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Schreibstube Früher hieß dieses Forum einmal "Von mir - für euch" - und genau darum gehts: Hier schreibt ihr eure eigenen Geschichten und Gedichte für die anderen Forenteilnehmer - und bekommt neben Lob sicher noch den ein oder anderen Vorschlag, wie eure Geschichte noch besser werden kann...

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  #11  
Alt 24.08.2010, 18:16
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ketchuperdbeere ketchuperdbeere ist offline
Alter Hase
 
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Hier kommt der nächste Teil (Ich hoffe jetzt mal dass keine Antworten nicht heisst, dass ihr meine Geschichte nicht mögt sondern, dass ihr vor Begeisterung sprachlos seid ) :

Als ich aufwachte wusste ich erst nicht wo ich war. Es war dunkel im Zimmer. Was war für Zeit? 4.37 gaben die Leuchtbuchstaben meines Weckers an. Ich seufzte, drehte mich auf die andere Seite und versuchte weiterzuschlafen. Doch ich war hellwach. Ich setzte mich im Bett auf. Ein lauter metallisches Scheppern ertönte. Die Dose war zu Boden gefallen. Ich beugte mich über das Bett und hob sie hoch. Plötzlich sah ich den alten Mann vor mir und ich hörte wie er sagte: „...Vergrab sie, so wie du deine Erinnerungen vergraben sollst. Tu es, mein Kind, bevor du an ihnen zugrunde gehst.“ Da wusste ich was getan werden musste. Ich schaltete die Schreibtischlampe an. Einen Augenblick war ich von dem hellen Licht geblendet, doch bald hatten sich meine Augen daran gewöhnt. Ich holte verschiedene Verpackungspapiere hervor. Ich entschied mich für das rote Crepepapier. Rot war die Lieblingsfarbe von Hannah. Ich legte damit die Tabaksdose aus. Dann fing ich an die Kiste zu füllen. Zuunterst kam ihr Bild. Das, mit dem Lachen im Gesicht. Ihren Grübchen. Und mit ihren Korkenzieherlocken.. Und das einzigartige Glitzern in ihren grünen Augen. So grün. Dann eine sechs Jahre alte Zeichnung von uns beiden, Hand in Hand. Eine daumengrosse Puppe, die sie mir einmal geschenkt hat. Selbstgemacht. Unser gemeinsames Kartenspiel, welches wir immer gespielt haben. Einen ovalen, glatten Stein, wie diese, die wir über den See hüpfen liessen. Die Kinokarten von einem Film in den wir zusammen gingen, kurz bevor ihre Krankheit bekannt wurde. Eine Kasette mit Klavierstücken darauf, die sie selbst aufgenommen hatte und zum Schluss ihre Kette. Mit dem schwarz-gepunktetem Marienkäfer. Dann klappte ich die Kiste zu. Steckte sie in meine Tasche und ging hinaus. Ich atmete die frische Luft ein. Es war noch dunkel aber am Horizont zeichnete sich schon ein rosafarbener Streifen ab. Schnellen Schrittes lief ich in das kleine