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Text von Dorothea Szymanski

Beruf: Lektor

Lesen, lesen und noch mal lesen: So stellt sich jeder den Arbeitsalltag eines Lektors vor. In Wirklichkeit sieht der aber völlig anders aus. Zwischen dem Kontakt zu Autoren und Illustratoren muss auch noch die Feinarbeit am Text erledigt werden


Silvia Bartholl sitzt im Zug nach Hause. Hinter ihr liegt ein harter Arbeitstag und vor ihr ein Manuskript, das sie noch durchlesen muss. Sie ist Lektorin beim Verlag Beltz & Gelberg und betreut dort die Taschenbuchreihe. Als Lektorin ist sie die Schnittstelle zwischen Autor und Verlag; sie kennt den Buchmarkt und weiß, was gut ankommt und wie ein Buch aufgebaut sein sollte.


Was ist eine gute Idee?

Jeder Lektor hat einen festen Stamm von Autoren, den er betreut. Das sind so ungefähr zehn bis 15 - manchmal auch mehr. Die Arbeit des Lektors beginnt schon sehr früh, oft schon mit der Idee des Autors. Liegt das Manuskript vor, lesen mehrere Lektoren und entscheiden dann, ob das Manuskript veröffentlicht werden soll oder nicht. Aber woher wissen Lektoren, welches Manuskript ein gutes Buch werden kann? "Wir haben keine Liste, die wir abhaken. Wir lassen das Lese-Erlebnis auf uns wirken. Wenn die Geschichte spannend und originell geschrieben ist, dann liest man sie auch selber gerne." Hinzu kommt noch das Sprachvermögen des Autors. Denn nicht nur die Geschichte muss gut erzählt sein; auch die Sprache muss stimmen - und besonders bei Kinderbüchern verständlich und gut zu lesen sein.


Ab 10? Ab 12?

Für welche Altersklasse ist das zukünftige Buch geeignet? Woran erkennt sie die Zielgruppe? Silvia Bartholl: "Das ist Erfahrungssache, ein Lektor entwickelt dafür ein Gefühl. Es gibt allerdings eine Regel, die man beachten kann: Die Hauptfigur im Buch sollte nicht jünger sein als der Leser. Diese Regel lässt sich allerdings auch nicht für alle Bücher anwenden. Bei besonders schwierigen Themen kann das schon mal anders sein."


Ein abgeschlossenes Studium

Wie wird man Lektorin? Silvia Bartholl war früher mal Grundschullehrerin in der Schweiz; hat dann in Frankfurt am Main studiert und ist über Umwege an die Stelle als Lektorin bei Beltz & Gelberg gekommen. "Ich habe mein Leben lang sehr gerne und auch sehr viel gelesen und auch immer viel mit Sprache und Literatur zu tun gehabt. Und auch mit Kindern - deshalb war der Job als Kinderbuchlektorin ideal für mich." Wer Lektor in einem Verlag wird, hat in der Regel ein abgeschlossenes Studium. Die meisten Lektoren haben Germanistik und eine weitere Geisteswissenschaft studiert; denn mit Sprache und Literatur müssen sie sich ja auskennen. Während des Studiums sind Praktika an der Tagesordnung - denn eine Ausbildung oder ein gezieltes Studium zum Lektor gibt es nicht. Nur durch ein Praktikum können angehende Lektoren praktische Erfahrungen sammeln und für ihren späteren Beruf dazulernen.



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