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Themen-Special: Nix wie raus ...
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Nix wie raus im Juli

In der warmen Sommerluft scheint die Natur etwas zur Ruhe zu kommen. Die Kornfelder wiegen sich leicht im Wind, die alten Obstbäume ächzen unter ihrer schweren Last. Zeit für die Ernte! In ruhigeren Stunden bietet sich ein Gang zum See an, dort könnt ihr im Juli junge Libellen schlüpfen sehen


Jetzt schlägt’s 13! Punkt ein Uhr zeigt die Sonnenuhr an, der noch ein paar Blumentöpfe für die Morgen- und Abendstunden fehlen (Foto von: Katja Grundmann)
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Jetzt schlägt’s 13! Punkt ein Uhr zeigt die Sonnenuhr an, der noch ein paar Blumentöpfe für die Morgen- und Abendstunden fehlen

Sonnenzeit

Eure Armbanduhr ist mal wieder unauffindbar? Kein Problem! Wir bauen eine Uhr mit Hilfe der Sonne - eine Sonnenuhr. Die Erde wandert innerhalb von 24 Stunden, also in genau einem Tag, einmal um die Sonne und dreht sich dabei außerdem um ihre Achse, die durch den Nord- und den Südpol verläuft. So entstehen unsere Tages- und Nachtzeiten.

Da die Menschen diese Bewegungen nicht spüren können, sieht es für uns so aus, als wandere nicht die Erde, sondern die Sonne - und zwar einmal pro Tag von Osten über den Süden nach Westen. Ganz schön verwirrend. Es hat deshalb auch Tausende von Jahren gedauert, bis die Menschen dieses komplizierte System der Natur verstanden. Vor etwa 4.000 Jahren erkannten die Babylonier, eines der wichtigsten Völker des Altertums, dass die Sonne am Himmelszelt aus ihrer Sicht jeden Tag den gleichen Bogen macht und sich von ihren Schatten die Uhrzeit ablesen lässt. Da bauten sie eine Sonnenuhr, die bis ins 19. Jahrhundert hinein für die Menschen die einzige Möglichkeit war, die Uhrzeit zu benennen.


Um selbst eine Sonnenuhr zu bauen, braucht ihr lediglich einen großen und mehrere kleine Blumentöpfe, einen langen Stab, ein paar Steine und etwas Geduld. Denn um eine vollständige Sonnenuhr zu bauen, müsst ihr zu jeder vollen Stunde den Stand der Sonne bestimmen. Ihr beginnt am Morgen mit dem Zentrum der Sonnenuhr. Dafür platziert ihr den großen Blumentopf umgekehrt auf einem sonnigen Stück Wiese und steckt den Stab durch das Loch am Boden des Blumentopfs hindurch in die Erde, so dass er senkrecht nach oben steht. Der Stab wirft nun einen Schatten auf den Boden. Ihr wartet bis zur nächsten vollen Stunde (zum Beispiel 10 Uhr) und platziert dann am Ende des Schattens den ersten Blumentopf. Beschriftet einen Stein mit der Uhrzeit und legt ihn auf den Topf. So wisst ihr ab heute immer, dass es 10 Uhr ist, wenn der Schatten des Stabes auf diesen Blumentopf zeigt.


Nun heißt es warten, denn erst zur nächsten vollen Stunde platziert ihr wiederum an der Stelle, wo das Ende des Stab-Schattens dann hinzeigt, einen weiteren Blumentopf. Auch dieser bekommt einen beschrifteten Stein (in unserem Falle mit der Aufschrift „11 Uhr“), usw. Habt ihr am Ende des Tages jede Stunde einen Blumentopf gesetzt, ist eure Sonnenuhr komplett und ihr könnt in den nächsten Wochen die Uhrzeit bestimmen, sobald die Sonne scheint. Sie taugt allerdings nicht, wenn dicke Wolken am Himmel hängen. Deshalb heißt ein alter Spruch: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur. Ist auch der Himmel einmal grau, er wird doch immer wieder blau.“


Libellen sind wahre Flugkünstler (Foto von: picture alliance / Arco Images GmbH )
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Libellen sind wahre Flugkünstler

Kunterbunte Flugkünstler

Das macht den Libellen so leicht keiner nach: Nach einem Blitzstart tauchen sie plötzlich ab, bleiben anschließend wie ein Hubschrauber in der Luft stehen, fliegen kurz rückwärts, wechseln dann die Richtung und verschwinden lautlos wieder im Schilf. Libellen sind wahre Luftakrobaten! Es ist entspannend und aufregend zugleich, an warmen Sommertagen an einem See oder Weiher zu sitzen und den bunt schillernden Insekten mit den großen durchsichtigen Flügeln zuzuschauen. Das beste daran: Libellen stechen nicht.


Wer die Geburt einer Libelle miterleben möchte, muss am ersten schönen Morgen nach ein paar Schlechtwettertagen früh aufstehen und sich eine Stelle an einem Gewässer suchen, wo viel Schilf wächst. Die Libellenweibchen legen ihre Eier in das Wasser, einige Arten stechen sie auch in Wasserpflanzen ein und müssen dafür teilweise bis zu 90 Minuten unter Wasser bleiben! Aus den Eiern wachsen zunächst Larven heran, die je nach Art zwischen drei Monate und fünf Jahre im Wasser leben, bevor sie sich zur Libelle weiterentwickeln. Die Larven werden „Nymphen“ oder „Halbpuppen“ genannt und sind kleine Räuber, denn sie fressen bereits die vielen kleinen Wassertiere, die ihnen im Tümpel begegnen. Wenn ihre Zeit gekommen ist, krabbeln sie in den frühen Morgenstunden aus dem Wasser die Rohrkolben hinauf. Die Larvenhaut platzt auf und heraus schlüpft die fertige Libelle.