Wäldchen, nicht weit von unserem Haus entfernt. Ich lief und lief bis ich „unsere“ Lichtung gefunden hatte. Es war eine Lichtung, mitten im Wald. Fast rund und in der Mitte ein Baum. Eine Linde. Etwa zwei bis drei Meter erstreckte sie sich in den Himmel. Zu dieser Zeit war Frühling und so warteten schon zahllose Knospen darauf endlich Blüten zu werden. Das anmutige an diesem Baum war mir schon aufgefallen, als ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Das war im Sommer vor etwa drei Jahren. Hannah und ich spielten Verstecken im Wald. Ich war dran mit verstecken. Ich rannte von Hannah weg, suchte ein richtig gutes Versteck und plötzlich stand ich auf dieser Wiese. Ich konnte nicht mehr weiterrennen. Der Ort hatte etwas so besonderes und verzauberndes. Ich blieb neben dem Baum stehen und legte die Hand auf die kühle Rinde. Rau war sie. Ich spürte die Energie, die durch diesen Stamm floss. Konnte sie fühlen. Ein Wind war aufgekommen. Meine Haare flatterten darin. Wild hin und her. Genau wie mein Sommerkleid. Da hörte ich hinter mir eine Stimme: „ Emely, was machst du da?“ Es war Hannah. Ich erklärte ihr, dass diese Lichtung etwas besonderes war. Dass dieser Baum ganz anders war als alle anderen Bäume. Wir legten zusammen unsere Hände auf den Stamm. Ich wusste sofort, dass sie nicht das gleiche spürte wie ich. Sie gab sich alle Mühe, doch sie konnte die Energie nicht fühlen. Trotzdem gingen wir immer wieder auf diese Lichtung. Nannten sie „ verzauberte Lichtung“ , denn das war es ja auch irgendwie... Genau auf dieser Lichtung stand ich nun. Eine Hand umklammerte Hannahs Schatzkiste, mit der anderen strich ich über den Baumstamm, wie damals vor drei Jahren. Als Hannah noch lebte. Die Energie konnte ich noch genauso fühlen wie damals. Ich merkte wie die Kraft in mich einfloss mir Stärke und Hoffnung gab. Meine Haare flatterten im Wind. Es war kein gewöhnlicher Wind. Ich kniete mich nieder. Vorsichtig grub ich ein Loch in die feuchte Erde unter der Linde. Ich wusste, es war der richtige Platz. Ich legte die Dose in das Loch, liess Erde darüber rieseln und legte zum Schluss ein Stück Moos auf die Stelle, wo nun Hannahs Schatzkiste begraben war. Eine Weile stand ich da, hatte die Augen geschlossen. Atmete ruhig und gleichmässig. Ein paar Tränen rollten mir ungewollt über das Gesicht. Ich liess sie gewähren. Und so nahm ich Abschied von meiner besten Freundin. Nach einer Weile drehte ich mich um und ging zurück in die Stadt. Mit jedem Schritt, den ich mich von der „verzauberten Lichtung“ entfernte wurde mir leichter ums Herz. Ich hörte die Vögel in den Zweigen zwitschern und spürte die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut.

