Interaktiv: Ein Tag im Leben der Wissenschaft

Der Ehrgeiz, die Welt besser zu verstehen, treibt Millionen Wissenschaftler rund um den Globus an. Sei es bei der Erforschung der kleinsten Bausteine der Materie oder bei der Analyse des Mundgeruchs. GEO dokumentiert 24 Stunden aus dem Leben der Weltmacht Wissen. An 45 Orten in 36 Ländern



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Foto von: John Beck/Integrated Ocean Drilling Program
© John Beck/Integrated Ocean Drilling Program

00:02 Uhr MEZ

10:02 Schiffszeit, Indischer Ozean, 333 km vor der Antarktis-Küste

Das Bohrschiff "Joides Resolution" kämpft mit starkem Wellengang. Ursula Röhl, Meeresgeologin von der Universität Bremen, beugt sich mit ihren Kollegen über neue Messdaten, welche die Nachtschicht dem Bohrkern aus dem 4000 Meter tiefen Meer abgewonnen hat. Die Forscher diskutieren Porosität und magnetische Eigenschaften der Sedimente. Und allen ist klar: Weitere Daten zum Vergleich sind nötig. Aber ist es bei dem Wetter überhaupt noch möglich, Mess-Sonden in das mehr als 1000 Meter tiefe Bohrloch abzusenken? Ursula Röhl und ihre Kollegen entscheiden sich fürs Abwarten. Zwei Monate hat die Expedition 318 "Wilkes Land" Zeit, um im Rahmen des Integrierten Ozeanbohrprogramms die Vereisungsgeschichte der Antarktis zu rekonstruieren.
Foto von: Linda Schmidtobreick/ESO
© Linda Schmidtobreick/ESO

00:20 Uhr MEZ

31.1., 20:20 Ortszeit, Cerro Paranal, Chile

Dämmerung liegt über der Atacama-Wüste. Vom Kontrollraum aus bereitet Linda Schmidtobreick das "Melipal"-Teleskop, eines von vier Acht-Meter-Teleskopen der Europäischen Südsternwarte, für die Nacht vor. Mit dem letzten Licht des Tages möchte die Astronomin ein am Teleskop installiertes Infrarot-Messinstrument kalibrieren. In wenigen Minuten wird die Sonne untergehen, dann treffen sich die Wissenschaftler auf der Plattform der Teleskope, um das letzte Licht des Tages zu genießen. In der Nacht werden sie das Super-Auge aus vier Teleskopen auf Quasare richten.
Foto von: Jingwen Chen/University of Technology, Dalian
© LJingwen Chen/University of Technology, Dalian

01:45 Uhr MEZ

08:45 Ortszeit, Dalian, China

In den Straßen der Sechs-Millionen-Metropole ist Jingwen Chen unterwegs zum Campus der Technischen Universität. Obwohl seit einigen Tagen Winterferien sind, nutzt der Professor für Ökologische Chemie wie viele seiner Kollegen die Pause, um einige wichtige Arbeiten zu erledigen: die Kurzfassungen von Vorträgen für eine bevorstehende Tagung prüfen, einen Forschungsantrag an die chinesische Nationalstiftung für Naturwissenschaften formulieren.
Foto von: Univ. of the Southern Pacific
© Univ. of the Southern Pacific

02:05 Uhr MEZ

14:05 Ortszeit, Qilai Village, Fidschi

Im flachen Wasser einer windgeschützten Bucht installieren William Camargo und seine Kollegen von der Universität des Südpazifik zehn Schwimmkäfige, die sie mit Schwarzen Tigergarnelen (Penaeus monodon) besetzen. Versorgt werden die Tiere mit einem von den Forschern optimierten Futter. In vier Monaten können die Menschen aus dem nahegelegenen Dorf die Garnelen ernten. Die Aquakultur soll ihnen eine neue Nahrungs- und Einkommensquelle erschließen.
Foto von: Andri Pol
© Andri Pol

03:08 Uhr MEZ

11:08 Ortszeit, Tokyo, Japan

Gemeinsam mit mehreren Studenten bugsiert Masayuki Inaba den Roboter "Kojiro" auf ein Fahrrad. Mehr als 50 Mikroprozessoren, 109 mechanische "Muskeln" und eine künstliche Wirbelsäule sollen den im Roboterlabor der Universität Tokyo gebauten Humanoiden schon bald dazu bringen, sich fast so flüssig wie ein Mensch zu bewegen. Noch aber tüfteln die Wissenschaftler an der perfekten Abstimmung der einzelnen Teile.
Foto von: Fitriani Dwi Kurniasih/www.weltreporter.net
© Fitriani Dwi Kurniasih/www.weltreporter.net

