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3 Männer, 3 Räder, 1 Ziel

Die „Exotik der Nähe“, sich die Heimat mit dem Fahrrad erschließen – das fasziniert immer mehr Menschen. Wir, drei Männer am Beginn der zweiten Lebenshälfte, haben mit dem Rennrad zwar jede Piste im Umkreis von 100 Kilometern um den Wohnort kennengelernt. Doch jetzt soll es erstmals ums Ganze gehen: eine Tour de Deutschland, vom westlichsten Punkt bis zum östlichsten, von Aachen bis nach Zittau. Eine 800 km lange Reise durch unterschiedlichste Mentalitätslandschaften, durch traditionsreiche Städte wie Bonn, Eisenach, Weimar, Jena und Dresden, durch faszinierende Naturlandschaften wie Eifel, Siegerland, Thüringer Wald, das Saaletal und die Lausitz.

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Dirk Lehmann
11. Juni 2012

Deutschland-Tour: Fahrrad-Fazit


6115-DreSanNeustadt.jpgDirk:
900 Kilometer Titan
Was erwartet man von einem 3200-Euro-Rad? Dass es ohne Probleme eine solche Distanz bewältigt. Und dann horcht man doch immer wieder in die Technik hinein, wie jemand, der einen teuren, vermeintlich anfälligen Sportwagen bewegt und bei jedem Schlagloch befürchtet, den Wagen zu beschädigen. Doch der "Disc Randonneur" von Dré San hat sich auf dieser Tour als zuverlässiger Begleiter erwiesen. Einmal riss die Kette, was aber eher in der Verantwortung des Hersteller dieses Bauteils liegt, und bei Nässe quietschten die immer zuverlässig zupackenden Scheibenbremsen. Das nervt. Doch in Fahrradforen wimmelt es nur so von Radlern, die Rat suchen, wie man das Quietschen der Scheiben bei Nässe unterbinden kann. Doch dieser kleine Ärger hat meinen Spaß an dem schnellen Reiserad nie geschmälert, in der Ebene lässt es sich leicht auf 30 Km/h und mehr beschleunigen, und selbst mit zwei Packtaschen schwer beladen (ich benutze zwei schon in die Jahre gekommene "Aqua Pro" von VauDe) habe ich mich in Abfahrten auch bei Tempo 60 nie unwohl gefühlt auf dem Dré San. Es ist zudem eine sehr schönes Rad, das ich nur schweren Herzens wieder nach Aschaffenburg schicke, wo es vom Team rund um André Seubert gründlich gereinigt und gewartet wird. Den größten Fehler mit dem Rad habe ich übrigens selbst zu verantworten: Ich habe den Sattel nicht gewechselt, weil der montierte dieselbe Breite hatte wie mein eigener, schien mir das nicht nötig. Doch offensichtlich erkennt der Hintern jeden noch so kleinen Unterschied... 
DreSanLampe.jpgDreSanKettenblatt.jpgDreSanHinterbau.jpg




cpsrad.jpg
CPSbremse.jpgClaus Peter: Das Koga-Miyata, mit dem ich unterwegs war, hat mich zuverlässig ins Ziel getragen. Okay, es ist nicht ganz einfach, die weißen Felgen am Ende wieder sauber zu bekommen - und die Bremsklötze sollten wohl bald erneuert werden. Aber das ist nach fast 900 Kilometern mit rund 9000 Höhenmetern und entsprechenden Abfahrten normal. Vor allem aber hatte ich nie ein Unsicherheitsgefühl, denn die Bremsen packen sehr fest und der Rahmen ist extrem steif und fängt selbst bei Tempo 60 nicht an zu flattern. Daher kann man auch wunderbar aus dem Sattel gehen und im Wiegetritt die komplette Kraft ins Tretlager geben. Ähnlich steif sind Vorbau und Lenker. Die Sitzposition ist sportlich und dennoch entspannt, die Schaltung arbeitet shimanomäßig zuverlässig, das Busch+Müller-Licht war bei den Nachtfahrten schön hell und entsprechend hilfreich (es lässt sich auch wunderbar als Tagfahrlicht nutzen). Und frisch geputzt nach der harten Woche im Einsatz sieht das Rad wieder aus wie neu. Gut gemacht, Terraliner!