Hoffe euch gefällt der verlauf meiner Geschichte
Eure Ketchuperdbeere XC> + KETCHUP
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  #12  
Alt 25.08.2010, 16:46
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Ich finde die Geschichte auch jetzt noch sehr schön.

Ein paar kleine Sachen:
Zitat:
Hannah und ich spielten Verstecken im Wald. Ich war dran mit verstecken.
Vielleicht könntest du von dieser Stelle an im Plusquamperfekt schreiben,also Hannah und ich hatten gespielt.
Aber ,was ich noch ganz wichtig finde ,ist dass du Absätze machen solltest sonst ist das ein bisschen verwirrend. Z.B. halt bei diesem Rückblick mit dem Versteckenspiel einfach mal eine zeile frei lassen.

Ansonsten ist mir jetzt nichts aufgefallen.
Freue mich auf die Fortsetzung.
lg
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...

Bienvenue dans ma réalité. (:
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  #13  
Alt 26.08.2010, 22:04
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ketchuperdbeere ketchuperdbeere ist offline
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Das mit der Zeile freilassen wird ein wenig schwierig werden, da es ja einen èbergang gibt aber ich werde es versuchen. Ansonsten danke für deine Verbesserungsvorschläge.

Hier ist der nächste Teil (weiss nicht mehr der vievielte!) :

Mit klopfendem Herzen stand ich vor dem Haus. Ich blickte hoch, zum Fenster des Alten. Es brannte Licht. Eine feine Melodie streifte mein Ohr. Ich öffnete die Tür, des Hauses. Hörte, wie sich mein Puls beschleunigte. Langsam stieg ich die Treppe hinauf. Die Stufen knarrten. Jede eine andere Tonart. Es war ein Lied, das sie sangen. Es war mir noch nie aufgefallen, obwohl ich schon tausendmal rauf und runter gegangen war. Als ich oben war, klopfte ich an die Wohnungstür des Mannes. Sie war nur angegelehnt. Trotzdem wartete ich einen Moment, bis ich mir sicher war, dass er nicht kommen würde. Dann stiess ich die Tür auf. Leise bahnte ich mir einen Weg durch das Gerümpel. Die Musik kam aus nicht aus der Küche, sondern aus dem Schlafzimmer. Das Licht, das aus der halboffenen Tür malte einen dünnen Streifen an die gegenüberliegende Wand. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Der Raum war kleiner als gedacht. Auch hier waren die Wände mit Zeichnungen und Malereien bedeckt. In einer Ecke stand ein Bett. Die Decke war unberührt. Auf einer Kommode stand ein altes Grammofon. Daraus erklang die Melodie, die ich vorhin gehört hatte. In der Mitte des Zimmers sass der Herr auf einem Schemel. Er beugte sich konzentriert über ein Gemälde. In seiner linken Hand hielt er einen feinen Pinsel. In der anderen ein Farbpalette. Er hatte mich noch nicht bemerkt. „Danke“ , sagte ich in seine Richtung. Entgegen meinen Erwartungen erschrak er nicht, ja er zuckte nicht einmal zusammen. Mit geübten Handbewegungen strichelte er eine Linie auf den gespannten Karton. „Komm ruhig näher.“, forderte er mich auf. Ich näherte mich ihm. Hinter seinem Rücken blieb ich stehen. Aufmerksam betrachtete ich sein Bild. Ein blasses Mädchen, mit einem rosafarbenem Rüschenrock. Sie sass auf einer Wiese. Das Gras war saftig und die Blumen blühten in ihren kräftigsten Farben. Im Hintergrund sah man einen dichten Wald. Einige Amsel flogen über den makellos blauen Himmel. Das Mädchen hielt einen roten Mohn in den Händen. Es sah aus, als hätte sie ihn erst gerade von der Wiese gepflückt. Der Ausdruck im Gesicht des Mädchens war unergründlich. Traurig und ernst. Aber ihre Augen strahlten. Das feine, braune Haar floss ihr geschmeidig über die Schultern bis zu der Taille. Das eine Bein hatte sie angewinkelt und umfasste es mit einem Arm. Sie war barfuss. Der Maler perfektionierte gerade ihr Kleid. Einige Sekunden vergingen. Dann legte er den Pinsel und die Palette auf das Beistelltischchen und drehte sich zu mir um. Der Schemel quitschte. „Hat es geklappt?“, fragte er mich unwirsch. Ich nickte nur. Mir fehlten die Worte. Sein Bild hatte mich auf eine merkwürdige Art berührt. Ich wusste nicht wieso. „Du willst bestimmt wissen, wer sie ist, nicht wahr? Das wollen alle wissen.“, fuhr er mich an. „Nein.“, widersprach ich , „ ich will wissen wieso das Mädchen lächelnde Augen aber einen weinenden Mund hat.“ Erstaunt hob er eine Augenbraue. „Du bist irgendwie anders. Hast du das gewusst? Ich beantworte deine Frage. Das Mädchen ist traurig, weil sie jemanden verletzt hat aber im innersten ist sie glücklich, denn sie weiss, dass dieser jemand ihr verzeihen wird. Sie... ist meine Schwester.“ Ungläubig schaute ich auf das niedliche Mädchen auf seinem Gemälde und dann wieder auf ihn. Er nickte bestätigend. „Ja, ich weiss, du glaubst es mir nicht. Niemand würde das glauben. Aber es stimmt. So wahr ich Gerhard Kramer heisse.“ Mit diesen Worten schlurfte er in die Küche....

So. Das wars dann mal wieder. Freu mich auf weitere Kommentare!
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  #14  
Alt 27.08.2010, 22:31
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Vielen Dank Mondmaus. Ich werde schauen was sich machen lässt.

