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Blog aus Bolivien und Peru
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So funktioniert der Empfehlen-Button von Facebook

Sie möchten den neuen Facebook Empfehlen-Button nutzen, wissen aber nicht genau, was dann mit Ihren Daten passiert? Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Infos zusammengestellt. Die Bereitstellung dieses sog. Social Plugins erfolgt über Facebook, das betrieben wird durch Facebook Inc., 1601 S. California Ave, Palo Alto, CA 94304, USA. geo.de verwendet die von Facebook zur Verfügung gestellten Plugins an verschiedenen Stellen des Internetangebots.

Woran erkenne ich diese Plugins?

Die Plugins sind mit einem Facebook Logo oder dem Zusatz "Facebook Social Plugin" versehen und sind bei GEO.de nach dem Vorspann über oder unter dem Artikeltext platziert.

Was passiert auf Seiten, die das PlugIn eingebaut haben, mit meinen Daten?

Haben Sie ein Facebook-Konto und sind zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs bei GEO.de dort auch eingeloggt, stellt Ihr Browser automatisch eine Verbindung zu den Servern von Facebook her. Facebook kann sich so merken, dass Sie die entsprechende Seite aufgerufen haben

Ihr Seitenaufruf bei GEO.de wird nun Ihrem Facebook-Account zugeordnet. Facebook kann die Daten speichern und weiterverarbeiten (s.u., „Was macht Facebook mit meinen Daten?“)

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Was macht Facebook mit meinen Daten?

Was genau Facebook mit Ihren Daten macht, können Sie in den Datenschutzhinweisen des Sozialen Netzwerkes nachlesen: http://www.facebook.com/policy.php

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Dieses Beispiel ist aber nur exemplarisch zu verstehen, da sich Facebook vorbehält sein System ständig weiter zu entwickeln und über die Verwendung der Daten zu informieren.

Wie kann ich mein Facebook-Profil richtig einstellen?

Jeder User hat andere Bedürfnisse und wünscht sich andere Einstellungen. Die Kollegen von stern.de erklären Ihnen hier die Möglichkeiten, die das Soziale Netzwerk Ihnen zum Schutz Ihrer Privatsphäre bietet: » zum Artikel von stern.de

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz auf GEO.de erhalten Sie hier

Weitere Informationen zur Einschätzung des Themas "Facebook Social Plugins und Datenschutz" publizieren die Kollegen von stern.de regelmäßig auf stern.de (Extra "Soziale Netzwerke" von stern.de). Weitere Informationsquellen, für die GEO.de ebenfalls nicht verantwortlich zeichnet, sind u. a. folgende Blogs, die regelmäßig über die fortlaufende Entwicklung des Sozialen Netzwerkes berichten:

http://www.facebookbiz.de/ (nicht von Facebook betrieben)
http://facebookmarketing.de/ (nicht von Facebook betrieben)
http://www.schwindt-pr.com/ (nicht von Facebook betrieben)
http://blog.facebook.com/ (das offizielle Facebook-Blog)

Informationen zum Datenschutz in Internet finden Sie zudem auf den Seiten der Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes.
» zur Website des Bundesbeauftragten für Datenschutz


So funktioniert der +1-Button von Google

Sie möchten den +1-Button des sozialen Netzwerkes Google+ auf GEO.de nutzen, wissen aber nicht genau, was dann mit Ihren Daten passiert? Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Die Bereitstellung dieses Buttons erfolgt über Google, das betrieben wird durch Google Inc., 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, United States („Google“)

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Was passiert auf Seiten, die den Button eingebaut haben, mit meinen Daten?

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Was genau Google mit Ihren Daten macht, können Sie in den Datenschutzbestimmungen des Unternehmens nachlesen: http://www.google.com/intl/de/+/policy/+1button.html

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http://gpluseins.de/ (nicht von Google betrieben)
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Informationen zum Datenschutz im Internet finden Sie zudem auf den Seiten der Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes.

Ariel Hauptmeier
28. Februar 2010

Ich war der Wolfram Siebeck Limas


Wie mein Interview mit Gaston Acurio gewesen sei, dem Koch, dem beliebtesten Peruaner, haben mich einige Kollegen gefragt.

