Briten und Deutsche duschen vergleichsweise wenig, während in beiden Ländern gleichlaufend größere Mengen an Deodorant verbraucht werden –
J. C., eingedeutscht ausgeschrieben:
Jott-Ze, dem Ewigfreund meiner Schwägerin Ana, ist diese Statistik im Gedächtnis geblieben. Vor allem bei Briten würde mich die Hygienepraxis nicht wundern und erklären, wo die Aura herkommt, gegen die sich nicht einmal erfolgreich andeodorieren lässt. Und auf den Lehrer aus England, der seit Jahren über uns wohnt und tristerweise an einer
Opus-Dei-Schule unterrichtet, schließe ich zudem jede Wette ab, dass sein Wollpulli nicht nur die Ausdünstungen von vor Jahren, sondern auch die Rüchlein von
Fish'n'chips vom letzten Aufenthalt in der Altheimat konserviert.
Spanier hingegen wirken meistens gepflegt, sparen nicht an Duftwässerchen und duschen laut
Jott-Zes abgespeicherter Statistik außerordentlich häufig. Wer sich zum Ausgehen verabredet, darf sich in Spanien in 81 Prozent der Fälle auf ein frisch geduschtes Gegenüber freuen, habe ich einer Umfrage entnommen, die gleichermaßen besagte, dass über zwei Drittel der befragten Spanier die Zeit des Duschens zum Nachdenken nutzen und 33 Prozent gelegentlich Selbstgesänge anstimmen, meistens Pop. Im altangestammten Macholand sollen sich überdies zunehmend mehr Männer Haare auf Brust und Rücken und im Dunstkreis um das Gemächt entfernen, weshalb ich zuletzt im Sportclub exemplarische Blicke durch Sammelumkleiden und -duschen schweifen ließ. Es stimmte! Dazu musste ich nicht einmal bis auf Urologennähe herangehen. Kaum etwas schien so, wie es das Haarwurzelwerk der Natur vorgesehen hatte. An manchem Körper herrschte Kahlschlag, nicht einmal Achselbüsche hatten den Einsatz von Macheten und Klingen überlebt.
© Andreas DrouveMaurisches Badehaus
(11. Jahrhundert),
Granada
Hygiene und Spanien – das ist allerdings keine in sich geschlossene Geschichte der Harmonie. »Viele maurische und jüdische Quellen beschreiben den unerträglichen Gestank, der einen Christenmenschen häufig umgab«, hat Peter Hilgard in seinem Buch »Der maurische Traum« in Rückschau auf das Mittelalter in Spanien geschrieben. An Glauben und Kultur geknüpft, zeichneten sich die Mauren ihrerseits durch einen ausgeprägten Hang zur Sauberkeit aus. Alleine in Granada, dem Zentrum ihres letzten Reiches auf der Iberischen Halbinsel, gab es über zwanzig Badehäuser, in denen man sich zum sozialen Austausch und Körperputz traf, Geist und Leib in Einklang brachte. Doch dann rückten die Spanier zur Belagerung der Stadt an. Königin Isabella von Kastilien soll gelobt haben, solange ihr Hemd nicht zu wechseln, bis Granada unterworfen war. Darüber vergingen Jahre ...
Ob der Monarchin Kleiderwechsel nach der Eroberung 1492 letztlich erfolgte oder nicht – ein größerer Enthusiasmus für Hygiene blieb alleine aus ideologischen Gründen aus. Eifernde spanische Christen, die die Badeanstalten der Mauren schlossen, da man in ihnen Orte des viehischen Vergnügens sah, erhob der Schmutz auf die »Vorstufe der Heiligkeit«, so Peter Hilgard, denn: Alles, was mit Bädern und körperlichem Wohlbefinden im Bunde stand, erweckte den Verdacht sündvoller Begierde und Abtrünnigkeit, für die im Verdachtsfall die Inquisition zuständig war.
© Andreas DrouveEinst stinkeschmutzig, heute durchaus gepflegt:
die Hauptstadt Madrid, hier die Puerta de Alcalá
Später fiel Madrid der Ruf der dreckigsten Hauptstadt Europas zu, in der es dem Reisenden Camillo Borghese Ende des 16. Jahrhunderts den Atem verschlug. Er schilderte Straßen voller Schmutz und Morast sowie fehlende Aborte, »weshalb die Einwohner ihre ganze Notdurft in das Nachtgeschirr entrichten, das sie dann auf die Straßen leeren, was einen unerträglichen Gestank verursacht.« Heute stinkt es mancherorts eher nach faulem Politsumpf und Korruption.
Zur Ehrenrettung Madrids sei gesagt, dass bereits Richard Twiss in seinen »Travels through Portugal and Spain, in 1772 and 1773« von solch sauberen Gassen sprach, wie er sie niemals vorher gesehen hatte, »selbst nicht in den holländischen Städten.« Für das Hauptstadtvolk gab es im 19. Jahrhundert knapp zwanzig Badehäuser, von denen manche nur im Sommer öffneten.