Nächster Teil:

Mit klopfendem Herzen stand ich vor dem Haus. Ich blickte hoch, zum Fenster des Alten. Es brannte Licht. Eine feine Melodie streifte mein Ohr. Ich öffnete die Tür, des Hauses. Hörte, wie sich mein Puls beschleunigte. Langsam stieg ich die Treppe hinauf. Die Stufen knarrten. Jede eine andere Tonart. Es war ein Lied, das sie sangen. Es war mir noch nie aufgefallen, obwohl ich schon tausendmal rauf und runter gegangen war. Als ich oben war, klopfte ich an die Wohnungstür des Mannes. Sie war nur angegelehnt. Trotzdem wartete ich einen Moment, bis ich mir sicher war, dass er nicht kommen würde. Dann stiess ich die Tür auf. Leise bahnte ich mir einen Weg durch das Gerümpel. Die Musik kam aus nicht aus der Küche, sondern aus dem Schlafzimmer. Das Licht, das aus der halboffenen Tür malte einen dünnen Streifen an die gegenüberliegende Wand. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Der Raum war kleiner als gedacht. Auch hier waren die Wände mit Zeichnungen und Malereien bedeckt. In einer Ecke stand ein Bett. Die Decke war unberührt. Auf einer Kommode stand ein altes Grammofon. Daraus erklang die Melodie, die ich vorhin gehört hatte. In der Mitte des Zimmers sass der Herr auf einem Schemel. Er beugte sich konzentriert über ein Gemälde. In seiner linken Hand hielt er einen feinen Pinsel. In der anderen ein Farbpalette. Er hatte mich noch nicht bemerkt. „Danke“ , sagte ich in seine Richtung. Entgegen meinen Erwartungen erschrak er nicht, ja er zuckte nicht einmal zusammen. Mit geübten Handbewegungen strichelte er eine Linie auf den gespannten Karton. „Komm ruhig näher.“, forderte er mich auf. Ich näherte mich ihm. Hinter seinem Rücken blieb ich stehen. Aufmerksam betrachtete ich sein Bild. Ein blasses Mädchen, mit einem rosafarbenem Rüschenrock. Sie sass auf einer Wiese. Das Gras war saftig und die Blumen blühten in ihren kräftigsten Farben. Im Hintergrund sah man einen dichten Wald. Einige Amsel flogen über den makellos blauen Himmel. Das Mädchen hielt einen roten Mohn in den Händen. Es sah aus, als hätte sie ihn erst gerade von der Wiese gepflückt. Der Ausdruck im Gesicht des Mädchens war unergründlich. Traurig und ernst. Aber ihre Augen strahlten. Das feine, braune Haar floss ihr geschmeidig über die Schultern bis zu der Taille. Das eine Bein hatte sie angewinkelt und umfasste es mit einem Arm. Sie war barfuss. Der Maler perfektionierte gerade ihr Kleid. Einige Sekunden vergingen. Dann legte er den Pinsel und die Palette auf das Beistelltischchen und drehte sich zu mir um. Der Schemel quitschte. „Hat es geklappt?“, fragte er mich unwirsch. Ich nickte nur. Mir fehlten die Worte. Sein Bild hatte mich auf eine merkwürdige Art berührt. Ich wusste nicht wieso. „Du willst bestimmt wissen, wer sie ist, nicht wahr? Das wollen alle wissen.“, fuhr er mich an. „Nein.“, widersprach ich , „ ich will wissen wieso das Mädchen lächelnde Augen aber einen weinenden Mund hat.“ Erstaunt hob er eine Augenbraue. „Du bist irgendwie anders. Hast du das gewusst? Ich beantworte deine Frage. Das Mädchen ist traurig, weil sie jemanden verletzt hat aber im innersten ist sie glücklich, denn sie weiss, dass dieser jemand ihr verzeihen wird. Sie... ist meine Schwester.“ Ungläubig schaute ich auf das niedliche Mädchen auf seinem Gemälde und dann wieder auf ihn. Er nickte bestätigend. „Ja, ich weiss, du glaubst es mir nicht. Niemand würde das glauben. Aber es stimmt. So wahr ich Gerhard Moss heisse.“
Mit diesen Worten schlurfte er in die Küche...

