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Blog aus Bolivien und Peru
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So funktioniert der Empfehlen-Button von Facebook

Sie möchten den neuen Facebook Empfehlen-Button nutzen, wissen aber nicht genau, was dann mit Ihren Daten passiert? Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Infos zusammengestellt. Die Bereitstellung dieses sog. Social Plugins erfolgt über Facebook, das betrieben wird durch Facebook Inc., 1601 S. California Ave, Palo Alto, CA 94304, USA. geo.de verwendet die von Facebook zur Verfügung gestellten Plugins an verschiedenen Stellen des Internetangebots.

Woran erkenne ich diese Plugins?

Die Plugins sind mit einem Facebook Logo oder dem Zusatz "Facebook Social Plugin" versehen und sind bei GEO.de nach dem Vorspann über oder unter dem Artikeltext platziert.

Was passiert auf Seiten, die das PlugIn eingebaut haben, mit meinen Daten?

Haben Sie ein Facebook-Konto und sind zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs bei GEO.de dort auch eingeloggt, stellt Ihr Browser automatisch eine Verbindung zu den Servern von Facebook her. Facebook kann sich so merken, dass Sie die entsprechende Seite aufgerufen haben

Ihr Seitenaufruf bei GEO.de wird nun Ihrem Facebook-Account zugeordnet. Facebook kann die Daten speichern und weiterverarbeiten (s.u., „Was macht Facebook mit meinen Daten?“)

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Generell gilt: wenn Sie nicht bei Facebook eingeloggt sind, oder keinen Facebook-Account haben, werden auch keine Daten übermittelt

Was macht Facebook mit meinen Daten?

Was genau Facebook mit Ihren Daten macht, können Sie in den Datenschutzhinweisen des Sozialen Netzwerkes nachlesen: http://www.facebook.com/policy.php

Typische Anwendungsfälle sind: Ein Facebook-Nutzer liest auf GEO.de einen Artikel, den er seinen Freunden empfehlen möchte und klickt auf "Gefällt mir". Seine Freunde sehen den Link zu genau diesem Artikel auf Facebook. Die Freunde können nun wiederum selbst auf den Link klicken, den Artikel auf GEO.de lesen und den Artikel wiederum an ihre Freunde weiterempfehlen.

Dieses Beispiel ist aber nur exemplarisch zu verstehen, da sich Facebook vorbehält sein System ständig weiter zu entwickeln und über die Verwendung der Daten zu informieren.

Wie kann ich mein Facebook-Profil richtig einstellen?

Jeder User hat andere Bedürfnisse und wünscht sich andere Einstellungen. Die Kollegen von stern.de erklären Ihnen hier die Möglichkeiten, die das Soziale Netzwerk Ihnen zum Schutz Ihrer Privatsphäre bietet: » zum Artikel von stern.de

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz auf GEO.de erhalten Sie hier

Weitere Informationen zur Einschätzung des Themas "Facebook Social Plugins und Datenschutz" publizieren die Kollegen von stern.de regelmäßig auf stern.de (Extra "Soziale Netzwerke" von stern.de). Weitere Informationsquellen, für die GEO.de ebenfalls nicht verantwortlich zeichnet, sind u. a. folgende Blogs, die regelmäßig über die fortlaufende Entwicklung des Sozialen Netzwerkes berichten:

http://www.facebookbiz.de/ (nicht von Facebook betrieben)
http://facebookmarketing.de/ (nicht von Facebook betrieben)
http://www.schwindt-pr.com/ (nicht von Facebook betrieben)
http://blog.facebook.com/ (das offizielle Facebook-Blog)

Informationen zum Datenschutz in Internet finden Sie zudem auf den Seiten der Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes.
» zur Website des Bundesbeauftragten für Datenschutz


So funktioniert der +1-Button von Google

Sie möchten den +1-Button des sozialen Netzwerkes Google+ auf GEO.de nutzen, wissen aber nicht genau, was dann mit Ihren Daten passiert? Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Die Bereitstellung dieses Buttons erfolgt über Google, das betrieben wird durch Google Inc., 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, United States („Google“)

Woran erkenne ich den +1-Button?

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Wenn Sie ihn anklicken, verändert sich die Farbe des Buttons von weiß zu blau. Zudem wird Ihnen die Gesamtzahl der bisher abgegebenen Empfehlungen angezeigt. Es kann vorkommen, dass Ihnen auch angezeigt wird, wer die Schaltfläche außer Ihnen noch benutzt hat. Ob und welchem Umfang Ihnen diese Informationen angezeigt werden, hängt von der Einstellung Ihres Profils und den Einstellungen Ihrer Kontakte in Google+ ab. Informationen, wie Sie diese Einstellungen steuern können, stellt Google hier zur Verfügung: http://www.google.com/support/+/bin/static.py?page=guide.cs&guide=1207011&answer=1152622

Was passiert auf Seiten, die den Button eingebaut haben, mit meinen Daten?

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http://www.google.com/support/+/bin/static.py?page=guide.cs&guide=1207011&answer=1047397

Was genau Google mit Ihren Daten macht, können Sie in den Datenschutzbestimmungen des Unternehmens nachlesen: http://www.google.com/intl/de/+/policy/+1button.html

Weitere Informationen:

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Unsere Kollegen von Stern.de informieren auch regelmäßig über die Entwicklungen bei Google+ – das Themen-Extra finden Sie hier.

Weitere Informationsquellen, für die GEO.de aber gleichfalls nicht verantwortlich zeichnet, sind u. a. folgende Blogs, die regelmäßig über die fortlaufende Entwicklung von Goolge+ berichten:

http://googleplusblog.de/ (nicht von Google betrieben)
http://gpluseins.de/ (nicht von Google betrieben)
http://gplusmarketing.de (nicht von Google betrieben)

Informationen zum Datenschutz im Internet finden Sie zudem auf den Seiten der Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes.

Ariel Hauptmeier
21. Dezember 2010

Das Heft


Liebe Blogleser,

hier endet die Reise. Hat Spaß gemacht.