© Andreas Drouve Duschsymbol über dem Zugang des
öffentlichen Dusch- und Badehauses
in der Altstadt von Pamplona
Wer jedoch würde für möglich halten, dass hier und heute vereinzelt noch ein öffentliches Dusch- und Badehaus,
Casa de Baños, existiert ...? So wie im Madrider Stadtteil
Tetuán, wo viele Immigranten leben und jede neunte Wohnung keine vierzig Quadratmeter groß ist. Eine andere
Casa de Baños liegt zehn Gehminuten von meinem eigenen Bad entfernt in Pamplona, wobei mein Selbstversuch nicht soweit ging, als dass ich mich zuletzt dort gereinigt hätte, obwohl es keineswegs unangenehm roch und alles hell und einladend wirkte. Hinter der mit einem Duschsymbol versehenen Ziegelfront, die sich in einen modernisierten Wohnblock der Altstadt fügte, lag der Empfangsschalter, daneben hing die Preisliste aus: einmal duschen 1,05 Euro, Vollbad 3,10 Euro, Handtuchmiete 40 Cent, ein Seifenstück ebenfalls 40 Cent.
»Für Obdachlose mit Nachweis ist die Nutzung umsonst, aber hier kommen nicht nur Obdachlose hin«, klärte mich die freundliche, junge Empfangsdame auf.
»Sondern?«, hakte ich nach.
»Es gibt immer Arbeiter, Durchreisende. Oder Einwanderer, die sich irgendwo nur ein Zimmer mieten«, sagte sie. »Oder Nachbarn, bei denen gerade das Bad renoviert wird. Oder alte Leute, die sich zuhause nicht mehr alleine in die Badewanne trauen. Hier haben sie Wannen mit Griff.«
Dann fügte sie, mit etwas leiserer Stimme, zum Querschnitt der Klientel hinzu: »Weißt du, außerdem gibt es immer noch Alte hier im Viertel, die haben überhaupt keine Wanne und keine Dusche. Das ist schwer zu glauben, aber es ist so.«
Was mit einem von Neugier getriebenen Besuch in einem spanischen Dusch- und Badehaus begann, sei hiermit als Zeitzeugnis des 21. Jahrhunderts festgehalten.
Hallo Andreas
Was die körperliche Sauberkeit der Spanier angeht, kann ich mangels Erfahrung nichts dazu sagen. Wenn es aber um die Sanitäreinrichtungen und die Sauberkeit Spaniens allgemein angeht, so habe ich doch ganz andere Erfahrungen gemacht. So sehen viele Sanitäreinrichtungen auf den ersten Blick sehr edel aus, wenn man aber genauer hinsieht, so kann man oft Rost ,Schimmel und starke Verkalkungen sehen. Von 5 Wasserkranen sind 3 unbrauchbar, eingerostet, abgebrochen oder einfach lose. Duschköpfe lassen nur noch an wenigen Punkten überhaupt Wasser durch, vorausgesetzt das Wasser schafft es überhaupt bis zum Duschkopf, weil die Schläuche vorher schon überall das Wasser rauströpfeln lassen. Man bezahlt für Duschen in einem Restaurant Nähe Cadiz 3€, dafür kommt Salzwasser eiskalt aus der Leitung, weil das Grundwasser vollkommen durch die Überdüngung versalzen ist und nicht mehr als Trinkwasser oder zum Gartenwässern verwendet werden kann. Wie übrigens in ganz Spanien Leitungswasser nicht als Trinkwasser geeignet ist.
In Spanien ist es üblich, alles fallen zu lassen wo man gerade geht oder steht. Zigaretten, Papier, Verpackungen, Obstabfälle, alles findet den Weg nach unten, ob in der Natur, der Stadt oder der Bar, wo man gerade seinen Kaffee trinkt und dazu eine Zigarette raucht. Zuckerpapier, Asche und Kippe finden sich wieder vor der Bar. Alle paar Stunden kommt dann ein(e) Angestellte(r) und fegt den Dreck weg. In Algeciras laufen permanent Strassenfegerinnen mit Rollkübeln durch die Stadt und lesen den Dreck zusammen.
Spanien und Belgien sind zusammen die dreckigsten Staaten in ganz Europa. Polen bemüht sich, deren Vorsprung aufzuholen.
Auch das Vorurteil dass Deutsche sich weniger waschen und dafür mehr Deodorants verwenden läßt sich nach meinen Erfahrungen nicht halten. Deutsche duschen inzwischen auch 1-3 mal am Tag, auch hatte ich einen englischen Kollegen, der keine Gelegenheit zu einer Dusche ausließ.
Und wenn sie mit offenen Augen sich die ländlichen Gegenden (Menschen) ansehen, werden sie noch nie so voll behaarte Menschen gesehen haben. Ob die natürlich nur Arm, Brust,Schulter und Rückenhaare wachsen lassen und die Schamhaare wegrasieren kann ich nicht sagen, soweit reichte meine Neugier nicht.