Mahlzeit!

Der Fotograf Peter Menzel hat Menschen überall auf der Welt gebeten, den Tisch zu decken mit dem, was sie an einem einzigen Tag essen. Seine Fotos zeigen: Auf jedem Teller liegt eine Lebensgeschichte



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Foto von: John Beck/Integrated Ocean Drilling Program
© Peter Menzel

Venezuela: Der Bohrinsel-Chef

Oswaldo Gutierrez
52 Jahre; 1,70 Meter; 100 Kilogramm

Frühstück: Rühreier mit Tomaten und Zwiebeln, Arepa (Mais-Fladenbrot)
Mittagessen: Rindfleisch, Huhn, Maniok-Fritten, Reis, gegrillter Palmita-Käse, Minestrone
Abendessen: Corocoro (ein Süßwasserfisch); Kartoffelsalat mit Möhren, Zwiebeln und grüner Paprika; Huhn; Reis, mit Hühnerfett, Öl, Zwiebeln und Möhren gekocht; Bollito (Brötchen aus gekochtem Maismehl)
Imbiss spät am Abend: Cornflakes, Cantaloupemelone, Wassermelone, Ananas
Im Laufe des Tages: Cantaloupemelone, Wassermelone, Ananas, Haferflocken, Leinsamen, Orangensaft
Kalorien: 6000

All you can eat - in der Kantine der Ölbohrplattform GP-19 im venezolanischen Maracaibo-See darf jeder essen, so viel er mag. "Andernfalls würden uns die Arbeiter ins Wasser schmeißen", scherzt ein Koch an Bord. Das Leben auf der Plattform bietet wenig Abwechslung; Essen gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Vor allem für Oswaldo Gutierrez: Von dem, was sich der Chef der Ölbohrinsel mittags auf die Teller lädt, wird in anderen Ländern eine vierköpfige Familie satt. Dass Gutierrez dennoch nicht aus den Nähten platzt, schreibt er einem rigorosen Fitnessprogramm zu und einem Trank aus Haferflocken, Leinsamen und Wasser. Das eingeweichte Getreide wird abgeseiht, nur die Flüssigkeit getrunken. "Ich glaube, es senkt meinen Cholesterinspiegel", sagt Gutierrez und verweist auf seinen Vater, der auf denselben Trank schwört und mit 97 Jahren noch immer am Leben ist.
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Russland: Der Restaurator

Wjatscheslaw Grankowskij
53 Jahre; 1,88 Meter; 83,5 Kilogramm

Frühstück: Kaffee mit Zucker, Zigaretten
Mittagessen: Offene Ei-Schinken-Brote: Weißbrot, Spiegeleier, Schinken, Gurke, Tomaten, Radieschen, Zwiebeln, Gewürzgurke, Chilischote, Dill, Mayonnaise
Abendessen: Soljanka (Gemüsesuppe mit Huhn und Schinken) mit Mayonnaise; Paprikaschoten (gefüllt mit Hackfleisch, Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch, Dill) mit Mayonnaise
Sonstiges: Bier, Getränk aus Preiselbeerkompott, 40 Zigaretten
Kalorien: 3900

Es gibt wenig, was Wjatscheslaw, genannt Slava, Grankowskij nicht kann: Er studierte Ingenieurwissenschaften, arbeitete als Maler und Bildhauer, lernte zwei Dutzend Handwerke und baute sich danach sein Haus selbst. Seinen Lebensunterhalt verdient er als freiberuflicher Restaurator. In Sankt Petersburg, der Stadt an der Newa mit ihren fabelhaften Kunstschätzen, kann er sich vor Arbeit kaum retten: Sei es, dass er für einen privaten Sammler eine Ritterrüstung, Puppen aus einem Museum oder Statuen eines Palastes restauriert - Slava Grankowskij schweißt, klebt, zeichnet, poliert, hämmert und modelliert. So erfolgreich, dass er sein Mittagessen meist im Atelier einnimmt und das üppige Abendessen zu Hause manchmal erst nach Mitternacht. Dafür fällt das Frühstück frugal aus: Kaffee und Zigaretten, mehr braucht er nicht, um morgens in die Gänge zu kommen.
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Deutschland: Der Metzger

