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Fallanalytiker: Der Hinter-den-Spuren-Sucher
Axel Petermann, 59, versucht, ungeklärte Verbrechen neu zu verstehen - und Täter doch noch zu finden
Beruf:
Polizeilicher Fallanalytiker
Alltag:
Meine Kollegen und ich kommen
zum Einsatz, wenn es in einem Mordfall
nicht weitergeht und neue Ideen nötig
sind, um den Täter zu finden. Polizisten
hören Zeugen an, nehmen Fingerabdrücke.
Fallanalytiker dagegen suchen die Spuren
hinter den Spuren. Genau die verraten oft
etwas über den Täter. Er trifft ja ständig
Entscheidungen - darüber, wen er wann
und wie tötet. Ob er die Leiche dann einfach
liegen lässt oder sich noch die Zeit
nimmt, sie fortzuschaffen in ein Versteck.
Das kann dann zum Beispiel dafür sprechen,
dass er mit dem Opfer bekannt war
oder sich in der Umgebung gut auskannte.
Und, und, und! Fallanalytiker schauen sich
den Tatort genau an oder die Fotos davon,
lesen Berichte, Protokolle, fragen Experten,
probieren auch manchmal selbst Dinge
aus: wie schnell Schlafmittel wirken oder
ob man sich selbst fesseln kann.
Spannendster Fall:
An einem
2. Januar wurde in Bremen eine Tote gefunden.
Die Frau war am 27. Dezember
zuletzt gesehen worden, zusammen mit
einem verdächtigen Mann. Bloß: Bei einer
Untersuchung der Leiche, bei der die Körpertemperatur
mit der Außentemperatur
verglichen wurde, kam heraus, dass die
Frau erst am späten Neujahrstag gestorben
sein musste. Und sämtliche Zeugen
wollten sie Silvester und Neujahr noch gesehen
haben. Wir kamen dem Täter nicht
auf die Spur. Bis ich mir noch einmal das
Ergebnis dieser Temperatur-Untersuchung
anschaute und entdeckte, dass der Rechtsmediziner
einen Gedankenstrich, den ich
vor die Temperaturangaben gesetzt hatte,
als Minuszeichen gedeutet hatte! Als der
Fehler korrigiert war, konnten wir den Verdächtigen
überführen: Er hatte die Frau am
27. Dezember ermordet, weil sie nicht mit
ihm nach Hause gehen wollte.
Ausbildung:
Kriminalpolizist,
dann Leiter der Bremer Mordkommission,
wo ich ab 1999 die Abteilung für Operative
Fallanalyse aufgebaut habe.
Tipp:
Wer diesen Beruf ergreifen will,
braucht eine klassische Polizeiausbildung.
Denn man muss wissen, wie die Ermittler
arbeiten - und wie der Tod aussieht.
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