Wollen Sie das Heft bestellen?

Bild 1.png



Kein Problem - Sie bekommen es nach Hause geliefert, wenn Sie es im Geo-Webshop ordern.

Unter diesem Link: http://bit.ly/i6ArVx

Und schreiben Sie mal, wenn Sie etwas Spannendes erleben in Peru oder Bolivien!

Gute Reise!

Ihr Ariel Hauptmeier


hauptmeier.ariel@geo.de





Ariel Hauptmeier
2. November 2010

Machu Picchu, ein Kraftort?


MP


Dieses Blog schreitet weiter seiner Vollendung entgegen... inzwischen ist das Peru und Bolivien-Heft schon einen Monat am Kiosk und verkauft sich wie geschnitten Brot. Beeilen Sie sich, sonst ist es ausverkauft! Ich selbst bin auf dem Sprung nach Sao Paulo, um ein Brasilien-Special vorzubereiten. Mein Kopf ist voll mit Straßenkarneval, Helikoptern über Sao Paulo, der Trauminsel Fernando de Noronha, der Frage, wie man die Explosion der brasilianischen Mittelschichte am interessantesten beschreiben kann...

Aber ich möchte den Laden hier nicht dicht machen, ohne Ihnen diese Zeilen von Morana Paproth weitergeleitet zu haben

Im Lauf der vergangenen Monate habe ich viel Post bekommen - von Lesern, die Vorschläge machten, über welche Themen man hier oder im Heft schreiben könnte. Ich habe dann immer geantwortet: Tolle Idee! Machen Sie! Schreiben Sie etwas für dieses Blog! Aber daraus ist dann nie etwas geworden. Leider verstummten die Leute dann wieder, warum auch immer. Nur Morana Paproth hat nicht locker gelassen.

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Frau Paproth hat eine kleine Agentur, die sich "Reisen ins Bewusstsein" nennt und offenbar auf esoterisch interessierte Menschen zielt.

Blumig heißt es auf der Website: "In Peru ist ein alter Sternenweg abgespeichert, der in Verbindung mit Kraftplätzen und Einweihungsstätten im Universum steht. Auf diesen Kraftkonzentrationen befanden sich in früheren Zeiten Tempel, deren Kraft für Heilung und zur Bewusstwerdung des eigenen Selbst genutzt wurden. In diesem Seminar werden die Teilnehmer mit diesen Plätzen des Lichts in Verbindung gebracht. Es ist ein alter Einweihungsweg, der wieder beschritten wird, ein inneres Retreat, um mit der eigenen Seele in Kontakt zu kommen."

Klar. Warum nicht. Man kann ja aus den unterschiedlichsten Gründen Machu Picchu bereisen, warum nicht auch auch, um "alte Heilungswege" zu beschreiten?

Jedenfalls - hat Frau Paproth mir einen Reisebericht geschickt. Er handelt von den dramatischen Tagen im Frühjahr, als Machu Picchu nach den heftigen Regenfällen über Wochen gesperrt war und die gesamte Südamerika-Reisebranche auf den 1. April hinfieberte, dem Tag der Wiedereröffnung der Ruine.

Das Wort hat Frau Paproth:




„Was sagen Sie? Unsere Tickets zum Machu Picchu sind nicht mehr gültig?“

„Ja“ tönte es aus dem Telefonhörer: „Sie können lediglich versuchen, noch auf die
Luxus-Klasse mit den leichteren Waggons umzubuchen. Die neuen Schienen
können den schweren „Backpacker“ Zug, den Sie gebucht hatten, nun nicht mehr
tragen.“

Es war einige Tage vor dem 1. April 2010. 

Wie sollte ich diese enttäuschenden Neuigkeiten meiner Reisegruppe, einer Gruppe
von acht Personen im Alter von 30 bis 75 Jahren, nur klarmachen?

Keiner wollte auf den Aufenthalt auf dem Machu Picchu verzichten, wie alle vehement
beteuerten. So sehr ich mich bemühte, eine Lösung zu finden, umso mehr wurde mir
bewusst, wie auswegslos die Situation war. Ich tätigte einen Anruf nach dem
anderen, konsultierte ein befreundetes Reisebüro vor Ort. Doch auch sie hatten
keine Alternative anzubieten.

Zu viele Touristen wollten nach der Wiedereröffnung des Machu Picchu, nämlich just
am 1. April, zu den ersten gehören, die die magische Stadt wieder besuchen durften.

Der Machu Picchu war zuvor - nach Unwettern und Regenfällen im Januar und Februar und den folgenden Erdrutschen - für zwei Monate geschlossen worden.

Zwei Menschen waren von den tosenden Wasserfluten mitgerissen und getötet worden. Über 2.000 Besucher hatten auf dem Gelände des Machu Picchu tagelang festgesessen und mussten per Hubschrauber evakuiert werden.

Was tun?

Zuletzt suchte ich nun einen befreundeten Polizisten in meinem peruanischen Heimatort auf. Dieser brauste auf und wütend rief er direkt beim Polizeichef in Cusco an, von wo die Zugfahrt zum Machu Picchu starten sollte.

Dem Polizeichef war sehr daran gelegen, Touristen nicht zu verärgern und versprach mir, sich zu kümmern. Freudig erstaunt reagierte ich, als er mich nach zwei Stunden auf meinem Handy zurückrief und mir nach Rücksprache mit dem Reisebüro einen passablen Fahrplan für meine Reisegruppe eröffnete. Erleichtert atmete ich auf.

Das Warten hatte sich gelohnt.

Und dann war der 1. April gekommen, der Tag, an dem wir uns mit „Peru Rail“ in Richtung Machu Picchu aufmachen konnten. In unserer Pension in Aquas Calientes, am Fuß von Machu Picchu angekommen, verabredeten wir uns für den 1. April um 5 Uhr morgens am Frühstückstisch.

Doch die ganze Nacht über regnete es wieder wolkenbruchartig. Tief hingen die Wolken im Tal, würde nun alles erneut überschwemmt werden? Selbst die Bewohner von Aquas Calientes verstummten angesichts der Wassermassen.

