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"Ich werde immer mehr zur Ente"
Die Kinderbuchautorin Pia Maria Witt schwimmt mit ihrem Freund und sieben Laufenten von Kassel bis in die Nordsee. Die Hälfte der rund 500 Kilometer langen Strecke über die Flüsse Fulda und Weser hat der "Entenexpress" schon geschafft. GEOlino.de hat mit der 34-Jährigen über die Erlebnisse auf ihrer nassen Reise gesprochen.
Frau Witt, warum nehmen Sie ausgerechnet Laufenten mit auf eine Reise, bei der es ums Schwimmen geht?
Laufenten heißen ja nur Laufenten, weil sie nicht fliegen können, aber nicht, weil sie nicht schwimmen können. Ganz im Gegenteil. Am Anfang unserer Tour sind die Enten nur etwa 40 Minuten pro Tag mit uns geschwommen und wurden den Rest der Strecke im Auto transportiert. Da waren sie noch klein und es einfach noch nicht gewöhnt, so lange am Stück zu schwimmen. Mittlerweile sind das richtige Profi-Schwimmer. Die rasen ins Wasser, wenn wir irgendwo ankommen. Dann warten sie auf mich und sobald ich reingehe, zack, kommen sie hinterher und dann geht's ab.
Wo sind die Eltern der Entenkinder?
Die Eltern sind wir. Wir haben schon länger Enten und jede von ihnen legt jeden Tag ein Ei. Die können wir aber nicht alle ausbrüten lassen, sondern müssen das kontrollieren, sonst haben wir irgendwann unendlich viele Enten. Deshalb darf nur ein von den Tieren brüten. Die Eier der Enten, die wir nun mit auf die Reise genommen haben, haben wir in einem speziellen Brutkasten ausgebrütet und uns von Anfang an als Eltern um sie gekümmert.
Wie kamen Sie denn auf die Idee zum Entenexpress?
Die Idee hatten wir, als wir bei einem Nikolausschwimmen in Kassel dabei waren. Dort sind wir auch im Fluss geschwommen und dachten damals, jetzt würden wir gerne einfach weiter bis zur Nordsee schwimmen, das wäre eine witzige Idee. Im letzten Jahr haben wir dann dafür trainiert. Dabei hat uns ein wilder Schwan begleitet und das war so schön, da haben wir gesagt: "Das würden wir gerne mit Enten machen!".
Und was wollen Sie mit der Aktion erreichen?
Ursprünglich war es erstmal nur die Idee. Unser Motto ist "Schwimmen, um zu schwimmen". Mit den Enten ist das so toll, so naturnah, wenn sie auf meiner Schulter sitzen und mir im Gesicht rumschnäbeln… . Es ist die schönste Zeit, die ich je im Wasser verbracht habe. Ich bin mal gefragt worden, ob ich mehr zur Ente werde oder die Enten mehr zum Menschen. Und ich muss sagen, ich werde eindeutig mehr zur Ente. Ich fange an, ihre Sprache zu sprechen und mich ihnen anzupassen. Dabei lerne ich unheimlich viel. Aber es hat natürlich auch viel mit Verantwortung zu tun. Schaffe ich es, sie als Entenmutter heil über diese Strecke zu bringen?
Wie geht es den Tieren?
Den Enten geht es hervorragend. Gerade heute machen wir Station auf einem Campingplatz in Stolzenau, wo wir ein eigenes Areal haben und die Enten frei rumlaufen können. Sie sind inzwischen absolut daran gewöhnt, mit uns zu reisen.
Sie sind am 2. August in Kassel gestartet. Was waren bisher die Highlights der Tour?
Gleich in den ersten Tagen wurden wir von einer Schar Wildenten umringt und waren plötzlich mit 40 bis 50 Enten auf dem Fluss unterwegs. Eine von unseren Enten hat immer versucht, die fremden Tiere zu vertreiben. Das gab ein riesiges Chaos, war aber auch unheimlich niedlich.
Insgesamt ist der ganze Fluss eigentlich ein Highlight. Wir kommen dort sehr dicht an andere Tiere heran, an Graureiher oder an andere Enten, weil wir dort einfach nur friedlich entlang schwimmen. Das kann man nicht beschreiben, das muss man selber einmal erlebt haben.
Und was passiert, wenn Sie an der Nordsee ankommen?
Dann fahren wir mit den Enten wieder nach Hause. Wir bleiben ihre Eltern und sie werden hoffentlich ein langes und schönes Leben haben.
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