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Ein zweites Leben und Dauerstöße statt Gnadenstoß
Betrügereien. Drogendeals. Urkundenfälschung. Raub. Oder, im Fall von Manuel, Bauarbeiter, ledig, Mitte zwanzig: Körperverletzung, siebeneinhalb Jahre Haft. Alles Geschichte, alles vergessen. Weit vor Ablauf der Zeit hat ihn die Begnadigung (indulto) zum freien Mann gemacht.
Eine besondere Freilassungswelle rollt, wie auch in diesem Jahr geschehen, zu Ostern über Spanien hinweg. Mit Hilfe von Büßerbruderschaften kommen landesweit etwa fünfzehn Gefangene als »Spezialfälle« frei. Der Urbezug zwischen Gnadenakt und Karwoche verliert sich im Dunkel, obgleich die verbreitetste Version auf das Jahr 1759 verweist. Damals, so besagt eine Melange aus Legende und geschichtlicher Randnotiz, herrschte in Málaga eine Epidemie, die viele Menschen in den Tod riss und die Stadtväter veranlasste, die Karprozessionen zu verbieten. Dagegen regte sich Widerstand, einige Inhaftierte gingen unkonventionell vor. Sie flüchteten, brachten ein Christusbildnis an sich, trugen dies auf Schultern durch die Straßen und flehten bei allen Heiligen den Rückgang der Seuche herbei. Nach ihrer stundenlangen Bittprozession kehrten die Knackis ins Gefängnis zurück, die Epidemie flaute wundersam ab. weiterlesen
18. April 2011
Eine besondere Freilassungswelle rollt, wie auch in diesem Jahr geschehen, zu Ostern über Spanien hinweg. Mit Hilfe von Büßerbruderschaften kommen landesweit etwa fünfzehn Gefangene als »Spezialfälle« frei. Der Urbezug zwischen Gnadenakt und Karwoche verliert sich im Dunkel, obgleich die verbreitetste Version auf das Jahr 1759 verweist. Damals, so besagt eine Melange aus Legende und geschichtlicher Randnotiz, herrschte in Málaga eine Epidemie, die viele Menschen in den Tod riss und die Stadtväter veranlasste, die Karprozessionen zu verbieten. Dagegen regte sich Widerstand, einige Inhaftierte gingen unkonventionell vor. Sie flüchteten, brachten ein Christusbildnis an sich, trugen dies auf Schultern durch die Straßen und flehten bei allen Heiligen den Rückgang der Seuche herbei. Nach ihrer stundenlangen Bittprozession kehrten die Knackis ins Gefängnis zurück, die Epidemie flaute wundersam ab. weiterlesen
Es ist noch etwas frei ...
Ein Zimmer. Keine Küche, kein Bad. Kein Flur, kein Balkon, kein Ausblick. Dafür alles aus Marmor und sofort bezugsfertig. Einzige Auflage: Man muss ziemlich tot sein.
In Anzeigenbörsen im Internet finde ich gelegentlich Offerten von bestehenden Grabtempeln auf Friedhöfen. In »bester Lage« finden sich Pantheons zur Teil- oder kompletten Neubelegung mit Erdmöbeln. Für Opi und Omi, die der letzte Atemzug automatisch in ein Stück Sondermüll verwandelt hat, das umgehend entsorgt gehört, lässt sich für das Dasein im Jenseits zwischen Einzelzimmer und Wohngemeinschaft wählen. Manche Grabstätte ist für »bis zu fünf Personen« ausgerichtet, der Preis »Verhandlungssache« und geht in die Tausende. Derlei Privatdeals sind illegal, aber – in erweitertem Sinne – mit gesetzlichem Schlupfloch und als Ersatz für jene willkommen, denen der Teufel nicht mehr die Seele abkauft ... weiterlesen
11. April 2011
In Anzeigenbörsen im Internet finde ich gelegentlich Offerten von bestehenden Grabtempeln auf Friedhöfen. In »bester Lage« finden sich Pantheons zur Teil- oder kompletten Neubelegung mit Erdmöbeln. Für Opi und Omi, die der letzte Atemzug automatisch in ein Stück Sondermüll verwandelt hat, das umgehend entsorgt gehört, lässt sich für das Dasein im Jenseits zwischen Einzelzimmer und Wohngemeinschaft wählen. Manche Grabstätte ist für »bis zu fünf Personen« ausgerichtet, der Preis »Verhandlungssache« und geht in die Tausende. Derlei Privatdeals sind illegal, aber – in erweitertem Sinne – mit gesetzlichem Schlupfloch und als Ersatz für jene willkommen, denen der Teufel nicht mehr die Seele abkauft ... weiterlesen
Rabatte bei »Aranzadi«
Bis letzte Woche glaubte ich, alles über Eintritte und Preisnachlässe in Spanien zu wissen. Mir waren Rabatte für Kinder, Schüler und Arbeitslose bekannt. Ich kannte Ermäßigungen mit Studentenausweis, Rentnerausweis, Behindertenausweis. Ich wusste um den landesweit kostenlosen »Tag der Museen« am 18. Mai und hatte für jeden einen Insidertipp auf Lager, zu welcher Zeit man gratis ins Madrider Prado-Museum kommt oder in die Klosterresidenz El Escorial. Überdies kannte ich Rabatte für Mitglieder kinderreicher Familien (»familias numerosas«), für die heute lediglich gilt: Irgendwie müssen mehr als zwei Kinder in die Welt gesetzt worden sein, ob traditionell von Mama und Papa bzw. dem Klempner von Mama oder auf Patchworkfamilienbasis. weiterlesen
4. April 2011
Ein Halleluja auf Antonius, Jakobus und den Allmächtigen
Fünfzehn Wochen lang hatten die Freizeitkicker von Atletico Albericia, einem Team aus den Niederungen der dritten Division Kantabriens, nicht mehr gewonnen. Fünfzehn lange Wochen hatten sie Fiasko um Fiasko erlebt und sogar den Trainer gewechselt. Ohne Ergebnis. Da kam dem Obmann José Manuel die zündende Idee, wie sich die Pechsträhne beenden ließ. Statt Knoblauch über den Rasen zu streuen, um Hexenmächte und böse Geister zu vertreiben, entfernte er aus dem Vereinsheim klammheimlich ein Figürchen des heiligen Antonius und klemmte es am Morgen des nächsten Heimspiels hinter eines der Tore in ein Ballauffangnetz. Dann sprach er ein Gebet, zündete in der Kirche eine Kerze an und wartete auf die Fügung des Herrn. Das Resultat: 2:0 für Atletico Albericia. weiterlesen

Andreas Drouve stammt aus dem Rheinland. Mitte der 1990er hat er seinen Lebensmittel-