Alle richtete ihren erwartungsvollen Blick auf mich: „Ich bin doch hauptsächlich wegen Machu Picchu hier“, hörte ich, und: „Ohne in Machu Picchu gewesen zu sein fahre ich nicht zurück“ Keiner wollte aufgeben.

Ich erinnerte die Gruppe an die Worte des Schamanen, den wir vor unserer Abreise zum Machu Picchu in Cusco aufgesucht hatten. „Der Machu Picchu möchte keinen Besuch mehr! Vergesst nicht, dass in der Vergangenheit nur Menschen, die eingeladen waren, das Gelände betreten durften“, waren die Worte des weisen Indianers aus den Anden.

Uns allen war die Bedeutung dieser Aussage bewusst. Sprach er doch einerseits von den vielen, ja vielleicht zu vielen Menschen, die Machu Picchu täglich besuchen, so ging es ihm aber insbesondere um die Art und Weise, wie sich Touristen immer wieder mit fehlendem Respekt und zu geringer Achtung den alten heiligen Stätten
des Landes gegenüber verhalten.

Um das bedrückende Schweigen zu durchbrechen, schlug ich vor, ein “Despacho“ zu
zelebrieren, ein Dankesritual zu Ehren der Erde aus Bluten, Getreide und vielen kleinen Gaben. Meine Gruppe kannte dieses Ritual bereits im Zusammenhang mit einer Cocablattlesung und erinnerten sich an seine wunderbare Wirkung.

Und wieder wirkte es.

Wir brauchten gar nicht lange zu warten, bis der Himmel aufklarte, der Nebel vollends aufstieg und wir endlich vor dem Eingangstor zu den heiligen Stätten der Inka, dem Eingang von Machu Picchu standen.

Wie freute ich mich nun, meine Reisegruppe an den bereits durch den Regen des Vormittags durchnässten uns entgegenkommenden Touristen vorbeizuführen.

Der Freudenschrei einer Teilnehmerin hallte als Echo von den Bergen zurück: „Wir sind da! Machu Picchu, wir sind da!“

Schließlich zogen wir uns zurück an einen stillen Ort, abseits der Ruinen, um mit den Kräften dieses heiligen Ortes in Kontakt zu treten, einem magischen Ort, der seit Urzeiten zu den bedeutendsten Kraftorten der Erde zählt.

Mir wurde wieder einmal bewusst, dass jeder einzelne mit seiner ehrfurchtsvollen Haltung dieses Land unterstützen kann. Bewusstes Reisen - das heißt Respekt gegenüber dem Land und den Menschen, Achtung vor ihrer Kultur und Lebensweise sowie Offenheit und Herzlichkeit - wirkt sich positiv auf das Land und die dort lebenden Menschen aus. Davon war und bin ich überzeugt."

Schreibt und glaubt Morana Paproth.

Was halten Sie davon - alte Weisheiten in unsere Zeit zu integrieren? Mit dem Flugzeug zu schamanischen Kraftorten zu reisen?



Ariel Hauptmeier


Ariel Hauptmeier
18. Oktober 2010

Shakespeare und der Todesengel


Das Heft ist draußen, das Blog-Abenteuer Peru und Bolvien neigt sich seinem Ende entgegen...

Eine letzte Geschichte möchte ich Ihnen vorstellen, vielleicht ist es die überraschendste im Heft.

Sie handelt von Perus bekanntester “Terroristin” - und ist verfasst von dem bekannten englischen Autor Nicholas Shakespeare.

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Die Vorgeschichte

Am 12. September 1992 wurde in Lima Abimael Guzmán verhaftet, der Anführer des “Leuchtenden Pfads”, der skrupellosesten Guerilla Lateinamerikas. Guzmán wurde versteckt von Maritza Garrido Lecca, der 27-jährigen Tochter einer Mittelschichtsfamilie, Einzelkind und Konventschülerin. Die schöne Tänzerin, der blutrünstige Revolutionär, die dramatischen Ereignisse – der Leuchtende Pfad stand kurz davor, Lima einzunehmen – inspirierten Nicholas Shakespeare zu seinem Roman „Der Obrist und die Tänzerin“. Das Buch wurde ein Welterfolg, John Malkovich verfilmte den Stoff für Hollywood.


Die Idee

Bei meinen Recherchern bin ich im Internet auf ein Video gestoßen, in dem die geheimnisvolle Maritza dem peruanischen Fernsehen ein Interview gab. Hier:

http://www.youtube.com/watch?v=fIJZAXX9HnE

Unerhört! Es gab sie noch – und sie sah blendend aus, nach 18 Jahren strenger Haft. Könnte es eventuell möglich sein, dass Nicholas Shakespeare die einstige Ballerina interviewte – also jener zum ersten Mal begegnete, die er in seiner Phantasie bestens kannte?

Nicholas Shakespeare war begeistert von der Idee. Doch das peruanische Justizministerium blockte ab - Interviews mit Maritza seien kategorisch nicht gestattet. Maritzas Anwalt machte dann wieder Hoffnung, er sagte: Gehen Sie einfach zum Gefängnis und behaupten Sie, Sie seien ein Freund von ihr. Ein ,amigo’.“
 
Also klopfte ich eines trüben Februarmorgens an die eiserne Pforte des Hochsicherheitsgefängnisses von Chorillo, bei Lima, wurde eingelassen stand und kurz darauf der strahlend schönen Maritza gegenüber. Ob Nicholas Shakespeare sie besuchen dürfe?
 
Aber ja, sagte sie fröhlich.
 
Und so reiste wenig drauf Nichoals Shakespeare nach Lima – und stellte sich, an der Pforte des Gefängnisses, ebenfalls vor als: Amigo.

Und schrieb, zurück in England, eine wunderbare Geschichte. So fängt sie an:


Der Text

AMIGO?«

Hinter dem Schalter sitzt eine stämmige Polizistin, sie trägt einen engen schwarzen Pullover.

