52 Wochen Spanien
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Wie kann ich mein Facebook-Profil richtig einstellen?

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So funktioniert der +1-Button von Google

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4. Oktober 2011

Vorsicht, Anruf!


»Noch nie in meinem Leben war ich so unhöflich an einem Telefon begrüßt worden«, ist jene Textstelle, die ich mir in Peter Richters Roman Gran Vía markiert habe. Ebenso den nachfolgenden Satz des Ich-Erzählers, er habe »bis dahin allerdings auch noch nie in Spanien« telefoniert. Ein Leidensgenosse.

t32_300px.jpg© Andreas Drouve Ob älter, ob jünger:
Überall hält man auch in Spanien
den Kontakt zur übrigen Welt 
Ruft man irgendwo an, meldet sich am anderen Ende der Leitung im Normalfall niemand mit Namen, weder die Sekretärin des Bürgermeisters, noch meine Schwiegereltern, noch das Personal meines Zahnarztes, der sogar schon zwei angesetzte Bohrtermine von mir verschwitzt hat. Stattdessen dringt zum Gesprächsauftakt häufig ein rustikales, militaristisch dahingebelltes »Ja!« ins Trommelfell, was Unerfahrene geradezu strammstehen lässt, aber nicht so gemeint ist, wie es sich anhört. Für Spanier entspricht die anfängliche Grobschlächtigkeit der Normalität und dem Ansatz: Wer wagt es, mich hier zu stören? Man zeigt sich bereit zum Audioduell. Im weiteren Fortgang des Telefonats löst sich die Ruppigkeit zum Glück oft in Wohlgefallen auf.

Das Phänomen der – aus Ausländersicht – unfeinen spanischen Art des Gesprächseinstiegs pflegen auch jene, die selber anrufen und demzufolge ein Anliegen haben. Kaum jemand verschwendet seine Zeit mit einem »Guten Tag«, was ich wie Sex ohne Vorspiel empfinde, sondern kommt gleich zur Sache. »Ist Cristina da?«, poltern irgendwelche Bekannte meiner Frau daher. Allerdings kommt niemand an mir vorbei, ohne sich im Anschluss zu identifizieren. So ergeht es Freizeit- und Geschäftsanrufern, Verwandten, den Freundinnen meiner Töchter. Da bin ich hart und konsequent, was wiederum viele Spanier überrascht. Zuletzt war die Reihe wieder einmal an einem Werbebotschafter, bei dessen automatischer Wahlerkennung im Display »Unbekannt« aufleuchtete und der – wie üblich – ohne verbalen Zierrat mit der Tür ins Haus fiel.

t32a_300px.jpg© Andreas Drouve Pilgerankunft in Santiago de Compostela
- nicht ohne Handy
»Wir bieten ab dieser Woche ein Konto mit einem außergewöhnlichen Zins an. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen!«

»Mit wem spreche ich überhaupt?«, wollte ich wissen, da ich niemanden meiner Stammsparkasse erkannte.

»Banco Espirito Santo.«

Es war die »Bank des Heiligen Geistes«!

Mein Gott, kein Scherz, die gab es wirklich. Ich wusste um Zweigstellen in Spanien, Zentrale und Schreibweise sind Portugiesisch. Natürlich war bei der Heilig-Geist-Bank nichts übernatürlich, sondern es handelte sich um einen platten, bodenverhafteten Versuch von illegalem Kundenfang. Zur Hölle mit den Gesetzen, mochte man sich denken.

Auch ich dachte kurz und hakte dann nach: »Wird bei Ihnen das Konto denn auf Erden oder im Himmel geführt?«

Pause.

Klick.

Aufgelegt.

Ähnlich erfolgreich war im Übrigen meine Abwehr gegen die himmelschreiende Gesprächsverwicklungstaktik aus dem Call Center der Versicherungsgesellschaft Divina Pastora verlaufen, der »Göttlichen Hirtin«. Hatte hier Maria persönlich die Bürgschaft übernommen? Als ich mit der Chefin zu sprechen verlangte und auf Nachfrage meinen Wunsch mit »heilige Jungfrau und Gottesmutter« präzisierte, war plötzlich niemand mehr zu hören.

