GEOlino extra Nr. 33 - Der Traum vom Fliegen Seite 1 von 1


"Wir haben beim Buckelwal abgeguckt"

Holger Mai testet neue Formen und Materialien für Flügel im Windkanal des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Göttingen. GEOlino extra hat er davon erzählt


GEOlino extra: Wie windig ist es bei Ihnen im Windkanal?

Holger Mai: Ziemlich windig: Knapp unter Schallgeschwindigkeit, also fast 1000 Stundenkilometer – wie bei einem echten Flugzeug auch.


Holger Mai testet im Windkanal des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) (Foto von: DLR, Göttingen)
© DLR, Göttingen
Holger Mai testet im Windkanal des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Was testen Sie denn bei solchen Geschwindigkeiten?

Wir überlegen, wie man Passagierflugzeuge und Hubschrauber komfortabler machen kann. Ein Flügel fängt nämlich ab einem bestimmten Punkt an, zu zittern. Und das Rütteln überträgt sich dann auf das Flugzeug…


Sie sorgen also dafür, dass einem nicht so schnell schlecht wird?

Ja, auch. Und wir erforschen, wie sich das Fliegen umweltfreundlicher machen lässt, etwa indem man Treibstoff spart. Deshalb testen wir moderne, leichte Materialien.


Und wie messen Sie all die Dinge? Sie können sich ja nicht in den Windkanal reinstellen...

Das stimmt. Wir arbeiten auch nicht mit ganzen Flugzeug-Modellen, sondern nur mit Teilen, etwa einem Stück Flügel. In das bohren wir kleine Löcher und hinter jedem Loch sitzen winzige Sensoren, so breit wie ein Reiskorn. Die messen den Druck und Vibrationen. Außerdem gibt es noch Kameras, die alles aufzeichnen. Das werten wir dann anschließend aus.


Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um all das zu können?

Ich habe Physik studiert. Es gibt aber auch direkt einen Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik oder Flugzeugbau.


Wie viel Erfindungsreichtum gehört zu ihrem Beruf dazu?

Einiges! Ich habe tatsächlich zusammen mit Kollegen schon etwas erfunden: Wir haben kleine Noppen auf Hubschrauberblätter geklebt. Dadurch lässt sich der Hubschrauber besser manövrieren. Das haben wir uns bei den Brustflossen des Buckelwals abgeguckt. Vor knapp einem halben Jahr haben wir die Erfindung dann an einem Hubschrauber ausprobiert und fliegen lassen!


Klingt ziemlich abwechslungsreich!

Das ist es auch! Man weiß nie, was einen erwartet und immer passiert etwas Neues. Sich zurücklegen und sagen "Ich weiß alles", ist glaube ich das Falscheste, was man in diesem Job machen kann.


22.000 Euro kostet ein Versuchstag im Windkanal, wo Dr. Holger Mai forscht. Ihr dagegen könnt ganz kostenfrei in Göttingen experimentieren: Das DLR bietet nicht nur dort, sondern deutschlandweit Schülerlabore an. Mehr dazu lest ihr im Internet hier.


Mehr zum Thema

  •  (Foto von: Ingrid Friedl/Lufthansa)

    Flugberufe: Oben angekommen

    Wollt ihr gerne Pilot, Stewardess oder Bordkoch werden? Wir stellen euch die spannendsten und interessantesten Berufe rund ums Fliegen vor. Also, fertig machen zum Abflug!
     



Druckansicht Artikel versenden Deine Meinung Kontakt Sitemap