Amina, zwölf Jahre alt, aus Kairo in Ägypten
Auf die Pause freut sich Amina besonders. Dann kann sie nach Hause zu den Eltern und ihren vier Geschwistern. Endlich ausruhen und - etwas essen. "Wir haben drei Mahlzeiten am Tag. Ich mag Makkaroni und das Gemüse Okra. Mahshi esse ich auch sehr gerne, das ist ein traditionelles ägyptisches Gericht mit Gemüse und Reis. Und ich liebe Erdbeeren. Außerdem nasche ich manchmal Kuchen und Kekse", erzählt die Zwölfjährige. Amina hat die Schule nach der vierten Klasse verlassen und arbeitet in einer Kleiderfabrik. Ihr Lieblingswochentag ist der Freitag, da frühstückt sie nämlich in eine Einrichtung des Roten Halbmondes, so heißt das Rote Kreuz in islamischen Ländern. "Und nach dem Essen malen wir oder machen Sport", erklärt die Ägypterin.
Sie kann nicht gut lesen und schreiben, aber sie weiß genau, dass gesundes Essen wichtig ist und auch ihre Mutter ermahnt sie regelmäßig, genug Gemüse zu essen. Das aber ist in letzter Zeit schwieriger geworden für ihre Familie: "Wir können gerade nicht so viel frisches Obst und Gemüse kaufen, das ist einfach zu teuer geworden."
Doaa, dreizehn Jahre alt, aus Kairo in Ägypten
"Mein Vater achtet immer sehr genau darauf, dass wir viel Frisches essen. Er ist Obst- und Gemüsehändler und bringt uns deshalb oft etwas von der Arbeit mit", erzählt Doaa. Sie wohnt in Ägypten und geht zur Schule, nebenher arbeitet sie. "Ich besticke zu Hause Schuhe", berichtet die 13-Jährige, die zusammen mit zwei Schwestern und einem Bruder bei den Eltern lebt.
"Mein Lieblingsessen ist Mahshi, das ist Gemüse, das mit Reis gefüllt wird, also zum Beispiel Auberginen oder Zucchini. Und ich esse gerne Makkaroni und Spinat." Für die Pausen in der Schule nimmt sie meistens Käsebrote mit. Oft isst sie nur etwas zum Frühstück und zum Mittagessen. An manchen Tagen gibt es noch ein Abendessen. Zwischendurch nascht Doaa viel Obst, am liebsten mag sie knackige Äpfel. Aber von ihrem Taschengeld kauft sie auch mal Chips, Kuchen oder Kekse. "Für die Süßigkeiten muss ich jetzt viel mehr bezahlen als noch vor einigen Wochen", stellt Doaa fest. Von ihrem Vater weiß sie aber, dass alle Lebensmittel teurer geworden sind. "Außerdem schaue ich immer die Nachrichten im Fernsehen an", erzählt sie, "da wurde auch schon darüber berichtet."
Rasha, zwölf Jahre alt, aus Kairo in Ägypten
Die zwölfjährige Rasha soll lernen, wie sie möglichst gesund und günstig einkaufen kann. Deshalb nehmen die Großeltern ihre Enkelin ab und zu mit zum Gemüsehändler. "Im Fernsehen habe ich schon davon gehört, dass Lebensmittel nicht nur bei uns hier in Ägypten teurer geworden sind, sondern auch in vielen anderen Ländern", erzählt die Schülerin. Ihre Mutter lebt auf dem Land, ihr Vater ist schon seit einigen Jahren nicht mehr bei der Familie. Die Zwölfjährige teilt die Wohnung deshalb mit ihren Großeltern und ihrer Tante, außerdem hat sie noch einen 14-Jährigen Bruder.
Reis, Makkaroni mit heller Soße und Gulasch isst sie am liebsten. Das würde sie sich auch zubereiten, wenn sie ganz reich wäre und in Restaurants speisen könnte. Rasha bekommt zwei Mahlzeiten am Tag, manchmal gibt es noch Abendbrot. Zum Frühstück kocht die Familie Bohnen und Falafel, so nennt man die kleinen frittierten Bällchen aus Kichererbsen- oder Bohnenmuß. Mittagessen gibt es für Rasha in der Schule, da wird häufig Gemüse mit Reis serviert. Dazu trinkt sie Säfte. Kekse knabbert sie zum Nachtisch.