Lg Ketchuperdbeere
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  #15  
Alt 28.08.2010, 10:36
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ups. Jetzt ist der Teil zweimal gekommen. Tut mir leid.
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  #16  
Alt 29.08.2010, 14:44
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Eigentlich wollte ich diesen Teil ins Forum Stellen:

Ich folgte ihm. Herr Kramer öffnete die Tür des Wandschranks und holte eine Tafel Schokolade heraus. Er brach zwei Stücke ab. Eines schob er sich in den Mund. Das andere hielt er mir hin. Ich nahm es und legte es auf meine Zunge. Langsam zerschmolz das Stück Schokolade auf meiner Zunge. Der Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Süss war er. Schmeckte nach Nüssen, nach Kakaopulver und ein wenig nach Milch. Herr Kramer beobachtete mich aufmerksam. Ich liess mir nichts anmerken und schloss die Augen, um den Geschmack intensiver wahrzunehmen. Noch während ich die Augen geschlossen hatte fing Herr Kramer an, zu erzählen. Er erzählte seine Geschichte, als hätte er sie Jahre lang für sich behalten und würde jetzt aus seinem Mund fliessen wie ein Bach. Interessiert hörte ich zu: „Ja, meine Schwester ist das. Wie ich sie in Erinnerung habe. Seit Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu mir. Ich weiss nicht wo, geschweige denn ob sie überhaupt noch lebt. Ob sie Kinder hat oder einen Ehemann. Ob sie glücklich oder traurig ist.“. Bei den letzten Worten wurde Herr Kramer immer leiser bis er schliesslich verstummte. Schweigend wartete ich darauf, dass er weitererzählte. Doch in seinen Augen lag so viel Trauer und Schmerz, sodass ich ihn nicht zu drängen traute. Plötzlich wurden seine Lippen schmal wie ein Strich. Wütend murmelte er zu sich selbst: „Wieso hab’ ich ihr das überhaupt erzählt, wo ich doch selbst Schuld trage? Ich sollte Lili nicht so hinstellen, als ob sie die Böse ist in dieser Geschichte.“. Er drehte sich um. Mit dem Rücken zu mir stand er am Becken und starrte Löcher in die Wand. „Lili war ihre Schwester, nicht wahr?“, fragte ich ihn vorsichtig. Eine Weile herrschte Stille, die nur ab und zu von einem Wassertropfen durchbrochen wurde, der in das Becken tropfte. Dann wurde sein Körper plötzlich von einem Zittern erfasst. Er fasste nach seinem Stock, um wieder Kontrolle über seinen Körper zu erlangen. Doch bevor er ihn zu fassen kriegte stolperte er über seine eigenen Beine. Wie in Zeitlupe sah ich, wie er dem Boden immer näher kam und reflexartig sprang ich auf und hielt ihn fest. Fast fiel ich unter seinem Gewicht selbst um, doch ich hielt mich in letzter Sekunde an der Tischkante fest. Ich stemmte Herrn Kramer in die Horizontale und reichte ihm seinen Stock, sodass ich selbst mein Gleichgewicht wieder finden konnte. Zittrig setzten wir uns wieder. Der Schreck sass Herrn Kramer noch in den Gliedern. Er brauchte einen Augenblick bis er sich wieder an meine Frage erinnerte. „Danke.“, sagte er, wie ich vorhin und dann, „Ja, Lili...Lilian Kramer, so heisst meine Schwester, wenn sie ihren Namen nicht längst gewechselt hat. Und übrigens; du darfst mich ruhig duzen.“. Mit diesen Worten streckte er mir seine Hand hin: „Gerhard oder Geri. Wie es dir lieber ist.“, „Emely“ , antwortete ich und drückte seine Hand. „Emely? Schöner Name.“, meinte er. Ich lächelte. <Ein Kompliment ist immer der Anfang des Guten> sagte meine Mutter immer. Vielleicht stimmte es ja....