04:30 Uhr MEZ

10:30 Ortszeit, Yogyakarta, Indonesien

Der Vulkan war aktiver als in der Vorwoche, aber nichts Besorgniserregendes: Subandriyo, der Leiter des Instituts zur Erforschung und Entwicklung vulkanologischer Technologie, arbeitet sich an diesem Morgen durch die Computerausdrucke, auf denen die seismische Fieberkurve des Merapi abgebildet ist, des aktivsten Vulkans auf dem indonesischen Archipel. Routinearbeit. Eine halbe Stunde später übermittelt Subandriyo seine Auswertung an die geologische Abteilung des Energieministeriums in Jakarta.
Foto von: Martin Paetsch
© Martin Paetsch

04:58 Uhr MEZ

11:58 Ortszeit, Hongkong, China

In einem winzigen Büro hoch über Tolo Harbour im Norden Hongkongs betrachtet Suk Ying Tsang grüne Flecken auf ihren mikroskopischen Aufnahmen von embryonalen Stammzellen - unspezialisierten Zellen, die sich in fast jeden anderen Zelltyp verwandeln können, etwa in Herzmuskel- oder Nervenzellen. Die grünen Punkte verraten das Vorkommen eines bestimmten Eiweißes in den Stammzellen - und Tsangs Arbeitsgruppe an der Chinese University will herausfinden, welche Rolle dieses Molekül bei der Spezialisierung der "Urzellen" spielt. Ein weiterer, kleiner Wissensbaustein auf dem Weg in eine Zukunft, in der Ärzte aus Stammzellen etwa neues Herzgewebe herstellen können, mit dem sich kranke Herzen regenerieren lassen.
Foto von: GEO
© GEO

06:02 Uhr MEZ

11:32 Ortszeit, Neu-Dehli, Indien

Montagvormittage sind im Labor von Sridhar Sivasubbu für strategische Planung reserviert. Heute debattiert der Molekularbiologe vom Institut für Genomik mit seinen Doktoranden das Vorgehen für die kommende Woche. Dem Team war es im Dezember 2009 gelungen, erstmals das Genom eines Inders vollständig zu entschlüsseln. Jetzt wollen die Forscher herausfinden, welche Genvarianten typisch sind für die Menschen auf dem Subkontinent - und ob sich daraus Erkenntnisse ziehen lassen für das indische Gesundheitssystem.
Foto von: Anna Estes/Serengeti Elephant Project
© Anna Estes/Serengeti Elephant Project

06:08 Uhr MEZ

08:08 Ortszeit, Serengeti, Tansania

Anna Estes ist auf dem Weg zu dem kleinen Blechhangar auf dem Gelände des Serengeti Wildlife Research Center. Bei einigen "ihrer" sechs Elefanten draußen in der Wildnis sind die Satellitensender ausgefallen. Nun muss sie die Tiere über die zusätzlich angebrachten Funksender aus der Luft aufspüren. Gemeinsam mit dem Piloten Felix Borner installiert sie an der Cessna der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt eine Empfangsantenne. Kurz darauf überfliegen die beiden die westliche Serengeti. Estes hat Glück: Ein Piepen führt sie auf die Spur von "Unit 36", einem Weibchen, hinter dem sie seit über einem Jahr her ist. Später will sie versuchen, das Tier am Boden zu finden, um das Sendehalsband auszutauschen.
Foto von: Yael Gov
© Yael Gov

07:36 Uhr MEZ

08:36 Ortszeit, Tel Aviv, Israel

Für den Frühsport muss noch Zeit sein: Zügig marschiert Mel Rosenberg die fünfeinhalb Kilometer von seiner Wohnung zum Meer und zurück. Dann fährt der Mikrobiologe, Spezialgebiet Mundgeruch, zur Universität Tel Aviv. Es wird höchste Zeit, dass er mit seinem Ko-Autor Nir Sterer ein Manuskript überarbeitet, in dem die Forscher die Verbesserung des Atems durch Kaffee-Extrakte beschreiben. Eigentlich hätten sie den Text bereits gestern beim "Journal of Breath Research" einreichen müssen ...
Foto von: GEO
© GEO

08:15 Uhr MEZ

08:15 Ortszeit, Prag, Tschechien

Unter dem Mikroskop von Jan Petrásek liegt Unkraut: eine Probe aus dem Stängel der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana), die in allen gemäßigten Klimazonen vorkommt. Der Forscher am Institut für experimentelle Botanik der tschechischen Akademie der Wissenschaften will verstehen, wie die Pflanze wächst - und welche Rolle dabei Phytohormone spielen. Mit dem 500000 Euro teuren Konfokalmikroskop kann Petrásek dreidimensionale Bilder der Zellen erzeugen.
Foto von: Esta van Heerden/Department of Microbial, Biochemical and Food
© Esta van Heerden/Department of Microbial, Biochemical and Food