Überraschend war hingegen, was ich selber während eines Anrufs bei einer Karmelitengemeinschaft zu hören bekam, die seit Jahrhunderten im Hinterland des Mittelmeerstädtchens Benicàssim ansässig ist. Nachdem ich mich nach den aktuellen Öffnungszeiten des Museums sakraler Kunst erkundigt hatte, wagte ich es, eine zweite Frage zu stellen, die mich an den Rand des Fegefeuers und der ewigen Verdammung bringen sollte.

t32b_300px.jpg© Andreas Drouve Auch in Spanien ist man überall ganz Ohr
»Wie groß ist Ihre Gemeinschaft heute noch?«, wollte ich wissen.

»Was geht Sie das denn an?«, fragte mich der Padre in einem Ton, der mir nicht allzu salbungsvoll schien.

Ich gab wahrheitsgemäß zur Antwort, dass ich diese Zusatzinformation gerne in ein Reisebuch aufnehmen würde, ging aber davon aus, dass der Ordensmann mich nicht richtig verstanden hatte und wiederholte die Frage.

»Solche Fragen stellt man ja wohl nicht. Diese Frage beantworte ich Ihnen unter keinen Umständen, die ist absolut überflüssig«, nahm ich in einer Angriffslust entgegen, als hätte ich um Aufschluss zu sexuellen Vorlieben gebeten.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir nie konkret Gedanken über die Folgeschäden eines weltfremden Lebens in Gebeten und Askese gemacht ...

Auf einem anderen Blatt steht, als Anrufer bei einer öffentlichen Institution zur Zielperson durchzudringen, international nichts Neues, aber in Spanien mit netten Nuancen. Zuletzt musste ein befreundeter spanischer Hochschulprofessor von auswärts seine eigene Universität kontaktieren. Der Arme! Er hatte die Durchwahl des Kollegen nicht zur Hand. Zuerst scheiterte er kläglich in der Warteschleife der Zentrale, beim zweiten Versuch gab jemand zu, des Weiterverbindens nicht fähig zu sein, ein Dritter war schließlich nicht an seinem Platz, um zu orten, wo sich der Kollege gerade befand. Des Professors Fazit, in einer Survival-Mischung aus Fatalismus und Sarkasmus: »Erst wenn jeder an seinem Platz ist, wird Spanien funktionieren.«

Alternativ pflegt er zu sagen: »Erst wenn jeder an seinem Platz ist, wird es in Spanien zur großen Revolution kommen können.«

Beides ist bislang nicht der Fall.

In der Reihe meiner ungewöhnlichsten Telefonate steht jenes mit Rafael, dem städtischen Pressechef der Tomatina, der »Tomatenschlacht« im Ort Bunyol, Provinz València, wo sich alljährlich an einem Spätsommertag die Teilnehmer gegenseitig mit Tomaten bewerfen. Meine Ausgangsfrage nach einer Akkreditierung als Journalist für die Fiesta nahm einen unerwarteten Verlauf: »Kein Problem, du kannst sogar auf einem Lastwagen mitfahren, der mit Tomaten beladen ist. Da dürfen sonst nur die Leute aus Bunyol drauf, dann kannst du sogar selbst mit Tomaten werfen. Fünfhundert Euro.«

»Wie fünfhundert Euro?«

»Das kostet dich fünfhundert Euro. Dafür bekommst du außerdem Interviews mit dem Bürgermeister, der Festkönigin und dem für Presse und Kommunikation zuständigen Stadtrat, das bin ich selber.«

»Fünfhundert Euro, um gnädigst eine Audienz bei Autoritäten vom Kaliber eines Pressesprechers gewährt zu bekommen. Fünfhundert Euro, um Tomaten zu werfen«, sinnierte ich ungläubig. Ein halbes Monatsgehalt eines spanischen Durchschnittsverdieners. Der Preis für drei- bis vierhundert Kilo Tomaten, wenn ich sie auf dem Markt für den Selbstverzehr kaufe.

»Fünfhundert Euro, das ist doch gar nichts«, versuchte der Mann Überzeugungsarbeit zu leisten. »Über uns berichten Teams aus der ganzen Welt, aus Japan, China, den USA. Wer am Tag der Tomatina zur Berichterstattung das Rathaus nutzt, bezahlt zweitausend.«

Soviel zum Thema internationale Eigenwerbung von Bunyol. Ob mit derlei verdächtiger Praxis die Gemeindesäckel oder Privattaschen gefüllt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Als sympathischstes Telefonat ist mir jenes mit dem Archäologischen Museum in Madrid im Gedächtnis geblieben. Ein mir unbekannt gebliebener Spanier nahm den Anruf entgegen, ich stellte mich vor, binnen Sekunden entwickelte sich eine Vertrauensbasis, als würden wir uns ewig kennen. Ich wollte nur wissen, wann nach den laufenden Umbaumaßnahmen wieder mit dem normalen Museumsbetrieb zu rechnen sei.