 

HolgersRadklein.png

Holger: Ich hatte Sorge, dass mein alter grüner Stahlrahmen in den Abfahrten flattern und die Gabel beim Bremsen stottern würde. Nichts davon ist passiert. Klar, der Rahmen ist im Vergleich zu den High-Tech-Teilen meiner beiden Kollegen windelweich. Aber man kann auch damit quer durch Deutschland radeln. Das mag auch an ein paar sehr modernen Komponenten liegen, die ich zuvor neu verbaut hatte. Zum einen haben mich die kugelgelagerten Cantilever-Bremsen begeistert. Die „Avid Shorty Ulimate“ war toll zu dosieren, quietschte auf der schmalen Kastenfelge auch bei Nässe nicht und ließ mich selbst auf Strecken mit 20 Prozent Gefälle nicht im Strich. Auch das Stottern der Gabel, das bei meinen alten Cantis an diesem Rahmen jede Bremsung zur Qual machte, war fast verschwunden. Mein Rad war das einzige, das komplett lautlos bremste. Die dunkle Seite: Knapp 200 Euro kostet der Satz für vorn und hinten – ein stolzer Preis, der sich mir nicht wirklich erklären will. Vielleicht trug auch der sehr steife Gepäckträger von Tubus dazu bei, dass sich trotz der weit nach hinten gesetzten Packtaschen das Rad in Abfahrten nicht aufgeschaukelt hat. Sehr angetan bin ich von meinen nur 30 Millimeter breiten Marathon Racer von Schwalbe. Dirk und Claus Peter fuhren sie in 35 Millimeter Breite. Obwohl ich 85 Kilogramm wiege, habe ich die vergleichsweise sehr leichten Reifen nur mit knapp 6 Bar Druck gefahren, damit mir die vielen Passagen mit Kopfsteinpflaster das Leben nicht zur Hölle machen. Diese Rechnung ging voll auf. Mehr Reifenbreite muss meiner Meinung nicht sein, wenn man schnell vorankommen möchte.

6100-HolgersBremsekleinb.png   holgersgepacktrager.png

 

 

Claus Peter Simon
9. Juni 2012

Im Dreiländereck



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             Spitzkuchen aus Deutschland
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Flechtwerk aus Polen, Leckereien aus der Tschechischen Republik

Unsere dritte, von den Lesern des Blogs gestellte Aufgabe, ein Souvenir aus drei Ländern mitzubringen, stellte sich glücklicherweise als lösbar heraus: Nur knapp zwei Kilometer von der Stadtgrenze Zittaus entfernt stoßen Polen, die Tschechische Republik und Deutschland aufeinande. Dirk entdeckte in Oderwitz typischen deutschen Spitzkuchen, Holger wollte die letzten Meter mit einem original polnischem Flechtfahrrad fortsetzen, das er in einem grenznahen Shop in Augenschein nahm. Claus Peter hatte plötzlich Appetit auf Süßes, da kamen die Karlsbader Obladen aus einem Supermarkt in der Tschechischen Republik gerade recht.


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Hier geht es nach Deutschland, dort in die Tschechische Republik, dort nach Polen


Für uns drei ging es nun zurück nach Hamburg. Auf der Suche nach Reiselektüre entdeckten wir am Bahnhof von Zittau, im Ticket-Center der DB, diesen Verkaufsstand mit erbaulicher Lektüre und einem kleinen aber feinen Angebot an Reisebekleidung.

Bahnhofzittau.jpg
Dirk Lehmann
8. Juni 2012

Deutschland-Tour, 7. Etappe: Dresden - Zittau


Tag der letzten Kilometer

AnkunftZittau.jpg
Da strahlen sie: drei Männer mit drei Rädern vor dem Rathaus von Zittau

Holger:
Nach dem aberwitzigen Regenguss im sächsischen Neustadt klart es ein wenig auf. Wir fressen mit schnellen Beinen auf der B 96 die Kilometer, biegen 10 Kilometer vor Zittau auf kleine Nebenstrassen ab, um ganz in Ruhe unserem Ziel entgegen zu rollen. Und da stehen wir drei nun vor dem Rathaus von Zittau, es ist acht Uhr abends, die schon tiefe Sonne fällt auf die Fassade. Dirk bittet eine junge Frau, schnell das Finisher-Foto unserer Deutschlandtour zu machen, weil sonst das Licht weg ist und so eine Regen-Kälte -Tortur nun mal ein Schlussfoto mit Sonne verdient hat. Solche Moment sind flüchtig, man muss sie bannen und ihnen später nachspüren.