Das wars wieder mal von mir. Hoffe, der doppelte Teil irritiert nicht zu sehr.
Lg, Ketchuperdbeere
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  #17  
Alt 06.09.2010, 11:06
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Will niemand meine Geschichte lesen?
Ich stell trotzdem mal den nächsten Teil rein:

„Du willst bestimmt die ganze Geschichte hören, oder?“, fragte er mich. Ich nickte, verwundert darüber, dass er plötzlich so offen war. „Tja, da gibt es nicht viel zu erzählen. Also, mein Vater starb schon sehr früh. Als ich ungefähr 4 Jahre alt war. Meine Mutter ist mit uns hier in dieses Städtchen gezogen und hat uns grossgezogen. Sie war eine gute Mutter. Meine Schwester ist genau ein Jahr älter als ich. Sie war immer die Vernünftigere von uns zweien. Sie half meiner Mutter so gut wie sie es vermochte und machte nie solchen Unsinn wie ich.“, Gerhard kicherte plötzlich, als hätte er sich an seine Schandtaten erinnert. Dann erzählte er weiter, „ Meine Schwester und ich, wir liebten uns innig. Bis ich etwas unumkehrbares machte. Etwas, das ich nie wieder gut machen kann. Etwas, bei dem ich mich noch heute schäme. Ich war so ein Idiot.“ Wütend sprang Gerhard auf. Sein Gesicht war plötzlich knallrot. Beruhigend legte ich meine Hand auf die seine. Es half. Er setzte sich wieder: „ Ich war so um die 15 Jahre alt. Da kam Lilian eines Tages freudestrahlend von ihrer Arbeit als Bürokauffrau zurück. Sie lächelte. Ihr Haar war, nicht wie sonst von einem Band zusammengebunden, sondern umrahmte ihr schmales
Gesicht. Als ich sie fragte, was passiert sei sagte sie mir, sie habe nun einen Freund. Ich wusste sofort was sie meinte. Augenblicklich wurde ich traurig. So glücklich hatte ich sie in der letzten Zeit nur selten gesehen. Meine Mutter war krank geworden und die Arbeit war anstrengend. Sofort befiel mich eine Eifersucht, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Zuvor war ich immer der Meinung gewesen, dass Lilian mich, und nur mich liebte. Wie schon gesagt: Ich war dumm. Dumm und naiv. Als Lilian ihn dann einmal mit nach Hause brachte flippte ich aus. Die Wut, die sich in mir angestaut hatte brach allesamt aus mir heraus. Ich schrie ihn an, er solle meine Schwester in Ruhe lassen, dass sie mir gehöre und, dass er aus unserem Leben verschwinden solle. Und dann schlug ich ihn. Ich legte all’ meine Verzweiflung und Wut in die Schläge. Obwohl Paul fast einen halben Kopf grösser und ein bis zwei Jahre älter war als ich konnte er nichts gegen mich ausrichten. Plötzlich war da Blut. Ich konnte sehen, wie sich Paul unter meinen Fäusten krümmte aber ich hörte nicht auf. Ich war in einem Rausch und ich wollte es ihnen zeigen. Ihnen allen. Plötzlich stürzte sich Lilian von hinten auf mich. Sie hielt meine Arme fest. Ich wehrte mich nicht. Und da sah ich, was ich angerichtete hatte. Paul lag am Boden. Seine Lippen waren aufgeschlagen. Aus manchen Wunden am Kopf blutete er. Seine Augen waren geschlossen. Er rührte sich nicht. Mir wurde schlecht. Ich riss die Wohnungstür auf und rannte nach draussen. Dort erbrach ich mich in das nächste Gebüsch. Den restlichen Tag streunte ich in der Stadt umher. Ich hatte Angst, nach Hause zu gehen. Hatte Angst vor dem was mich erwartete. Erst spät in der Nacht kehrte ich Heim. Die Wohnungstür stand offen. Leise schlich ich in mein Zimmer. Auf meinem Bett lag ein Brief. Ein Brief von Lilian.“ Gerhard verstummte. Sein Gesicht sah plötzlich so zerbrechlich aus. Er langte unter seinen Pullover. Ich hörte einen Reisverschluss und als er die Hand wieder hervor nahm, lag darin ein Brief. Der Umschlag sah alt aus. In einer verschlungenen Schrift stand „Geri“ darauf. Vorsichtig, als wäre das Papier aus Porzellan öffnete er den an ihn adressierten Brief. Gerhard holte daraus einen zusammengefalteten Zettel hervor und drückte ihn mir in die Hand. „Lies!“, sagte er und ich las, den Brief von seiner Schwester Lilian....