08:35 Uhr MEZ

09:35 Ortszeit, Bloemfontein, Südafrika

Gute Vorbereitung ist alles: Blaues Klebeband auf die sterilen Behälter für biologische Proben, grünes auf die für geochemische Sammelstücke. Esta van Heerden, Elsabe Botes und Ruddy Banyini präparieren im Labor der University of the Free State ihre Ausrüstung für eine Expedition in die Beatrix-Goldmine. In den bis zu 2150 Meter tiefen Stollen werden die Wissenschaftler nach neuen Extremophilen suchen: Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen leben. Nachdem das Gepäck auf die Rucksäcke verteilt ist, hilft van Heerden einer Doktorandin, die Kultur eines jüngst entdeckten hitzeliebenden Einzellers unter dem Mikroskop zu studieren.
Foto von: Szabó-Jilek Ádám/Motorpresse Bp
© Szabó-Jilek Ádám/Motorpresse Bp

08:45 Uhr MEZ

08:45 Ortszeit, Budapest, Ungarn

In zwei Wochen wird sich Gábor Csorba durch die Wälder Nord-Kambodschas kämpfen - auf der Suche nach unbekannten Fledermausarten. Heute hat sich der Biologe zur Vorbereitung in sein Büro im Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museum zurückgezogen, um die Ergebnisse einer früheren Expedition zu analysieren. Unter dem Mikroskop sucht er nach winzigen Details, die eine Art charakterisieren: etwa der Beschaffenheit der Zähne. 14 Mal ist es Csorba schon gelungen, eine neue Spezies zu finden. Und damit ein Argument für zusätzliche Schutzgebiete.
Foto von: GEO
© GEO

09:17 Uhr MEZ

11:17 Ortszeit, St. Petersburg, Russland

Wollhaarmammuts schützten sich vor der harschen Kälte ihrer Zeit mit einem Fell, das aus drei Lagen bestand. Besaßen sie auch Talgdrüsen, um es zu fetten? Eine Antwort auf diese Frage hofft Alexej Tichonow in dem Pelzflecken zu finden, den er im Zoologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften unter dem Mikroskop betrachtet. Die Haare stammen von dem Mammutbaby "Ljuba", einem zwei Monate alt gewordenen Tier, das im Mai 2007 auf der sibirischen Halbinsel Jamal entdeckt wurde.
Foto von: MPI fuer Auslaendisches und internationales Strafrecht
© MPI fuer Auslaendisches und internationales Strafrecht

09:21 Uhr MEZ

09:21 Ortszeit, Freiburg im Breisgau, Deutschland

Wie organisiert man "Übergangsgerechtigkeit"? Das ist das Thema, über das Nandor Knust, Anna Petrig und Jan-Michael Simon heute morgen diskutieren. Die Juristen am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht suchen nach den besten Mechanismen, mit denen sich massenhaft begangenes Unrecht nach einem Konflikt wie etwa dem Völkermord in Ruanda ahnden lässt. In Ruanda etwa haben die traditionellen Gacaca-Gerichte auf Dorfebene mehr Gerechtigkeit geschaffen als Internationale Gerichtshöfe das je gekonnt hätten. Was lässt sich daraus lernen?
Foto von: GEO
© GEO

09:45 Uhr MEZ

16:45 Ortszeit, Peking, China

Haixia Zhang ist in einen Schutzanzug geschlüpft, hat sich Überschuhe angezogen und eine Haube aufgesetzt. Schon feinste Staubpartikel könnten dem sogenannten MEMS-Chip schaden, den die Wissenschaftlerin im Reinstraum des Instituts für Mikroelektronik der Universität Peking prüft. Die Abkürzung MEMS steht für Mikro-Elektro-Mechanisches System. Diese Konstruktionen vereinen winzige mechanische Bauteile wie Schwingungssensoren und elektronische Rechen-Schaltkreise auf einem Siliciumchip. Haixia Zhang arbeitet gegenwärtig an Systemen für biomedizinische Zwecke.
Foto von: ETH Zuerich
© ETH Zuerich