Der Tag begann mit viel Wärme und ganzen Mückenschwärmen auf dem Elbradweg in Dresden. Der Wind bläst uns stromaufwärts rechts der Elbe vorbei am Blauen Wunder bis nach Pillnitz, wo wir mir der Fähre übersetzen. Dass der härteste Teil der Etappe unmittelbar bevorsteht, haben wir bis jetzt verdrängt. Zwei Kilometer lang ist die schmale Strasse, die von Pillnitz aufsteigt zur luftigen Hügelkette über der Stadt. Den ersten Kilometer verbringe ich bei fast durchgehend 20 Prozent Steigung mit der Frage, warum es überhaupt möglich ist, eine solche Steigung zu meistern. Der folgende Abschnitt mit 14 Prozent erscheint Dirk dann wie ein Witz.

Oben angekommen blicken wir in die ganze Weite des Elbtals bei Dresden. Von nun an sind alle Steigungen allenfalls lästig und die Abfahrten und Geraden eine schnelle Kür. Wir nehmen uns Zeit, in Stolpen hoch zur Burganlage zu kurbeln und flüchten am riesigen Marktplatz von Neustadt in das Cafe eines Gasthauses, essen Nudeln und Würzfleisch. Als die meisten Kilometer geschafft sind, gewinnt der Tag noch mehr an Leichtigkeit. Die Landschaft ist frei und offen, wir blicken weit ins Land, das mir für eine letzte Etappe wie geschaffen erscheint.

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Start in Dresden: Holger und Claus Peter auf dem Elbe-Radweg, alles gut ausgeschildert hier

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7-Tage-Bart: Dirk vor der Altstadt von Dresden, und dann erlebten wir das "Blaue Wunder"

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Fliegenfänger und Fahrscheinverkäufer: Claus Peter als Insekten-Schwarm, und Holger zahlt die Zeche für die Fähre
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Das tut weh: 20-Prozent-Anstieg auf dem Elbe-Hang bei Pillnitz
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Kopfsteinpflaster-Romantik: Straße durch Stolpen, Einfahrt in die Burg der hübschen Kleinstadt – "Mutti", so nennen die drei Radler ihr wichtigstes Navigationsgerät, hätte ihre Freude daran

Claus Peter:

Ein Fast-Fazit dieser Tour lautet: Man kann auch wunderbar zu dritt reisen – vor allem, wenn man sich ohnehin gut kennt, schätzt und ähnlich schnell bzw. langsam fahren will (denn niemand möchte das Gefühl haben, dass er ständig der Bremsklotz ist, genau so wie es unschön ist, ständig zu warten wenn man eigentlich voran kommen möchte). „Mädchen kriegen das nicht hin“, meint Holger.

Aber dennoch stellen sich nach einigen Tagen kleine, bislang unbekannte Besonderheiten im Verhalten heraus, die wir am jeweils anderen noch nicht kannten. Darunter sind Petitessen, dass etwa Dirk sich über Holgers grünen Rahmen mokiert, weil ihm die Farbe nicht passt; ich finde ihn schön. Dass Holger sagt, meine so überaus praktische Gepäckträgerpacktasche sei völlig unmöglich, schaukele hin und her im Wiegetritt, er beschimpf sie als „Pagode“. Da kann ich nur sagen, dass er mit seiner blauen Helmmütze wie ein Schlumpf aussieht. 

Gemeint sind eher Running gags, dass etwa Dirk zuverlässig flucht, wenn Mutti (der Falk) uns mal wieder auf eine harmlose kleine Kopfsteinpassage lotst (aber in Wirklichkeit gefällt es ihm natürlich, sich ein wenig zu quälen). Wenn das Kopfsteinpflaster dann noch steil ansteigt und in einen Waldweg übergeht, steigt Dirk auch schon mal ab, er macht lieber Tempo auf Asphalt, also das, wofür sein Randonneur auch bestimmt ist. Holger sagt dann gerne: „Das ist aber wunderschön hier!“ Und ich: „Das ist bestimmt nur ein kurzes Stück!“ Wobei kurz sich dann oft als relativ herausstellt. Mutti hat es nicht leicht mit uns. 

Holger flucht auch, vor allem über den kleinen schwarzen Windows-Laptop, den ich mitgenommen habe. Nur weil er auf Mac sozialisiert ist und  sich durch die ständigen Pop-ups in seiner Konzentration gestört fühlt. „Das mach ich nicht mit, da bin ich nicht bereit zu“, heißt es dann. Ist er dann aber doch, zwangsweise.

Meist ist es ziemlich lustig. Gerade beschwert sich Dirk, dass er mal wieder die Negerarbeit (er meint wohl: Farbigenarbeit) machen müsse, also Bilder hochladen, benennen und ihnen die richtige Größe zuweisen, während Holger und ich und schriftstellerisch selbstverwirklichen würden. Das ist der Fluch der guten Tat: Dirk bearbeitet die Tasten seines Mac in einer Virtuosität, die Holger und ich niemals erreichen würden. 