Schon als Kinder haben die Tiere die zwei typischen großen Augen. Es handelt sich dabei um so genannte Facettenaugen, mit denen Libellen sowohl am Tag als auch in der Nacht gut sehen können. Das Facettenauge setzt sich aus vielen kleinen Augen zusammen. Jedes kleine Auge sieht einen Punkt des gesamten Bildes. So können sie ihre Beute gut erspähen. Libellen fressen Mücken und Fliegen, manchmal sogar Schmetterlinge. Aber sie haben auch selber viele Feinde, zum Beispiel Frösche, Fledermäuse oder Vögel. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Libelle beträgt daher nur etwa sechs bis acht Wochen.

Bei uns gibt es etwa 70 Libellenarten, zum Beispiel die Große Königslibelle, die Heidellibelle oder die Prachtlibelle. Viele der Arten sind heute leider selten geworden, deshalb stehen Libellen unter Naturschutz. Anschauen ist jedoch jederzeit erlaubt.


Der Kirschenmichel

In Deutschlands Obstregionen, zum Beispiel im Alten Land im Nordwesten oder im Rheintal im Südwesten, stehen nun überall die Bauern mit ihren Ständen und dick befüllten Kirschkörben an den Straßen. Neben Äpfeln sind sie hierzulande die am meisten angebaute Obstsorte. Auch wenn ihr in der Stadt wohnt, könnt ihr die dunkelroten runden Früchte deshalb leicht bekommen. Die meisten Supermärkte haben sie für einige Wochen im Juli in ihrem Sortiment. Am leckersten schmecken Kirschen aber natürlich direkt vom Baum in den Mund.


Im Frühjahr blühen die bis zu 30 Meter hohen Kirschbäume noch strahlend weiß. Auch zu dieser Zeit lässt sich jedoch nur schwer erahnen, dass die Kirsche zur Familie der Rosengewächse gehört – ganz ohne Dornen. Trotzdem erfordert die Ernte im Sommer häufig etwas Geschicklichkeit, denn ohne eine Kletterpartie kommt man nur schwer an die süßen Früchte, die an den obersten Zweigen herangereift sind. Also, Schwindelfreie vor!

Bei Sauerkirschen habt ihr es etwas leichter, denn sie wachsen an kleineren, strauchartigen Bäumen. Sie sind außerdem kleiner und häufig noch dunkler als die süßen Kirschen. Im Gegensatz zu Süßkirschen werden die Sauerkirschen ohne Stil und zum direkten Verbrauch geerntet. Denn auch wenn die meisten Menschen Süßkirschen lieber mögen, eignen sich Sauerkirschen besser für Marmeladen oder Desserts. Das liegt daran, dass Sauerkirschen erst bei der Weiterverarbeitung ihr volles Aroma ausbreiten.


So lecker schaut der Kirschenmichel aus (Foto von: Winkelmann, Bernhard/the food passionates/Corbis)
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So lecker schaut der Kirschenmichel aus

Für den Kirschenmichel, eine traditionelle Süßspeise aus Süd- und Mitteldeutschland, könnt ihr sowohl Süß- als auch Sauerkirschen verwenden. Die süße Mahlzeit wurde früher gerne gemacht, um altes Brot aufzubrauchen, und ist trotzdem eine wahre Köstlichkeit.

Für vier Portionen braucht ihr:

300g Kirschen
6 alte Brötchen oder 10 Weißbrotscheiben
300ml Milch
100g Butter
60g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
3 Eier
Zimt
Puderzucker

Und so geht’s:
Zunächst müsst ihr die Kirschen waschen und entsteinen. Wer keinen Entkerner hat, nimmt dafür eine Haarnadel oder das hintere Stilende eines kleinen Löffels. Anschließend zerbröckelt ihr das Weißbrot, übergießt es in einer Schüssel mit Milch, und lasst es ziehen, bis die Flüssigkeit aufgesogen ist.

Fettet eine Auflaufform mit Butter, damit der Kirschenmichel später nicht anbackt. Anschließend trennt ihr Eiweiß und Eigelb der Eier (lasst euch dabei gegebenenfalls von einem Erwachsenen helfen) und schlagt das Eiweiß mit einem Küchenmixer steif. Das geht leichter, wenn ihr zuvor noch ein paar Zuckerkörner zum Eiweiß hinzugebt.

Nun hebt ihr das geschlagene Eiweiß unter die Milch-Brötchen-Mischung, gebt noch Vanillezucker, Zimt und die restliche Butter hinzu und mischt abschließend vorsichtig die Kirschen hinein. Alles zusammen kommt anschließend in die Auflaufform und wird bei 200 Grad auf der mittleren Schiene des Ofens etwa 30 Minuten gebacken. Nachdem der Kirschenmichel abgekühlt ist, könnt ihr ihn außerdem mit Puderzucker bestäuben.

Die Eigelbe bleiben übrig, lassen sich jedoch mit etwas Milch und Gewürzen hervorragend beim nächsten Frühstück zu Rührei verarbeiten.





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