10:00 Uhr MEZ

10:00 Ortszeit, Zürich, Schweiz

Medizinische Implantate wie künstliche Hüftgelenke und Zahnwurzeln bestehen meist aus Titan. Und der Kontakt zwischen Metall und Osteoblasten, knochenbildenden Zellen, entscheidet darüber, wie gut die Prothese in den Körper integriert wird. Die Haftung der Zellen auf Titan untersucht Jia Pei vom Department für Materialforschung der ETH Zürich, die gerade ihre letzten Ergebnisse mit dem Laborleiter Nicholas Spencer und Heike Hall-Bozic bespricht.
Foto von: Deutsche Sporthochschule Koeln
© Deutsche Sporthochschule Koeln

10:03 Uhr MEZ

10:03 Ortszeit, Köln, Deutschland

Eine Serie feiner "Peaks" unterschiedlicher Höhe erscheint auf dem Bildschirm vor Mario Thevis. Es ist der chemische "Fingerabdruck" eines neuartigen Dopingmittels, das der Biochemiker an der Deutschen Sporthochschule Köln in einer Urinprobe gefunden hat. Der Stoff namens Andarine wurde als Medikament gegen Muskelschwund entwickelt. Obwohl er sich noch in der klinischen Prüfung befindet, kursiert er bereits auf dem Schwarzmarkt. Mario Thevis entwickelt Nachweis-Methoden für solche neuen pharmazeutischen Wirkstoffe, die als Dopingmittel taugen könnten - um so den Betrügern im Sport einen Schritt voraus zu sein.
Foto von: Salminen Juha
© Salminen Juha

10:30 Uhr MEZ

11:30 Ortszeit, Helsinki, Finnland

Am Institut für Molekularmedizin Finnland (FIMM) in Helsinki optimiert Krister Wennerberg die Einstellungen eines Automaten, der chemische Substanzen in großer Zahl auf ihre Eignung als Medikamentenwirkstoff prüft. Gesucht werden Moleküle, die Krebszellen zerstören, gesunde Körperzellen aber verschonen. Mit dem Screening-Gerät sollen sich, wenn es eines Tages ausgereift ist, mehr als 100000 Substanzen am Tag testen lassen.
Foto von: ILRI
© ILRI

11:01 Uhr MEZ

10:01 Ortszeit, Bamako, Mali

In seinem Büro am Internationalen Forschungsinstitut für Nutztiere(ILRI) legt Augustine Ayantunde letzte Hand an einen Bericht über den Schutz und die Nutzung in Westafrika einheimischer Wiederkäuer. Ndama-Rinder, Djallonke-Schafe und Westafrikanische Zwergziegen widerstehen der Schlafkrankheit, die in den feuchten Zonen die Tierzucht entscheidend begrenzt. Doch die Weidegründe der angepassten Arten schwinden, da die Menschen Grasland und Wald in Felder verwandeln. Ayantunde sucht für Gambia, Guinea, Mali und Senegal nach Möglichkeiten, die Lebensräume der Tiere zu bewahren und das Auskommen der Viehzüchter zu verbessern.
Foto von: GEO
© GEO

11:15 Uhr MEZ

11:15 Ortszeit, Bratislava, Slowakei

An der naturwissenschaftlichen Fakultät der Comenius Universität studiert Peter Fedor am Bildschirm den Thorax eines Fransenflüglers, eines Schädlings, dessen Unterarten auf der ganzen Welt erhebliche Ernteschäden verursachen. Fedor und Kollegen tüfteln an einem Computerprogramm, einem sogenannten neuronalen Netz, das die Insekten schnell erkennen und überwachen kann. Um so eine gezielte und umweltschonende Bekämpfung zu ermöglichen. Voraussetzung für die Erkennungssoftware ist eine verlässliche Datenbank, und die erfordert die penible Vermessung Tausender winziger Tiere.
Foto von: Marc Steinmetz/Visum
© Marc Steinmetz/Visum

11:43 Uhr MEZ

11:43 Ortszeit, Hamburg, Deutschland

Versuchshalle des Instituts für Flugzeug-Systemtechnik der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Dennis Doberstein entriegelt manuell ein Airbus-Bugfahrwerk. Langsam bewegt es sich nach unten, binnen 15 Sekunden ist es allein durch sein Eigengewicht ausgefahren. Der Ingenieur arbeitet daran, die konventionelle hydraulische Betätigung des Fahrwerks durch eine elektrische zu ersetzen. Mit dem Versuch will er nachweisen, dass die neue Konstruktion auch im Notfall - wenn die Elektrik ausfällt - funktioniert.
Foto von: Baris Özçetin
© Baris Özçetin

