der man zwar sehr liebevoll das jeweilige Mittelrhein-Panorama abgebildet hat, leider aber nie den eigenen Standort. Sehr viel öfter trifft man Wanderer von außerhalb, die mehr oder weniger orientierungslos auf den endlosen Serpentinen über Assmannshausen oder Rüdesheim herumirren, um nach zwei Wanderstunden im Zickzack festzustellen, dass die Burgruine von heute früh jetzt 75 Meter unter ihnen liegt.
Das waren auch die Orte, zwischen denen ich mich dann - doch: verlaufen habe. Weil der Rheinsteig plötzlich nicht mehr so verlief wie bisher immer, sondern in einer großen Schleife, die weit weg vom Rhein führte, um zwei jämmerlich kleine Ruinen miteinzubinden. Wahrscheinlich hat sich die Gemeinde, auf deren Terrain diese historischen Höhepunkte liegen, vom Rheinsteigruhm ausgeschlossen gefühlt - und die Route schnell abändern lassen. Oder selbst flugs Hand angelegt. Es macht hier ja anscheinend eh jeder, was er will.
Achso: Wenn man sie findet, ist die Strecke übrigens traumhaft schön.
Kommentare zu "Rheinsteig"
bist du dir sicher?
Lieber 47 tukane, du bist sehr viel auf der Welt unterwegs, aber irgendwie tut sich mir hier die Frage auf, ob du tatsächlich auch auf dem Rheinsteig warst? Im Schwarzwald wäre das nicht passiert. Dort verirrt man sich nicht wegen fehlender Beschilderung. Man verläuft sich aufgrund der großen Schildervielfalt. Siehe hier: http://www.flickr.com/photos/takkito/4751902082/

lieber dieter vogel,
das buch ist wirklich ein gutes, habe ich auch - bloß im regal. man sollte es in den rucksack stecken. die strecke, um die es ging, war die zwischen assmannshausen und rüdesheim, wie be- und geschrieben.
vorgestern war ich zwischen kaub und st. goarshausen unterwegs, wo die beschilderung tatsächlich einwandfrei war. die beiden etappen sind für mich auch die schönsten. und zur zeit ist so wenig los, dass man sehr viel wild sieht!
liebe takki,
was heißt: "ob du tatsächlich auf dem rheinsteig unterwegs warst"? job ist job! und außerdem: denk mal an das ozonloch! den meeresspiegel! die apokalypse! da muss man schon mal in der nähe bleiben, ohja.
"Rheinsteig" kommentieren

Ich habe ganz andere Erfahrungen mit dem Rheinsteig gemacht - insbesondere in Verbindung mit dem dazu erhältlichen Rheinsteigführer: Super ausgeschrieben und ausgeschildert, eben gerade nicht an Bäume gesprüht, sondern fast ausschließlich Schilder. Und diese oft auf beiden Seiten des Baumes, der Mauer, oder ..., damit man beim Wandern in beiden Richtungen das Schild sieht.
Außerdem besteht der Rheinsteig aus 24 Touren, die - zugegeben - nicht ausschließlich mit Rheindirektsicht verlaufen. Da sollte der "Zeterer" schon konkret sagen, wo die schlechte Beschilderung war. Dann kann das vielleicht sogar geändert/verbessert werden.