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Text von Julia Lutz

Störche: So weit die Flügel tragen

11 000 Kilometer weit ist die Storchen-Dame "Prinzesschen" geflogen - von Deutschland ins Winterquartier nach Südafrika. Wie ihr eine solche Leistung gelingt, verrät die Langstreckenfliegerin in ihrem Reisetagebuch


Prinzesschens Zuhause: Der Storchenhof von Michael Kaatz in Loburg (Foto von: ZDF und Michael Kaatz
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Prinzesschens Zuhause: Der Storchenhof von Michael Kaatz in Loburg

Gestatten? Prinzesschen mein Name. Hier, im beschaulichen Loburg in Sachen-Anhalt, bin ich zu Hause. Hier fühle ich mich wohl, zumindest solange es warm ist. Wenn es kälter wird, bevorzuge ich meinen Zweitwohnsitz im warmen Südafrika. Zugegeben: Das ist ganz schön weit weg, zumal ich den ganzen Weg ja mit meinen eigenen Flügeln zurücklegen muss. Aber so eine Reise ist auch aufregend und abenteuerreich. Begleitet mich einfach - und ihr werdet sehen, was ich meine…


Storchenwetter? Bei ihren Proberunden will Prinzesschen herausfinden, ob die Wetterverhältnisse stimmen (Foto von: ZDF und Michael Kaatz)
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Storchenwetter? Bei ihren Proberunden will Prinzesschen herausfinden, ob die Wetterverhältnisse stimmen

Start in Loburg

Sobald sich der Sommer hier dem Ende zuneigt, werden wir Störche ungeduldig. Wir wollen fliegen, weit fliegen, bis tief in den Süden. Nervös drehen wir erste Proberunden. Ende August, wenn das Wetter stimmt, geht es los. Warmes Klima und eine leichte Brise bieten ideale Bedingungen für den Start ins Winterquartier.


Die Westroute führt die Störche über die Meerenge von Gibraltar nach Westafrika, die Ostroute über den Bosporus nach Ost- und Südafrika (Foto von: Kosmos Verlag
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Die Westroute führt die Störche über die Meerenge von Gibraltar nach Westafrika, die Ostroute über den Bosporus nach Ost- und Südafrika

Ostzieher - Westzieher

Viele Wege mögen nach Afrika führen. Für uns Störche kommen allerdings nur zwei in Frage: Zum einen die Westroute über Frankreich, Spanien und die Meerenge von Gibraltar nach Westafrika, zum anderen die Ostroute, die über Osteuropa und den Nahen Osten bis Ost- oder gar bis Südafrika führt.

Welche Reiseroute wir nehmen, ist bei uns Störchen vorprogrammiert: Sie hängt von unserem Geburtsort ab. Quer durch Deutschland verläuft eine unsichtbare Linie, die so genannte Zugscheide. Die Störche, die westlich dieser "Grenze" geboren sind, schlagen auf dem Weg ins Winterquartier die Westroute ein. Alle, die östlich der Zugscheide zu Hause sind, fliegen ostwärts. 80 Prozent aller Weißstörche gehören zu den Ostziehern - auch ich, schließlich liegt meine Heimat Loburg östlich der Zugscheide.

Unsere ersten Flugversuche unternehmen wir übrigens bereits im zarten Alter von 40 Tagen. Die jüngsten Störche, die sich jetzt in Richtung ihres Winterquartiers aufmachen, sind gerade einmal drei Monate alt. Da gehöre ich mit meinen 16 Jahren schon fast zum alten Eisen.

Doch auch wenn ich schon etwas betagt bin: In Sachen Langstreckenflug können die jungen Dinger noch einiges von mir lernen: Schließlich bleibe ich nicht, wie die meisten meiner Artgenossen, in Ostafrika, sondern habe vor, bis nach Südafrika weiterzufliegen. Meine Reiseroute führt mich quer über drei Kontinente und insgesamt 20 Länder. Über 10.000 Kilometer muss ich zurücklegen - und das ist nur der Hinweg!



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