Markus Dirr
43 Jahre; 1,76 Meter; 72 Kilogramm

Früh am Morgen: Geselchte Schweinerippchen, Kartoffeln mit Olivenöl
Zweites Frühstück: Baguette mit Brie und Olivenöl, Espresso mit Rohzucker
Mittagessen: Lyoner Wurst, weiße Semmel, Radicchio, Tomate, Apfel
Abendessen: Porterhousesteak, Fenchel, Brot, Apfel, hausgemachter Ingwer- Aufguss, Rotwein
Snacks und Sonstiges: Salat von Huhn, Champignons, Lauch und Bleichsellerie mit Olivenöl-Zitronendressing, Bier
Kalorien: 4600

Fleisch wird in Deutschland meist nach der Devise gekauft: Hauptsache viel und billig! Mengenmäßig kann da auch Metzger Markus Dirr vom badischen Kaiserstuhl mithalten; allein das Porterhousesteak, das er sich zum Abendessen gönnt, wiegt 640 Gramm. Billig kommt ihm aber nicht auf den Tisch: Dem Preisdruck der Lebensmitteldiscounter setzt der Fleischer aufwendige Handarbeit entgegen. Seit Jahren spezialisiert sich Dirr auf luftgetrocknete Schinken und Fleisch, das nach den Kriterien der Slowfood-Bewegung verarbeitet wird. Feinschmecker nehmen den Aufpreis in Kauf: Sie lassen sich Dirrs Schinken und Salami sogar per Post zuschicken.
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Jemen: Die Hausfrau

Saada Haidar
27 Jahre; 1,50 Meter; 44,5 Kilogramm

Früh am Morgen: Kishir (süßer Aufguss von Kaffeebohnen-Kleie)
Frühstück: Ful (dicke Bohnen) mit Zwiebeln, Tomaten und gemahlenen Chilis; Weizen-Fladenbrot, Schwarztee
Zweites Frühstück: Weizen-Fladenbrot mit Tahini (Sesampaste) und Fetakäse
Mittagessen: Saltah (Eintopf mit Auberginen, Tomaten, Zwiebeln und Schaffleisch), Reis, Tomaten-Relish, Lahuuh (weiches Fladenbrot), Kafuu'a (Brot aus Weizen- und Linsenmehl), Gurkensalat; Lauchzwiebeln, weißer Rettich, Schwarztee
Abendessen: Rührei mit Tomate und Zwiebeln, Maluuj (Brot aus Hirseund Weizenmehl), Schwarztee
Snacks und Sonstiges: Mango, Banane, Melone, Papaya, Kalbfleisch mit Knochen
Kalorien: 2700

Jemanden zu finden, der sich in die Töpfe schauen lässt - nirgendwo war dies schwieriger als im muslimischen Jemen. Saada Haidars Ehemann gewährte zwar seiner Frau die Erlaubnis, mit dem fremden Fotografen zu sprechen, doch wollte sie ihr Gesicht, anders als die Nachrichtensprecherin im Fernsehen, nicht unverhüllt zeigen.
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Indien: Die Urintrinkerin

Millie Mitra
45 Jahre; 1,82 Meter; 56 Kilogramm

Als Erstes am Morgen: eigener Urin, 360 Milliliter
Morgens: Drachenfrucht, Passionsfrucht, Kokosnuss, gepuffte Lotussamen, in Salz und Öl geröstet, Revdi (Konfekt aus Sesamkörnern und Rohzuckersirup), Sesamkörner, Amla (getrocknete indische Stachelbeeren), Pinienkerne, Tamarindenkonfekt
Mittagessen: Uttapam (Fladenbrot aus Schwarzlinsenund Reismehl), Idli (gesäuertes Brot aus Linsen- und Reismehl), Tomatenchutney, Sojajoghurt
Nachmittags: Puffreis mit Zwiebeln, Chilischoten und Senföl, heißes Wasser mit Honig und Limettensaft
Abendessen: Taubenerbsen und Auberginen mit Zwiebeln und Tomaten; gekochte Kartoffeln mit Chilis, Vagharelo Bhaat (Klebreis mit Zwiebeln und Gewürzen), Vollkornweizen-Fladenbrot, Sojajoghurt mit weichem Reis, eingelegte Limette, Gurke, weiße Rübe, Alu Papad (Knäckebrot aus Kartoffelmehl)
Kalorien: 2100