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Holger Radloff
8. Juni 2012

Noch 50 Kilometer bis Zittau


In Dresden heute morgen noch Sonnenschein, mit Rückenwind herrliche Fahrt elbaufwärts nach Pilnitz. Dort beinharte 20 Prozent auf die Höhen. Es schüttete gerade aus Eimern, wir warten im einzigen Café am Marktplatz von Neustadt. Müssen jetzt los, hat aufgehört. Jede Unwetterpause ist wertvoll auf den letzten 50 Kilometern unserer Deutschlandtour.

Im Café
Dirk Lehmann
8. Juni 2012

Deutschland-Tour, 6. Etappe: Chemnitz - Dresden


Tag des Bierdeckels
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Ziel unserer Deutschland-Tour: Straßen wie diese

Dirk:
Zuerst die schlechte Nachricht: Heute hat Mutti uns wieder reingelegt. Erst will sie uns Bögen fahren lassen durch Chemnitz, dann schickt sie uns in einen Wald, steil geht es bergan, die Reifen drehen immer wieder durch auf dem nassen, mal weich-sandigen, mal steinigen Boden. Mich nerven diese Passagen besonders, schon allein Laptop, Kamera und alle zugehörigen Netzteile machen mein Rad ziemlich schwer und das Gegenteil von geländegängig, es fährt sich wie ein Sportwagen mit einem schwer beladenen Dachgepäckträger. Holgers Packtaschen wiegen viel weniger (kein Laptop), er hat sich Cross-Bremsen an seinen grünen Renner gebaut und steuert sein Rad wie ein Ralleyfahrer einen entsprechend modifizierten Rennwagen. Claus Peter fährt ja eher so ein SUV-Fahrrad, es ist quasi der Porsche Cayenne in unserem Trio. 

An Claus Peters Rad ist auch das wichtigste Navigationsgerät für unsere Tour montiert. Und deshalb wird immer wieder er von mir angemault, wenn Mutti mal wieder verwirrt ist oder die Sadistin gibt und uns nicht nur die offensichtlich steilste Straße durch ein Dorf ausgesucht hat, sondern auch die einzige mit historischem Kopfsteinpflaster, auf dem man so durchgeschüttelt wird, dass einem noch Kilometer danach die Zähne weh tun. Ich schlage vor, die Software an die Macher des Radrennens "Paris-Roubaix" zu verkaufen, die bauen auch immer solche Gemeinheiten in den Kurs ein. Claus Peter sagt dann gern: „Tut mir leid, aber diese Route ist alternativlos.“
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Aufzeichnungen: Das Garmin taugt als High-Tech-Tacho, das Ortsschild weckt Assoziationen und das Loch auf einem abgesperrten Waldweg Holgers Neugier

Und jetzt die gute Nachricht. Für diese Etappe ist die Route auch alternativlos schön. Wir verlassen die Großstadt Chemnitz, kommen vorbei an der Talsperre Euba, passieren die einstige Industriestadt Flöha, klettern durch das in wundervolle Landschaft eingebettete Frankenstein und machen eine böhmische Mittagspause in Freiberg (essen in einem Restaurant, das auf die Küche Tschechiens spezialisiert ist, Pilz- und Gulaschsuppe, lassen uns zum Nachtisch Topfenkuchen mit Marillen servieren).  weiterlesen

Dirk Lehmann
8. Juni 2012

neulich in Sachsen


Ungeheuer
DLFrankenstein.JPG
Claus Peter Simon
7. Juni 2012

Auf den Spuren von Karl May


Neulich nachts in Hohenstein-Ernstthal

DLKarlmayschild.jpgKarlMayForscher.jpg
Wir hatten es geahnt, die Leser des Blogs würden uns bestimmt zum Karl-May-Geburtshaus lotsen, auf eine kleine Wanderung durch den Ort.

Warum nicht ein Nachtspaziergang? Es ist etwa 22.30 Uhr als Dirk plötzlich ruft: „Wahnsinn!“ Und schon stehen wir vor dem Ortseingangsschild Hohenstein-Ernstthal. Dahinter eine Shell-Tankstelle – oder sollten wir sagen: Karl-May-Tankstelle. Auf jeden Fall weist uns der freundliche Tankwart den Weg zur Karl-May-Straße. Steil geht es hinunter in den Ort. Am Eingang zur Straße ein Zaun wie von einem Siedler-Fort, die Häuser wie ausgetorben, nur einige matte Lichter in den Fenstern. Man kann verstehen, dass man hier viel Phantasie entwickeln muss, wenn man sich mehr von der Welt erschließen will. Wir wandern die Straße rauf und runter, vor dem Karl-May-Museum ist ein größerer Parkplatz eingerichtet, hier können Busse rangieren. An eine der Hauswände sind die Konterfeis der Mayschen Protagonisten gemalt. Gegenüber das KaRL-May-Begegnungszentrum, in dem jedes Jahr eine Sonderausstellung präsentiert wird.