„Sí, amigo“, sage ich und ahne, wie sie die Augen rollt.

„Woher kommen Sie?“

„England. Haben Sie hier viele Besucher aus England?“

„Sie sind der erste.“

Ich reiche ihr meinen Pass. Eine andere junge Polizistin stempelt ein B auf mein rechtes Handgelenk und kritzelt mit Filzstift eine 38 daneben. Tagelang werde ich meinen Arm nicht waschen.

Ein Schielender durchsucht mich, dann öffnet er eine Tür und führt mich in einen weitläufigen Gebäudekomplex. Eine Polizistin in einem offenen Holzverschlag bewacht den Zugang. Ich sage ihr, wen ich besuche.

„Amigo?“, flüstert sie.

„Amigo.“

„Pasa, bebé.“

Eine weitere Polizistin deutet auf den Eingang zu Pavillon B, die Insassen dort sind Mitglieder des Leuchtenden Pfads. Ein drittes Mal wird meine Ankunft vermerkt, man geleitet mich zum Treppenhaus, als eine Gestalt auf mich zuschießt. Große braune Augen, das lange Haar in der Mitte gescheitelt, über den Schultern ein blümchenbestickter Wollschal. Ihr Gesicht ist schmaler, eindringlicher als auf Fotos. Sie trägt weite, schwarze Hosen und blaue, hochhackige Schuhe.

„Maritza?“

Sie nickt, lächelt.

Ohne darüber nachzudenken, umarme ich sie.
 
Es ist ein erhabener Moment, jemanden zu treffen, den man aufs Intimste kennt, obwohl man ihn aus fremden Erinnerungen zusammensetzen musste. Ich weiß, was Maritzas argentinischer Ehemann Saúl Mankevic über sie dachte, ihr dichtender Liebhaber Rafael Dávila, die Direktorin des Ballet Nacional, wo Maritza in Prokofjews „Aschenputtel“ eine Fee tanzte. „Sie hätte die beste Ballerina Perus sein können“, sagte sie mir. Eines aber konnte ich nie durchdringen, und womöglich war das einer der Gründe, einen Roman über sie zu schreiben: Weshalb Maritza das Ballett sein ließ und sie, ausgerechnet sie, die sanfte Künstlerin, sich dem bewaffneten Kampf anschloss.

Ich folge ihr in einen Raum im ersten Stock. An Tischen sitzen andere männliche Besucher und unterhalten sich mit den Gefangenen, teilen ein Brötchen, schenken ein Glas Inca Kola ein. Freundlich ist die Atmosphäre, familiär. Hier reden wir sechs Stunden. Zunächst überlasse ich Maritza das Wort. Ich erwarte, verführt zu werden, und werde verführt. Die Frau neben mir widerlegt jede Vermutung, 18 Jahre Gefängnis könnten sie gebrochen oder verbittert haben. Sie ist warm, weiblich, naiv, leidenschaftlich, überzeugt, stolz – und sie ist mir zutiefst vertraut.”

(...)


Und so weiter.

Wie schön, dass die Süddeutsche Zeitung im Feuilleton unsere Reportage besprochen hat:


Shakespeare in Peru



Süddeutsche Zeitung, Mittwoch, 06.10.2010

Eine großartige Geo-Reportage erzählt einen Roman fort


Das muss merkwürdig sein: Als Schriftsteller der Hauptfigur aus einem eigenen Roman in einem Gefängnis gegenüberzusitzen. 18 Jahre, nachdem dieser Mensch der Welt abhanden kam. 15 Jahre, nachdem der eigene Roman erschienen ist. Und dann wirkt es, als sei dieser Mensch nicht nur in einer Zelle gefangen, sondern vor allem in einem Text, den ein Dritter geschrieben hat . . .

1992 wurde Abimael Guzmán, der Anführer der grausamen Rebellenorganisation Sendero Luminoso, in Lima verhaftet. Die ironische Pointe an Guzmáns Verhaftung war, dass dieser Mann, der mit seiner Bewegung Peru in einen an Maos Kulturrevolution angelehnten Steinzeitkommunismus zurückbomben wollte, seine Terroraktionen von einer Wohnung in einem Luxusviertel aus organisierte. Offiziell lebte in dem Haus damals nur Maritza Garrido Lecca, eine wunderschöne, 27-jährige Balletttänzerin aus der peruanischen Mittelschicht, von der alle sagten, sie hätte eine der größten Ballerinas ihrer Zeit werden können. Stattdessen kaufte sie über Monate für Guzmán und seine Mitstreiter ein und wurde dafür später zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Für seinen Roman "Der Obrist und die Tänzerin" hat Nicholas Shakespeare Maritzas Leben aus Dokumenten und langen Interviews zusammengesetzt und daraus die Figur Yolanda geschaffen, eine sehr stimmige Figur, die sich naiv verrennt, aber zu dem steht, was sie tut.

15 Jahre nach dem Erscheinen seines Romans schickte ihn nun die Redaktion von Geo Special für ihr Schwerpunktheft über "Peru und Bolivien", das heute erscheint (146 Seiten, acht Euro), in das Hochsicherheitsgefängnis von Chorillo, wo die vergessene Maritza seit Jahren einsitzt: "Es ist ein erhabener Moment, jemanden zu treffen, den man aufs Intimste kennt, obwohl man ihn aus fremden Erinnerungen zusammensetzen musste."

Shakespeare erzählt zunächst von ihren Jahren in Einzelhaft, auf 4000 Meter Höhe, in einer winzigen Zelle, in der sie "Libertad de danzar" schreibt, ein Tanzlehrbuch für Menschen, die wenig Platz haben. Dann aber bricht sich durch das Sprechen der lebhaften, noch immer einnehmend schönen Frau eine andere, metallischere Stimme Bahn, eine Stimme, die von der Weltrevolution und Maos Verdiensten doziert.

