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Fürsorgliche Luchsmutter

Lange Zeit zählte der Luchs zu den bedrohten Tierarten. Inzwischen hat sich der Bestand wieder erholt. Gut so! Denn die Katzen sind faszinierende Bewohner unserer Heimat


Ein Luchsjunges auf der Pirsch (Foto von: picture alliance/Arco Images GmbH )
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Ein Luchsjunges auf der Pirsch

Der Luchs ist ein Rekordhalter! Mit einer Länge von 120 Zentimetern und einer Höhe von bis zu 70 Zentimetern ist er die größte Katze Europas. Dabei streunert er nicht nur in den Wäldern Europas, sondern auch Asiens – was ihm dem Namen Eurasischer Luchs einbringt.

Wie eure Hauskatze stromert auch der Luchs am liebsten als Einzelgänger durch die Wälder und Moore. Nur von Februar bis April sucht er den Kontakt zu seinen Artgenossen, denn in diesen Monaten ist Ranzzeit. So wird die Paarungszeit der Wildkatzen genannt. Der Name leitet sich von den sogenannten Ranzrufen, also langgezogenen Lauten, ab, die die Katzen auf der Suche nach einem Partner ausstoßen.


Haben sich zwei Luchse gefunden, hält sich das Männchen mehrere Tage in der Nähe seiner Partnerin auf und verteidigt sie gegenüber etwaigen Konkurrenten. Doch seine Beschützerrolle lebt er nur kurz aus, denn nach der Paarung verlässt er das Weibchen schnell wieder. Sie hingegen zieht sich in eine Felshöhle zurück, um dort zweieinhalb Monate später bis zu fünf Junge zur Welt zu bringen. Die Kleinen haben bei der Geburt bereits ein flauschiges Fell.


Hungriger Nachwuchs

In den ersten fünf Monaten werden die Kleinen gesäugt. Doch ihr Hunger ist so groß, dass sie schon nach vier Wochen von den Beutetieren naschen, die ihre Mutter fängt. Sobald die Dämmerung einsetzt, geht die Wildkatze auf Jagd. Die feinen Haarpinsel an ihren spitzen Ohren unterstützen das ausgezeichnete Gehör der Wildkatzen. Auf bis zu 500 Meter Entfernung kann der Luchs so seine Beute aufspüren.

Wie alle nachtaktiven Katzen sieht der Luchs im Dunkeln besonders gut. Seine gelbbraunen Augen sind extrem lichtempfindlich und ermöglichen dem Luchs auch nachts einen scharfen Blick. Seine Sehkraft ist sechsmal besser als unsere.


Aus einiger Entfernung lauert der Luchs seiner Beute auf. Hat er sie im Visier, schleicht sich der Luchs langsam an, um dann blitzschnell anzugreifen. Durch seine langen Hinterbeine, deren Krallen er beim Sprint einzieht, kann der Luchs eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Kilometer die Stunde erreichen. Damit ist er schneller als Autos in der Stadt. So überrascht er Marder, Gämse, Hirschkälber und andere Beutetiere, die durch seinen Biss in ihre Kehle ohnmächtig werden. Nach erfolgreicher Jagd versteckt die Luchsmutter den Riss, so wird die erlegte Beute genannt, unter Blättern und Zweigen. Erst am Morgen, wenn es draußen wieder hell wird, wagen sich die Luchskinder aus ihrer Höhle, um die Beute gemeinsam zu essen.


Luchsschule

Bis zum kommenden Frühjahr bleiben die kleinen Luchse bei ihrer Mutter. In dieser Zeit spielen und raufen sie mit ihren Geschwistern – und erkunden die Wälder, in denen sie sich bald ein eigenes Revier suchen. Dabei müssen sie sich vor allem vor Braunbären und Wölfen in acht nehmen. Neben diesen natürlichen Feinden sind Luchse besonders durch den Menschen gefährdet, da unsere Straßen häufig durch den Lebensraum der scheuen Wildkatzen führen. Nachdem Luchse lange Zeit gejagt wurden, hat der Versuch, die Tiere vermehrt auszuwildern, ihrem Aussterben erfolgreich entgegen gewirkt. Heute leben weltweit wieder mehr als 50.000 Exemplare dieser faszinierenden Wildkatze.




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