Hauptinhalt
Beichtstühle mit Digitalanzeige und ein Platzverweis für die »Facebook-Nonne«
Leuchtende Displays an Beichtstühlen gaukeln vor, dass es unter Spaniens Büßern eine Rushhour gibt. Obwohl kaum jemand mehr von den nachrückenden Generationen der Sünder hineingeht, kenne ich in Spanien – zumindest von außen – Beichtstühle mit optischen Finessen. Rot zeigt »besetzt«, das grüne Licht »frei« an. Dasselbe System wie bei öffentlichen Toiletten also und in den heiligen Hallen als Service für jene gedacht, die signalisiert bekommen, wann genau sie sich von der Seele Lasten erleichtern dürfen. Da soll einer sagen, Spaniens Kirche wäre komplett verkrustet und rückständig und würde sich dem Zeitgeist verschließen. Oder wie ...? weiterlesen
21. März 2011
Im Dschungel der Verordnungen
Es gibt Worte, die lahmen zwischen Zunge und Zäpfchen. »Verordnungen« ist so eines auf Deutsch, »ordenanzas« lautet das Pendant auf Spanisch. Städte in Spanien haben ihre eigenen »ordenanzas«, die von der »Benutzung öffentlicher Sportstätten« über »Fliegende Händler« und »Kennzeichen von Mopeds« bis hin zu »Verordnungen zu Zeitungs- und Süßwarenkiosken auf öffentlichem Grund« reichen. Kurzum: das Grundgesetz des urbanen Alltags. weiterlesen
14. März 2011
Das derbe Sprachgut und der heimliche Abgesang auf den Macho
Spanier sind grob, derb, direkt. Vor allem in ihrem Vokabular. Noch bevor sie nachdenken, sind die Worte geradeheraus gefallen und lassen keinen Spielraum für Fantasie. Ein Tisch ist ein Tisch, und ein Stuhl ist ein Stuhl – doch es bleibt nicht beim Mobiliar. Statt sprachgenial kommen sie sprachgenital zur Sache und stehen dauerhaft auf dem Höhepunkt. Der Abgrund kennt keinen Boden. Während aufgebrachte Deutschmuttersprachler Goethes Götz zitieren [Ausgabe: Reclam Universal-Bibliothek, Seite 73 oben], mögen es Spanier geschlechtsübergreifend von vorne. Und das so häufig wie möglich. Zu jeder Tageszeit, bei jeder Gelegenheit.
»Cojones!«, Klöten, schimpfen sie gerne und laut durch den Alltag. »Coño!«, Muschi, womit nicht die Katze gemeint ist, gleitet als substantivischer Standardfluch über die Lippen. »Joder!«, kopulieren, setzt im selben Sinn die Verbalnote. Wer ausstößt: »La leche!«, stellt Undedarfte indes vor ein Rätsel. Gemeint ist: Verdammt! Im Wörterbuch steht: die Milch. Doch in derlei Fall entstammt die Flüssigkeit nicht dem Euter der Kuh ... weiterlesen
8. März 2011
»Cojones!«, Klöten, schimpfen sie gerne und laut durch den Alltag. »Coño!«, Muschi, womit nicht die Katze gemeint ist, gleitet als substantivischer Standardfluch über die Lippen. »Joder!«, kopulieren, setzt im selben Sinn die Verbalnote. Wer ausstößt: »La leche!«, stellt Undedarfte indes vor ein Rätsel. Gemeint ist: Verdammt! Im Wörterbuch steht: die Milch. Doch in derlei Fall entstammt die Flüssigkeit nicht dem Euter der Kuh ... weiterlesen
Lug und Trug und »das Gummi des Weges«
Jeder Gang zum Bäcker führt mich über den Jakobsweg. Nicht, dass ich bereits beim Baguetteholen auf Eingebung hoffe oder auf eine Minigutschrift für den Ablass – ich lebe direkt am Jakobsweg, der klassischen Wallfahrerroute durch Spaniens Norden. Arbeits- und Schlafzimmer geben, wann immer ich möchte, den Blick auf die Pilger frei. Ich habe alles unter Kontrolle, niemand entrinnt mir. Schade, dass ich zur Aufbesserung unserer Haushaltskasse keinen Wegezoll eintreiben kann. Es würde sich lohnen.
In Kürze beginnt die Pilgersaison aufs Neue. Damit steigt die Spannung, wie viele Ankömmlinge es wohl in diesem Jahr ins galicische Santiago de Compostela schaffen. Dorthin, wo seit dem wundersamen Fund im Mittelalter das Grabmal des heiligen Jakobus verehrt wird. Dorthin, wo die Zahlen der ausgegebenen Pilgerurkunden für Wanderer, Radler und Reiter seit den Neunziger Jahren unaufhaltsam gestiegen sind. Dorthin, wo man über den Umweg Apostelgrab bei sich selber anzukommen hofft. weiterlesen
1. März 2011
In Kürze beginnt die Pilgersaison aufs Neue. Damit steigt die Spannung, wie viele Ankömmlinge es wohl in diesem Jahr ins galicische Santiago de Compostela schaffen. Dorthin, wo seit dem wundersamen Fund im Mittelalter das Grabmal des heiligen Jakobus verehrt wird. Dorthin, wo die Zahlen der ausgegebenen Pilgerurkunden für Wanderer, Radler und Reiter seit den Neunziger Jahren unaufhaltsam gestiegen sind. Dorthin, wo man über den Umweg Apostelgrab bei sich selber anzukommen hofft. weiterlesen
Ein durchtränkter Koffer und die Gefährdung des spanischen Luftraums
Eben hat Post im Kasten gelegen, was mich in Spanien stets mit Freude erfüllt, denn die Zahl der an mich abgeschickten Sendungen übertrifft bei weitem die der angekommenen. Heute ist der Absender ungewöhnlich. »Dirección General de Aviación Civil« steht auf dem Umschlag, die Direktion der Zivilen Luftfahrtbehörde mit Sitz in Madrid. Ich schlitze auf und lese:
»Unsere Prüfung hat ergeben, dass Ihre Reklamation vom 18. September letzten Jahres unbegründet ist. Eine Gefährdung des spanischen Luftraums und der Flugsicherheit hat zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.«
Das Schreiben endet grußlos, meine Erinnerung kommt in Gang. weiterlesen
»Unsere Prüfung hat ergeben, dass Ihre Reklamation vom 18. September letzten Jahres unbegründet ist. Eine Gefährdung des spanischen Luftraums und der Flugsicherheit hat zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.«
Das Schreiben endet grußlos, meine Erinnerung kommt in Gang. weiterlesen

Andreas Drouve stammt aus dem Rheinland. Mitte der 1990er hat er seinen Lebensmittel-