Das Großartige an Shakespeares Reportage ist, dass sie das Dokument eines Scheiterns ist: Je länger sie spricht, desto klarer wird, dass Shakespeare sie eben nicht "aufs Intimste kannte": Maritza rechtfertigt Guzmáns Taten, leugnet aber die Wahrheit: gewusst zu haben, dass er sich monatelang über ihrem Ballettstudio versteckte. Würde sie, andersherum, Guzmán heute abschwören, aber zugeben, dass sie ihm damals half, wäre ihr Verhalten nachzuvollziehen. So aber wird sie viel rätselhafter, oszillierender als die Romanfigur. Und Shakespeares Reportage wird zu einem irritierenden Stück über die Autonomie literarischer Figuren - und über die Fremdbestimmung eines realen Lebens.


Ariel Hauptmeier
Ariel Hauptmeier
11. Oktober 2010

Unterwegs auf dem Salar de Uyuni


Was das Schönste... das wirklich Allerschönste war auf ihrer Tour durch Südamerika? Habe ich etliche Reisende gefragt, die mir unterwegs begegnet sind, damals, in Peru und Bolivien, als ich das Heft vorbereitet habe. Und die Antwort war viele Male: die viertägige Fahrt mit dem Jeep über den Salar de Uyuni.

Den größten Salzsee der Erde.

Also haben wir uns entschlossen, das Heft zu beginnen - mit Fotos von eben diesem Salzsee.

Mit Aufnahmen, die an die Antarktis erinnern, aber gemacht wurden in flimmernder Hitze...

Voila:


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Es ist schwer, ein solches Naturschauspiel in Wort zu fassen. Dem Kölner Autor Wolf Alexander Hanisch ist es gelungen:

"Mit asthmatischem Wiehern erwacht Fulgencios Geländewagen zum Leben. Es ist fünf Uhr morgens am Ortsrand von Uyuni im wilden Südwesten Boliviens. Während sich der Motor des alten Toyota warm rasselt, brodelt am Himmel noch das Gebräu der Sterne. Fulgencios Zeigefinger tippt in der Luft herum. Zwei Israelis zählt er, drei holländische Studentinnen und einen Australier. Mit hochgezogenen Goretex-Schultern sitzen sie in den weißen Schwaden ihres Atems. Minus zehn Grad Celsius. In den nächsten Tagen werde es noch viel kälter werden, informiert Fulgencio die Runde, und der Satz klingt nicht ironisch. Er klingt wie eine Drohung.
Kurz darauf prasselt Sand gegen den Fahrzeugboden. Das Lenkrad knapp vor der Brust, steuert Fulgencio seine bibbernde Fuhre im Sonnenaufgang über den Salar de Uyuni. Der Tagesbeginn auf der größten Salzebene der Erde ist der Auftakt eines Ausflugs in einen Rausch aus Licht und Farbe und maßloser Weite.
Als würde ein Film auf eine kolossale Leinwand projiziert, entfacht das Morgengrauen eine saphirblau wabernde Glut im Schwarz der Nacht, tränkt dann den Horizont mit sakralem Lila, lässt ihn später himbeerrot schimmern und gießt zum Schluss ein majestätisches Apricot über den Himmel, das so kräftig leuchtet, dass man meint, es riechen zu können. Die psychedelische Anmut der Dämmerung über dem Salar macht sprachlos; bis zum ersten Sonnenstrahl sagt niemand ein Wort.

(...)"

Übrigens liegt das Heft seit einigen Tagen am Kiosk - ich freue mich über Ihre Meinungen dazu!

Ariel Hauptmeier





Ariel Hauptmeier
28. September 2010

Schattenseiten: Lynchmorde


Wir haben in der Redaktion lange über diese Geschichte diskutiert. Es ist eine düstere Geschichte. Eine brutale Geschichte. Ein Mann wird gelyncht in El Alto, dem Armenviertel von La Paz, Bolivien. Weil man ihn für einen Dieb hält. Das ist kein Einzelfall. Immer wieder gibt es Lynchmorde in Bolivien. Das sind nicht einfach nur Kriminalfälle, individuelle Verfehlungen - sondern sie haben politische, gesellschaftliche Bedeutng.

Denn: Unter Evo Morales hat sich Bolivien eine neue Verfassung gegeben. Eine Revolution: Das "indigene Recht", die Gesetze der Urvölker, tritt gleichberechtigt neben das allgemeine, von den Spaniern nach Bolivien gebrachte Recht. Und da es in Bolivien 36 Urvölker gibt, gibt es nun 37 Rechtssysteme.

Eine höchst umstrittene Neuerung. Gelobt von den einen, heftig kritisiert von den anderen.

Jedenfalls: Wird diese "indigene Recht" immer wieder missbraucht - von aufgebrachten Bürgern, die es als Vorwand nehmen, um echte oder vermeintliche Diebe hinzurichten.

So sieht die Reportage im Heft aus:



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Und so beginnt sie:

"Er war allein, als er den Schrei hörte. Es waren drei Worte. Sie bedeuteten den Tod. Dies war nicht sein Viertel, er war fremd hier. Die Stimme gellte die Straße entlang, drei Worte, immer die gleichen: „Ratero, ratero, vos eres ratero“, Dieb, Dieb, ein Dieb bist du. Er ging weiter.

Sie griffen sich ihn in der Calle Narciso Campero, einer der wenigen gepflasterten Straßen dieser Gegend. Es war etwa Viertel vor fünf am Nachmittag. Die Straßen von Alto de la Alianza, einem Armenviertel im Schatten des Flughafens von La Paz, Bolivien, lagen weitgehend leer. Wer Arbeit hatte, arbeitete. Wer keine hatte, war welche suchen. Bislang hatten nur die nächsten Nachbarn auf die Rufe reagiert. Es waren allesamt Frauen. Sie umstellten ihn. Sie nahmen, was zur Hand war, darunter eine leere Limonadenflasche, und schlugen auf ihn ein. Er wehrte sich nicht. Er versuchte nicht zu fliehen. Es dauerte nicht lange, und die Männer des Viertels waren da.

„Wir haben nur Gerechtigkeit geübt“, sagt Juan Pablo Gonzales, beschuldigt als Mörder von Omar Mamani, den sie einen „Ratero“ schimpften.