Klasse ist es gewesen. Viel besser jedenfalls als dieses Foto, dass wir im Anschluss an das Interview gemacht haben:

Gaston.jpgAls ich ankam, drehte Acurio gerade eine seiner Kochsendungen: eine winzige Küche, zwei Kameras, eine Produzentin, er plauderte einfach drauflos, rührte ab und an im Topf, ein Skript gab es nicht, wiederholt wurde nichts.

Kaum war er fertig, nahm er mich mit in einen anderen Raum, sagte, dass wir gern anfangen könnten, und  zog sich, während er die erste Frage beantwortete, den Koch-Frack aus und ein weißes Hemd an. Saß also kurzzeitig da mit nackter Brust.

Als wir, nach exakt 45 Minuten, fertig waren, stand er auf, verabschiedete sich sehr freundlich, ging mit seinen beiden hünenhaften Leibwächtern zu seinem Geländewagen und brauste davon zum nächsten Termin.

Beeindruckend, dieses Tempo.

Der Satz, der mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist?

„Gourmetküche und Hunger sind inkompatibel.“

Will heißen: So lange es in Peru Menschen gibt, die nicht genug zu Essen haben, so lange betrachtet er den Erfolg von sich und seinesgleichen als hohl und leer; Erfolg hieße für ihn, wenn sich sein Land endlich und für alle Zeiten von der Armut verabschiedete. 

Während des Interviews rief er in seinem besten Restaurant an, im Astrid y Gaston (er hat es zusammen mit seiner deutschen Frau Astrid Gutsche gegründet) und orderte vier Gerichte, die ich bitte probieren möge.

Ich bin der Bitte gern nachgekommen.

Ich hatte also Gelegenheit, ein weiteres Mal die peruanische Fusions-Crossover-Gourmetküche zu probieren. Wurde umhegt von einem halben Dutzend Kellner. War der Wolfram Siebeck Limas.

Und bin doch eigentlich gar kein Gourmet-Schreiber, mit wohl geschultem Gaumen und der Fähigkeit, die geschmacklichen Nuancen in elegante Adjektive zu übersetzen.

Wobei ich, genau wie Sie, sehr wohl weiß, wenn ein Gericht exzellent ist. Wenn es so köstlich ist, dass sich mir die Nackenhaare sträuben.


Dessert-Astridygaston.jpg



Das ist mir passiert bei dem Schokoladentörtchen, rechts im Bild. Innen war es gefüllt mit flüssiger Schokolade.

Ein Traum.

---------------

Und hier endet die Feinschmeckerei. Ich weiß jetzt genug über das Neue Peru und seine Küche. Alles weitere steht im Heft. Es erscheint im Oktober. Ich hoffe, Ihnen ist der Mund schon ganz wässrig...

Gleich fahre ich nach Bolivien. Mit dem Bus. 27 Stunden soll die Fahrt dauern.

Wir sehen uns in La Paz!

Ariel Hauptmeier

Ariel Hauptmeier
27. Februar 2010

Mit Carlos Galdos durch die Nacht



Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal ein Autogramm gegeben.

Carlos Galdos


Und das kam so:

Ich war unterwegs mit Carlos Galdos (für meinen Artikel über das "Neue Peru"). Carlos ist der bekannteste Komiker Perus. Er hat eine allmorgendliche Radio-Show und tritt häufig im Fernsehen auf. Jeder kennt ihn hier. Und so kam es, dass wir im Zehnminutentakt von freundlich lächelnden Menschen angesprochen wurden, die um ein Foto mit ihm baten - oder um ein Autogramm.

Etwas von dem Sternenstaub seines Ruhms muss auch auf mich hinabgerieselt sein. Offenbar glaubten mehrere Leute, ich sei auch jemand aus dem Fernsehen, und baten auch mich um ein Autogramm.

Ich habe sehr gern unterschrieben. Ja: Gab mich hemmungslos der Illusion hin, bekannt zu sein, berühmt, ein Star.

Es war ein schönes Gefühl.

Ariel Hauptmeier
Ariel Hauptmeier
26. Februar 2010

Lima im Nebel



Endlich habe ich ihn mal erlebt - den berühmten Nebel von Lima. Für uns Mitteleuropäer bedeutet Nebel ja: Kälte. Ein kühler Herbstmorgen. Ein Abend im Spätsommer, wenn Nebelschwaden aus den feuchten Wiesen aufsteigen.