Die kauft sie sich von ihrem Taschengeld und auch beim Spielen mit ihren Freunden verputzt sie gerne Süßigkeiten. Ihre Großeltern ermahnen sie aber, möglichst viele verschiedene Dinge zu essen und Rasha weiß eigentlich auch, dass Selbstgekochtes gesünder ist.
Shaimaa, 12 Jahre alt, aus der Nähe von Kairo
Hunger hat sie zum Glück noch nie gespürt. Shaimaa hat bislang immer nur davon gehört. "Jeder hier in Ägypten spricht davon", sagt die Zwölfjährige, "auch meine Mutter. Denn sie verkauft Brote – die im vergangenen Jahr immer teurer wurden." Trotzdem waren die Schlangen vor der Bäckerei meist irrsinnig lang. Denn die dünnen Fladen aus Weizen, von denen 20 Stück etwa zwölf Cent kosten, waren das Einzige, was sich die ärmeren Menschen noch leisten konnten. Gemüse und Fleisch gönnten sich nur wohlhabendere Familien – wie die von Shaimaa. "Ich weiß seither noch viel mehr zu schätzen, dass wir jeden Tag ausreichend und gesund essen können."
Chhorn Veasna, dreizehn Jahre alt, aus Rumpé Lech in Kambodscha
Chorn Veasna isst Reis schon zum Frühstück. Denn wie bei uns das Brot, ist in Kambodscha Reis das Grundnahrungsmittel, morgens, mittags, abends steht er auf dem Tisch. Allerdings sind Fisch, Schweine- oder Rindfleisch seine Lieblingsgerichte, erzählt der 13-Jährige. Chhorn Veasna wohnt in Rumlech, einem Dorf 50 Kilometer von der Haupstadt Kambodschas, Phnom Penh, entfernt. Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt, viele sind arbeitslos oder verdienen am Tag so wenig, dass sie nicht alle ihre Kinder gut versorgen können. Chhorn Veasna hat Glück: Der 13-Jährige bekommt dreimal am Tag etwas zu essen. Er hat noch nicht bemerkt, dass Lebensmittel teurer geworden sind.
Korn Sophea, fünfzehn Jahre alt, aus Orknha Tep in Kambodscha
"Ich bin fünfzehn Jahre alt und lebe in Orknah Tep in Kambodscha. Ich habe vier Geschwister und bin der Jüngste in der Familie. Jeden Tag gehe ich in die Schule und danach helfe ich meiner Mutter. Sie verkauft selbstgemachte Nudeln. Früher konnten wir mehr Lebensmittel einkaufen. Doch jetzt verdienen meine Mutter und ich weniger Geld und kaufen deshalb immer nur die nötigsten Dinge. Meinem ältesten Bruder Korn Mao ist aufgefallen, dass die Lebensmittelpreise zur gleichen Zeit wie der Ölpreis gestiegen sind. Öl ist inzwischen wieder billiger geworden, aber für Lebensmittel müssen wir immer noch diesen hohen Preis bezahlen."
Ung Rat, 15 Jahre, aus der Provinz Kampong in Kambodscha
Ob und wie viel Ung Rat zu essen bekommt, hängt vom Verdienst ihres Vaters ab – er betreibt eine kleine Fahrradwerkstatt. Gestern wurde nur zweimal gegessen. Denn abends gab es keinen Reis mehr und auch kein Geld, neuen zu kaufen. Die 15-Jährige und ihre Mutter sind losgelaufen, um wenigstens ein paar essbare Krebse zu suchen (links) – gefunden haben sie keine. "Ich konnte am Abend nicht schlafen", erzählt das Mädchen. "Mein Bauch knurrte, und da waren so viele Gedanken in meinem Kopf." Alles sei seit dem vergangenen Jahr teurer geworden. Ung Rat sagt, sie träume oft davon, mal wieder richtig satt zu werden. "Am liebsten von saurer Fleischsuppe."
