GEOlino Nr. 03/07 - Delfine, die Witzbolde der Ozeane Seite 1 von 2


Text von Fanni Aspetsberger

Delfine: Clowns mit Köpfchen

Sie surfen auf Wellen, springen aus Spaß meterhoch und geben sich sogar einen eigenen Namen. Ihr wahres Talent aber beweisen Delfine wie der Große Tümmler unter Wasser: Wenn sie mit ausgeklügelten Methoden Jagd auf Tintenfische oder Lachse machen


Der Große Tümmler unterscheidet sich durch seine Größe, die kurze Schnauze und die blau-graue Rückenfärbung von anderen Delfinarten (Foto von: Strandperle)
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Der Große Tümmler unterscheidet sich durch seine Größe, die kurze Schnauze und die blau-graue Rückenfärbung von anderen Delfinarten

Heute spielen sie wieder verrückt, sagt Charlie Phillips und lacht. Etwa 50 Meter vor dem Motorboot des britischen Biologen schießen nacheinander zwei graue Leiber wie Raketen aus der Nordsee. Für einen Augenblick spiegelt sich die Sonne auf ihrer nassen Haut. Dann überschlagen sich die Delfine und stürzen kopfüber zurück ins Meer. Kurzes Abtauchen. Anlauf für den nächsten Sprung.


Jeder Delfin sieht anders aus

Während Charlie die wilde Hopserei genießt, fotografiert seine Kollegin Barbara Cheney die beiden Meeresakrobaten. Jeder Delfin besitzt ein besonderes Merkmal, an dem ihn die Wissenschaftler erkennen. Nevis’ Rückenflosse etwa ziert eine schneeweiße Spitze, weshalb er nach Schottlands höchstem Berg „Ben Nevis“ benannt ist. Anhand der Fotos überprüft Barbara später, mit welchen Artgenossen Nevis herumtollt, mit wem er jagt, welchen Gruppen sich das Tier anschließt. Die Forscher wissen zwar, dass Delfine meist in „Schulen“ leben und ihre Freundschaften zehn Jahre und länger halten. Wie sie aber das Gemeinschaftsleben organisieren und wie sie miteinander „reden“, ist noch ein Rätsel.


Pfeifen, Quietschen, Klicken

Nevis und seine Spielkameraden gehören zu einer der größten Delfinarten, den „Großen Tümmlern“, von denen hier oben, in der schottischen Moray-Firth-Bucht, rund 130 Tiere auf die Jagd gehen. Wie Burgwächter lauern die bis zu vier Meter langen Kleinwale vor den Flussmündungen auf Lachse, die jeden Spätsommer zu Zehntausenden hierher kommen. Ein idealer Platz für Charlie und Barbara, um die quirligen Meeresbewohner zu beobachten und ihren Gesprächen aus Pfeif-, Quietsch- und Klick- Tönen zu lauschen.


Ein Geheimnis haben die Forscher den Tieren schon entlockt: Jeder Große Tümmler gibt sich im ersten Lebensjahr einen eigenen „Namen“, besser gesagt einen persönlichen Erkennungspfiff, den die anderen lernen. Möchte ihm nun jemand aus der Gruppe etwas mitteilen, pfeift derjenige diese spezielle Tonfolge und spricht den Delfin damit gezielt an.


Wahre Plappermäuler

Und gesprochen wird viel: etwa über Jagdstrategien! Haben die Tümmler einen Schwarm Heringe ausgemacht, übernimmt jedes Gruppenmitglied eine bestimmte Aufgabe. Während ein paar der Tiere eine Mauer bilden, treiben ihnen die anderen die Fische direkt vor die Mäuler. Die Falle schnappt zu, für die Heringe gibt es kein Entkommen.


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