In Lima hingegen zieht Nebel auf - derweil es so heiß ist wie immer. Und so kommt es, dass die Leute am Strand im dichten Nebel baden: 


Lima-Nebel.jpg


Aufgenommen habe ich das Bild vom Balkon des "Cala", es gilt als eines der besten Restaurants von Lima. Hier sieht man es:


1673-Cala.jpg


Gegessen habe ich dort ein "Tiradito", den kleinen Bruder des Ceviche, ohne Zwiebeln serviert - Seezunge und Calamares, eingelegt in einer zitronigen Marinade.

1672-Tiradito.jpg


Einfach... köstlich. Frisch. Belebend.

Was so ein Gericht kostet? Rund 10 Dollar. In den allerteuersten, allerbesten Restaurants Limas kostet ein Hauptgericht um die 20 Dollar. Und das ist dann Küche auf Sterneniveau. 

Es soll inzwischen erste Reisende geben, die nur des Essens wegen nach Lima kommen, die sich mehrere Tage lang durch die Restaurants feinschmecken.

Durch das Gloria, das Astrid y Gaston, das Herve Bistrot, das Malabar, ...

Und sich begeben auf eine nebelverhangene, kulinarische Abenteuer-Reise.

Ariel Hauptmeier
Amrai Coen
26. Februar 2010

Robbi und die Bumsstiefel


Hässlich. Meine neuen Schuhe sind verdammt hässlich. Große, klobige Wanderstiefel, Größe 37 sieht aus wie 51. „Unbedingt vorher einlaufen“, hat der Verkäufer gesagt. Ich frage mich nur, wo. Mit den Stiefeln trau ich mich nicht auf Hamburgs Straßen. Ich laufe auf und ab in meiner Wohnung, jeder Schritt ein Beben, bamm-bamm-bamm, das Parkett knarzt und quietscht, ich bin Godzilla.
kaeltekammer.jpg-13,2°C, mir ist warm


Was das soll? In wenigen Tagen fliege ich nach Peru, fahre zuerst in den Dschungel, dann weiter nach Bolivien. Dort will ich einen Berg besteigen. Einen Sechstausender. Sechstausend! Ja, das will ich. Will ich? Soll ich. Und irgendwie hat mich der Ehrgeiz gepackt: Ja, ich will.

Seit meinem Besuch im Outdoor-Laden fühle ich mich gewappnet: neben den Wanderstiefeln aus „geöltem Nubukleder“ mit einer „griffigen Vibram-Laufsohle“, habe ich einen Schlafsack gekauft, „aus elastischen Spiral- und Hohlfasern, die für ihre lange Bauschfähigkeit silikonisiert wurden“. Auf Deutsch heißt das: er hält mich warm, auch bei Temperaturen unter Null. Nachts wird es da oben minus 15 Grad kalt. Ich hasse Kälte. Habe mir deshalb auch „Funktions-Unterwäsche aus geruchsneutraler Wolle vom Merino-Schaf“ andrehen lassen.

Wahnsinn, dieser Laden, ein Gore-Tex-Mekka auf vier Etagen. Es gibt eine Lampen-Test-Nische, in der ich meine neue Stirnlampe („mit drei Helligkeitsstufen, Blinkmodus und vertikal schwenkbarem Lampenkopf“) ausprobieren konnte, eine Regenkammer, eine Kletterwand.robbi.jpg Das Highlight: die Kältekammer. Ich habe meine neuen Klamotten bei -13,2 Grad getestet. Mir war warm.

Wenn ich die Wanderstiefel anhabe, bin ich 1,67 Meter, statt der gewohnten 1,62. Gefällt mir hier oben. Vielleicht freunden wir uns doch noch an, ich und die Wanderstiefel. Erinnert mich an den Titel eines Kinderbuchs, das es mal gab, es hieß: „Robbi und die Bumsstiefel“.

Amrai Coen
Ariel Hauptmeier
22. Februar 2010

Manches gelingt, anderes nicht


Manches gelingt auf so einer Reise, anderes nicht.