Bitte, bitte schreibt etwas dazu!!!!!!
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  #18  
Alt 10.09.2010, 18:30
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9. Teil:

, Lieber Geri,
Wenn du das liest, werde ich schon fort sein. Folge mir nicht. Bleib bei Mutter und sorge für sie. Nun möchtest du sicher eine Erklärung für mein plötzliches Verschwinden haben aber ich weiss, in deinem Herzen kennst du den Grund.
Ich war traurig und entäuscht als du Paul geschlagen hast und ich habe plötzlich gemerkt, dass ich weg muss. Weg von alldem. Ich bin schockiert, dass du zu so etwas fähig bist und ich kann es noch immer nicht glauben. Ich denke du hast dich in etwas hineingesteigert, was nicht der Fall war. Natürlich liebe ich dich. Aber anders. Wie eine Schwester ihren Bruder nun mal liebt. Mit Paul werde ich nun einen Neuanfang machen. Irgendwo. Paul geht es wieder besser aber das heisst nicht, dass deine Schuld von dir weicht. Ich bin betrübt über das, was du getan hast. Ich werde dir vielleicht einmal verzeihen. Wenn ich es verstehe und wenn ich mich selbst gefunden habe.
Deine dich –egal was passiert- immer liebende Schwester.’


Ich liess das Blatt sinken. Gerhard blickte zu Boden. „Sie ist fortgegangen.“, flüsterte ich. Er nickte. „Hab’ sie nie wieder gesehen. Keine Nachricht, kein Anruf. Nichts.“, sagte er tonlos. Eine Weile herrschte Ruhe. Mein Fuss scharrte leise auf dem Fussboden. „Willst du sie sehen? Lili meine ich.“, fragte er in die Stille hinein. „Gern!“, antwortete ich. Ächzend stand er auf. Dieses Mal den Stock mit der rechten Hand umklammert. Sein Weg führte wie erwartet in das Schlafzimmer, in dem er vorhin gezeichnet hatte. Schnurstracks ging er auf eine Ecke zu. Dort war etwas quadratisches, das von einem weissen Tuch verdeckt wurde. Ich hatte es zuvor nicht bemerkt. Gerhard hob das Leintuch mit einer fliessenden Bewegung hoch. Darunter kamen mehrere aufeinander gestapelte Leinwände hervor. Alle waren sie bemalt. Gerhard schob das Tuch ganz weg, sodass man das oberste Bild sah. Es war ein Portrait von einer jungen Frau. Aus seinen Erzählungen nahm ich an, dass es seine Schwester Lili war. Die Jugendliche hatte ein makelloses Gesicht mit der Ausnahme eines Muttermals auf der linken Wange. Aber das Muttermal passte zu dem Gesicht. Es war wie aufeinander abgestimmt. Hatte etwas besonderes. Wäre es nicht da, würde irgendetwas fehlen. Ihre Augen fielen mir auch gleich auf. Sie waren von einer besonderen Farbe, die ich noch nie gesehen hatte. Innen gelblich-grün und aussen war noch ein schmaler Streifen blau zu sehen. Woher das kam? „Früher hatte sie blaue Augen, aber dann färbten sie sich immer grüner.“, beantwortete er meine Gedanken, als hätte er sie gelesen. Ich hätte das Bild gerne noch länger betrachtet aber Gerhard stellte es an die Wand, um mir das nächste Bild zu zeigen.
