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Der Reise-Blog von Stefan Nink
"... und nimm genug zu Lesen mit!" (6)
Vor vielen Jahren hat mir Christian Heeb in einer kleinen Buchhandlung irgendwo in West-Texas ein Buch in die Hand gedrückt und auf seine eher karge Schweizer Art befohlen: "Lesen. Sofort. Pflichtlektüre!". Edward Abbeys "Desert Solitaire" war dann tatsächlich ein Buch, das bei mir geblieben ist und in das ich alle paar Jahre geschaut habe: Nie zuvor und nie danach hat jemand die Grandezza des amerikanischen Südwestens so prägnant und gleichzeitig vollkommen illusionsfrei beschrieben wie Abbey.

Auch seine „Monkeywrench Gang“ habe ich verschlungen – und freue mich sehr, dass der Roman über eine Gruppe Öko-Saboteure nun endlich wieder auf Deutsch vorliegt. Und dann auch noch in einer herzallerliebsten Ausgabe, fulminant übersetzt und mit Zeichnungen von Robert Crumb!
Nein, man kann die Leute vom Walde & Graf Verlag nicht genug dafür rühmen, dass sie dieses Manifest der us-amerikanischen Naturschutz-Bewegung vor dem Vergessen bewahrt haben. Lesen! Sofort! Pflichtlektüre!
19. Oktober 2009

Auch seine „Monkeywrench Gang“ habe ich verschlungen – und freue mich sehr, dass der Roman über eine Gruppe Öko-Saboteure nun endlich wieder auf Deutsch vorliegt. Und dann auch noch in einer herzallerliebsten Ausgabe, fulminant übersetzt und mit Zeichnungen von Robert Crumb!
Nein, man kann die Leute vom Walde & Graf Verlag nicht genug dafür rühmen, dass sie dieses Manifest der us-amerikanischen Naturschutz-Bewegung vor dem Vergessen bewahrt haben. Lesen! Sofort! Pflichtlektüre!
"...und nimm genug zu Lesen mit!" (5)

Es ist mir ein Rätsel, warum dieser Autor bei uns so wenig bekannt ist (und offensichtlich auch so wenig erfolgreich: Amazon-Verkaufsrang 326.853, es ist ein Jammer). "Die Lage des Landes" ist Richard Fords letzter Band aus der Trilogie um den Jetzt-Immobilenmakler Frank Bascombe, und wenn man das Amerika zu Beginn der Nuller-Jahre - und alles, was in den Jahren danach kommen sollte - verstehen will: Dann gibt es kein besseres Buch als das hier.
Und was kann der schreiben! Vor Neid ins Buch beißen möchte man! Ohne, dass man merkt, wie, erklärt uns Ford den US-Immobilienmarkt und damit die Wirtschaft und die Innenpolitik gleich mit, und wenn man sich jemals gefragt hat, warum es an der Ostküste kaum hundert Meter ohne Haus gibt, weiß man das nach der Lektüre auch.
"Die Lage des Landes" spielt an zwei, drei Tagen, aber auf den 680 Seiten sind ganze Leben beschrieben. Bislang gab es das nur bei Ulysses, aber der ist unlesbar. "Die Lage des Landes" dagegen ist ein Fest. Und wenn die da oben in Norwegen im nächsten Jahr nicht endlich mal Richard Ford... dann... John Updike haben sie auch schon verschlafen.
"...und nimm genug zu Lesen mit!" (4)

Beim Zeus – wie muss man denn drauf sein, um so etwas zu schreiben? Geht das ohne chemische Zusätze? Und wie bitteschön soll man diese 823 Seiten Wahnwitz zusammenfassen?
Da wird ein verstorbener Uni-Professor von den Göttern dazu verdonnert, als Kriegsberichterstatter die Schlacht von Troja zu verfolgen (die – ein paar tausend Jährchen später – eines seiner Fachgebiete war/sein wird/gewesen ist). Der gute Hockenberry gibt sich redlich Mühe, tolpatscht aber von einem Fettnapf in den anderen und legt sich im Laufe des Buchs so ziemlich mit jedem Gott an, der mitmischen will vor den Toren Iliums, und mit jeder Göttin ebenfalls.
Mitgekommen? Nicht? Dann wollen wir’s damit belassen und nichts von den anderen Ebenen des Romans erzählen, die gibt es nämlich auch noch, aber dann würde es noch schräger. Nur noch ein kleiner Hinweis: Grundkenntnisse in griechischer Mythologie sind absolut erforderlich, und Shakespeares „Der Sturm“ sollte man auch halbwegs draufhaben. Dann isses ein Riesenspaß. Und wunderbar passend für den Türkei-Urlaub.
"... und nimm' genug zu Lesen mit!" (3)
Ähem... natürlich ist das nicht wirklich was zum Mitnehmen. Aber zum Blättern, Schauen und Lesen aufm Sofa zu Hause isses wunderbar. Und die Texte sind auch länger als die hier bei den 47 Tukanen. (Und ja: Es handelt sich bei diesem Eintrag um Eigenwerbung.)
"... und nimm' genug zu Lesen mit!" (2)
Seit ich vor ein paar Jahren allerkläglichst bei dem Versuch gescheitert bin, den australische Outlaw-Slang von Peter Careys "The True History of the Kelly Gang" auch nur halbwegs zu verstehen, stehe ich Booker-Preisträgern eher skeptisch gegenüber (und nein: ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Übersetzung daran etwas geändert hätte). Jetzt aber ist da dieser Aravind Adiga mit seinem Buch "Der Weiße Tiger", und das sei jedem, der je in Indien war oder irgendwann dort hin möchte, ans Herz gelegt und auf die Einkaufsliste gesetzt: Jedem! Warum? Weil es ein Indien zeigt, das man bei einer Reise ständig um sich herum hat, aber nie beachtet, weil man ja ständig mit jenem Indien beschäftigt ist, dass sich permanent an einen ranschmeisst. Und weil es dieses andere Indien, das stille, unauffällige, schonungslos und sprachlich brillant beschreibt. Inhaltsangabe? Achwo. Kaufen! Ins Handgepäck! Lesen!
" ... und nimm' genug zu Lesen mit!" (1)
Wo spielt das gleich nochmal überall? Hoffentlich fehlt hier nix: Uruguay-England-Spanien-Frankreich-Schweiz-Afrika-New York-Deutschland-Südfrankreich, wo es einen eben so hin verschlagen kann im Laufe eines langen Lebens. "Eines Menschen Herz" ist das fiktive Tagebuch des (ebenfalls fiktiven) Schriftstellers Logan Mountstuart und eine ganz wundervolle Reiselektüre, oh ja. Wer schon mal an den Orten war, die beschrieben werden, fühlt sich ratzfatz an sie zurück versetzt. Wer sie nicht kennt, bekommt sie nach der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf und will unbedingt hin. Beides liegt an Mr.Boyds stilistischer Brillanz - und an seiner Gabe, Schauplätze zwar nur nebenbei zu beschreiben, sie dabei aber ein für allemal in der Vorstellung seiner Leser zu zementieren. Wie es ihm überhaupt gelingt, ein Menschenleben so vor einem aufzublättern, dass man am Ende das Gefühl hat, man sei ein paar Kilometer oder ein paar Jahre an der Seite dieses Logan Mountstuart durch das 20. Jahrhundert gereist. Der William Boyd soll jetzt bitteschön mal richtig berühmt werden. Und er soll auch richtig viel Kohle mit diesem Buch machen. Das hätte er verdient. Ein wundervolles Werk.
