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Thema 28: Fremde Perspektive Wie sieht eine Ameise ihre Umgebung? Was denkt ein Stuhl, wenn ihr euch auf ihn setzt? Oder euer Lehrer, wenn er morgens verschlafen vor der Klasse steht?

Für unseren Schreibwettbewerb im März gibt es nur eine Vorgabe: Schreibt aus einer fremden Perspektive. Also zum Beispiel aus der Sicht einer anderen Person, eines Gegenstandes oder eines Tieres.

Die Teilnahme am Schreibwettbewerb ist wie immer ganz einfach: Ihr müsst nur hier in dieses Unterforum euren Text als Post einstellen. Bis zum 19. März habt ihr dafür Zeit. Alle Texte nehmen automatisch an der anschließenden Abstimmung teil. Und auch dafür brauchen wir euch alle, ihr simmt nämlich selber ab!

Und nun wünschen wir euch viel Spaß dabei, die Welt mit anderen Augen zu sehen...

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  #1  
Alt 14.03.2012, 21:30
Benutzerbild von Spezifisch
Spezifisch Spezifisch ist offline
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Registriert seit: 10.02.2011
Beiträge: 54
Standard Reflet ist vergeben

Vielleicht nimmt sich ja einer von euch die Zeit, sich das hier durchzulesen. (=

Unter dem langen mattgrasgrünen Kleid trete ich nervös von einem Bein auf das andere. Unbemerkt huscht mein Blick auf die riesige Uhr, die über dem Eingang hängt. 21:24 Uhr. Noch mehr als eine halbe Stunde.„Bist du aufgeregt?“, wurde sie von dem jungen Mann neben ihr gefragt.
Sie lächelte zurückhaltend. „Ein wenig.“
Zum Glück geht das hektische Geklacker meiner Schuhe im Lärm unter.Sie wollte sich gerade in Richtung des Saales bewegen, als der Mann ihr ins Ohr flüsterte: „Warte noch. Dort kommt Paolo Filippo, der Veranstalter. Er möchte dich sicherlich begrüßen.“
Ich unterdrücke ein genervtes Seufzen.Sie setzte ein zufriedenes Lächeln auf. Tatsächlich steuerte der Herr in Anzug und Schlips erfreut auf sie zu. „Miss Smola Lisaio Reflet, ich freue mich sehr, dass Sie kommen konnten.“ Er reichte ihr eine kräftige kalte Hand.
„Ich geh gerne zu Verleihungen. Die Atmosphäre gefällt mir.“, säuselte sie.
Schmeichel, schmeichel.„Na vor allem, wenn Sie einen Preis erhalten, stimmt’s?“ Er lachte dröhnend.
Als habe er einen grandiosen Witz gerissen. Ha ha ha. Wie lustig Sie sind! Es ist so oder so schnarchlangweilig und schleimig gekünstelt, ob mit oder ohne Preis.„Oh, es gibt wirklich Verleihungen, bei denen ich keinen Preis bekomme?“ Sie sah ihn überrascht an. Er brach wieder in sein brüllendes Lachen aus.
„Aha, die junge Dame hat Humor. Sie werden sich sicherlich köstlich amüsieren.“
Ja, sogar mehr als Sie. Tja, bin ich schlagfertig, kaum zu glauben. Und was ich mir alles erlauben kann. Genauso gut hätte ich sagen können, dass die Krawatte seinen Hals so zusammenschnürt wie das Haargummi den Zopf der Frau hinter ihm.Das Mädchen lachte leise. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.“
Er nickte dankbar und erwiderte: „Gleichfalls.“ Er schritt erhobenen Hauptes davon.
„Jetzt können wir hineingehen.“ Sie wollte sich gerade in Richtung des Saales bewegen, als der junge Mann ihr ins Ohr flüsterte: „Warte noch. Dort kommt Graeme Rowley. Er ist bestimmt sauer, wenn du jetzt gehst.“
Ich bleibe angewurzelt stehen. Ich will mich nicht umdrehen! Panisch beginnt mein Herz zu klopfen. Oh Gott, damit habe ich nicht gerechnet. Graeme ist hier. Zögernd nehme ich all meinen Mut zusammen.Graziös elegant machte sie auf dem Absatz kehrt und blickte ausdruckslos in das Gesicht des Jungen, der mit strubbeligen Haaren, kariertem Hemd und einem zauberhaften Lächeln an einem verschnörkelten Pfosten lehnte.
