GEOlino Nr. 02/09 - Wenn die Flut kommt Seite 1 von 3

Text von Stefan Greschik

CERN: Teilchenjagd im Untergrund

Er kostet so viel wie 20 Fußballstadien und ist länger als jede Formel-1-Strecke: Der Teilchenbeschleuniger LHC am Forschungszentrum CERN bei Genf in der Schweiz sprengt alle Rekorde. Dabei wollen Physiker mit dem Monster doch nur eines: winzige Teilchen finden


Wenn man mit Wissenschaftlern über den LHC spricht, den Teilchenbeschleuniger am Forschungszentrum CERN bei Genf, dann können die meisten gar nicht aufhören zu schwärmen. Manche sagen: Das ist das komplizierteste Ding, das jemals von Menschen gebaut wurde. Andere nennen es das achte Weltwunder - weil es heute so einzigartig ist wie die ägyptischen Pyramiden vor 4500 Jahren.

Auf jeden Fall ist der LHC (das ist die Abkürzung für Large Hadron Collider - frei übersetzt: Großer Atomkern-Beschleuniger) eines: riesig! So riesig, dass man nur unterirdisch Platz für ihn gefunden hat: Forscher, die ihn besuchen wollen, müssen mit Fahrstühlen 100 Meter tief in die Erde fahren. Dort unten stoßen sie auf einen geräumigen Tunnel, in dem eine Röhre wie eine dicke Nudel liegt - der Beschleunigerring.


Schwer wie 10 000 Autos: Am "CMS-Detektor", einem von vieren am LHC, haben Forscher mehr als zehn Jahre gearbeitet. Mit der "Riesenlupe" wollen sie Teilchen auf die Spur kommen, die sonst
unsichtbar sind (Foto von: CERN)
© CERN
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Schwer wie 10 000 Autos: Am "CMS-Detektor", einem von vieren am LHC, haben Forscher mehr als zehn Jahre gearbeitet. Mit der "Riesenlupe" wollen sie Teilchen auf die Spur kommen, die sonst unsichtbar sind

Monstergroße Maschinen

Wohin der wohl führt, fragt man sich und beginnt ihm zu folgen. Zwei Stunden lang, drei, vier ... Nur Kabel, Röhren und 1500 lastwagengroße Magnete. Man durchquert Hallen mit Apparaten, die so groß sind wie Kirchen und schwer wie 2000 Elefanten. Erst nach 27 Kilometern hat man den riesenhaften Ring durchwandert und erreicht wieder seinen Ausgangspunkt.

Der LHC ist kein Platz für Einzelkämpfer. Schon der Bau kostete über drei Milliarden Euro - so viel, dass 26 Länder Geld zusammengelegt haben, um ihn zu errichten. Und er ist so kompliziert, dass nur große Forscherteams daran arbeiten können.

Wozu braucht man so ein Ding? Überraschenderweise suchen die Physiker mit dem Monster nach den winzigsten Partikeln der Welt, sogenannten Elementarteilchen. Diese sind so klein, dass man sie mit keinem Mikroskop sehen kann. Stellt euch vor, ihr schrumpft die Sonne auf den Punkt am Ende dieses Satzes. Dann verkleinert ihr den Punkt noch einmal so stark wie zuvor die Sonne - etwa so groß sind Elementarteilchen.


Die Suche nach den Elementarteilchen

Was ist an den Gebilden so spannend? Ganz einfach: Die Forscher glauben, dass aus ihnen unser ganzes Universum aufgebaut ist: alle Menschen und Blumen, Planeten und Sterne. Die Frage, woraus die Welt im Innersten besteht, beschäftigt die Menschen schon lange. Die alten Griechen etwa grübelten bereits vor rund 2400 Jahren darüber. Dem Philosophen Demokrit fiel damals auf, dass er einen Apfel mit einem Messer in immer kleinere Stücke schneiden konnte. Aber könnte man ewig so weitermachen? Demokrit vermutete, nein. Er dachte, dass man irgendwann zu festen Kügelchen kommen würde, die niemand mehr teilen könnte. Er nannte sie Atome, nach dem griechischen Wort "atomos" - unteilbar.



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