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Die „Exotik der Nähe“, sich die Heimat mit dem Fahrrad erschließen – das fasziniert immer mehr Menschen. Wir, drei Männer am Beginn der zweiten Lebenshälfte, haben mit dem Rennrad zwar jede Piste im Umkreis von 100 Kilometern um den Wohnort kennengelernt. Doch jetzt soll es erstmals ums Ganze gehen: eine Tour de Deutschland, vom westlichsten Punkt bis zum östlichsten, von Aachen bis nach Zittau. Eine 800 km lange Reise durch unterschiedlichste Mentalitätslandschaften, durch traditionsreiche Städte wie Bonn, Eisenach, Weimar, Jena und Dresden, durch faszinierende Naturlandschaften wie Eifel, Siegerland, Thüringer Wald, das Saaletal und die Lausitz.
Radtest: Mit Riemen-Antrieb auf Deutschland-Tour?

Schwarz und innovativ: Kalkhoffs "Image Comp" mit Riemenantrieb an der Alster
Einige Innovationen haben das Radfahren grundlegend verändert: Teleskopgabel und geferdere Sattelstütze erhöhen den Komfort, Scheibenbremsen verzögern auch bei Regen, der Nabendynamo liefert Strom, auch wenn die Reifen nass sind, LED-Lampen leuchten weit und auch wenn das Rad steht noch hell, die 11-Gang Nabenschaltung liefert am Tourenrad fast dasselbe Übersetzungsverhältnis wie ein Mountainbike-Getriebe, der Riemenantrieb sorgt für wartungsfreien, schmutzarmen Vortrieb; und wer nicht mehr selbst treten will, steigt auf ein Pedelec mit Elektromotor. Bis auf letztere sind alle oben genannten Neuerungen an das "Image Comp" von Kalkhoff verbaut. Hightech im Alltag.
Auf den ersten Blick sieht das Image Comp vor allem cool aus, macht im matten Schwarz alle Vorurteile vergessen, die man mit dem Namen Kalkhoff noch verbinden könnte. Wie die Rennradschmiede Focus und das britische Traditionsmarke Raleigh gehört Kalkhoff zu Derby Cycle. Konsequent wurde Kalkhoff-Räder auf die Zielgruppe des anspruchsvollen Alltagsfahrers jenseits der 50 getrimmt. Und in diese Markenidentität fügt sich das Image Comp perfekt ein – die Sitzposition ist aufrecht bequem, der Lenker breit und der Sattel bequem, alles lässt sich gut einstellen und anpassen. Und kaum sitzt man auf dem Rad, schnurrt man munter durch die Stadt. Und schnell stellt sich heraus, dass das Image Comp ein perfektes Stadtrad ist.
Sicher, federnd, handlich: Scheibenbremse von Magura und Teleskopgabel von RST
Mit Daumen und Zeigefinger kann ich durch die elf Gänge der Alfine-Schaltung von Shimano wechseln, auch im Stand an der Ampel (was mit einer Kettenschaltung nicht möglich ist). Die Scheibenbremsen von Magura lassen sich leicht dosieren und packen souverän zu. Und so entdecke ich auf dem Image Comp einen fast vergessenen Fahrspaß neu – das Cruisen. Man braust ein paar Meter los, geht voll in die Eisen, umkurvt ein Hindernis, braus weiter, bremst, stellt das Rad kurz ab, geht zur Bank, kauft ein, fährt weiter. Man flitzt nur so durch den eigenen Alltag. Und das macht Spaß.
Zudem überzeugen die technischen Details. Dass sich etwa die Federgabel für asphaltierten Untergrund feststellen lässt (die Reifen sind dick genug um Stöße auf Straße und Radweg zu absorbieren), dass man mit Tagfahrlicht von Autofahrern besser erkannt wird, und der Riemenantrieb surrt leise dazu. Im Internet habe ich gelesen, dass ein Radler schon mehr als 20.000 Kilometer mit diesem im Motorradbau schon lange verwendeten Antriebssystem gefahren ist. Eine Fahrradkette sollte nach etwa 5000 Kilometern gewechselt werden. Damit bietet sich das Image Comp auch als Reiserad an. weiterlesen
Edelmetall – Titan auf Deutschland-Tour


Probefahrt mit Titan: die ersten Meter auf dem Titanium-Randonneur von Dré San
Radfahrer sind schizophrene, herzlose Typen: Einerseits entscheiden sie sich irgendwann für ein Produkt und loben es und loben es und loben es. Andererseits erzeugt jede substantielle Neuerung einen nagenden Haben-Wollen-Reflex. Und deshalb ist man ständig auf der Suche nach dem Besseren, denn das ist des Guten Feind, und das Gute ist das, was man hat – bis man sich das Bessere leisten kann.
In der Vorbereitung für unsere Deutschland-Tour war ich immer davon ausgegangen, dass ich mit meinem „Gran Turismo“ auf die Reise gehen würde. Es ist ein schnelles Reise-Rad, es passt perfekt zu mir, es ist solide bis sehr gut ausgestattet. Alles fein. Doch dann entdeckte ich auf der Stevens-Website ein Rad, das mich faszinierte – das Cyclocross-Modell „Vapor“.