Seit 17 Jahren hat es sich Millie Mitra zur Gewohnheit gemacht, morgens ihren eigenen Urin zu trinken. Der Brauch, Shivambu genannt, ist auch in anderen Kulturen bekannt, die dem Urin eine reinigende und heilende Wirkung zuschreiben. Millie Mitra reibt sich auch die Haut damit ein. Seit Jahren studiert Mitra Ernährungstheorien und hat sich dabei mehr und mehr "von der Vorstellung entfernt, der Körper sei eine Maschine, der man Befehle erteilen muss". Lebensmittel sieht sie als Heilmittel, besonders Früchte: "Ich liebe ihre Farben, ihre Konsistenz, ihren Geschmack und ihren Duft. Und vor allem: Sie machen mich glücklich."
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Bangladesch: Der Ausreißer

Alamin Hasan
12 Jahre; 1,40 Meter; 31 Kilogramm

Frühstück: Süßes Weißmehlbrötchen, Schwarztee mit gezuckerter Kondensmilch
Mittagessen:Gemüsecurry aus Kartoffeln, grünen Bohnen und Zwiebeln mit Gelbwurz, Reis
Abendessen: Gemüsecurry aus Tomaten, weißem Rettich und Zwiebeln mit Chili und Gelbwurz, Reis
Den Tag über: Schwarztee mit gezuckerter Kondensmilch, fünf Zigaretten
Kalorien: 1400

Früher ging Alamin Hasan zur Schule, bis der Vater die Familie wegen einer anderen Frau verließ. Weil Alamins Mutter nicht in der Lage war, den Sohn zu ernähren, setzte sie ihn vor die Tür, erzählt der nun zwölfjährige Junge. Er machte sich auf den Weg in die Stadt. Auf dem Bahnhof in Dhaka muss er sich gegen stärkere Jungen durchsetzen und manchmal Prügel einstecken. Am Tag verdient er 60 bis 70 Taka, was 66 bis 78 Euro-Cent entspricht. Davon kann er sich beim Straßenhändler Gemüsecurry kaufen. Als Kofferträger verdient er immerhin genug, um mehr zu essen als früher bei seiner Mutter.
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Australien: Der Rettungsschwimmer

Bruce Hopkins
35 Jahre; 1,83 Meter; 82 Kilogramm

Frühstück: Cerealien mit Magermilch und Honig, Banane, Orangensaft, Kaffee
Mittagessen: Sandwich aus Weißbrot, Schinken, Kopfsalat und Senf
Abendessen: Rinderfilet, rote Kartoffeln und Kürbis, Vanilleeis, Kaffee
Im Laufe des Tages: Apfel-Himbeerund Apfel-Kiwi-Fruchtsaftgetränk
Kalorien: 3700

Durchtrainiert und fit - was für andere Menschen ein Schönheitsideal ist, gehört für Bruce Hopkins zur Job-Beschreibung. Zwar absolviert Hopkins nicht mehr, wie früher, Triathlons. Dennoch trainiert er zweimal täglich, um fit zu sein für den Moment, wenn ein Schwimmer vor dem australischen Traumstrand Bondi Beach in Not gerät. Zu schaffen macht ihm dabei, dass die Badegäste am Bondi Beach über die Jahre immer dicker werden: "Du paddelst mit dem Brett raus, sollst den Menschen auf das Brett ziehen und mit ihm auf der nächsten Welle zurück zum Strand reiten. Übergewichtige sind da viel schwerer zu retten."
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

China: Der Spieler

Xu Zhipeng
23 Jahre; 1,88 Meter; 71,3 Kilogramm

Mittagslieferung: Mapo doufu (Tofu und Schweinefleisch in scharfer roter Chilisauce), Reis, grüner Tee
Abendlieferung: Geschmortes Huhn mit gekochter Wintermelone, Reis, grüner Tee
Im Laufe des Tages: Grüner Tee, sieben Zigaretten
Kalorien: 1600