12:00 Uhr MEZ

13:00 Ortszeit, Istanbul, Türkei

Ümüt Cirit öffnet einen Transportbehälter und verteilt Eierstöcke. Gerade ist er vom Schlachthof gekommen, die Organe sind noch warm. Cirit und seine Kollegen von der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Istanbul wollen ihre Experimente beginnen, solange die Zellen noch nicht abgestorben sind. Professor Sema Birler nimmt sich die Schafeierstöcke, Professor Serhat Pabuccuo?lu bekommt die Rinderorgane - aus denen er Eizellen entnehmen will, um ein Rind zu klonen. Das Projekt soll helfen, türkische Nutztierrassen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Wissenschaftler waren dabei schon erfolgreich; ihr erstes Klontier war "Efe" - ein Kalb des "Anatolischen Grauviehs".
Foto von: Olaf Eisen/Alfred-Wegener-Institut
© Olaf Eisen/Alfred-Wegener-Institut

12:15 Uhr MEZ

11:15 Ortszeit, Königin-Maud-Land, Antarktis
71°10' S/6°45' E

Schneedrift bei Windstärke 9. Keine Außenarbeiten möglich. Olaf Eisen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und seine vier Kollegen sitzen im Wohncontainer und nutzen die Zwangspause, um die Daten der vergangenen Tage zu analysieren. Am Freitag zuvor sind sie von der Neumayer-Station zum Eisdom "Halfvarryggen" aufgebrochen. Der gilt als Kandidat für künftige Eiskernbohrungen - und die Forscher sollen vorab die Eisschichtung in der Gipfelregion untersuchen. Dazu messen sie unter anderem seismische Wellen, die sie mit kleinen Sprengungen am Eisdom erzeugen. Als sich der Sturm legt, benötigen die Forscher Stunden, um ihren Pistenbully aus dem Schnee auszugraben.
Foto von: Giedrius Kuzmickas
© Giedrius Kuzmickas

12:25 Uhr MEZ

13:25 Ortszeit, Vilnius, Litauen

Der Doktorand Domas Paipulas justiert ein Lasersystem am Laser Research Center der Universität Vilnius. Er wird gleich mit einem gebündelten Lichtstrahl mit dem Durchmesser eines Haares parallele Rillen in eine Stahlplatte schneiden. Die Arbeit ist Teil eines internationalen Projektes, bei dem Forscher aus Litauen, Dänemark, Großbritannien und Spanien eine Methode entwickeln, um winzige Risse im Stahl zu erkennen. Dazu werden Wissenschaftler eines anderen Instituts die Rillen mit elektrisch leitfähiger Keramik füllen. Anhand von Strompulsen, die durch das Keramiknetz geschickt werden, sollen sich für das bloße Auge nicht sichtbare Risse aufspüren lassen, weil der Strom an ihnen unterbrochen wird.
Foto von: Frman Abdulrahman
© Frman Abdulrahman

13:04 Uhr MEZ

15:04 Ortszeit, Gadan, Irak

Nach 20 Kilometer Fahrt von ihrem Institut im kurdischen Sulaimania streifen die Geologen Polla Khanaqa und Khalid Sharbazheri durch die kahlen Hügel nahe dem Dorf Gadan. Sie suchen nach einer Stelle, an der sie Gesteinsschichten aus der Zeit vor etwa 65 Millionen Jahren untersuchen können. Anhand der Kalkschalen von Meerestieren und geochemischen Analysen wollen sie die Umweltbedingungen rekonstruieren, die in der Region gegen Ende der Kreidezeit herrschten - als die Dinosaurier ausstarben.
Foto von: Thomas Ernsting/Bilderberg
© Thomas Ernsting/Bilderberg

13:31 Uhr MEZ

12:31 Bordzeit, Erdorbit

An Bord der Internationalen Raumstation ISS, 350 Kilometer über Sibirien, schwebt der Astronaut Timothy Creamer im Columbus-Labor. Am Kopf trägt er ein Headset, auf dessen integrierten Mini-Bildschirmen er Würfel und Zylinder sieht. Seine Aufgabe ist es, Größe und Distanz der Objekte einzuschätzen. Mit dem Experiment will die Europäische Raumfahrtagentur ESA herausfinden, wie Schwerelosigkeit die räumliche Wahrnehmung beeinflusst. Denn Fehleinschätzungen können problematisch sein, wenn Astronauten bei Außenbordeinsätzen an der Station arbeiten. "Es scheint so, dass ein Würfel im All höher, aber weniger breit wahrgenommen wird", erklärt Claudio Sollazo, der die Versuche im Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen live beobachtet.
Foto von: Inst. for industrial Engineering/Univerity of Technology, Isfaha
© Inst. for industrial Engineering/Univerity of Technology, Isfaha

