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Tierisches Leid

Jeden Tag sterben allein in Deutschland mehr als 5000 Tiere in Forschungslabors. Sie müssen ihr Leben lassen für die Wissenschaft oder für die Gesundheit der Menschen. Doch viele dieser Tests könnten in Zukunft ohne Tiere auskommen


"Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." So steht es im deutschen Tierschutzgesetz. Trotzdem sterben allein bei uns in Deutschland jede Minute etwa vier Tiere - in Laborkäfigen, nicht etwa im Schlachthof. Sie werden zum Beispiel über Tage und Wochen hinweg mit Medikamenten und Chemikalien "behandelt", um deren Wirksamkeit zu testen. Oder um zu testen, ob bestimmte Stoffe für den Menschen gefährlich sind. Fische sterben zu Tausenden in Abwassertests. Mäuse werden genetisch verändert, Kaninchen mit ätzenden Substanzen besprüht, Affen mit neu entwickelten Impfstoffen gespritzt - alles zum Wohl der Menschen. Denn die meisten dieser Tiere leiden und sterben für unsere Sicherheit und Gesundheit. Und dabei werden sie von Wissenschaftlern genau beobachtet.


Dieser Beagle wird, wie viele andere Versuchshunde auch, einzeln in einem kleinen Metallkäfig gehalten (Foto von: Bundesverband Menschen für Tierrechte)
© Bundesverband Menschen für Tierrechte
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Dieser Beagle wird, wie viele andere Versuchshunde auch, einzeln in einem kleinen Metallkäfig gehalten

Leiden nach Gesetz

Nicht nur das Tierschutzgesetz soll die Tiere schützen. Auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht seit 2002: "Der Staat schützt die Tiere". Wie passt das mit dem Leid der Versuchstiere zusammen?
Das Problem ist, dass Tiere einerseits von Gesetzen geschützt werden. Doch gleichzeitig gibt es Gesetze, die bestimmte Tests mit bestimmten Tieren vorschreiben. Und das ist dann ein "vernünftiger Grund" Tiere leiden zu lassen und sie zu töten. Alle neuartigen Chemikalien zum Beispiel müssen im Tierversuch getestet werden, damit man weiß, wie giftig sie sind. Aber auch alte müssen überprüft werden: Die Europäische Union fordert zum Beispiel, dass Chemikalien, die seit 30 oder 40 Jahren auf dem Markt sind, neu getestet werden. Denn damals hatte man noch nicht so gute Tests wie heute. Das würde aber auch bedeuten, dass die Zahl der Tierversuche in Europa stark ansteigt. Schließlich geht es um rund 30 000 Stoffe.



Diesem Kaninchen wurde eine ätzende Chemikalie auf den geschorenen Rücken aufgetragen (Foto von: Bundesverband Menschen für Tierrechte)
© Bundesverband Menschen für Tierrechte
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Diesem Kaninchen wurde eine ätzende Chemikalie auf den geschorenen Rücken aufgetragen

Zwei Millionen Opfer pro Jahr

Allein in Deutschland werden jährlich über zwei Millionen Wirbeltiere in Tierversuchen "verbraucht": Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Frettchen, Affen, Vögel, Fische, Reptilien, Frösche ... die Liste ist noch länger. Und darin sind die Insekten und andere Tiere noch gar nicht mitgerechnet. Die sprichwörtlichen Versuchskaninchen sind mit über 100 000 Tieren pro Jahr in der Statistik vertreten. Doch die traurigen "Stars" unter den Versuchstieren sind die Mäuse - weil sie leicht zu halten sind und nicht viel kosten. Im Jahr 2003 waren es genau 1 180 355 Nager, die für die Forschung ihr Leben ließen.
Für die meisten Versuchstiere ist der Test der einzige Lebensinhalt; von den Mäusen, die im Jahr 2003 starben, wurden über 900 000 nur für ihren Forschungseinsatz gezüchtet.


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