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Der Reise-Blog von Stefan Nink
"Wenn Sie hier stehen, beträgt Ihre voraussichtliche Wartezeit noch etwa drei Stunden"
Dass man bei der Einreise in die USA mittlerweile mit mehreren Stunden Wartezeit rechnen muss, konnten man in den vergangenen Tagen ja schon öfter lesen (z.B. hier). Die Kürzungen im Haushalt haben aber auch drastische Auswirkungen für Reisende, die von einem us-amerikanischen Hafen aus auf Kreuzfahrt gehen wollen. Beziehungsweise: von einer solchen zurück kommen. Die Kollegen von WSVN-TV zeigen Aufnahmen von einer Warteschlange, die so lang ist, dass man sich wundern muss, wie ruhig die Leute bleiben.
Das sind übrigens amerikanische Touristen. Als die Haushaltskürzungen vor ein paar Wochen beschlossen wurden, hat eine erschreckend große Mehrheit damit geprahlt, sich null für die Haushaltspolitik der Regierung zu interessieren. Vielleicht ändert sich das ja jetzt.
27. März 2013
Das sind übrigens amerikanische Touristen. Als die Haushaltskürzungen vor ein paar Wochen beschlossen wurden, hat eine erschreckend große Mehrheit damit geprahlt, sich null für die Haushaltspolitik der Regierung zu interessieren. Vielleicht ändert sich das ja jetzt.
Frühstück!
Foto: Stefan Nink"Ihre Anschlusszüge werden leider nicht erreicht..."
Die letzten Wochen habe ich mehr oder weniger durchgehend in Zügen der Deutschen Bahn verbracht. Auf Lesereise. Der Winter ist ja keine gute Zeit für sowas, dieser endlose erst recht nicht, trotzdem: Hätte nicht die ein oder andere Fahrt problemlos verlaufen können? Drei oder vier Reisen von gefühlten 68?
Einmal bin ich tatsächlich pünktlich angekommen, in Leipzig, zur Buchmesse. Einmal. Sonst war immer was. Jedes Mal. Es war
- Schneebruch
- Oberleitungsschaden
- unerklärliches Warten auf freier Strecke
- eingleisige Streckenführung
- Verspätung wegen Zugüberholung
- Verspätung wegen Personen auf den Gleisen
- Verspätung wegen verspäteter Bereitstellung
- Verspätung wegen weißderTeufelwas
Toiletten fielen aus. Wasser fehlte. Wagen auch. Züge wurden grundsätzlich anders gereiht, als es an den Bahnsteigen angezeigt wurde.
Und dann war da Büchen. Ein Ort in der Pampa, zwischen Lüneburg und Berlin. Ein Ort, der einen Bahnhof bekommen soll, irgendwann, ganz bald, die Bagger sind schon da. Ich weiß nicht, was man früher machte, wenn man hier bei minus acht Grad den Zug verpasste - für die Zeit der Bauarbeiten aber hat die Bahn Gnade gezeigt und für alle Gestrandeten einen Baucontainer aufgestellt. Einen leeren Baucontainer, für einen Satz Plastikstühle ist offenbar kein Geld da, das wird gerade in Stuttgart vergraben.
Und bald kommt dann wieder die Statistik, nach der 97,8 Prozent aller Züge pünktlich sind.
Foto: Stefan NinkAm Nebentisch (2)
Das Rentnerpaar im Zug gegenüber, dass es schafft, jede Minute der stundenlangen Reise mit Aktion zu füllen, wo ist denn meine Uhr, hol doch mal das Ticket raus, kannst du mir mal meine Handtasche geben, hast du das Buch etwa vergessen, du bist eben schon wieder eingeschlafen, lass mich mal ans Fenster, meinst du, den Anschluss kriegen wir, willst du den Apfel nicht erst mal abwaschen, komm, ich schau mal nach den Keksen, herrje, jetzt hast du die Flasche nicht richtig zugedreht, alles ist nass hier, zieh mal besser die Jacke an, hier zieht es ja wie Hechtsuppe - so geht das Stunde um Stunde, und wenn mal nicht geredet wird, wird mit den Fingern auf dem Klapptisch getrommelt oder irgendein Lied gebrummelt.
Und dann kommt der Schaffner und fragt freundlich nach den Tickets, und was sagen die beiden: Nun immer mal mit der Ruhe, junger Mann, sagen sie.
21. Februar 2013
Und dann kommt der Schaffner und fragt freundlich nach den Tickets, und was sagen die beiden: Nun immer mal mit der Ruhe, junger Mann, sagen sie.
