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Der Tag der Schildkröte

Der 23. Mai ist einem Tier gewidmet, das seit vielen Millionen Jahren auf der Erde lebt: der Schildkröte. Sie ist ein beliebtes Haustier, doch viele wissen nicht, wie anspruchsvoll die richtige Haltung ist. Mit Fotogalerie


Viele Menschen glauben, die Schildkröte sei ein genügsames und einfach zu haltendes Tier. In Wirklichkeit muss man einiges beachten:


Die Köhlerschildkröte ist ursprünglich im tropischen Südamerika beheimatet (Foto von: Schildkrötenauffangstation in Dorsten e.V.)
© Schildkrötenauffangstation in Dorsten e.V.
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Die Köhlerschildkröte ist ursprünglich im tropischen Südamerika beheimatet

Grundlegende Bedingungen für eine artgerechte Haltung


Schildkröten sind ein anderes Klima als in Deutschland gewöhnt, zum Beispiel tropisches oder subtropisches Klima.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gehege müssen daher genau geregelt werden. Die oft zu trockene Luft in den Terrarien führt sonst zu Schädigungen der Haut und sogar der Lunge. Wichtig ist auch, dass die Tiere ausreichend und möglichst natürliches Licht bekommen, damit Panzer und Gelenke gut wachsen.

Auch die Ernährung ist anspruchsvoller und aufwendiger, als man denkt. Schildkröten brauchen eine ausgewogene Ernährung, um sich natürlich zu entwickeln. Häufig werden sie ausschließlich mit Salat, Gurken und Tomaten gefüttert, wodurch sie nicht ausreichend mit den für sie wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Viele Schildkröten benötigen zudem energieärmeres Futter, wie Gräser und Kräuter. Durch zu energiereiches Futter wachsen sie zu schnell. Die Folge sind weiche und verformte Knochen, die den Tieren Schmerzen bereiten. Gräser, Wildkräuter und Heu sind optimales Futter für eine ausgewogene Ernährung.

Ein weiteres Problem ist die oft unzureichende oder falsche Winterruhe. Nicht jede Schildkröte hält Winterruhe; andere wiederum brauchen sie dringend für das gesunde Wachstum: Halten diese Schildkrötenarten keine ausreichende Winterruhe, können die Organe versagen, da sie sonst ebenfalls zu schnell wachsen.


Die Europäische Sumpfschildkröte ist die einzige Schildkrötenart, die auch in Deutschland vorkommt. Sie ist jedoch äußerst selten hier anzutreffen (Foto von: Schildkrötenauffangstation in Dorsten e.V.)
© Schildkrötenauffangstation in Dorsten e.V.
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Die Europäische Sumpfschildkröte ist die einzige Schildkrötenart, die auch in Deutschland vorkommt. Sie ist jedoch äußerst selten hier anzutreffen

Hort für Schildkröten: Auffangstationen


Weil viele Menschen mit der Haltung überfordert sind, werden Schildkröten oft abgegeben oder einfach ausgesetzt.
In Deutschland gibt es zwar Hunderte Tierheime, doch viele von ihnen sind nicht für Schildkröten ausgestattet und haben kaum Erfahrung im Umgang mit den Reptilien. Spezielle Auffangstationen gibt es in Deutschland bisher kaum.

Die Schildkrötenauffangstation in Dorsten ist eine der wenigen Einrichtungen, die auf diese Tiere spezialisiert ist. Seit über fünfzehn Jahren nimmt sie Schildkröten auf. Allein in Deutschland werden jedes Jahr über 1500 Schildkröten von ihren Haltern abgegeben oder in der freien Natur ausgesetzt und dann von anderen Menschen eingesammelt und abgegeben.

Eins der ausgesetzten Tiere in Dorsten ist die Griechische Landschildkröte Aaron, die wegen falscher Haltung und fehlender Winterruhe jahrelang leiden musste. Sie ist zu schnell gewachsen, und hatte deshalb Schmerzen im gesamten Bauchbereich. Im Vergleich zu gleichaltrigen Schildkröten seiner Art war Aaron mehr als doppelt so groß. In der Auffangstation musste Aaron schließlich von seinen Qualen erlöst und eingeschläfert werden.

Doch viele der ausgesetzten Tiere haben dank der Pflege der Mitarbeiter auch überlebt und führen nun ein besseres Leben. Dazu gehört auch eine weitere Griechische Landschildkröte namens Paul. Er wurde jahrelang nur mit Salat, Gurken und Tomaten gefüttert und in einem zu dunklem Terrarium gehalten. Aufgrund dessen sind seine Leber und Nieren bereits stark geschädigt.

Barbara Klobusch, die Leiterin der Schildkrötenauffangstation in Dorsten, erzählt, dass sie jeden Tag etwa zehn Anfragen bekommt. Meistens handelt es sich um Halter, die ihre Tiere abgeben wollen oder Fragen zur artgerechten Haltung haben. Die Anfragen kommen dabei nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Luxemburg, Belgien, Polen und den Niederlanden.

So viele Schildkröten können die Auffangstationen gar nicht aufnehmen, denn ihre Mittel sind oft begrenzt. Im Gegensatz zu Tierheimen sind Auffangstationen ehrenamtliche Vereine, die keine finanzielle Unterstützung erhalten. Die Mitarbeiter kümmern sich freiwillig und unentgeltlich um die aufgenommenen Schildkröten.


Der Weltschildkrötentag


Um sowohl auf das Leid und die artgerechte Haltung der Schildkröten, als auch die starke Bedrohung freilebender Schildkröten aufmerksam zu machen, hat die amerikanische Stiftung zur Rettung der Schildkröten („American Tortoise Society“) im Jahr 2000 den 23. Mai zum Weltschildkrötentag ernannt.

In einer Fotogalerie zeigen wir euch einige der zahlreichen gepanzerten Gäste aus der Schildkrötenauffangstation in Dorsten:


 (Foto von: GU-Verlag)
© GU-Verlag

Bevor ihr euch eine Schildkröte anschafft, solltet ihr euch genau über die richtige Haltung informieren.
Die Mitarbeiter von Auffangstationen sind gerne bereit, eure Fragen zu beantworten.
Doch auch in Büchern könnt ihr euch informieren. Der GU-Verlag bietet mit seinen beiden Tierratgebern "Schildkröten" und "Wasserschildkröten" einen guten Einblick in die grundlegende Schildkrötenhaltung.

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