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11. Juni 2012
Deutschland-Tour: Fahrrad-Fazit
Dirk:900 Kilometer Titan
Was erwartet man von einem 3200-Euro-Rad? Dass es ohne Probleme eine solche Distanz bewältigt. Und dann horcht man doch immer wieder in die Technik hinein, wie jemand, der einen teuren, vermeintlich anfälligen Sportwagen bewegt und bei jedem Schlagloch befürchtet, den Wagen zu beschädigen. Doch der "Disc Randonneur" von Dré San hat sich auf dieser Tour als zuverlässiger Begleiter erwiesen. Einmal riss die Kette, was aber eher in der Verantwortung des Hersteller dieses Bauteils liegt, und bei Nässe quietschten die immer zuverlässig zupackenden Scheibenbremsen. Das nervt. Doch in Fahrradforen wimmelt es nur so von Radlern, die Rat suchen, wie man das Quietschen der Scheiben bei Nässe unterbinden kann. Doch dieser kleine Ärger hat meinen Spaß an dem schnellen Reiserad nie geschmälert, in der Ebene lässt es sich leicht auf 30 Km/h und mehr beschleunigen, und selbst mit zwei Packtaschen schwer beladen (ich benutze zwei schon in die Jahre gekommene "Aqua Pro" von VauDe) habe ich mich in Abfahrten auch bei Tempo 60 nie unwohl gefühlt auf dem Dré San. Es ist zudem eine sehr schönes Rad, das ich nur schweren Herzens wieder nach Aschaffenburg schicke, wo es vom Team rund um André Seubert gründlich gereinigt und gewartet wird. Den größten Fehler mit dem Rad habe ich übrigens selbst zu verantworten: Ich habe den Sattel nicht gewechselt, weil der montierte dieselbe Breite hatte wie mein eigener, schien mir das nicht nötig. Doch offensichtlich erkennt der Hintern jeden noch so kleinen Unterschied...



Claus Peter: Das Koga-Miyata, mit dem ich unterwegs war, hat mich zuverlässig ins Ziel getragen. Okay, es ist nicht ganz einfach, die weißen Felgen am Ende wieder sauber zu bekommen - und die Bremsklötze sollten wohl bald erneuert werden. Aber das ist nach fast 900 Kilometern mit rund 9000 Höhenmetern und entsprechenden Abfahrten normal. Vor allem aber hatte ich nie ein Unsicherheitsgefühl, denn die Bremsen packen sehr fest und der Rahmen ist extrem steif und fängt selbst bei Tempo 60 nicht an zu flattern. Daher kann man auch wunderbar aus dem Sattel gehen und im Wiegetritt die komplette Kraft ins Tretlager geben. Ähnlich steif sind Vorbau und Lenker. Die Sitzposition ist sportlich und dennoch entspannt, die Schaltung arbeitet shimanomäßig zuverlässig, das Busch+Müller-Licht war bei den Nachtfahrten schön hell und entsprechend hilfreich (es lässt sich auch wunderbar als Tagfahrlicht nutzen). Und frisch geputzt nach der harten Woche im Einsatz sieht das Rad wieder aus wie neu. Gut gemacht, Terraliner!

Holger: Ich hatte Sorge, dass mein alter grüner Stahlrahmen in den Abfahrten flattern und die Gabel beim Bremsen stottern würde. Nichts davon ist passiert. Klar, der Rahmen ist im Vergleich zu den High-Tech-Teilen meiner beiden Kollegen windelweich. Aber man kann auch damit quer durch Deutschland radeln. Das mag auch an ein paar sehr modernen Komponenten liegen, die ich zuvor neu verbaut hatte. Zum einen haben mich die kugelgelagerten Cantilever-Bremsen begeistert. Die „Avid Shorty Ulimate“ war toll zu dosieren, quietschte auf der schmalen Kastenfelge auch bei Nässe nicht und ließ mich selbst auf Strecken mit 20 Prozent Gefälle nicht im Strich. Auch das Stottern der Gabel, das bei meinen alten Cantis an diesem Rahmen jede Bremsung zur Qual machte, war fast verschwunden. Mein Rad war das einzige, das komplett lautlos bremste. Die dunkle Seite: Knapp 200 Euro kostet der Satz für vorn und hinten – ein stolzer Preis, der sich mir nicht wirklich erklären will. Vielleicht trug auch der sehr steife Gepäckträger von Tubus dazu bei, dass sich trotz der weit nach hinten gesetzten Packtaschen das Rad in Abfahrten nicht aufgeschaukelt hat. Sehr angetan bin ich von meinen nur 30 Millimeter breiten Marathon Racer von Schwalbe. Dirk und Claus Peter fuhren sie in 35 Millimeter Breite. Obwohl ich 85 Kilogramm wiege, habe ich die vergleichsweise sehr leichten Reifen nur mit knapp 6 Bar Druck gefahren, damit mir die vielen Passagen mit Kopfsteinpflaster das Leben nicht zur Hölle machen. Diese Rechnung ging voll auf. Mehr Reifenbreite muss meiner Meinung nicht sein, wenn man schnell vorankommen möchte.

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