Hauptinhalt
Wunderheilungen
Der Tipp, eben diese Wunderheilerin aufzusuchen, erreichte J. C., den Langzeitfreund meiner Schwägerin Ana und fortan im Text »Jott-Ze« genannt, über ferne Verwandte. Geplagt von chronischen Beschwerden im Nackenbereich, nahm er telefonisch Kontakt zur Heilerin auf, erläuterte sein Leid, machte einen Termin aus und begab sich gemeinsam mit Ana auf eine über hundert Kilometer lange Anreise. weiterlesen
6. Dezember 2011
Quadratkopftum
Quadratköpfe, cabezas cuadradas, sagen Spanier uns Deutschen nach, wenn sie im Zuge des bilateralen Transports von Vorurteilen wieder einmal eine typisch teutonische Wesensart genervt hat: Hyperkorrektheit, verzahnt mit Besserwisserei, Beschwerdewahn und Verbohrtheit, bis die allerletzte Unwesentlichkeit ausdiskutiert und unter Inaugenscheinnahme der gültigen Gesetzeslage aus der Welt geräumt ist. Selbstverständlich haben die Spanier Recht, übersehen aber dabei, dass auch ihr behaartes Rundhaupt, das bei manchen einzig dazu dient, Torerokappen zu tragen, mittlerweile in bedrohlichem Ausmaß die Form des Eckigen angenommen hat ... weiterlesen
28. November 2011
Krach um den Lärm
»Wegen Lärm geschlossen.«
In Spanien hätte ich diese Zeitungsschlagzeile vormals für unvorstellbar gehalten. Noch weniger beim Streitfall um eine neue, öffentliche Multifunktionshalle. Diese war zwar überdacht, aber zu den Seiten hin offen. Ein tückischer Planungsfehler. Der Stimmenhall von Freizeitsportlern, Konzerte und animalische Nacht-Arien der Dorfjugend nach Massenbesäufnissen unter dem Hallendach drangen ein Stück weiter einer Halbdutzendschaft Familien des Ortes Artica so ungebremst in die Gehörgänge, dass sie alles andere als gute Vibrationen zu spüren bekamen. weiterlesen
21. November 2011
In Spanien hätte ich diese Zeitungsschlagzeile vormals für unvorstellbar gehalten. Noch weniger beim Streitfall um eine neue, öffentliche Multifunktionshalle. Diese war zwar überdacht, aber zu den Seiten hin offen. Ein tückischer Planungsfehler. Der Stimmenhall von Freizeitsportlern, Konzerte und animalische Nacht-Arien der Dorfjugend nach Massenbesäufnissen unter dem Hallendach drangen ein Stück weiter einer Halbdutzendschaft Familien des Ortes Artica so ungebremst in die Gehörgänge, dass sie alles andere als gute Vibrationen zu spüren bekamen. weiterlesen
Ein ungewollter Hausbesuch und die »Belegung öffentlichen Grunds«
Fernando, der Verwalter unseres Mehrparteienhauses, in dem er selber mit seiner Familie lebt, ist ein Vorbildnachbar und ein Gemütsmensch alten Schlags, den nicht einmal Mahnschreiben von Behörden aus der Ruhe bringen können. Sorgsam heftet er sie ab und folgt dem spanischen Prinzip, entweder gar nicht zu reagieren, die Angelegenheit unter fadenscheinigen Gründen hinauszuzögern oder die Zuständigen untereinander auszuspielen. weiterlesen
15. November 2011
Mein Besuch beim toten Diktator
»Heil, Franco! Werter Altdiktator, ich möchte Ihnen herzlichst zum anstehenden 20. November gratulieren, dem Tag Ihres Todes, denn der war zweifellos der beste in Ihrem Dasein. Zu Lebzeiten umgaben Sie sich mit dem Ruf des Generalíssimo, des ›großen Generals‹, und des ›Führers‹, Caudillo, obgleich der Weltruhm anderer Führergestalten für Sie unerreicht blieb. Ganz so viele Unschuldige wanderten während der unnützen Jahrzehnte Ihres Wirkens nicht ins Grab, nun stehe ich an Ihrem, verachtungsvoll, A. D.« weiterlesen
7. November 2011
Der letzte Dreck darf frisch gekauft sein
Die Spanier haben im Laufe ihrer Geschichte vielen Völkern vieles streitig gemacht: im Mittelalter den Mauren die Vorherrschaft auf eigenem iberischem Boden, später fern der Heimat den Hochkulturen der Maya und Inka die Gold- und Silberschätze, den Menschen in Nordafrika zwei Kleinstücke Land in bis heute bestehender Exklavenform von Ceuta und Melilla sowie hoch gehandelten Favoriten wie Italien und Brasilien die Fußballweltmeisterschaft, was auch Deutschland tief ins Mark getroffen hat. weiterlesen
31. Oktober 2011
Dunkelgeld und die Gunst von Fortuna
A: »Nach deiner Bewerbung und Vorstellung würde ich dich zum nächstmöglichen Zeitpunkt als Sekretärin einstellen.«
B: »Ja, gerne.«
Dann, am Ende:
A: »Bleibt nur noch die Frage, wie wir das mit der Bezahlung regeln sollen.«
B: »Meinst du: schwarz oder weiß?«
A: »Ja.«
B: »Das möchte ich erst mit meinem Mann bereden, der ist Experte, der arbeitet als Steuerprüfer im Finanzamt.« weiterlesen
24. Oktober 2011
B: »Ja, gerne.«
Dann, am Ende:
A: »Bleibt nur noch die Frage, wie wir das mit der Bezahlung regeln sollen.«
B: »Meinst du: schwarz oder weiß?«
A: »Ja.«
B: »Das möchte ich erst mit meinem Mann bereden, der ist Experte, der arbeitet als Steuerprüfer im Finanzamt.« weiterlesen
Die Tanzteufelskerle aus Anguiano
»Nur nicht auf den Boden schauen«, mahnt Javier. »Sobald man auf den Boden schaut, liegt man unten!«
Javier, 45, zählt zu den Ratgebern und Veteranen unter den Stelzentänzern von Anguiano, einem 500-Einwohner-Ort in der Rioja, der sich zweimal im Jahr am eigenen Schopf aus seiner Beschaulichkeit reißt: bei den Fiestas im Herbst und in der zweiten Julihälfte um den Gedenktag der Schutzpatronin Maria Magdalena. Jeweiliger Höhepunkt ist der Stelzentanz, Danza de los Zancos, bei dem weder Stelzen noch Tanz mit dem Maßstab von Normalität zu messen sind und die Beteiligten zu Multitalenten mutieren. Jeder muss auf Stelzen seinen Mann stehen und tanzen, Balance und Rhythmus halten, dazu in beiden Händen mit Kastagnetten klappern: in bauschigem Rock über Kopfsteinpflaster, unablässig um die eigene Achse kreisend, zwischen Menschenmassen hindurch, eine steile Gasse hinab. Eine Schwierigkeit greift in die nächste. Ohne Helm. Ohne Stützhilfen. Ohne Angst. Und ohne auf den Boden zu schauen. Wehe, wenn sie losgelassen. Eine kleine Chronologie ... weiterlesen
17. Oktober 2011
Javier, 45, zählt zu den Ratgebern und Veteranen unter den Stelzentänzern von Anguiano, einem 500-Einwohner-Ort in der Rioja, der sich zweimal im Jahr am eigenen Schopf aus seiner Beschaulichkeit reißt: bei den Fiestas im Herbst und in der zweiten Julihälfte um den Gedenktag der Schutzpatronin Maria Magdalena. Jeweiliger Höhepunkt ist der Stelzentanz, Danza de los Zancos, bei dem weder Stelzen noch Tanz mit dem Maßstab von Normalität zu messen sind und die Beteiligten zu Multitalenten mutieren. Jeder muss auf Stelzen seinen Mann stehen und tanzen, Balance und Rhythmus halten, dazu in beiden Händen mit Kastagnetten klappern: in bauschigem Rock über Kopfsteinpflaster, unablässig um die eigene Achse kreisend, zwischen Menschenmassen hindurch, eine steile Gasse hinab. Eine Schwierigkeit greift in die nächste. Ohne Helm. Ohne Stützhilfen. Ohne Angst. Und ohne auf den Boden zu schauen. Wehe, wenn sie losgelassen. Eine kleine Chronologie ... weiterlesen
Luxus im Kittchen
In Spanien kursiert eine Geschichte um zwei Politiker, einen älteren und einen jüngeren, die vor der Entscheidung einer großen Investition stehen.
»Was können wir für Sie tun?«, fragen sie den Direktor einer Schule, der sogleich einen Fluss an Mängeln hervorsprudelt. Undichte Stellen im Dach, Risse im Mauerwerk, fehlende Computer und Bücher, überalterte Sanitär- und Sportanlagen.
Die Politiker versprechen eine Lösung, verlangen jedoch nach Geduld. weiterlesen
10. Oktober 2011
»Was können wir für Sie tun?«, fragen sie den Direktor einer Schule, der sogleich einen Fluss an Mängeln hervorsprudelt. Undichte Stellen im Dach, Risse im Mauerwerk, fehlende Computer und Bücher, überalterte Sanitär- und Sportanlagen.
Die Politiker versprechen eine Lösung, verlangen jedoch nach Geduld. weiterlesen
Total TV
Hauptsache, es flimmert. Und es flimmert reichlich in Spaniens Fernsehlandschaft, einem Labyrinth aus weit über tausend Kanälen. Damit steht das Land neben Großbritannien und Italien an Europas Spitze. National, regional, lokal, Special Interest und Very Special Interest, die Auswahl ist undurchschaubar und reicht bis zum Stierkampf als Bezahlsender, den – traurig, aber wahr und ohne weiteren Kommentar – ein Teil meiner angeheirateten Verwandtschaft abonniert hat. Wer dort zu Besuch kommt, darf nicht erwarten, dass ihm zu Ehren das Fernsehen ausgeschaltet wird. Im Gegenteil: Droht das Nebengeräusch der Gästeunterhaltung allzu stark anzusteigen, stellt man das Gerät im Bedarfsfall lauter ... weiterlesen

Andreas Drouve stammt aus dem Rheinland. Mitte der 1990er hat er seinen Lebensmittel-