13:46 Uhr MEZ

16:16 Ortszeit, Isfahan, Iran

An der Technischen Universität von Isfahan beginnt heute das Frühlingssemester. Am Ende der ersten Zusammenkunft des Kurses über Automatisierung zeigt der Ingenieur Jamshid Parvizian den 36 Studenten das Labor, in dem sie lernen werden, Fertigungslinien, Lagersysteme und Industrieroboter zu programmieren.
Foto von: NEPTUNE
© NEPTUNE

13:47 Uhr MEZ

4:47 Ortszeit, Barkley Canyon, 100 km vor Vancouver Island

"Wallys" Messgeräte melden 91 bar Druck, Temperatur 4,57 Grad Celsius, Methankonzentration 0,02 Milligramm pro Liter. Das Raupenfahrzeug steht 871 Meter unter dem Meeresspiegel in einem Graben des Kontinentalhangs. Es ist Teil eines unterseeischen Observatoriums namens "Neptune". Wally sitzt auf einem Feld von Methanhydrat, einer eisartigen Verbindung aus Methan und Wasser, die in großen Mengen im Boden der Ozeane vorkommt und als verheißungsvolle Energiequelle gilt.
Foto von: GEO
© GEO

14:00 Uhr MEZ

15:00 Ortszeit, Sofia, Bulgarien

In seinem Büro an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften studiert Tanyo Michev Fotografien des Krauskopfpelikans (Pelecanus crispus). Die Art ist gefährdet, und der Ornithologe erstellt gerade eine Liste mit allen Beobachtungen, die in Bulgarien seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemacht wurden. Diese Statistik ist eine wichtige Grundlage für den Rettungsplan, den Michev mit drei Kollegen für das nationale Umweltministerium bis zum Ende des Jahres ausarbeiten muss. Nur noch eine Nistkolonie des Krauskopfpelikans gibt es in Bulgarien: im nordöstlichen Schutzgebiet Srebarna an der Donau.
Foto von: Dorian Wagner
© Dorian Wagner

14:02 Uhr MEZ

14:02 Ortszeit, Zagreb, Kroatien

In der Bibliothek des Instituts für Ethnologie in Zagreb bereiten sich Suzana Marjani? und Maja Pasari? auf eine Vorlesung vor, die sie gleich halten werden. Ihr Team erforscht im Projekt "Kulturelle Zoologie" zum ersten Mal umfassend, welche Rolle Tiere in der kroatischen Literatur spielen. Im Rahmen des Projekts, an dem auch Wissenschaftler aus Belgien und Slowenien arbeiten, sind bisher drei Bücher veröffentlicht worden. Das wichtigste trägt den Titel "Kulturni bestijarij" - Kulturelles Bestiarium.
Foto von: MetOffice, Exeter
© MetOffice, Exeter

14:29 Uhr MEZ

13:29 Ortszeit, Exeter, Großbritannien

Gillian Kay kommt von einem Mittagsspaziergang zurück in ihr Büro im Met Office Hadley Centre, Großbritanniens großem Klimaforschungszentrum. Sie wirft einen Blick auf die Statusanzeige ihres Computers: Die Modellrechnung läuft noch. Mit ihr will die Forscherin herausfinden, welche Auswirkungen eine erhöhte Treibhausgas-Konzentrationen auf die Vegetation Südamerikas in 150 Jahren haben wird. Kay wird Geduld brauchen: Laut Anzeige wird die Simulation noch zweieinhalb Tage Rechenzeit benötigen. Und meistens dauert es am Ende viel länger.
Foto von: Ivor Prickett/Geo
© Ivor Prickett/Geo

15:00 Uhr MEZ

16:00 Ortszeit, Allaan, Jordanien

In der weiten Halle des Synchrotrons SESAME schaltet Darweesh Foudeh den Injektor ein. Elektronen schießen in einen Teilchenbeschleuniger. Sorgfältig prüft der Ingenieur für Radiofrequenztechnik, ob alle Systeme ordnungsgemäß funktionieren. Auf ihren Kreisbahnen senden die fast lichtschnellen Teilchen intensive elektromagnetische Strahlung aus. Forscher nutzen dieses spezielle "Licht", um Biomoleküle oder archäologische Funde zu untersuchen. SESAME ist ein Gemeinschaftsprojekt von neun Ländern des Nahen Ostens, darunter Ägypten, Pakistan sowie - Forschung verbindet - Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde.
Foto von: Beatrice Mancini/Posse Photo
© Beatrice Mancini/Posse Photo

