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Text von Corinna Sasinka

Die Heuler von Friedrichskoog

Heuler – so werden Seehundbabys genannt, die den Kontakt zu ihrer Mutter verloren haben. Die Seehundstation Friedrichskoog an der Nordsee nimmt solche Jungtiere auf. Erst wenn sie stark genug sind, geht es wieder zurück in die freie Wildbahn. GEOlino.de hat sich dort einmal umgesehen. Mit Videos



Vor dem Essen das Baden nicht vergessen! (Foto von: Corinna Sasinka)
© Corinna Sasinka
Vor dem Essen das Baden nicht vergessen!

Viele Besucher sind heute gekommen – alle wollen die drei Heuler sehen, die seit ein paar Tagen in der Seehundstation leben. Sie sind die ersten Seehundbabys, die in dieser Saison eingeliefert wurden. Max, Moritz und Adele heißen sie. Jeder von ihnen ist eine Frühgeburt, etwa zwei Wochen vorzeitig zur Welt gekommen. Jetzt müssen die Tiere aufgepäppelt werden. „Wir gehen am besten gleich in die Futterküche“, schlägt Tanja Rosenberger, die Leiterin der Station vor. „Es ist Zeit, das Fressen für die Kleinen zu bereiten!“


Jede Menge Fisch

Puh, hier stinkt’s! Und zwar gewaltig! Kein Wunder – schließlich liegt im Waschbecken der Futterküche ein 18 Kilo schwerer, gefrorener Block aus Heringen.


Adele (rechts) hat noch, wie gut zu erkennen ist, ein weißes Babyfell (Foto von: Jonas von der Hude)
© Jonas von der Hude
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Adele (rechts) hat noch, wie gut zu erkennen ist, ein weißes Babyfell

Er wird gerade aufgetaut. Die Stahlarmaturen der Küche blitzen vor Sauberkeit: „Hygiene ist hier das A und O! Bevor die Heulernahrung zubereitet wird, müssen die benötigten Utensilien noch mal gewaschen werden“, erklärt Frau Rosenberger, während sie zackig mit Plastikbechern und Messlöffeln hantiert. „Die Gefahr, dass die Kleinen sich mit Keimen infizieren und ernsthaft erkranken, ist sehr hoch. Wir müssen gründlich und vorsichtig sein!“, erklärt sie. „Wir“, das sind neben Frau Rosenberger und drei weiteren Angestellten auch immer drei bis vier junge Menschen, die in Friedrichskoog ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder ein Praktikum absolvieren und tatkräftig mitarbeiten.



Da hat wohl einer Hunger? Mit einem Schlauch werden die kleinen Heuler gefüttert (Foto von: Corinna Sasinka)
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Da hat wohl einer Hunger? Mit einem Schlauch werden die kleinen Heuler gefüttert

Die Heuler und der Seehundjäger

Ein Seehundjäger hat Max, Moritz und Adele in die Station gebracht. Dieser jagt die Tiere jedoch nicht. Vielmehr ist er ist er für ihren Schutz verantwortlich, betreibt Informations- und Aufklärungsarbeit. Er macht Kontrollfahrten, birgt tote Meerestiere oder tötet kranke und schwache Seehunde. Vor allem aber: Nur er ist berechtigt, einen gefundenen Heuler in die Station zu bringen. Er allein entscheidet, ob das Jungtier stark und gesund genug ist, um aufgezogen zu werden. Jeder Fall wird sorgfältig überprüft, damit kein Tier unnötig in Gefangenschaft gerät.



Nach dem Essen ist erst einmal eine Runde Kuscheln angesagt (Foto von: Corinna Sasinka)
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Nach dem Essen ist erst einmal eine Runde Kuscheln angesagt

Bedrohung Mensch

Wie für viele andere Tierarten auch, ist für Seehunde das größte Problem der Mensch. Wasserverschmutzung, Schiffs- und Flugverkehr, Wattwanderer und nicht zuletzt der Klimawandel stören und zerstören den Lebensraum der sensiblen Meeressäuger. Werden nach der Geburt Mutter und Kind getrennt, muss aber nicht immer der Mensch Schuld sein: Oft gibt es dafür natürliche Ursachen wie etwa Sommerstürme und Gewitter. Weil die Kleinen noch nicht so gute, kräftige Schwimmer sind, gehen sie regelrecht verloren.

Auf dem Speiseplan der Heuler stehen Aufzuchtsmilch, Heringe und Haferschleim. Sechs Mal am Tag, alle drei Stunden. In freier Wildbahn dagegen gibt es für die Kleinen vier bis sechs Wochen nur Seehundmuttermilch. Sie hat einen Fettgehalt von 45 Prozent und lässt die Jungtiere in der Stillzeit das Dreifache des Geburtsgewichtes zunehmen. Zwischen 8 bis 12 Kilogramm wiegt ein Seehund bei seiner Geburt, die Frühgeburten etwa sechs bis sieben.



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