Vergangene Woche bin ich satte zwei Mal versetzt worden von diesem jungen Herrn:

1590-Beto Ortiz.jpgDas ist Beto Ortiz, einer der berühmtesten Journalisten und Fernsehmoderatoren hier. Sehr schrill, sehr schwul, sehr mutig - er gehörte zu schärfsten Kritikern der Fujimori-Diktatur, Ende der 1990er Jahre. Die meisten Journalisten hatten damals Angst, den Mund aufzumachen, er nicht. 

Heute inszeniert er sich in seiner täglichen TV-Show als exaltierter Wadenbeißer. Hier seine Website.

Auch Beto Ortiz ist Teil des "Neuen Peru", jener Generation der unter 40-Jährigen, die aus einer ganz anderen Perspektive auf ihr Land blicken, es mit ganz neuen Mitteln nach vorn bringen wollen.

Kürzlich hat Beto Ortiz etwas ziemlich Unglaubliches gemacht: Er hat, live, im Fernsehen, so getan, als küsste er den anderen großen Homo/Bi-Sexuellen des peruanischen Fernsehens - Jaime Bayly.

Jaime Bayly, ebenfalls ein sehr mutiger Journalist, ein sehr schwuler Fernsehmoderator, ist hier so populär wie in Deutschland Harald Schmidt.

Gerade ist er jeden Tag in den Schlagzeilen: Er angekündigt, 2011 bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren zu wollen. Wobei überhaupt nicht klar ist, ob das ernst gemeint oder ein riesiges satirisches Projekt ist.

Der Kuss - auch das war natürlich Satire. Tatsächlich hat Beto Ortiz nicht den echten Jaime Bayly geküsst, sondern einen anderen Komiker, der sich, täuschend echt, als Jaime Bayly verkleidet hatte.

Dennoch, mich hat das ziemlich überrascht. Zwei prominente Männer, die sich vor laufender Kamera küssen - hat es das im deutschen Fernsehen schon gegeben?

http://www.youtube.com/watch?v=tULHOPaeLA4

Ariel Hauptmeier

Ariel Hauptmeier
20. Februar 2010

Das neue Peru


Puh...

Ja!

Hurra!

Endlich bekam ich gestern Abend die Nachricht, dass ich am Montag Gaston Acurio treffen kann. Den Gourmetkoch. Den beliebtesten Peruaner. 

Warum mir das so wichtig ist? In diesen Tagen versuche ich ja, die Protagonisten des "Neuen Peru" zu treffen. Leute, die in der Kunst, in der Musik, im Theater die Gräben überwinden, die dieses Land zerteilen. Peru war und ist ein gespaltenes Land. Eines, das sich schwer tut mit seiner Identität. Das immer aufgeschaut hat zu den Europäer und den Amerikanern und deren Kultur einfach kopiert hat. Das immer nach draußen, aber nie nach innen geblickt hat. 

Das ist nun anders: Vor einigen Jahren haben die Peruaner begonnen, sich in Peru zu verlieben.

Und alles begann mit Gaston Acurio.

Gaston Acurio.jpgEr wurde nicht müde, den Peruanern einzubleuen: Unsere Küche íst eine der besten der Welt - wir müssen sie nur in Szene setzen. Wir sind eines der Länder mit der größten Vielfalt an Fisch, Gemüse, Gewürzen, wir müssen sie nur veredeln. Wir müssen uns annehmen, wie wir sind. Wir dürfen nicht länger zusehen, wie andere unsere Ressourcen nutzen und damit reich werden, wir müssen es selbst tun.


Die Peruaner lieben ihn dafür. Es heißt hier: Würde er sich zur Wahl stellen - er hätte die allerbesten Chancen, Präsident zu werden.


la mar bar.jpgIn Lima gehört ihm, unter anderem das La Mar, eine Cebicheria, links. Cebiche ist das peruanische Sushi Sashimi, roher Fisch, in einer zitronigen Marinade serviert. Köstlich.

Im La Mar kann man nicht reservieren, es hat nur tagsüber auf, mittags stehen hier in einer langen Schlange die Reichen und Schönen an.

La Mar ist inzwischen eine Kette, mit Ablegern unter anderem in Sao Paulo und San Francisco. Demnächst wohl auch in Europa.

Aber das erklärt noch nicht die unglaubliche Beliebtheit dieses Mannes.