Dieses zeigte sie, während sie Wäsche aufhängte. Man sah ihr Profil. Ihre Haare waren hochgesteckt. Eine Strähne fiel ihr über die Wange. Auf ihre Muttermalwange. Auf diesem Bild lächelte sie nicht, wie auf dem vorderen. Sie sah müde aus. Müde und ein wenig Traurig. Was sie wohl beschäftigte? Dann nahm Gerhard das nächste Gemälde hervor. Hier war sie auf einem Stuhl sitzend zu sehen. Auf ihrem Schoss lag ein Buch, in das sie vertieft war. Konzentriert starrten ihre Augen auf die Buchstaben. Sie schien in der Geschichte versunken, als wollte sie nie wieder in die Wirklichkeit zurückkehren. Auf ihrem Mund lag ein leichtes Lächeln. Man sah den Schatten ihrer langen Wimpern auf der Wange. „War immer ne Leseratte, meine Lili.“ , erzählte er mir. „ Stundenlang konnte sie ihre Nase in Bücher stecken. Da war ich anders. Meist wurde mir schon nach fünf Minuten langweilig.“ Gerhard lachte. Es war ein tiefes, brummendes Lachen. Ein ansteckendes Lachen. Bald lachte ich auch mit. Irgendwann wussten wir gar nicht mehr was eigentlich so lustig war. Wir lachten und lachten einfach, bis uns kleine Freudentränen aus den Augen tropften. Doch schlagartig musste ich an Hannah denken und daran, dass wir zusammen auch immer so ohne Grund gelacht hatten. Irgendwie schämte ich mich auch, dass ich so kurz nach ihrem Tod schon wieder lachte. Aber anderseits fühlte ich mich so gut. So rundherum wohl, dass ich am liebsten gar nicht mehr aufgehört hätte zu lachen. Doch Gerhard musste meinen Gefühlswandel bemerkt haben, denn sein Lachen wurde leiser, bis es schliesslich aufhörte. Er kam zu mir hinüber und legte mir einen Arm um die Schultern. „Du musst dich nicht schämen.“, belehrte er mich, „ Hannah hätte gewollt, dass du wieder fröhlich wirst. Bestimmt lacht sie jetzt mit uns mit, wo immer sie jetzt auch ist.“ Bei Hannahs Namen war ich zusammengezuckt, doch seine Worte taten mir gut und ich wusste dass sie stimmten. Ich fühlte es tief in mir.

Liest es eigentlich irgendjemand? Wenn ja, dann müsst ihr/du euch ein wenig gedulden bis der nächste Teil kommt. (Bin noch am schreiben)
Freu mich über jeden Kommentar.
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  #19  
Alt 16.09.2010, 18:42
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oceangirl95 oceangirl95 ist offline
Gut eingelebt
 
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Hey
Wow du schreibst echt toll! Die ganze Geschichte ist unglaublich ergreifend, finde ich. Ich finde es toll/ beeindruckend, wenn jemand so lange Geschichten schrieben kann, die auch wirklich eine Handlung erzählen und einen immer wieder aufs neue überraschen, gleichzeitig aber auch emotionen in einem wecken. Ich finde, es ist extrem schwierig, so zu schreiben. Mir fällt nie eine Handlung ein, ich kann zwar Orte, Stimmungen oder Emotionen in Worte fassen, aber ich bewundere es, wenn jemand das alles auch noch durch eine Handlung verbinden kann. Klasse! Ich freue mich auf die Fortsetzung
lg *ich*
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  #20  
Alt 17.09.2010, 17:45
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ketchuperdbeere ketchuperdbeere ist offline
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Hey, danke für dein Lob. Habe mich riesig gefreut. Fortsetzung kommt wahrscheinlich bald, habe im Moment leider ziemlich viel zu tun (Schule!!! :P )
Deine/Eure Ketchuperdbeere
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