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Der Reise-Blog von Stefan Nink
Das schönste Ende der Welt
Stefan NinkDie meisten haben hier bestimmt ein Deja vu: Den Milford Sound kennt man, auch wenn man noch nie hier gewesen ist. Kennt ihn von Buchumschlägen, von Postkarten und Werbeplakaten, und vielleicht kennt man ihn auch, weil Schöpfungs-Panoramen wie dieses tief im kollektiven Bewusstsein der Menschheit verankert sind: das dunkle, schweigende Wasser. Die türmenden Felswände. Der Kegel des Mitre Peak, an dem sich die letzten Morgennebelschwaden festklammern.
Leider erzählen einem diese Fotos nichts von der Geräuschkulisse, die 2500 Besucher täglich zwischen 11 und 15 Uhr erzeugen, wenn man ihnen eine Armada aus Ausflugsschiffen, eine komplette Hubschrauberstaffel und einen Flugplatz voll einmotoriger Cessnas zur Verfügung stellt. Hohe, glatte Felswände mit Wasser dazwischen bilden nämlich eine prima Echokammer mit erstaunlicher Akustik. Also kommt man am besten vor 11 - oder nach 15 Uhr.
Wildes Campen
Das geht nicht wirklich in vielen Ländern, und in noch weniger geht es problemlos - in Neuseeland aber gehört das wilde Campen mit dem Camper (in unserem Fall vom passend benannten Unternehmen "Wilderness Motorhomes") ganz unbedingt dazu. Verzichten muss man auf nichts: Die Fahrzeuge sind absolut durchdacht - zum Beispiel sorgen mehrere Batterien dafür, dass man auch in der Wilderness immer genug Strom für den integrierten Kühlschrank hat. Und wenn man daran gedacht hat, die Wassertanks zu füllen, kann man sogar heiß duschen. Ist doch ziemlich kalt, das Meer...
Nur schauen, nicht anfassen!
Das Foto unten ist ein wenig verwackelt, weil ich ein wenig Schiss hatte: Schauen Sie sich mal diesen Schnabel an! Und diesen Blick voller Heimtücke! Neuseelands Keas gelten offiziell als neugierig und verspielt, was aber leider auch mit sich bringt, dass sie den Menschen als Spielgefährten betrachten, dem man dann gleich mal ein Loch in den Rucksack hacken oder die Schnürsenkel zerfetzen kann (wenn der Mensch so blöd ist, seinen Mietwagen oder Camper in der Nähe abzustellen, sind auch gerne mal die Scheibenwischer reif, oder die Reifen). Außerdem scheinen Keas ziemlich genau zu wissen, dass sie mit ihren vier Kilo Kampfgewicht in Verbund mit dem kleinen Hackeschnabel und der Fähigkeit des Fliegens ziemliche Vorteile haben, wenn der Spielgefährte außer Puste ist, klobige Trekkingschuhe trägt und einen 15 Kilo schweren Rucksack. Anders gesagt: Man hat es nicht einfach mit diesen Keas.
Stefan Nink
14. April 2011
Meet the Locals (12)
Panik lebenslang
Warum bloß laufen Schafe in Neuseeland immer weg, wenn man anhält und sie schnell fotografieren möchte? Wieso tun die so, als ob Touristen normalerweise mit einem Satz über den Stacheldrahtzaun hechten und anschließend mit dem Messer in der Hand auf sie losgehen? Nach fünfzig oder sechzig Metern im Schafsgalopp bleiben sie dann stehen und schauen einen an, als hätten sie noch nie einen Menschen gesehen und müsste ihn jetzt mal gaaaanz genau beobachten. Heute morgen hatte ein Schafsfarmbesitzer eine mögliche Erklärung: Schafe haben Winzhirne, und in diesen Winzhirnen ist nur ganz wenig Platz für das Kurzzeitgedächtnis.
Das hat dramatische Folgen für das arme Schaf: Nur wenige Minuten, nachdem es mit so einem schrecklichen Camper konfrontiert wurde, aus dem diese furchtbaren Gestalten kamen, hat es beide schon wieder komplett vergessen, den Camper und die Menschen. Deswegen bricht es bei nächsten Wohnmobil erneut in Panik aus, weil es so etwas ja noch nie gesehen hat, und so geht das immer weiter, bis ans Schafslebensende. Bin mir nicht sicher, ob ich ein Schaf sein wollte. Andererseits: Die leben schon in einer schönen Umgebung hier, die Schafe.
Im Land der langen weißen Wolke
Da sind wir also: Im Land der langen weißen Wolke. Das ist die wörtliche Übersetzung von Aotearoa, was wiederum der offizielle Maori-Name für Neuseeland ist.
Was wiederum nicht bedeutet, dass alle Wolken hier wirklich weiß sein müssen.
Im Anflug!
Bald: ist Sommer
Rheinufer Mainz, gerade eben.