Neuinterpretation der Dreckschleuder: der "Vapor", ein Cyclocrosser von Stevens
Cyclocross hieß früher nur Cross. Es war (und ist immer noch) eine bekloppte Sportart: Man fährt mit einem Rennrad durch den Wald, auf schmalen Reifen über schmale Wege, über Wurzeln, zwischen eng stehenden Bäumen hindurch, steile Hügel hinab und hinauf – so lange es geht, und sobald sie nicht mehr fahren können, schultern die Athleten ihre Räder und rennen weiter. Es war die erste Radsportart, die ich im Fernsehen gesehen habe, und ich war völlig fasziniert. Inzwischen gibt es die vielen Spielarten des Mountainbikes – Trial, Freeride, Enduro, Downhill, Cross-Country –, und aus Cross wurde Cyclocross.
Claus Peter ist ja so ein Winter-Mountainbiker, polkt im Winter auf seinem „Dr. Z“ – ein modernes Mountainbike mit 29-Zoll-Rädern (es sind eigentlich 28er-Felgen, doch mit den dicken Reifen erhöht sich der Radumfang) und viel Federweg hinten und vorne – durch den Sachsenwald. Ich hasse Mountainbikes, es sind schwere, dickfellige Kisten, mit denen man über alles drüber bügelt, das Mountainbike negiert das Terrain, es ist das SUV unter den Fahrrädern. Aber ich wollte auch im Winter radeln, und das „Vapor“, so dachte ich, wäre ein gutes Gerät, um Claus Peter zu begleiten.

Perfekt für Winterradler und Putzteufel
Für eine Probefahrt kann ich einen „Vapor“ ausleihen und düse mit Claus Peter durch den Wald. Es ist ein Höllenspaß. Der „Vapor“ entpuppt sich als kompaktes Rennrad, das sich mit seinem kleinen Rahmen, mit Rennradschaltung (Shimano Ultegra), Stollenreifen (Rocket Ron) und Scheibenbremsen (Avid) sehr agil und schnell im Gelände bewegen lässt. Es ist fast fünf Kilo leichter als ein Mountainbike (dennoch ist Claus Peter schneller als ich), und dass ich es am Ende doch nicht kaufen will, liegt vor allem daran, dass man einen Cyclocrosser mindestens so lange putzen muss, wie man ihn fährt.
Besonders beeindruckt hat mich an dem Rad allerdings die Bremsleistung. Scheibenbremsen sind perfekt für ein schnelles Reiserad, das mit vollen Packtaschen durchaus 20 Kilo mehr wiegt als im Alltagsbetrieb. Der „Vapor“ lässt sich leider nicht als Randonneur fahren (weder Schutzbleche, noch Gepäckträger oder Lichtanlage lassen sich montieren), und so führt die Suche nach einem modernen Reiserad zu Dré San.
Graue Eminenz: ein langgestreckter Titanrahmen mit aufwändigem Hinterbau
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Der fliegende Holländer

Unsere Deutschland-Tour mit einem leichten Carbon-Trekkingrad zu bestreiten, schien mir eine gute Idee zu sein – warum sich mehr anstrengen als nötig? Doch leichter gesagt als getan, denn die Auswahl an solchen Geschossen ist klein. Da es einerseits ein sportliches Modell sein sollte, das auch optisch höchsten Ansprüchen genügt, aber dennoch über Gepäckträger und Schutzbleche verfügen muss, stieß ich schnell auf den Terraliner Carbolite von Koga-Miyata. Der holländische Produzent stellte uns ein Exemplar für die Tour zur Verfügung.
Eine Woche später kommt es in der Redaktion an. Keine Ahnung, wie ich den Karton nach Hause bekommen sollte, ich bin S-Bahn-Fahrer. Da hilft nur eins, das Rad aus dem Karton, Pedale anschrauben, Lenker fest montieren, alle Schrauben noch mal auf Sitz prüfen und dann gen Heimat.
Der Terraliner kommt ziemlich komplett ausgestattet daher, mit zum Rahmen passender Trinkflasche, Luftpumpe, Sechskant-Schraubendreher und ja, sogar eine Klingel. Und trotz der serienmäßigen Dreifach-Kurbel und voller Straßentauglichkeit wiegt das Rad deutlich unter 12 Kilogramm – und das in einer 60er Rahmenhöhe. Mein Stevens-Crosser mit Federgabel ist ohne Gepäckträger, Ständer, Schutzbleche und Lichtanlage glatt zwei Kilogramm schwerer – spielt allerdings auch in einer anderen Preisklasse.Ich neige nicht zur Übertreibung, aber die erste Fahrt war eine Offenbarung in Sachen Komfort. Trotz der dünnen Reifen (35 mm) und der ungefederten Gabel fährt sich der Rahmen äußerst komfortabel. Selbst Kopfsteinpflaster wird weggebügelt, ohne dass einem die Plomben rausfallen. Carbon flext einfach deutlich als Aluminium. Sehr wirksam auch die bissigen Shimano-XT-Bremsen, die vorne durch einen Bremsdämpfer entschärft werden.

Das Mindergewicht ersetzt gefühlt einen E-Motor, allerdings bezahlt man es auch wie einen E-Motor: Das gute Stück kosten 2499 Euro. Aber auch für ältere Reiseradler, die nicht tagelang unterwegs sind, ist so ein Fahrrad eine echte Überlegung wert: Nicht nur, dass es sich leicht pilotieren lässt, es ist auch problemlos zu tragen (etwa Bahnhofstreppen rauf und runter) und ohne große Anstrengung auf jeden Fahrradträger zu wuchten. Den eleganten Tubus-Gepäckträger kann man mit immerhin 18 Kilogramm beladen. Die Sitzposition ist allerdings recht sportlich. weiterlesen

Claus Peter Simon tritt als High-Tech-Radler mit einem extra leichten Carbon-Rad und Navigationsgerät an.
Holger Radloff versucht es mit einem Retrorad und detailliertem Kartenmaterial.
Dirk Lehmann setzt auf ein schnelles Reiserad mit Rennlenker, Sportschaltung und Lichtanlage, wird so die 800-Kilometer-Tour zum Sprint?