Man erahnt sie, wenn man sich das Video unten anschaut. Eine von Acurios Kochsendungen im Fernsehen heißt "Kulinarische Abenteuer". Er macht darin Streifzüge durch Lima. Durch das Lima des Volkes, der Märkte, der Garküchen, der einfachen Leuten. Spricht mit ihnen. Setzt sie in Szene. Bestätigt sie. Genießt ihr Essen.   

Für Peru, mit seinen sozialen Gräben, seinem latenten Rassismus, dem Dünkel seiner Oberschicht - sind diese Streifzüge eine mittlere Revolution.

(Aus irgendeinem Grund gelingt es mir nicht, das Video einzubetten, darum hier der Link:)


http://www.youtube.com/watch?v=PQO8x0eGTTQ

Ariel Hauptmeier

Ariel Hauptmeier
19. Februar 2010

Heimweh nach Lima


Monica+Flor.jpgHabe ich eigentlich schon gesagt, dass Lima eine großartige Stadt ist? Voller spannender Menschen?

Also, nochmal ganz ausdrücklich: ist es.

Gestern Abend war ich auf einem Empfang bei dem Graphiker Cherman Quino, den ich vor einigen Tagen interviewt hatte. Und habe dort unter anderem Monica und Flor kennen gelernt. Monica (links) ist Künstlerin, lebt seit zehn Jahren in New York und ist dort mit einem Musikproduzenten verheiratet. Ihr Leben ist also eigentlich ziemlich schön. Aber sie stirbt vor Heimweh nach Lima.

Heimweh nach dieser grauen Stadt, die eine Hälfte des Jahres, von Mai bis Oktober, von Nebel verhangen ist?

"Aber ja", hat sie gesagt, "der Nebel gibt einem ein Gefühl von Geborgenheit. Und er macht das Leben so schön melancholisch." 

Klar: Beide, Monica und Flor (sie ist Psychologin) kommen aus wohlhabenden Familien. In denen es üblich ist, mindestens einen Dienstboten zu haben, eine Haushälterin etwa, die in der Wohnung schläft, die ihr Leben hergibt für ein recht geringes Gehalt. Die in aller Regel nicht mit am Familientisch sitzen darf, sondern, nachdem sie das Essen aufgetragen hat, in der Küche isst. Die schon den Kindern alles hinterher trägt.

"Ich glaube, das ist einer der Gründe  für den Machismus der peruanischen Männer", sagte Flor, die Psychologin, "sie sind es von klein auf gewohnt, von einer Frau bedient zu werden".  

Monica hat folgende Anekdote erzählt: Einmal hat ihr Mann, als er zu Besuch war, dem "Watchman" (so heißen hier die Concierges) einen Kaffee gemacht - in einer Tasse, die der Familie vorbehalten und nicht für das Personal bestimmt ist. 

Monicas Mutter war entsetzt.

Ihr Mann auch.

Ariel Hauptmeier
Ariel Hauptmeier
19. Februar 2010

Der Rand der Stadt


Ja: Lima ist riesig. Ein Moloch. Sieben, vielleicht sogar neun Millionen Einwohner. Manche nennen es: das „Kalkutta Südamerikas“.

Ich wohne, wie die meisten Europäer, in Miraflores. Der Bezirk der Oberschicht, unweit des Meeres. Hier sind die Männer gepflegt und die Frauen schön. Starbuck‘s, McDonald’s, grüne Plätze, kein Müll. Ein schmaler Ausschnitt.

Gestern ist eine meiner Verabredungen geplatzt. Plötzlich hatte ich einige Stunden frei. Also habe ich mir ein Taxi genommen und bin an den Rand der Stadt gefahren, um das andere, das arme Lima kennen zu lernen. Und da Journalisten immer nach dem Superlativ gieren, habe ich nach dem wüstesten Slum gesucht. Den, in dem die Allerärmsten leben, jene, die vielleicht gerade angekommen sind aus irgendeiner Provinz und nun ganz von Null anfangen müssen. Die irgend ein Stück Wüste besetzt haben und sich aus Müll einen Verschlag gebaut haben, ihr erstes Heim.

Das war meine klischeehafte Vorstellung. Die Realität sah dann mal wieder ein wenig anders aus.