16:00 Uhr MEZ

16:00 Ortszeit, Parma, Italien

Cinzia Di Dio kalibriert ihren Magnetresonanztomographen für ein Experiment. Mit Testpersonen will sie herausfinden, welche Reaktionen im Gehirn beim Anblick klassischer Skulpturen ablaufen, und wo genau im Denkorgan sich die "zerebrale Signatur der Schönheit" zeigt. Zum Kontrast präsentiert sie den Probanden auch deformierte Versionen der Kunstwerke - ein Trick, mit dem die Neurowissenschaftlerin unserem Ästhetik-Sinn auf die Schliche kommen will.
Foto von: Jeremy Fahringer
© Jeremy Fahringer

16:17 Uhr MEZ

10.17 Ortszeit, Swarthmore, USA

Linguist David Harrison, Spezialist für bedrohte Sprachen, schaut ein Video, auf dem Luis Kolisi, einer der letzten Menschen auf Papua-Neuguinea, der das Idiom Yokoim beherrscht, ein Lied singt. Während die Aufzeichnung läuft, die Harrison von einer Expedition im Sommer 2009 mitgebracht hat, transkribiert der Sprachforscher den Text.
Foto von: Jozée Sarrazin/IFREMER
© Jozée Sarrazin/IFREMER

16:35 Uhr MEZ

16:35 Ortszeit, Plouzané bei Brest, Frankreich

Jozée Sarrazin beugt sich gemeinsam mit ihrer Studentin Julie Beesau über das Mikroskop, um winzige Ruderfußkrebse zu sortieren. Die Ökologin vom französischen Meeresforschungsinstitut Ifremer hat die Organismen auf einer ihrer letzten Expeditionen mit Hilfe des ferngesteuerten Tauchroboters Victor 6000 in 1700 Meter Tiefe an einer heißen Quelle des Mittelatlantischen Rückens eingesammelt. Sarrazins Forschungsanliegen ist es, die artenreichen Ökosysteme zu verstehen, die in der extremen Welt der Tiefsee gedeihen.
Foto von: Sven Creutzmann/Mambo photo
© Sven Creutzmann/Mambo photo

17:30 Uhr MEZ

11:30 Ortszeit,Havanna, Kuba

Zwischen anatomischen Präparaten scharen sich im Museum des Instituts Pedro Kouri (IPK) Studenten aus Argentinien, Brasilien und El Salvador um Gustavo Kouri. Der Mediziner beantwortet den angehenden Ärzten Fragen zu Tropenkrankheiten, vor allem zu seinem Spezialthema Dengue-Fieber, gegen das Kouri einen Impfstoff entwickeln will.
Foto von: 2010 Paul Alan Putnam
© 2010 Paul Alan Putnam

17:35 Uhr MEZ

17:35 Ortszeit, Madrid, Spanien

Juan Luis Arsuaga klassifiziert den Kieferknochen eines Hirsches, den Neandertaler in der letzten Eiszeit im Atapuerca-Gebirge in Nordspanien erlegt haben. Gefunden haben die Biologen das gut 40 000 Jahre alte Relikt in der "Cueva Mayor", der Großen Höhle von Atapuerca - zusammen mit den Knochen von Wildpferden und Dachsen sowie Steinwerkzeugen. Arsuaga und sein Team am Zentrum für Humanevolution wollen herausfinden, wie die Tierwelt aussah, mit und von der die Neandertaler im Pleistozän in der Provinz Burgos lebten.
Foto von: Inst. fuer Philosophie/Univ. Leipzig
© Inst. fuer Philosophie/Univ. Leipzig

17:51 Uhr MEZ

17:51 Ortszeit, Leipzig, Deutschland

Nikolaos Psarros und der Student Frank Simmen entwerfen im Büro des Philosophie-Professors an der Universität Leipzig eine schriftliche Prüfung für das Modul "Einführung in die Theoretische Philosophie". Am Ende der Lehreinheit sollen die Studienanfänger beweisen, dass sie einen Überblick über das Thema gewonnen haben und einen philosophischen Text interpretieren können, in diesem Fall David Humes klassisches Traktat "Untersuchung über den menschlichen Verstand".
Foto von: Deutsches Primatenzentrum
© Deutsches Primatenzentrum