»Weißt du«, antwortete mein unsichtbares Gegenüber, «wir sind hier in Spanien. Wir wissen nur, wann etwas begonnen hat. Wir wissen aber nie, wann es endet.«
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Kommentare zu "Vorsicht, Anruf!"

Vorsicht, Anruf! [antworten]

von Stefan Schröder am 04.10.2011 um 22:52 Uhr

Da es sich hier um ein Weblog handelt, hier nun ein dem angemessener Kommentar: lol!
Aber ich mag Spanier.


Danke für die Erläuterungen! [antworten]

von Marco Birchler am 05.10.2011 um 04:09 Uhr

Endlich weiss ich woher diese, meiner Erachtens, unflätige Art Telefongespräche zu führen kommt. Ich wohne in Bolivien, und auch hier bin ich ständig vor den Kopf gestossen und muss auch ständig an der Stimme herausfinden mit wem ich eigentlich spreche.


Aus der Sicht einer Südamerikanerin in Deutschland [antworten]

von Maya Büttner am 05.10.2011 um 11:13 Uhr

Schmunzel...
Hier mal andersherum:
Ich bin Brasilianerin und seit Jahrzehnten in Deutschland ansässig. Bis heute tue ich mich schwer danit, gleich zu Anfang eines Gesprächs so aufmerksam hinzuhören, dass ich den Namen des Angerufenen mitbekomme - ich muss jedesmal nachfragen. Über die Höflichkeitsfloskeln stolpere ich regelmässig. Wenn ich es eilig habe, vergesse ich sie und platze mit meinem Anliegen gleich heraus, was selbst bei Freunden nicht gut ankommt. Hat nun mein Gesprächspartner es eilig, und ich halte mich an den deutschen Brauch, nimmt er sich zwar die Zeit für die Floskeln, auf dem eigentlichen Grund des Anrufs bleibe ich aber sitzen. Am schwierigsten ist für mich jedoch sofort preisgeben zu müssen wer ich bin, wenn ich angerufen werde. Das hat mir mal folgende Reaktion einer Verwandten eingebracht: "Bei dir weiss man nie, wen man an der Strippe hat!" Dabei lebe ich alleine...
So sammelt man allerlei Anekdoten, mit denen man andere erheitern kann - seien es nun Leser eines Reiseblogs oder Verwandte und Freunde!


oh je [antworten]

von Matthias am 07.10.2011 um 09:14 Uhr

Dann doch lieber mit der Servicewüste Deutschland telefonieren.


Werbeanrufe in Spanien [antworten]

von Djore Kasimir am 09.11.2011 um 08:14 Uhr

Trotz vieler Jahre Spanien bin ich immer wieder entsetzt über die Menge und Unverschämtheit der Werbeanrufe, die man hier erhält. Ein typisches Beispiel: Anrufer (ohne einen Namen zu nennen): "Spreche ich mit dem Inhaber dieses Telefonanschlusses (wahlweise: der Wohnung)?" Ich: "Wer spricht denn bitte", A: "Wie hoch ist Ihre Telefonrechnung"? Ich: "Warum interessiert Sie das?" A: "Mit uns halbieren Sie die Kosten"; ich: "Dann senden Sie mir doch einen Vertrag mit angeschlossener Tarifliste, ich tätige keine telefonischen vertragsabschlüsse"; Anrufer: "Auf Wiedersehen" , legt auf...
Dazu muss man sagen, dass in Spanien anscheinend mündliche Zusagen am Telefon zu Verträgen führen, man wird dann nach dem DNI (der Nummer des Personalausweises) gefragt, meist nicht darauf hingewiesen, dass das Gespräch aufgezeichnet wird. Fast erübrigt es sich zu sagen, dass ich noch NIE schriftliche Unterlagen mit Preisen etc. erhalten habe. Und natürlich noch nie einen Abschluß auf diese Weise getätigt habe. Da die Anrufe oft automatisch getätigt werden, werde ich oft auch von meinem eigenen Provider angerufen, der mich "abwerben" will.....



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