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Rollis für Afrika: Ein Erfahrungsbericht

Oku und Ada strahlen übers ganze Gesicht. Die beiden sitzen in den ersten Rollstühlen seines Lebens. Die beiden Jungen fahren lachend gegeneinander und jagen sich gegenseitig. Sie können sich allein bewegen, zum ersten Mal in ihrem Leben ohne die Hilfe anderer


Der Verein "Rollis für Afrika" hat Rollstühle und andere Hilfsmittel für Behinderte in ihre kleine Stadt im Senegal gebracht.

Diese Krücken und Rollstühle haben einen langen Weg hinter sich: Sie kommen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands und wurden dort nicht mehr benutzt.


Mit dem Bus auf Verteilungstour, die Rollstühle und Krücken werden auf dem Dach festgezurrt (Foto von: rfa)
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Mit dem Bus auf Verteilungstour, die Rollstühle und Krücken werden auf dem Dach festgezurrt

Deshalb hat der Verein "Rollis für Afrika" sie gesammelt und per Container in den Senegal transportiert.

In Westafrika angelangt, kamen die Rollstühle in ein Lager auf einem Sandplatz, in dem außerhalb der abgezäunten Bereiche viele Ziegen herumlaufen.

Aber wie gelangt ein Rollstuhl in kleine Dörfer und Orte? Wer bringt ihn dorthin? Und wie wird entschieden, welche Menschen Hilfsmittel bekommen?

Wir sind eine Gruppe aus Senegalesen und Deutschen, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und anderen Helfer. Wir fahren in alle Orte, in denen Rollstühle und Krücken verteilt werden sollen.

Dort wird jeder Behinderte untersucht und es wird das passende Hilfsmittel für ihn oder sie ausgesucht und angepasst. Insgesamt verbringen wir zwei Monate im Senegal, um 250 Rollstühle, 50 paar Krücken und anderes Hilfsmaterial zu verteilen.

Der Rollstuhl für Oku rumpelte über sieben Stunden auf dem Busdach über Sandwege durch die afrikanische Nacht, während ich und das gesamte "Rollis für Afrika" -Team im Auto durchgeschüttelt wurden.


Freiwillige Helfer

Anna-Lena Kienzler, Carolin Nägele, Rahel Jakob und mir ist heiß. Wir vier Schülerinnen aus Deutschland machen ein Praktikum im Senegal.


Während unseres Aufenthalts in Afrika waren wir bei Familien untergebracht (Foto von: rfa)
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Während unseres Aufenthalts in Afrika waren wir bei Familien untergebracht

Während bei uns zu Hause gerade wieder Schnee gefallen ist, arbeiten wir hier bei 45 Grad. Wir sind 17 Jahre alt und das erste Mal in Afrika.

Da wir im Projekt "Rollis für Afrika" helfen, machen wir bei den Verteilungen der Hilfsmittel mit und lernen viele behinderte Menschen kennen.

Für Behinderte ist das Leben sowohl in Deutschland als auch im Senegal sehr schwer. Sie können nichts dafür – jeder kann eine Behinderung bekommen. Zum Beispiel bei einem Autounfall. Trotzdem haben behinderte Menschen überall auf der Welt mit sehr vielen Schwierigkeiten, Beleidigungen und Vorurteilen zu kämpfen.


Leben im Versteck

Bei uns in Deutschland bekommen sie zumindest eine Unterstützung vom Staat, es gibt Behinderteneinrichtungen und freiwillige Helfer.

So etwas existiert im Senegal nicht, denn Behinderte werden traditionell nicht als vollwertige Menschen betrachtet.


Meine frisch verheiratete Freundin Mbayang und ich (Foto von: rfa)
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Meine frisch verheiratete Freundin Mbayang und ich

Vor allem auf dem Land gelten sie noch immer als Strafe Gottes für die Familie. Behinderte können nicht so arbeiten, wie völlig gesunde Menschen. Viele glauben deshalb, sie könnten nichts zur Gesellschaft beitragen. Sie gelten als nutzlos und als Schande.

Viele Eltern verstecken ihre behinderten Kinder, da sie sich für sie schämen. Fatou Ndyou wurde, nachdem sie als kleines Mädchen einen Unfall hatte, von ihrer Familie gezwungen, im Haus zu bleiben. Zehn Jahre lang hat sie den Innenhof nie verlassen.

Nur, wenn Feierlichkeiten in ihrem Zuhause stattfanden, wurde sie von ihren Eltern in anderen Häusern versteckt. Niemand sollte sie sehen, das war das Schrecklichste. Es waren schlimme Jahre, in denen sie nirgendwo willkommen war, in denen man sich überall für sie schämte.

In dieser Zeit hatte sie keinerlei Möglichkeiten, den normalen gesellschaftlichen Alltag mit zu leben. Sie konnte sich nicht einmal allein fortbewegen. Dann bekam sie Krücken.



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