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Gerade fotografiert Dirk zwecks Beweissicherung das Geburtshaus, wo May 1842 geboren wurde, da tritt plötzlich Herr Kreul auf und fragt, ob er uns helfen könne. Er hatte aus seinem Haus, nicht weit entfernt, die hellen Blitze von Dirks Kamera erspäht und sich gefragt, wer denn wohl um diese späte Uhrzeit, Stunden nach Besichtigungsschluss, sich noch fürs Maysche Geburtshaus interessiert. Nachdem er uns erzählt hat, das Busse voller Touristen hier doch eher selten anzutreffen sind (es gibt eine harte Konkurrenz um die Karl-May-Fans mit seinem Wohn- und Sterbehaushaus Villa Shatterhand in Radebeul bei Dresden), legt er Wert darauf, uns seine Haustür zu zeigen. Die zeige ein Karl-May-Motiv. Und tatsächlich, sie zeigt das Buschgespenst von Band 64 aus der Karl-May-Reihe. Und die Hausnummer lautet ebenfalls 64, was kein Zufall sei, wie er uns versichert. Dieses Motiv sei das, sagt Herr Kreul, „Diddlblatt für das Buch“ gewesen. Ich bin erstaunt und frage ihn, was die Diddl-Maus mit Karl-May zu tun habe, die sind sich doch nie über den Weg gelaufen. Herr Kreul sieht großzügig darüber hinweg, dass ich sein Sächsisch nicht verstanden habe, er meinte natürlich, das Motiv sei das Titelblatt des entsprechenden Bands gewesen. Dann ruft er seine Lebensgefährtin herbei, ebenfalls eine Karl-May-Fachkundige. Sie würden uns, sagen sie, gerne noch auf einen Kaffee einladen. Aber wir lehnen schweren Herzens ab, es liegen immer noch 18 Kilometer vor uns – und bald schließt das Hotel.

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Dirk Lehmann
7. Juni 2012

Deutschland-Tour, 5. Etappe: Jena - Chemnitz


Tag der Nachtfahrt

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Kitsch, aber schön: Sonnenuntergang im Grenzland zwischen Thüringen und Sachsen 

DLKette.jpgKettekaputt.jpgKetteReperatur.jpg
Schrecksekunde am Berg: Dirks Kette reißt, Fahrrad-Chirurg Holger leistet erste Hilfe

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Große Klappe: Fotograf Hardy Müller in nicht ganz straßenverkehrsordnungsgemäßer Positur, Claus Peter mit Regenschutz vor Jenenser Platte


Holger:
Seit gestern begleitet uns der Fotograf Hardy Müller. Hardy ist verzweifelt. Ihm soll das Traumfoto unserer Reise gelingen. Drei Männer auf dem Rad, im Hintergrund fantastische Landschaft. Das ganz große Kino, das Hobbyknipsern wie uns nicht gelingt. Der Kracher für eine Doppelseite in einer Zeitschrift. Aber auch heute morgen ist der Himmel dunkel und es regnet auch noch, als wir unsere Frühstückseier köpfen.

Gestern hatte ich mich zu Hardy ins Auto gesetzt, um Dirk und Claus Peter vorauszufahren und jenes Fleckchen zwischen Eisenach und Jena zu finden, an dem dieser Schuss gelingen soll. Ein Desaster. So weit es möglich ist, folgen wir mit dem Auto der Radroute. Steigen auf Hügel, um die Strasse von oben ins Bild zu nehmen. Stören uns an Windkraftwerken und Strommasten. Fahren weiter, steigen aus, schütteln mit dem Kopf. Kurz vor Jena, am Ende des Tage, scheint die Erlösung nahe: eine schmale, verlassene Strasse ganz oben auf einem Kamm. Im Hintergrund schmiegt sich Jena an den Hang.

Hardy und ich fahren Dirk und Claus Peter entgegen. Es ist bereits früher Abend. Die beiden verstehen nicht, warum Hardy und ich uns mit der Motivsuche so schwer getan haben an diesem Tag. Sie berichten von ungezählten Möglichkeiten. Reisen Radfahrer und Autofahrer etwa durch parallele Welten?

