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18. Dezember 2008
Bankenkrise
Ah, Indien! Software-Schmiede! IT-Paradies! Da ist es ja beinahe sympathisch, wenn die Abbuchung per Kreditkarte mal nicht funktioniert. Im Reisebüro in Ladakh, wo das Ticket für den Weiterflug gekauft werden soll. US-Dollar will man nicht, klar, sind ja stündlich weniger wert. Aber wechseln kann man ja, in Rupien. In der Bank gleich gegenüber.
In der Bank gleich gegenüber ist es duster wie in einem Taubenschlag, und es riecht auch ähnlich. Offensichtlich sind sämtliche Lampen defekt, die Sichtweite beträgt wegen dichten Zigarettenqualms etwa vier Meter, bei jedem Schritt wirbeln Staubflocken vom Boden auf. Nach zehn Minuten vor einem Tisch mit leeren und halbleeren Teegläsern erscheinen nacheinander aus dem Dunst: Ein Bankangestellter. Ein zweiter Bankangestellter, der dem ersten eine Kladde und einen Stapel Formulare hinlegt. Ein dritter, der eine Lampe bringt. Und ein Mann, der die alten Teegläser einsammelt. Er knallt neue, randvolle auf den Tisch. Kladde und Formulare sind jetzt nass.
Ich lege 400 US$ neben die Teepfütze. Der Bankangestellte schaut perplex. „You want to change all this money?“ Er seufzt. Er ruft einen Kollegen. Er schaltet die Lampe an Der Kollege inspiziert jede 10$-Note im Licht von 15 Watt. Dann zählt er die Scheine. Er zählt sie fünfmal. Mein Angestellter zählt sie anschließend siebenmal. Ein dritter materialisiert sich aus dem Dunst und zählt sie viermal. Immerhin: Es scheinen wirklich 400$ zu sein.
Und jetzt? „One Moment, Sir! You write here!”: Name, Passnummer, Adresse, Geburtsdatum. „And here!“ Ich schreibe: „Currency: 400 US$“. Nein, Sir, die Seriennummern!. Von jedem Schein. Er besteht darauf. Was? Es reicht. „Do it yourself!“, zische ich. Macht er tatsächlich. Er trägt jede Nummer in ein Formular ein, sehr akkurat, sehr sauber. Er seufzt. „600$, nicht wahr?“ Man fasst es nicht. „Vielleicht werden es noch mehr, wenn man sie bis noch ein paar Mal zählt?“, schlage ich vor. Er schaut verwirrt. Er zählt erneut. Einmal, zweimal, ein drittes Mal. “Es sind 400$!”, triumphiert er.
Jetzt holt er den Taschenrechner, von wo auch immer, es dauert nur etwa zehn Minuten. Die Tasten sind derart abgegriffen, dass man die Zahlen nicht mehr erkennen kann, was mich zum Rupien-Millionär werden lässt, aber nur kurz. Zwei Kollegen helfen: Ich bekomme 17.118 Rupien für meine 400 US$. Die verschwinden in einer Schublade, und die Formulare werden zu einem wichtig aussehenden Mann gebracht. Ich beobachte ihn, wie er sie betrachtet. Sich die Dollarnoten aus der Schublade bringen lässt. Die Nummern vergleicht. Die Scheine zählt. Und nickt.
Dreißig Minuten später hat der Kassierer ein zerfleddertes Bündel Rupienscheine in der Hand. Er zählt noch einmal, zur Sicherheit, „das ist Vorschrift, Sir!“. Dann schiebt er das Geld durch die Stäbe: 17.118, sagt er stolz, „bitte zählen Sie nach.“
Als ich nebenan mein Ticket zahlen möchte, hat das Reisebüro geschlossen.
In der Bank gleich gegenüber ist es duster wie in einem Taubenschlag, und es riecht auch ähnlich. Offensichtlich sind sämtliche Lampen defekt, die Sichtweite beträgt wegen dichten Zigarettenqualms etwa vier Meter, bei jedem Schritt wirbeln Staubflocken vom Boden auf. Nach zehn Minuten vor einem Tisch mit leeren und halbleeren Teegläsern erscheinen nacheinander aus dem Dunst: Ein Bankangestellter. Ein zweiter Bankangestellter, der dem ersten eine Kladde und einen Stapel Formulare hinlegt. Ein dritter, der eine Lampe bringt. Und ein Mann, der die alten Teegläser einsammelt. Er knallt neue, randvolle auf den Tisch. Kladde und Formulare sind jetzt nass.
Ich lege 400 US$ neben die Teepfütze. Der Bankangestellte schaut perplex. „You want to change all this money?“ Er seufzt. Er ruft einen Kollegen. Er schaltet die Lampe an Der Kollege inspiziert jede 10$-Note im Licht von 15 Watt. Dann zählt er die Scheine. Er zählt sie fünfmal. Mein Angestellter zählt sie anschließend siebenmal. Ein dritter materialisiert sich aus dem Dunst und zählt sie viermal. Immerhin: Es scheinen wirklich 400$ zu sein.
Und jetzt? „One Moment, Sir! You write here!”: Name, Passnummer, Adresse, Geburtsdatum. „And here!“ Ich schreibe: „Currency: 400 US$“. Nein, Sir, die Seriennummern!. Von jedem Schein. Er besteht darauf. Was? Es reicht. „Do it yourself!“, zische ich. Macht er tatsächlich. Er trägt jede Nummer in ein Formular ein, sehr akkurat, sehr sauber. Er seufzt. „600$, nicht wahr?“ Man fasst es nicht. „Vielleicht werden es noch mehr, wenn man sie bis noch ein paar Mal zählt?“, schlage ich vor. Er schaut verwirrt. Er zählt erneut. Einmal, zweimal, ein drittes Mal. “Es sind 400$!”, triumphiert er.
Jetzt holt er den Taschenrechner, von wo auch immer, es dauert nur etwa zehn Minuten. Die Tasten sind derart abgegriffen, dass man die Zahlen nicht mehr erkennen kann, was mich zum Rupien-Millionär werden lässt, aber nur kurz. Zwei Kollegen helfen: Ich bekomme 17.118 Rupien für meine 400 US$. Die verschwinden in einer Schublade, und die Formulare werden zu einem wichtig aussehenden Mann gebracht. Ich beobachte ihn, wie er sie betrachtet. Sich die Dollarnoten aus der Schublade bringen lässt. Die Nummern vergleicht. Die Scheine zählt. Und nickt.
Dreißig Minuten später hat der Kassierer ein zerfleddertes Bündel Rupienscheine in der Hand. Er zählt noch einmal, zur Sicherheit, „das ist Vorschrift, Sir!“. Dann schiebt er das Geld durch die Stäbe: 17.118, sagt er stolz, „bitte zählen Sie nach.“
Als ich nebenan mein Ticket zahlen möchte, hat das Reisebüro geschlossen.
Kommentare zu "Bankenkrise"
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Das Reisebüro wusste wohl Bescheid, wie aufwändig das Prozedere ist! :-)