18:00 Uhr MEZ

17:00 Ortszeit, Niokolo-Koba Nationalpark, Senegal

Eine Famile von Warzenschweinen prescht über eine Lichtung in der Savanne nahe der Simenti-Feldstation. Ein Glücksfall für Tabitha Price. Die Verhaltensforscherin vom Deutschen Primatenzentrum drückt rasch auf den Aufnahmeknopf ihres Rekorders: Wie werden ihre Forschungsobjekte, eine Gruppe Westlicher Grüner Meerkatzen (Chlorocebus sabaeus), auf die Störenfriede reagieren? Price richtet das Mikrophon auf ein junges Affenmännchen, bezeichnet als SJ3, das in den Ästen über ihr eine Reihe kurzer Rufe ausstößt. Warnung? Empörung? Imponiergehabe? Price hofft auf neue Erkenntnisse, wenn sie das Lautrepertoire ihrer Schützlinge mit jenem süd- und ostafrikanischer Chlorocebus-Arten vergleichen kann.
Foto von: Ricardo Hernandes Alcar
© Ricardo Hernandes Alcar

18:30 Uhr MEZ

14:30 Ortszeit, Sao Paulo, Brasilien

Paulo Lee Ho will heute die Gene von Braunen Einsiedlerspinnen klonen. Deren Biss kann bei Menschen dazu führen, dass ein Arm oder Bein langsam abstirbt, oft gar amputiert werden muss. Der Biologe am Butantan Institut in Sao Paulo will mithilfe der Genmanipulation endlich ein Antiserum gegen das Gift der Tiere entwickeln, die sich derzeit im brasilianischen Bundesstaat Paraná rasant ausbreiten. Wenn Ho heute einen enscheidenden Schritt vorankommt, dann könnte die Plage bald ihren Schrecken verlieren ...
Foto von: Natalie Fobes
© Natalie Fobes

19:00 Uhr MEZ

10:00 Ortszeit, Seattle, USA

Im Massenspektrometer-Labor des Instituts für Systembiologie steckt Ulrike Kusebauch "HPLC-Chips" in eine Apparatur, mit der sie Eiweißstoffe identifizieren kann. Die Proteine, die sie in 96 Vertiefungen einer Probeplatte pipettiert, hat sie aus Zellen verschiedener Brusttumore gewonnen. In den Gemischen hofft die Biochemikerin Signal-Proteine zu finden, an denen sich Brustkrebs früh erkennen lässt.
Foto von: AJIMAYA/INAH 2010
© AJIMAYA/INAH 2010

20:00 Uhr MEZ

13:00 Ortszeit, Mexico-Stadt, Mexico

Direkt vor dem Fenster von Carlos Pallán liegen die Überreste der Azteken-Hauptstadt Tenochtitlán in der Sonne. Der Archäologe sitzt am Schreibtisch und zeichnet auf einem Digitaltablett Glyphen nach, die er während seiner letzten Grabung im Südosten Mexikos fotografiert hat. Manche der Zeichen lassen sich erst in Form elektronischer Bilder entziffern. Pallán kneift die Augen zusammen: Er hat den Namen eines bislang unbekannten Königs einer unbekannten Stadt vor Augen: Saktal-Ajaw, "Herr von Saktal".
Foto von: University of Kentucky
© University of Kentucky

21:30 Uhr MEZ

15:30 Ortszeit, Lexington, USA

Der Psychologe Richard Smith von der University of Kentucky nimmt heute ein neues Gefühl ins Visier: den "Glückschmerz" - die Enttäuschung darüber, dass einem anderen Menschen etwas Schlimmes NICHT zugestoßen ist, dass er also Glück gehabt hat. Mit seinen Studenten diskutiert Smith, wie man diese mit der Schadenfreude verwandte Emotion in einer ahnungslosen Versuchsperson herbeiführen könnte. "Wir glauben, dass Menschen genauso häufig dieses Gefühl haben wie sie Schadenfreude empfinden", sagt Smith, "aber noch niemand hat es empirisch untersucht." Sogar das Wort dafür musste Smith selbst erfinden - er hat sich für die deutsche Vokabel entschieden, weil auch für "Schadenfreude" kein englisches Wort existiert.
Foto von: Daniel Ammann
© Daniel Ammann

23:20 Uhr MEZ

23:20 Ortszeit, Basel, Schweiz

Andreas Schmidt legt sich schlafen. Zwei Stunden Büroarbeit in dem mit Blaulicht durchfluteten Chronobiologie-Labor der Universität Basel liegen hinter dem Probanden. Schlafforscher Christian Cajochen prüft nochmals die Elektroden an Schmidts Kopf. Sie sollen in der Nacht die Gehirnströme registrieren. Die Basler Forscher erwarten bei Licht mit hohem Blauanteil geringere Konzentrationen des "Dunkelhormons" Melatonin im Blut und verminderten Tiefschlaf. Ob die These stimmt? Am nächsten Tag wird Cajochen mehr wissen.


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