Kleine Welten (1)
Manchmal lohnt es sich, ein wenig genauer hinzuschauen -
Pilz auf einem tasmanischen Baumstamm:
Stefan Nink
18. Februar 2013
Pilz auf einem tasmanischen Baumstamm:
Stefan NinkLetztens in... Montgomery, Alabama
In Montgomery mögen sie uns überhaupt nicht. Jedenfalls nicht im Hank Williams-Museum - einer kleinen Gedenkstätte für den größten Sohn der Stadt, die unter einem grauen Himmel hockt, als brüte sie eine schwere Grippe aus. Hank war ja sowas wie der Vater aller musizierenden Outlaws, ein Mann, der Whisky liebte und Morphium brauchte. Hank sang, dass die Nackenhaare Spalier standen, sang von Liebe, Tod und Teufel, sang treffliche Lieder wie „I am so lonesome I could die“ oder „I will never get out of this world alive“, was sich im bescheidenen Alter von 29 Jahren dann auch prompt bewahrheitete. Nun wird sein Erbe von einer Kuratorin verwaltet, die sich bei unserem Eintreten innerlich bekreuzigt. „Alles, was Sie über Hank Williams schreiben, muss uns vor Abdruck vorgelegt werden! Wir lassen nur absolut positive Berichte zu.“ Sie überlegt. „So, wie Sie aussehen, weiß ich allerdings schon, wie Ihr Artikel ausfallen wird.“ Was? Gar nicht wird er, gar nicht! Die wird sich wundern! Natürlich würde man jetzt gerne diskutieren, über Meinungsfreiheit und einiges mehr aus dem First Amendment, aber dann ruft sie wahrscheinlich gleich den Museumsanwalt an, das lassen wir lieber. Kein Wunder, dass Hank die Freiheit in der Flasche gesucht hat - anderswo ist die nicht zu finden in Montgomery, Alabama. Das Tribute-Album für unverschämte 24,95$ kann sie natürlich auch behalten. Da fahren wir lieber hinüber zur Hank Williams-Statue und lassen uns von den Moskitos zerstechen.
13. Februar 2013
Passwort
Hotelbetreiber und Besitzer von Pensionen müssen ja höllisch aufpassen, dass böse Gäste ihren WLAN-Zugang nicht dazu nutzen, um schnell mal das Gesamtwerk von Miles Davies von einer Tauschbörse zu saugen.
Neulich hat mir die Besitzerin eines kleinen B&B in Irland erzählt, dass ihr ein Auto aufgefallen sei, das ständig auf der Straße vor dem Haus parkte. Auf dem Fahrersitz saß ein Mann mit Notebook. Als sie dann mal vorsichtig an die Scheibe klopfte, kam heraus, dass da jemand den - unverschlüsselten - Zugang des B&B-WLANs zur Vervollständigung seiner Musiksammlung nutzte.
Seitdem hat das B&B ein Passwort. Und was für eins!
Stefan Nink
11. Februar 2013
Neulich hat mir die Besitzerin eines kleinen B&B in Irland erzählt, dass ihr ein Auto aufgefallen sei, das ständig auf der Straße vor dem Haus parkte. Auf dem Fahrersitz saß ein Mann mit Notebook. Als sie dann mal vorsichtig an die Scheibe klopfte, kam heraus, dass da jemand den - unverschlüsselten - Zugang des B&B-WLANs zur Vervollständigung seiner Musiksammlung nutzte.
Seitdem hat das B&B ein Passwort. Und was für eins!
Stefan NinkAbstecher nach: Prag


alle Fotos: Stefan NinkDunkel ist der Worte Sinn (3), heute:
Stefan NinkVerstehe ich das richtig? Und wenn ja: Wie isst man so etwas? Zwischen zwei Brötchenhälften?
Am Nebentisch (1)
In einem Café in Udaipur sitzt ein Franzose und isst einen Nudelsalat, den er zuvor mit viel Tam-Tam und lautem "Ich-spreche-jetzt-wirklich-extra-deutlich-für-Dich"-Französisch bei dem kleinen Jungen bestellt hat, der hier aushilft. Die nächsten fünf Tage wird der Franzose mit Magenkrämpfen und Durchfall fliegenumschwärmt in seinem nicht klimatisierten Gästehauszimmer liegen, aber das weiß der Franzose jetzt natürlich noch nicht. Jetzt isst er seinen Kartoffelsalat mit viel Mayonnaise und telefoniert mit einem Freund in Paris. Dem erklärt er, wie toll dieses Indien sei. Und wie problemlos man reisen könne, auch, wenn niemand Französisch spreche.