Ich schaue ihm nicht in die Augen! Sein Lächeln schießt mir von den Haarspitzen bis in die Zehen. Hör auf zu grinsen, Graeme! Bitte, bitte, bitte! Sonst hilft selbst das beste Make-up nichts gegen meine Tomatenfarbe.Mit seiner Gentleman-Gangart kam er auf sie zu. Er wirkte vollkommen aufrichtig und gelassen.
Seine Wimpern zucken nervös. Bleib stehen, Graeme! Herr Filippo? Diesen Jungen haben Sie noch nicht begrüßt. Bitte. Schneller, er kommt.„Guten Abend, Smola. Schön, dass du auch da bist. Heute siehst du wieder besonders hübsch aus.“ Er lächelte schon wieder.
Halt die Klappe, Graeme. Das war nicht gut. Mein Make-up verdampft gleich. Hoffentlich zittert meine Stimme nicht.„Es freut mich auch, dich hier anzutreffen. Ich habe gesehen, wir sitzen am selben Tisch…“
Shit. Falsch. Und was sage ich jetzt? Hilfe, meine Beine geben im nächsten Moment den Geist auf!Überrascht drehte sie sich nach ihrem Kleidende um.
Der Junge sah sie fragend an. „Ist dir jemand auf den Saum getreten?“
Sie hob wieder den Kopf und seufzte. „Ja. Jetzt ist es ganz dreckig!“
Oh du meine Güte! Ich höre mich an wie eine quengelige Zicke.„Komm! Mit etwas Wasser bekommt man es sicherlich wieder sauber.“ Er griff nach ihrem Arm und führte sie zu den Toiletten.
Halt die Fresse, Graeme. Spinnst du? Wahrscheinlich starre ich ihn total entrüstet an.Sie lächelte dankbar und gab dem Mann ein Zeichen, dass er warten sollte.
Der Junge sah sich kurz um und zog das Mädchen hinter eine Trennwand. Er stöhnte genervt. „Wie ich solche Veranstaltungen hasse!“ Er grinste gequält.
„Stimmt. Zum Kotzen. Aber du bist auch echt nervtötend!“ Sie grinste ebenfalls. Ihre Augen blitzten.
„Ja?“, fragte er neckend. Dann küsste er sie.
Sie keuchte auf. „Spinnst du?“
Er lachte leise. „Sieht uns doch niemand!“
Ihre Augen blinkten. „Okay.“ Dann küsste sie ihn.
„Danke.“, sagte eine Stimme.
Die Köpfe der beiden Jugendlichen drehten sich in die Richtung. Sie blickten genau in die Linse einer Kamera. Hinter ihr stand ein grinsender Fotograf. Er lächelte verschmitzt und ging davon.
Der Junge rannte ihm hinterher. „He! Warten Sie! Das dürfen Sie nicht! Bleiben Sie stehen!“
Aber er hielt nicht an. Wenige Augenblicke später war er im Trubel verschwunden.
Verärgert drehte der Junge sich zu dem Mädchen um. „Verflixt! Den finden wir nicht mehr.“
Sie verzog gequält das Gesicht. „Na dann wissen wir ja, was morgen in der Zeitung steht!“
Er nickte abwesend. „Stört dich das?“ Er hob fragend den Kopf.
Stören? Wen stört es nicht, wenn man seinen ersten Kuss in allen Klatschblättern entdeckt? Verdammt noch mal, das ist Privatsphäre!Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Das bin ich gewöhnt.“
Er zog an einer ihrer Haarsträhnen. „Lügnerin, Smola. Ich kenne dich!“
Sie grinste. „Gehen wir in den Saal.“

Sie lief die Treppe hinunter ins Esszimmer.
Ich torkele zum Frühstück. Und bekomme nahezu eine Herzattacke. Mein Vater liest Zeitung.Ihre Mutter begrüßt sie mit einer Umarmung. „Na, gut geschlafen?“
„Ja, es geht. Ich bin noch ein wenig müde.“
Ich unterdrücke ein herzhaftes Gähnen.Ihr Vater sah sie ausdruckslos an. „Und dein Abend war auch schön?“
Shit. Falsche Frage, Papa! Ich bin schon am frühen Morgen eine Tomate. Ich antworte jetzt einfach nicht!Ihr Vater hielt ihr das Foto unter die Nase. „Reflet ist vergeben!!!“
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Phantasie ist etwas, was sich viele gar nicht vorstellen können.
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