Zuerst bin ich hinauf zum Cerro San Cristobal gefahren. Das ist der Zuckerhut Limas, ein 400 Meter hoher, steiler Hügel inmitten der Stadt, gekrönt von einem riesigen Kreuz. Es ist wie beim echten Zuckerhut, in Rio de Janeiro: Man sollte ihn nicht zu Fuß erklimmen, das ist zu gefährlich. Auf dem Weg hinauf zeigte mir der Taxifahrer einige Jugendliche, die am Straßenrand herumlungerten: Wegelagerer, die ahnungslosen Touristen die Taschen leeren wollen.

Der Blick hinab: ein Schock. Ein weites Tal, eingefasst von den kahlen, braunen Bergen der Küstenwüste und dem Pazifik. Einige Autobahnen, der  Rio Rimac, da der riesige Zentralfriedhof, in der Ferne ragen einige Hochhäuser aus dem Dunst, das muss Miraflores sein. Nach Norden, nach Süden: endlose, graue Slums, die Hügel hinauf und hinab. Ja: Kalkutta. Armut, Elend, Unordnung.  

Eine Stunde später waren wir am Rand der Stadt, in der Villa El Salvador, hinter den Häusern beginnt die Wüste. Die Häuser hier sind aus rohem, roten Ziegel gebaut, die wenigsten sind verputzt oder gar angestrichen, auf dem Dach lagert irgendwelcher Unrat, an den Straßenrändern liegt Müll. Kein schöner Anblick.

Aber so sehr wir uns auch angestrengt haben: Wir haben keine Neuankömmlinge gefunden. Keinen Slum, der eben entstanden ist. Am Ende sind wir im jüngsten Teil von El Salvador gelandet, er wurde vor fünf Jahren besetzt: 1500 Hütten, alle aus Holz, weil die Bewohner noch keine Besitztitel haben. Es gibt dort eine kleine Polizeistation, einige Internet-Cafes, einen Speiseraum, in dem die Kinder der ärmsten Familien umsonst essen können. Vor einem Tante-Emma-Laden haben wir diese Herrschaften kennengelernt, von links: Juan, freiberuflicher Prediger, Henri, dem der Laden gehört, dessen greise Mutter, und seine Frau Kati.

Villa El Salvador

Juan hat eine Spontanpredigt gehalten, dass das Ende der Welt nahe sei, Kati hat ihren achtjährigen Sohn (nicht im Bild) abgewehrt, der in einem fort bettelte, ins Internet-Cafe gehen zu dürfen, Henri hat erzählt, wie diszipliniert so eine Landbesetzung abläuft: Geheime Listen, dann, eines Morgens, stürmten alle los und nahmen sich ein Stück Land, sofort wurde ein Rat gewählt, der seither damit beschäftig ist, die Zahl der Besetzer zu reduzieren: Wer trinkt, mit Drogen handelt, die Frau des Nachbarn belästigt oder sonstwie gegen die selbst aufgestellten Regeln verstößt, fliegt raus.

Seit fünf Jahren kämpfen sie nun dafür, Besitztitel zu bekommen. Damit sie Häuser aus Stein bauen können. Das ist ihr größter Traum. "Ach, wenn uns doch nur erst das Land gehörte ..."

Wir fuhren zurück in die Stadt. Plötzlich nahm ich die aus rohem Ziegel gebauten Slums ganz anders wahr: Ich sah nicht mehr die Unordnung, sondern den Wohlstand. Hier lebten jene, die schon nicht mehr ganz so arm waren. Familien, die vor 20, 30 Jahren angekommen waren und nun Häuser besaßen, die 15.000 Dollar wert waren. Sicher würden sie die Wände eines Tages verputzen und anstreichen.

Realität: auch eine Frage der Perspektive.

Ariel Hauptmeier
Ariel Hauptmeier
17. Februar 2010

Melancholische Ankunft


Gestern, als ich vom Flughafen hineinfuhr nach Lima, hinein in diese bunte, chaotische, leidenschaftliche Stadt, sah ich plötzlich alles doppelt. Im Busfahrer mit dem kantigen, indianischen Gesicht erkannte ich den Hochlandbauern. Im farbigen Hamburger-Verkäufer mit den großen Kopfhörern den afrikanischen Sklaven. In der Studentin, die müde an einer Bushaltestelle saß, die spanische Kolonialherrin.    