Ich nehme mein Rad aus dem Kofferraum und fahre die letzten 40 Kilometer dieser Rad-Etappe gemeinsam mit den beiden gen Osten. Und erlebe diese Strecke komplett neu. Der Radweg scheint tatsächlich durch eine andere Welt zu führen. Nicht nur, weil viele Kilometer fürs Auto unpassierbar sind wie etwa im Landschaftspark von Weimar. Radfahren macht den Blick weit, viel breiter als hoch. Die Veränderung des Standpunktes ist langsam; mal mit Kraft erkämpft, mal ein geschenktes Dahingleiten. Das verleiht jedem Blick Wert. Im Auto wird Landschaft zu Junk-Food.

Inzwischen ist es halbzwölf und ein Wunder geschieht: Die Sonne schiebt sich durch die Wolken. Hardy sitzt im Kofferraum des Autos, ein freundlicher Helfer aus dem Hotel lenkt und hat den Tempomat auf 30 gestellt. Es ist ein verrücktes Gespann, das da auf dem Kamm über Jena über die Strasse braust. Ein wahnsinniger Hardy mit der Kamera im Kofferraum; einen Meter hinter der Stoßstange Dirk, Claus Peter und ich auf den Rädern in Vogelflugformation. Tempo, Konzentration, Leidenschaft. Großes Kino. Hardy ist glücklich. Wir alle sind erleichtert. Solche Fotos fallen nicht vom Himmel. Heute waren dafür mehr als zehn Kilometer Radfahren hinter dem Auto nötig 

GriffanAmpel.jpgTunnelsteigung.jpgRegenTasche.jpg
Radfreundliche Ampel mit Haltegriff, radunfreundlicher Tunnel mit Steigung, regenfeste Radtasche

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Perspektivwechsel: Ridgeback-Hündin "Trixy" mit Herrchen, Dirk und Holger mit Selbstauslöser

Dirk:

Der Tag beginnt mit einem Knall, beim Anstieg auf einen Hügel hinter Jena reißt mir die Kette. Premiere. Ist mir in meinem bisherigen Radler-Leben noch nie passiert. Ich kann das Rad gut abfangen, lege es ins Gras und klaube die Kette von der Straße auf wie eine tote Schlange. Zum Glück haben wir einen Kettennieter dabei, zwei Glieder müssen raus, die gekürzte Kette aber tut anstandslos ihren Dienst. Und doch ist der Vorfall ein Beleg dafür, wie sehr unsere Tour durch Deutschland auch auf das Material geht. Fünf Tagen durch Regen und Sonne, über harte Anstiege und steile Abfahrten, auf Kopfsteinpflasterstraßen und Waldwegen haben Spuren hinterlassen an den Rädern. An den Fahrern sowieso. Holger hat dicke Beine, Claus Peter dicke Augen, ich habe einen dicken Knöchel.

Die ersten drei Stunden fahren wir einen einzigen Kilometer immer wieder auf und ab. Fotograf Hardy Müller sitzt vor uns im Kofferraum seines Mietwagens und knipst und knipst und knipst. Gegen 14 Uhr machen wir uns dann auf die 130 Kilometer, die heute abzuspulen sind. Kurz hinter Jena beginnt es zur regnen. Und dann die erste Überraschung. Wir kommen in den Zeitzgrund, den ich als wundervollen Radweg durch eine Flussauenlandschaft mit vielen Mühlen abgespeichert habe. Doch anders als mir die Erinnerung meiner letzten Tour auf diesem Weg suggeriert, ist der Weg gar nicht asphaltiert. Vor fünf Jahren war ich hier mit einem Trekkingrad unterwegs, der trocken-feste Waldboden fuhr sich wie Asphalt. Doch nach dem vielen Regen der letzten Tage (und des heutigen) ist der Boden weich, die Fahrt anstrengend mit den tief einsinkenden, schweren Räder. Es entschädigt die Landschaft mit ihrem urwaldartigen, dichten Wald und dem munter dahin plätschernden Fluss mit seinen kleinen Inseln, die von Farnen und Moos überwuchert sind.