„Sie haben das Gesetz in ihre eigenen Hände genommen“, sagt María Mamani, Mutter eines gelynchten Sohnes.

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Sie ahnen, warum wir so lange diskutiert haben, ob wir diese Geschichte ins Heft nehmen. Passt sie ins Geo Special? Immerhin geht es in den Heften vor allem ums Reisen. Um die schönen Seiten des Lebens. Passt dahinein eine Geschichte über die brutalen Verirrungen in den Armenvierteln?

Ich finde: ja. Unbedingt. Denn der Anspruch der Special-Hefte ist ja - ein Land zu verstehen. Wir wollen da anfangen, wo Reiseführer aufhören. Wollen die Realität JETZT abbilden - die schönen Seiten genau wie die weniger schönen, die ebenso notwendig sind für das Verständnis einer Kultur.

Und dass in Bolivien, dem ärmsten Land Südamerikas, nicht immer nur die Sonne scheint, dürfte jeder ahnen, der sich für die Region interessiert.

Was denken Sie?


Ariel Hauptmeier


Ariel Hauptmeier
24. September 2010

Magischer Realismus


Wenn ich an irgendeiner Geschichte im Peru-Bolivien-Heft hänge... dann an dieser. Wegen der, im Wortsinn, Traum-haften Fotos. Sie stammen von dem spanischen Fotografen Juan Manuel Castro Prieto, der ein erklärter Anden-Fan ist und so oft wie möglich dort unterwegs ist. Unsere Bildredakteurin Anja Jöckel hat ihn bei ihren Recherchen entdeckt, denn er gehört nicht zu den internationalen Stars, die einem als erstes einfallen. Aber hoffentlich wird er einer, verdient hätte er's.

Hier ist die Strecke:

castro_1.jpg

Castro_2.jpg


Castro_3.jpg


Castro_4.jpg


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Um sie anzustecken mit meiner Begeisterung ... möchte ich den Text dazu stellen, in dem Castro Prieto erklärt, was er da eigentlich macht... was er mit diesen Bildern will:


„Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen“, sagt Fotograf Castro Prieto. »Vor einigen Jahren war ich mit einem Freund im Norden Perus unterwegs. Wir suchten nach den Ruinen von Kuelap, hatten uns aber hoffnungslos verfahren. Als die Dunkelheit hereinbrach, klopften wir an einem Haus an und baten um eine Decke, um die Nacht im Auto zu verbringen.
Aber wir wurden hineingebeten, und das Ehepaar, arme Leute, bestand darauf, uns großzügig zu bewirten. Während wir aßen, unterhielten sie sich über den Antimonio, einen bösen Geist, der einen verhexen und töten kann. Das war kein Geraune über ein Gespenst, sondern eine normale Unterhaltung über etwas völlig Alltägliches, über den Antimonio eben.
Am nächsten Morgen fanden wir Kuelap und fuhren dann nach Leymebamba, wo man kurz zuvor ein bedeutendes Grab der Chachapoya gefunden hatte. Die Mumien und Keramiken waren aufbewahrt in einem Raum, der mit drei Schlüsseln geöffnet werden musste, einen hatte der örtliche Polizeipräsident, einen der Bürgermeister, einen der Leiter der Kulturkommission.
Mir gelang es, die drei aufzutreiben, doch als sie nacheinander ihre Schlüssel herumgedreht und die Tür geöffnet hatten, blieb der Bürgermeister draußen stehen. Der Antimonio?, fragte ich ihn scherzhaft. Er aber nickte mit tödlichem Ernst. Ich nahm meine Hasselblad-Kamera, machte ein Foto von den Objekten, wollte ein nächstes machen – doch die Kamera blockierte.
Zum Glück hatte ich eine zweite dabei, eine Mamiya. Ich nahm sie, machte ein Foto, wollte ein nächstes machen – da blockierte auch diese Kamera. Ich tat so, als sei nichts gewesen, packte meine Sachen zusammen und verließ den Raum. Nie zuvor oder danach haben mich diese beiden Kameras im Stich gelassen. Hatte mich der Antimonio verhext?
Nein, natürlich nicht. Aber wie einfach wäre es gewesen, diesen Zusammenhang herzustellen. Für uns in Europa sind Mythen, Geisterglaube, Zauberei längst abgeschafft. In den Anden aber ist die Magie real, ein selbstverständlicher Teil der Welt. Und genau das liebe ich so an Peru und Bolivien. Ich bin kein dokumentarischer Fotograf. Mich interessiert das Merkwürdige, das Poetische, das Magische. Die Welt hinter der Welt.
Und mir geht es darum, bei Ihnen, dem Betrachter, das gleiche Gefühl zu erzeugen, das ich im Moment des Auslösens hatte. Das kleine Mädchen, das auf einer Holzbank schläft. Die Pranken des Vaters, der seine Tochter nach Hause führt. Ist das nicht fantastisch?
 Welche der Aufnahmen mir am meisten bedeutet? Vielleicht die auf Seite 63. Ich habe unzählige Fotos vom Putucusi gemacht, und jedes Mal sieht er anders aus, weil ihn die Wolken neu in Szene setzen. Und das Bild auf Seite 69: Ich fuhr über das leere Altiplano, da tauchte dieses Lama-Gehege auf. Die merkwürdigen Pfähle, die weißen Tiere, das Abendlicht... Ich fotografierte aus dem fahrenden Auto. Ist es nicht ein Wunder, dass die Aufnahme gelungen ist?“
 
Ja. Wundervoll. Mich haben diese Fotos auf eine ganz merkwürdige Art berührt.

Was denken Sie?


Ariel Hauptmeier
Ariel Hauptmeier
22. September 2010

Lima in sieben Gängen


Meine Güte ... ist das wirklich schon SOOO lange her?