Zu sagen, Xu Zhipeng verbrächte viel Zeit vor dem Computer, wäre eine Untertreibung: Er verbringt ALLE Zeit vor dem Computer. Nachdem er ein Jahr als Grafikdesigner hart gearbeitet hat, macht er nun ein halbes Jahr Pause. Dafür hat er sich einen Platz im Internetcafé in Shanghai gemietet. Diesen Sessel verlässt er praktisch nur, um auf die Toilette und einmal die Woche zu einem Freund zum Duschen zu gehen. Die meiste Zeit beschäftigt sich Xu Zhipeng mit MMORPGs, Online-Rollenspielen gegen zahlreiche andere Mitspieler, die ebenso wie er irgendwo auf der Welt vor einem Computer sitzen. Einmal spielte er drei Tage und drei Nächte ohne Unterbrechung. Danach fiel er in einen komaähnlichen Schlaf, der 24 Stunden dauerte. Sein Mobiltelefon hat Xu Zhipeng abgeschafft, um nicht durch Anrufe gestört zu werden. Nur ab und zu liest er zwischendurch ein Buch, "weil es gut tut, die Augen auf den Buchseiten ausruhen zu können", wie er sagt - obwohl er die Bücher natürlich am Bildschirm liest.
Foto von: Peter Menzel
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USA: Der Trucker

Conrad Tolby
54 Jahre; 1,88 Meter; 118 Kilogramm

Frühstück: Brötchen mit Honigglasur, Kaffee
Mittagessen bei McDonald's: zwei Doppel-Cheeseburger, halbe Portion Pommes frites (die andere Hälfte bekommt sein Hund Fancy)
Abendessen: Kopfsalat mit Schinken, Ei, Käse und schwarzen Oliven, gebratene Hähnchenflügel, frittierte Teigrollen mit Schweinefleisch
Snacks und Sonstiges: Schoko-Bonbons mit Erdnüssen, Rindfleisch-Sticks, Espresso-Sahne- Kaffeedrink, Mokka-Kaffeedrink, Eistee, zwei Schachteln Zigaretten
Kalorien: 5400

In seiner Verwandtschaft darf Trucker Conrad Tolby mit seinen 54 Jahren als Hochbetagter gelten: "Auf meiner Vaterseite sind alle an platzenden Arterien gestorben", erzählt er, "und alle vor dem 45. Geburtstag. Keine sechs Monate nach meinem 45. Geburtstag hatte ich meinen ersten Herzinfarkt." Inzwischen hat Colby einen weiteren Herzinfarkt nur knapp überlebt. Aber auch die Warnungen seines Arztes können ihn nicht dazu bewegen, seine Ernährung auf fettärmere und gesündere Kost umzustellen. Seit seiner Scheidung lässt sich Colby, früher Mitglied der Rockerbande "Bandidos", auf seinen Fahrten von seinem Hund "Imperial Fancy Pants", genannt Fancy, begleiten. Der fünf Jahre alte chinesische Shar-Pei isst am liebsten Pommes und bekommt hin und wieder auch einen Cheeseburger ab. Und hilft damit auf natürliche Weise, den Cholesterinspiegel seines Besitzers wenigstens ein kleines bisschen zu senken.
« China    Kenia »
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Kenia: Die Halbnomadin

Noolkisaruni Tarakuai
38 Jahre; 1,70 Meter; 46,8 Kilogramm

Frühstück und Abendessen: Ugali (dicker Maisbrei), Banane, Schwarztee mit Vollmilch und Zucker, abgekochtes Wasser (in der Flasche abgebildet)
Kalorien: 800

Noolkisaruni Tarakuai, dritte von vier Frauen eines Massai-Häuptlings, kann sich an bessere Tage erinnern: "In meiner Jugend gab es genügend Fleisch. Wir hatten viele Tiere. Es gab nicht so viel Dürre. Alle zwei Tage wurde eine Ziege geschlachtet." Heute bekommt die Massai bestenfalls einmal die Woche Ziegenfleisch, und nur eine kleine Menge, weil das Tier mit allen Mitgliedern des Clans geteilt werden muss. "In einem guten Jahr", erzählt Tarakuai, "melke ich die Kühe, bis ich eine Kalebasse voll Milch habe, dann mache ich Milchtee und Ugali für die Kinder und Ugali und einen Becher Milch für die Hirten. Der Hirte ist hier die wichtigste Person - ohne ihn gibt es keine Milch." In Zeiten großer Dürre wird die Kuhmilch so knapp, dass sie kaum für die Kälber reicht - und für sie, die Kinder und die Hirten nichts übrig bleibt. Auch Ziegenfleisch gibt es dann nicht mehr: Die Tiere sind derart unterernährt, dass sie kein Fleisch mehr liefern. "Dann verkaufen wir die Häute und geben den Rest den Hunden", sagt Tarakuai.
« USA    Ecuador »
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Ecuador: Die Bäuerin