Simsonfertig.jpg SimsonNabu.jpg
Simson in Kraftsdorf: Wir treffen Daniel Schilling, der Schwalben restauriert weiterlesen
Dirk Lehmann
7. Juni 2012

from the road


Liebe Leser,
erst kurz nach 23 Uhr sind wir gestern angekommen und waren zu fertig, um noch zu bloggen. Jetzt sitzen wir dran. Wir brauchen wohl noch eine Weile bis dahin einer erster Gruß von unterwegs.
Kummer.jpg 
Holger, Claus Peter und Dirk 
Dirk Lehmann
6. Juni 2012

Deutschland-Tour, 4. Etappe: Eisenach - Jena


Tag der Begegnungen

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Endlose Weiten zwischen Gotha und Erfurt - nur vereinzelte Pilger sind hier unterwegs

cpWurst.jpgDLWUrst.jpgCPWaldweg.jpg
In Eisenach testeten wir die Original Thüringer Bratwurst - aber, offen gesagt, so ganz überzeugt waren wir nicht, die Mö-Bratwurst aus der Hamburger Mönckebergstraße ist besser. Dann geht es mit Wurstantrieb weiter

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Die Winters aus München unterwegs auf dem 450 km langen Ökumenischen Pilgerweg von Görlitz bis hinter Eisenach. Herr Erdmann aus Kiel pilgert mit Rad und seiner Frau (hier nicht im Bild)

Claus Peter:
In den ersten drei Tagen sind uns fast keine anderen Radfahrer begegnet. Okay, das ist nicht sonderlich erstaunlich und hat nichts mit der Strecke zu tun, sondern mit dem Regen und der Kälte. Doch in Thüringen sind trotz aller Widrigkeiten einige Rennradfahrer unterwegs. Und kurz hinter Eisenach schließen wir auf eine Ehepaar aus Trekkingrädern auf. Man kommt ins Gespräch. Es sind die Erdmanns, auf dem Weg nach Gotha, beide so um die 60. Sie kommen aus Kiel (nicht verwandt mit dem bekannten Einhandsegler Wilfried Erdmann) und sind mit dem Zug nach Eisenach gefahren. Bis an die Elbe wollen sie noch. Herr Erdmann steuert ein nagelneues Stevens 24-Gang-Rad. Das sei doch etwas einfacher, als – wie früher – mit einem 7-Gang-Rad durch das Alpenvorland. Frau Erdmann erzählt, dass sie 50 bis 80 Kilometer am Tag schaffen, ohne Gepäck gerne auch mehr. Dann kommt eine Steigung und das Gespräch erstirbt.

Eine halbe Stunde später sind wir auf einer endlosen Geraden unterwegs, immer leicht bergauf, auf alten Panzerplatten, padong, padong, padong macht es. Am Horizont zeichnen sich zwei Punkte ab, die langsam größer werden. Es sind die Winters, wie sich herausstellt, auch beide so um die 60. Frau Winter vorneweg, Herr Winter in ihrem Windschatten. Sie kommen aus München erzählen sie. Nein, der schnurgerade Weg sei keineswegs langweilig, es sei schließlich ein Pilgerweg. Schlimm sei es nur, wenn man längere Zeit keinen Wegweiser finde. Gestartet sind die Winters in Görlitz, das ist rund 400 Kilometer weit weg. Sie wollen noch bis Eisenach. Wir sind schwer beeindruckt.

Dann, nicht weit vor Jena, sehen wir einen Mann vor uns, der sein Velo einen steilen Weg aus Kopfsteinpflaster hinaufschiebt und telefoniert. Mal schauen, wer das ist. Doch er hat uns offenbar gesehen, schwingt sich auf der Kuppe auf sein Rad und tritt voll in die Pedale. Wir auch. Aber wir kommen ihm einfach nicht näher. Er will entkommen. Aber nicht mit uns!! Wir geben jetzt Vollgas, Kuppe rauf, Kuppe runter, ganz langsam kommen wir näher, ich fahre neben ihm und bitte ihn, mal kurz zu halten. Es ist Ricardo, wie er uns sagt, schätzungsweise Mitte 30, auf einen kleinen Trainingsrunde am Abend. Er wohnt hier in der Gegend und gibt seinem Stevens-Crosser gerne mal die Sporen. Falls es ihn geärgert hat, dass wir ihn eingeholt haben, lässt er es sich jedenfalls nicht anmerken.