Im Februar war ich ja in Lima, um dem dort tobenden Aufbruchsgeist nachzuspüren - und mit sieben Protagonisten des Wandels in sieben Restaurants essen zu gehen. In Restaurants - weil die Gastronomie eine große Rolle spielt für das neu gewonnene Selbstvertrauen. Weil sich Peru neu erfunden hat in der "novoandinen Küche".

"Nationbuilding am Herd", sozusagen.

Oder, wie es im Artikel heißt:

"Peru, das dreigeteilte Land: die Pazifikküste, das Andenhochland, das Amazonastiefland. Peru, der Vielvölkerstaat: knapp 100 Ethnien, Einwanderer aus Europa, aus China, aus Afrika. Peru, das Land der Unterschiede. Kann aus so etwas eine Nation werden?

Doch, das geht. Man muss nur alles in einen Topf werfen.

Und genau das hat Gastón Acurio gemacht. Der Koch. Mit­erfinder der „novoandinen Küche“. Die wichtigste Figur des Neuen Peru. Der beliebteste Peruaner. Herr über 26 Restaurants von Madrid bis San Francisco, Autor preisgekrönter Kochbücher, Moderator mehrerer TV-Sendungen.

Einen Termin bei ihm zu bekommen ist schwerer, als den Präsidenten zu treffen. Nach schier endlosem Antichambrieren klappt es, und so betrete ich eines sonnigen Morgens sein Versuchslabor, eine große Altbauetage mit etlichen Küchen. In einer davon steht Acurio und zeichnet eine Sendung auf. Rundes Gesicht, schulterlange, schwarze Locken, halb Jamie Oliver, halb Che Guevara. Zwei Kameras, eine Produ­zentin, Acurio plaudert fröhlich drauflos und rührt ab und an im Topf; steht in Badeschlappen und Bermudashorts hinter dem Herd, aber das fangen die Kameras nicht ein, oben trägt er eine gestärkte Kochjacke. Kaum sind die Kameras aus, nimmt er mich mit zu einer Sitzgruppe und zieht sich, während er die erste Frage beantwortet, die Jacke aus und ein Hemd an, sitzt also kurz mit nacktem Oberkörper da.

Als Acurio 1994 mit seiner deutschen Frau Astrid nach Lima zurückkehrte, sie hatten sich in einer Pariser Kochschule kennengelernt, kochte er französisch. Trüffel, Gänseleber, schwere Saucen. Bis ihm auffiel, wie unsinnig das war. In einem Land, das 84 der weltweit über 100 Mikroklimata beherbergt und daher eine ungeheure Vielfalt natürlicher Ressourcen hat: mehr als 3000 Kartoffel-, 600 Obstsorten und Tomatenvarianten, 3680 Arten Mais, 2000 Arten Fisch. Hinzu kommt eine Geschichte der Vermengungen, die Acurio nicht als Bürde, sondern als Aktivposten interpretiert: Die Spanier brachten Rezepte für Fleisch, Suppen, Eintöpfe mit, afrikanische Sklaven ihre Vorliebe für Zucker, exotische Gewürze, die Chine­sen den Wok, die Japaner ihre Leidenschaft für rohen Fisch."

Und so sieht die Reportage im Heft aus:

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Ich kann es nur wiederholen: Mich hat es überrascht, wie modern Lima ist. Was für coole, weitsichtige Menschen dort leben. Weltbürger durch und durch, mit den globalen Trends allerbestens vernetzt - und doch ausgeprägte Patrioten, die wollen, das es mit ihrem Land vorangeht.

Oder, wie es der Graphiker German Quino gesagt hat, der Bulle auf der ersten Seite:

"Ich träume von einem Peru, das gemacht ist von den Peruanern."

Frage: Was ist Ihr Bild von Lima?

Ariel Hauptmeier
Ariel Hauptmeier
21. September 2010

Mücken in Manu II


Erinnern Sie sich noch... wie Amrai vor einigen Monaten aus dem Manú-Nationalpark berichtet hat? Inzwischen ist die Reportage fertig (genau wie das ganze Heft!!!)

Das ist daraus geworden:

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Am Freitag haben wir die Arbeit am Heft abgeschlossen. Jetzt wird es gedruckt, am 6. Oktober ist es am Kiosk.

Bis dahin möchte ich Ihnen die einzelnen Geschichten vorstellen.

Ihnen erläutern, warum es wurde, wie es ist.

Manú...

Ganz glücklich sind wir über die Fotos von Andre Bärtschi. Der Schweizer Fotograf, dessen Lebensprojekt es ist, immer schönere, immer intensivere Aufnahmen von Manú zu machen. Der inzwischen nach Peru gezogen ist, um seinem Urwald möglichst nah zu sein.

Und so beginnt Amrais Text:

Nervig sind nur die Mücken: Nachdem ich bei einem Boots­stopp im Freien pinkeln war, sind meine Oberschenkel übersät von Stichen. Biester. 71 Stiche zähle ich, als mir langweilig ist. In Manú wimmelt es von Moskitos, ihr Summen ist der Soundtrack einer Reise durch diesen Nationalpark. Knapp 50 Stechmückenarten gibt es in Deutschland, über 100 in Manú. Aedes und Anopheles sind die zwei größten Fraktionen hier. Tigermücken und Fiebermücken. Ihre griechischen Namen sprechen für sich: Aedes bedeutet „lästig“ und Anopheles „nutzlos“.
 
„Als ich das erste Mal einen Jaguar gesehen habe, war das so intensiv wie die Geburt meiner Tochter. Ich hatte das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Alles machte Sinn. Seit zwölf Jahren fahre ich immer wieder nach Manú. Wie elegant der Jaguar seine Pfoten übereinanderschlägt! Der Alligator, der die Wasseroberfläche durchpflügt. Die Vögel, die ihre Federn in der Sonne trocknen. Das sind aneinandergereihte Stillleben. Auch wenn es abgedroschen klingt: Dieser Ort ist das Paradies.“
                    Daniel Winitzky, 49, Filmemacher aus Buenos Aires, Argentinien


Das ist das Prinzip des Textes - Eindrücke von Amrai wechseln sich ab mit Eindrücken von Reisenden, die sie unterwegs traf.