Ich sah in ihnen: Überlebende. Ich dachte: Was für ein Wunder, dass ihr jetzt hier seid. Dass eure Eltern und deren Eltern und wiederum deren Eltern sich durchgeschlagen haben. Dass sie den Wirren der Zeit widerstanden.

Mir wurde ganz melancholisch. Es war einer dieser wunderbaren Momente beim Reisen, bei dem einen plötzlich die Geschichte anatmet und die Welt tief und groß ist.

Ich weiß, was diese Gedanken ausgelöst hat. Auf dem schier endlosen  Flug nach Lima hatte ich das Buch „Peru“ von Eleonore von Oertzen gelesen. Ich habe es nicht gemocht. Aber mir wurde klar, wie durchtränkt von Gewalt die Geschichte auch dieses Landes ist.

Die Kriege, mit denen die Inka andere Völker unterjochten. Die Kriege, mit denen die Spanier die Inka unterjochten. Indianeraufstände, Strafexpeditionen, Sklavenhandel. Der Befreiungskrieg, der Salpeterkrieg, die Militärdiktatur. Der Silber-Boom, der Guano-Boom, der Kautschuk-Boom, der Koka-Boom, jeweils begleitet von Zwangsarbeit und Gewalt. Die Armut, die Landflucht, die Cholera. Der Leuchtende Pfad.

Ich schaute aus dem Fenster meines Kleinbusses, sah die Losverkäufer in ihren bunten Jacken, die Verliebten, die auf den Parkbänken miteinander turtelten, schaute in die indianischen, die europäischen, die chinesischen Gesichter und dachte: Wie schön, dass es euch gibt.

Und dann war ich da

„Grau ist in Lima die vorherrschende Farbe. Mindestens sechs Monate im Jahr, von Mai bis Oktober, ist der Himmel über der Stadt unverändert bleiern, von morgens bis abends, Tag für Tag. Grau sind die öden Vorberge der Kordilleren, grau ist das schmutzige Wasser des Rimac, und der feine, graue Staub der Wüstenumgebung legt sich unerbittlich auf alles, was nicht täglich geputzt wird; er bedeckt Häuser, Straßen, Autos, Pflanzen.

Das schreibt Eleonore von Oertzen in ihrem Buch über Peru.

Was für ein frustrierter, pessimistischer, falscher Blick auf die Welt.

Mein erster Eindruck von Lima? Das genaue Gegenteil.

Ariel Hauptmeier
Amrai Coen
15. Februar 2010

Welt des Unwissens


Die „Straße des Todes" ist schmal, oft nur drei Meter breit, die Schluchten sind einen halben Kilometer tief. Sie verbindet den Amazonas-Regenwald im Norden Boliviens mit der Hauptstadt La Paz. Gerade habe ich diesen Artikel auf P.M. Online über sie gelesen. Das Magazin mit dem Untertitel Welt des Wissens schreibt: „Täglich kracht es hier 55-mal, zwei Menschen lassen jeden Tag ihr Leben. Für Mountainbiker aus aller Welt ist die Strecke der ultimative Kick".

15-death-road.jpg

Fünfundfünfzig Unfälle am Tag? Und zwei Tote? Woher kommen diese falschen Fakten? Aus Sensationsgier! Ist es nicht genug, dass - laut BBC - rund 200 Personen hier im Jahr sterben, dass alle zwei Wochen ein Fahrzeug den Hang runterstürzt?

Sie sei „äußerst verkehrsreich", steht auf der P.M. Online-Seite, daneben ein Foto, auf dem ein einziges Auto zu sehen ist. Die Death Road ist ein Touristen-Gag, sie wird in erster Linie von adrenalinsüchtigen Backpackern genutzt, für Händler gibt es seit 2006 eine Umgehungsstraße.

Ich war einer dieser Backpacker, bin mit einem Mountainbike 64 Kilometer auf der Straße des Todes gefahren. Ich kam mir lächerlich vor in meiner Warnweste. Hinter den Haarnadelkurven saßen die Fotografen, riefen „cheeeeese!", die Guides erzählten Horrorgeschichten: „Hier sind letzten Monat zwei Israelis abgestürzt", „dort ist letzte Woche ein betrunkener Fahrer verunglückt". Holzkreuze am Wegesrand erinnern an die Toten. Auf diesen „ultimativen Kick" hätte ich gern verzichtet.

Amrai Coen
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