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Blaue Brücke, blauer Himmel: In Gotha folgen wir dem Radweg Thüringer Städtekette, der uns über Brücken aus der Stadt führt, Burg auf einem Hügel bei Mühlberg


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Wie ein Kalenderblatt: Landschaft im Apfelstädter Ried zwischen Gotha und Erfurt

Dirk:

In Eisenach essen wir in den historischen Gassen beim Stadttor eine Thüringer Bratwurst (Claus Peter merkt an, dass die in Hamburg besser schmecke), in Gotha bestellen wir unterhalb des Rathausturmes ein italienisches Eis (die Sorte Schokolade ist eher so lala, aber das Rocher-Eis, auf dem Schild stand „Rosche“, schmeckt toll), in Erfurt sitzen wir am Anger und mampfen amerikanische Burger (zum Abschluss spendiert Claus Peter einen Espresso), und in Jena wird uns in der seltsamen 1970er-Jahre Atmosphäre des Braugasthofs „Papiermühle“ Hausmannskost serviert (eine zarte Rinderroulade in brauner Sauce, dazu Rotkohl und zwei Knödel), selbst das Essen ist ein Sendbote aus der Vergangenheit, und ich bin froh, dass danach nur noch der Anstieg ins Bett zu bewältigen ist. Eine Etappe für Genießer also.

Anfangs schickt uns „Mutti“, wie wir das Falk-Navigationsgerät mit seiner weiblichen Stimme nennen, von Eisenach wieder den erstbesten Hügel hoch. Mutti ist eine Sadistin. Wobei es ja gar nicht Muttis Schuld ist, das Navi stellt uns ja nur die Touren zur Verfügung, der Sadist muss irgendwo anders sitzen und denken, dass es eine gute Idee wäre, einen kilometerlangen Panzerplattenweg mit einer stetigen Steigung von vier bis fünf Prozent hinauf zu radeln, um dann nach Gotha hinabzustürzen. Doch weil das Gepäck die Räder so schwer in die Fugen zwischen den drei bis vier Meter breiten Platten zieht, kann man den Abfahrtsrausch nicht genießen. Und deshalb beschließen wir, ab Gotha dem Radfernweg Thüringer Städtekette zu folgen. Obwohl der auch über unbefestigte Waldwege führt und für ein paar Kilometer einer Autobahn recht nahe kommt, ist das Fahren auf der "Städtekette" eher ein Vergnügen. Mutti sagt ständig „Bitte wenden“, und spaßeshalber überprüft Claus Peter das Höhenprofil. Mutti schickt uns wieder einen Berg hinauf, den wir auf dem Radweg umfahren. 


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Herausgeputzt und abgekämpft: Altstadt von Erfurt, besetztes Haus in Weimar


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Tag der Begegnungen: neugieriges Pony am Wegesrand

Mit der Städtekette wird die Radtour tatsächlich zu einer Radreise. Der Weg führt uns in die Innenstädte. Und auch wenn uns viele Menschen mit unserer seltsamen Kleidung, mit martialischen Helmen und dunklen Brillen, mit klickernden Schuhen und schwarzen, leggingsähnlichen Beinlingen für Freaks halten (woraus sie übrigens keinen Hehl machen), kriegt unsere Tour einen anderen Charakter. Und obwohl wir auch heute zwischenzeitlich ordentlich Gas geben, bin ich bei der Ankunft im Hotel am späten Abend ganz entspannt. Es fühlt sich gut an, so zu reisen.

Wir sind heute nur zu zweit unterwegs. Holger ist zu Hardy Müller ins Auto gestiegen. Der Fotograf ist gestern zu uns gestoßen, um für „Stern gesund leben“ ein Foto zu machen (Hardy hat die aktuelle Titelgeschichte von GEO SAISON fotografiert, „Südtirol“, wie ich finde: ein Meisterwerk). Holger plant in dem Heft ein Stück über drei verrückte Kerle, die mit dem Rad quer durch Deutschland radeln... 

Als nächste steht die fünfte Etappe an, es geht von Jena nach Chemnitz, ca. 115 Kilometer. Der Radweg wird uns durch ein ganz besonderes Stück Deutschland führen – den Zeitzgrund. Das tief eingeschnittene Tal des Zeitzbaches ist umgeben von waldreichen Hängen, der Fluss mäandert hindurch, eine verwunschene Stimmung liegt über dem Land, durch das ein wundervoll glatt asphaltierter Radweg führt. Ich freue mich jetzt schon auf dieses Stück Deutschland.


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Hinter Weimar stellen wir nach einer kleinen Verfolgung Ricardo, der auf einer Feierabendrunde unterwegs ist

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Und zum Abschluss noch einige Impressionen: Abendhimmel über dem Jenaer Forst. Und zwei Bilder aus dem Hotel, in dem wir gelandet sind. Eines der "geschmackvoll eingerichteten" Zimmer hat eine kleine Küche, die wir zum Blogger-Büro ernannt haben
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4. Etappe
118 Kilometer
850 Höhenmeter
Thüringer Bratwurst
Panzerstraße
21 Km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
Blogeintrag gepostet um 11 Uhr 
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