Die Idee, eine Geschichte einmal aus Ihrer, der Leser-Perspektive zu erzählen, kam uns... als bei einer Heftanalyse einer der befragten Leser sagte, sinngemäß: "Das hat ja nur ein Journalist geschrieben." Und Journalisten glaube er weniger als "echten" Menschen...

Und wirklich: "Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, alles machte Sinn ..." ist das nicht ein wunderbares Zitat?

Der allererste Satz ... das mit dem Pinkeln... das muss natürlich sein. Denn am Ende geht es um große Gefühle, das Naturschöne, das Pathos, wenn man unberührter Natur gegenübertritt... da sollte man möglichst profan, möglichst unpathetisch beginnen.

Finden wir.

Was denken Sie?


Ariel Hauptmeier






















Ariel Hauptmeier
20. Juli 2010

Fest des Schneesterns


Die Produktionsphase des Peru-Bolivien-Heftes hat jetzt offiziell begonnen. Kartographen und Layouter werkeln fleißig. Heute Morgen, während der Redaktionskonferenz, haben wir uns außerdem für einen Film entschieden, den wir dem Heft als DVD beilegen - eine Dokumentation über das "Fest des Schneesterns", die bedeutendste Pilgerfahrt in den Anden.

Zu Zehntausenden pilgern Peruaner jeden Alters an Himmelfahrt zum „Berg der Wünsche“, er liegt einige Autostunden von Cusco entfernt. Auf knapp 5000 Höhenmetern begehen sie ein Fest, in dem christliche Traditionen und Inka-Mythen verschmelzen. Drei Tage dauert die nicht ganz ungefährliche Reise ins eisige Hochgebirge.

Einen ersten Eindruck bekommen Sie im folgenden Video:



Und hier einige Fotos, aufgenommen vom Film-Produktionsteam um Thomas Wartmann:

In einer mehrstündigen Wanderung, an neun Kreuzen vorbei, gelangen die Pilger zum Heiligtum von Qoyllur Riti auf der Sinakhara-Fläche.

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Tausende Menschen strömen in Peru zum heiligen Gletscher Qoyllur Rity um zwei Göttern zu huldigen: Dem christlichen Vater und dem Inkagott der Berge "Apus".

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Auf ihrem Weg zu der Stätte, wo vor etwas mehr als 200 Jahren einem Hirten Jesus Christus als "Herr des Schneesterns" erschienen sein soll, halten die Pilger immer wieder an um zu beten, zu singen und zu tanzen.

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Der Film begleitet einen Architekten, einen Musiker, einen Lebensmittelgroßhändler und einen Chemieingenieur auf ihrer Reise zum heiligen Gletscher. Bereits der Aufstieg stellt sie vor große Herausforderungen.

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Ariel Hauptmeier
2. Juli 2010

Ayahuasca, Tango, Berlin



Heute möchte ich Sie mitnehmen auf eine ziemlich schräge Reise. Sie beginnt vor zehn Jahren in Buenos Aires und endet vorerst morgen, Samstag, in Berlin.

Haben Sie schon einmal von Ayahuasca gehört, der “Liane der Seelen”?

Ayahuasca ist der heilige Trank Südamerikas. Schamanen verwenden ihn bei ihren Zeremonien, Urwaldbewohner trinken ihn, um Kontakt mit ihren Ahnen aufzunehmen, in Brasilien gibt es eine christliche Kirche, die ihn bei ihren Gottesdiensten einnimmt, die “Vegetal-Union”. Hier ein Artikel aus einem älteren Geo-Special über den "Zaubertrank".

Er wird gebraut aus der Ayahuasca-Liane und dem Chacruna-Strauch und ist stark halluzinogen.
Auch im peruanische Amazonas-Tiefland wird er seit jeher getrunken, und rund um Iquitos bieten Schamanen den Psycho-Trip auch für Touristen an.

Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht über eine solche Seelenreise.

Ja, auch ich habe das Zeug mal probiert. Vor ziemlich genau zehn Jahren, in Buenos Aires. Ein peruanischer Schamane war zu Gast und veranstaltete, in einem abgelegenen Haus im Tigre-Delta, abendliche Ayahuasca-Zeremonien.

Wir waren zu zwölft, Kerzen brannten, Adrian, der Schamane, blies uns Rauch in Gesicht und reichte uns ein kleines Glas mit der bitteren Flüssigkeit. Eine Stunde später explodierten meine Sinne. Ich war ein Delphin, der durchs Wasser schießt, ein Komet, der durchs Weltall rast, und einmal dachte ich, ich müsste sterben.
Alles war schwarz und still. Kurz danach musste ich mich übergeben. Und danach breitete sich ein göttlicher Frieden in mir aus. Stundenlang. Ein unvergessliches Erlebnis.

Und es ist eine Freundschaft fürs Leben daraus entstanden. Auf der Zeremonie lernte ich Carlos Senin kennen (der kämpferische Herr unten rechts). Später hat er ein Jahr in Berlin in meiner WG gewohnt. Er ist Tango-Gitarrist, Teil der "Hermanos Butaca". Bei Myspace kann man ihre Musik anhören.

Gerade sind die beiden Tangueros auf Europa-Tournee - und treten morgen abend, nach dem Spiel Deutschland-Argentien, jaja, in Berlin auf:

 
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Na klar fahre ich morgen nach Berlin. Wer auch kommen möchte, hier die Daten:

Sábado 3 de Julio, 21 hs.  MAVI DIAZ + LOS HERMANOS BUTACA  La Cueva, Oranien Str. 159, Berlin - Kreuzberg.

Nein, Ayahusca wird garantiert nicht gereicht. "Der Wirkstoff DMT ist in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund seiner Aufführung in der Anlage 1 BtMG ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Der Umgang ohne Erlaubnis ist grundsätzlich strafbar. Weitere Informationen sind im Hauptartikel Betäubungsmittelrecht in Deutschland zu finden." (Wikipedia)


Ariel Hauptmeier
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