Maria Ermelinda Ayme Sichigalo
37 Jahre; 1,60 Meter; 54 Kilogramm

Frühstück: Teigtaschen mit Käse, Chapo (Brei aus geröstetem Gersten- und Weizenmehl mit Pulverkaffee, Rohzucker und heißem Wasser), Rohzucker mit heißem Wasser
Mittagessen: Gerstensuppe, Kartoffeln, gekocht mit Möhren und grünen Bohnen
Abendessen: Salat aus Kopfsalat, Kartoffeln und Möhren, grüne und gelbe Kochbananen Snacks und Sonstiges: Geröstete Kartoffeln, Machica (geröstetes Gersten- und Weizenmehl, in heißes Wasser gerührt), Wasser aus einer nahen Quelle
Kalorien: 3800

Ermelinda Ayme, Mutter von acht Kindern, lebt in den Anden im Dorf Tingo, wo sie auf 3300 Metern über Meereshöhe gemeinsam mit ihrem Mann einige Steilhänge bewirtschaftet. Das braucht Kraft und Ausdauer, vor allem, wenn man dabei noch die ganze Zeit ein Baby auf dem Rücken trägt. Die Energie für die anstrengende Feldarbeit liefern selbst gebackene Käsetaschen, Möhren vom Feld, Kochbananen aus dem Tiefland und ab und zu ein gebratenes Meerschweinchen, eine Delikatesse in Ecuador. Auf den Bergwiesen sammelt Ermelinda Ayme Kräuter, aus denen sie Tees gegen Frauenleiden brüht; sie arbeitet nebenbei als Hebamme und Naturheilerin.
« Kenia    Iran »
Foto von: Peter Menzel
© Peter Menzel

Iran: Der Knusperbrotbäcker

Akbar Zareh
48 Jahre; 1,75 Meter; 85 Kilogramm

Frühstück: zwei hart gekochte Eier, Radieschen mit
Sabzi khordan (Kräutersalat), Nan-e taftoon (knuspriges Fladenbrot), Schwarztee mit Zucker
Im Laufe des Tages bei der Arbeit: Khoshk yazdi (flaches Knusperbrot- die Sorte, die Zareh selbst backt und verkauft), Tomaten, Weintrauben, Granatapfel
Abendessen: Kabab koobideh (Lammhackspieß), weißer Reis, Joghurt, Nan-e taftoon
Spät am Abend: heiße Vollmilch Kalorien: 4900

Akbar Zareh hat nie eine Schule besucht und nie Lesen oder Schreiben gelernt. Als er vor vielen Jahren seinen Vater fragte, weshalb er ihn das anstrengende Handwerk gelehrt habe, lachte der Vater nur: Die Zarehs waren schon immer Bäcker. Doch Akbar Zareh will mit der Tradition brechen. Er schickte seine Kinder zur Schule. "Als Bäcker verdienst du zu wenig", sagt er, und das, obwohl er seine Brote bis nach Deutschland verkauft. Tag für Tag steht er von morgens bis abends in der Backstube, knetet Teig, formt Fladen, befeuert den Ofen und schießt die Brote ein. Für eine Mittagspause nimmt er sich keine Zeit. Und nur einmal im Jahr isst Zareh im Gasthaus, in jenen 14 Tagen, in denen er die Bäckerei schließt, um zu einem schiitischen Heiligtum zu pilgern.




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Kommentare


FitnessFan | 17.10.2010 23:45

Tolle Arbeit, das Buch werde ich mir kaufen. Aber die Kalorienangaben scheinen mir durchweg zu hoch zu sein. Wenn ich mal anhand von Tabellen nachrechne komme ich teilweise auf die Hälfte der angegebenen Menge. Beitrag melden!

Borkenkäfer | 05.09.2010 12:25

Wenn auf allen Ölplattformen so gefressen wird, wundert es nicht wenn ab und zu einmal eine explodiert :-) Beitrag melden!

123 | 30.08.2010 08:29

Der Artikel macht Lust auf mehr! Und Hunger hab ich jetzt auch Beitrag melden!

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