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Tierisches Leid

Der 24. April ist der Internationale Tag des Versuchstiers. Von einer Abschaffung der Tierversuche sind wir aber noch weit entfernt. Jeden Tag sterben allein in Deutschland mehr als 8000 Tiere in Forschungslabors. Sie müssen ihr Leben lassen für die Wissenschaft oder für die Gesundheit der Menschen. Doch viele dieser Tests könnten in Zukunft ohne Tiere auskommen


Beagles eignen sich für Tierversuche besonders, weil sie Schmerzen geduldig ertragen (Foto von: Bundesverband Menschen für Tierrechte)
© Bundesverband Menschen für Tierrechte
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Beagles eignen sich für Tierversuche besonders, weil sie Schmerzen geduldig ertragen

"Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." So steht es im deutschen Tierschutzgesetz. Trotzdem sterben allein bei uns in Deutschland jede Minute etwa sechs Tiere - in Laborkäfigen, nicht etwa im Schlachthof. Sie werden zum Beispiel über Tage und Wochen hinweg mit Medikamenten und Chemikalien "behandelt", um deren Wirksamkeit zu testen. Oder um zu testen, ob bestimmte Stoffe für den Menschen gefährlich sind. Fische sterben zu Tausenden in Abwassertests. Mäuse werden genetisch verändert, Kaninchen mit ätzenden Substanzen besprüht, Affen mit neu entwickelten Impfstoffen gespritzt. Die meisten dieser Tiere leiden und sterben für unsere Sicherheit und Gesundheit. Zumindest in der Theorie.


Diesem Kaninchen wurde eine ätzende Chemikalie auf den geschorenen Rücken aufgetragen (Foto von: Bundesverband Menschen für Tierrechte)
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Diesem Kaninchen wurde eine ätzende Chemikalie auf den geschorenen Rücken aufgetragen

Leiden nach Gesetz

Wie passt das Leid der Versuchstiere mit dem Tierschutz zusammen? Denn nicht nur das deutsche Tierschutzgesetz soll Tiere vor Leid bewahren. Auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht seit 2002: "Der Staat schützt die Tiere".

Das Problem ist, dass bestimmte Tests mit bestimmten Tieren gesetzlich vorgeschrieben sind. Zum Beispiel, wenn Forscher ein neues Medikament entwickeln oder Chemiker einen neuen Holzschutzmittel auf den Markt bringen wollen. Solche Tierversuche, die so gut wie immer tödlich enden, haben also einen "vernünftiger Grund", wie es das Tierschutzgesetz fordert. Auch ältere Stoffe müssen ständig überprüft werden. Die Europäische Union fordert zum Beispiel, dass Chemikalien, die seit 30 oder 40 Jahren auf dem Markt sind, neu getestet werden. Denn damals hatte man noch nicht so gute Tests wie heute. Das bedeutet aber auch, dass die Zahl der Tierversuche in Europa stark ansteigt. Schließlich geht es um rund 30.000 Stoffe. Das könnte bis 2018 zwischen acht und 54 Millionen Tiere das Leben kosten.


Fachleute beraten über Alternativen zum Tierversuch

Nicht nur die Gegner der Tierversuche, sondern auch viele Wissenschaftler fordern mittlerweile, dass Test-Methoden entwickelt und erforscht werden, die ohne Tiere auskommen. Erste Erfolge gibt es schon: Zum Beispiel haben Forscher eine Methode entwickelt, wie man ohne lebende Tiere die Krankheit Krebs erforschen kann: Mit Abfällen aus dem Schlachthof. An Zellkulturen, die man im Reagenzglas züchtet, kann man auch heute schon bestimmte Tests durchführen. Zum Beispiel kann man so testen, ob ein Medikament unter Sonneneinstrahlung giftig wird (ja, auch so was muss getestet werden!). Um die Giftigkeit von Abwässern zu testen, müssen nicht mehr Tausende von Fischen sterben. Mittlerweile kann man auch an Fischeiern sehen, ob das Wasser in Ordnung ist. Auch Computerprogramme können gute Dienste leisten. Viele dieser neuartigen Tests sind sogar schneller, einfacher und billiger als ein Tierversuch.


In diesen Kunststoffgefäßen wachsen Hautzellkulturen. Auch mit solchen Kulturen kann die Ätzwirkung von bestimmten Stoffen festgestellt werden - Tiere müssen dafür nicht mehr leiden (Foto von: Bundesverband Menschen für Tierrechte)
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In diesen Kunststoffgefäßen wachsen Hautzellkulturen. Auch mit solchen Kulturen kann die Ätzwirkung von bestimmten Stoffen festgestellt werden - Tiere müssen dafür nicht mehr leiden

Sind Mann und Maus vergleichbar?

Die Forscher, die mit Tieren experimentieren, sagen: Eine Ratte ist ein Säugetier, genau wie der Mensch. Und wenn man nicht am Menschen selbst herumexperimentieren will, dann muss man eben auf möglichst nahe Verwandte aus dem Tierreich zurückgreifen: zum Beispiel Affen - oder eben Ratten. Die Gegner der Tierversuche sagen immer wieder, dass viele Tests, zum Beispiel mit Medikamenten, nicht viel bringen. Denn was für eine Ratte unschädlich ist, muss es nicht auch für den Menschen sein. Und umgekehrt. Aber es stellt sich nicht nur die Frage, ob die Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen übertragbar sind. Die meisten Tierversuchsgegner sind gegen Experimente an Tieren, weil sie sie für unmoralisch halten. Viele Tiere können Schmerzen, Angst und Trauer empfinden. Genau wie wir Menschen. Also dürfen wir sie nicht quälen - egal, für welchen Zweck.


In Europa tut sich was

In Deutschland setzen sich Natur- und Tierschutzverbände dafür ein, dass weniger Tiere in Versuchen gequält oder umgebracht werden. Und nicht nur in Deutschland, sondern auch bei unseren europäischen Nachbarn wächst das Bewusstsein für das Leid der Tiere. 2013 sammelte eine Europäische Bürgerinitiative mehr als eine Million Unterschriften für die Abschaffung von Tierversuchen. Und es gibt weitere, konkrete Erfolge: So dürfen für Kosmetik-Tests schon seit 2004 keine Tiere mehr verwendet werden. Und seit 2013 dürfen Kosmetika, für die Tiere ihr Leben lassen mussten, in ganz Europa nicht einmal mehr verkauft werden.


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