Shanti, neun Jahre alt, aus Chennai in Indien
1.Wie viele Mahlzeiten isst du am Tag?
Ich bekomme drei Mahlzeiten: morgens, mittags und abends.
2.Was isst du am häufigsten?
Ich esse täglich Appam, das sind Reispfannkuchen.
3.Wie sieht ein typisches Gericht bei euch aus?
Appam und Milch gibt es fast jeden Tag.
4.Hast du mitbekommen, dass die Essensvorräte knapp werden oder dass die Lebensmittel teurer geworden sind?
Nein. Ich weiß davon nichts, aber meine Mutter hat das sicher schon bemerkt.
5.Was würdest du gerne essen, wenn du dir irgendetwas aussuchen dürftest?
Ich liebe Poori, also gebratenes Brot. Wir essen Poori aber nur an Feiertagen.
Sweetie, zehn Jahre alt, aus Chennai in Indien
Von Idli kann Sweetie gar nicht genug bekommen. Am liebsten isst sie diese Reispfannkuchen schon zum Frühstück, dick mit Zucker bestreut. Idli stapeln sich mindestens einmal am Tag auf dem Teller der zehnjährigen Inderin. Und auch zum Mittag- und Abendessen gibt es immer irgendein Gericht mit Reis. Dass Lebensmittel teurer geworden sind, hat Sweetie noch nicht bemerkt.
Die Zehnjährige lebt an der Südostküste in Chennai, der viertgrößten Stadt Indiens. Im Norden Indiens werden statt Reis eher verschiedene Brotsorten gegessen. Fleischgerichte bekommt Sweetie selten, Rindfleisch gab es noch nie. Denn so wie viele Menschen in Indien ist Sweetie Hindu. Für Hindus ist das Rind heilig und darf deshalb nicht gegessen werden.
Luyando, dreizehn Jahre alt, aus Lusaka in Sambia
Nshima-Körner kann Luyando langsam nicht mehr sehen. Fast alle Gerichte werden damit zubereitet. Wenn er die Wahl hätte, würde er sich mehr Abwechslung wünschen: "Frische Früchte, Hühnchen, Fisch oder Fleisch gibt es kaum, auch Milch trinke ich fast nie", erzählt der 13-Jährige. Meistens gibt es für ihn dreimal am Tag etwas zu essen. Wie viele Menschen in Sambia ist Luyando relativ klein, das liegt an der viel zu einseitigen Ernährung. "Ich lebe in der Hauptstadt, in Lusaka. Ich mag es, in der Großstadt zu leben, da habe ich viel mehr Möglichkeiten als auf dem Land, wo ich geboren bin. Ich möchte später nämlich Arzt werden." Er hat noch zwei Schwestern und einen Bruder.
"Ich habe einiges über die Weltwirtschaft gehört und weiß, dass die Währung in Sambia an Wert verliert. Meine Eltern müssen unser Geld gut einteilen und dann zum Beispiel überlegen, ob sie einen Fußball für uns Kinder kaufen oder lieber einen Brotlaib für die ganze Familie. Wenn meine Eltern das Geld haben um Brot zu kaufen, bleibt nie genug für einen Fußball übrig", bedauert Luyando.
Hong Anh, zehn Jahre alt, aus Hanoi in Vietnam
"Ich habe in einem Schulbuch und einer Zeitschrift gelesen, dass Lebensmittel jetzt mehr kosten und auch meine Mutter und meine Tanten haben sich darüber unterhalten", erzählt Hong Anh.
Der Tagesablauf der Vietnamesin ist ähnlich wie bei vielen Kindern in Deutschland: "Frühstück gibt es zu Hause, Mittagessen in der Schule und Abendessen wieder zu Hause", sagt die Zehnjährige. "Normalerweise esse ich Nudeln oder Brot zum Frühstück. Reis, Fleisch und Gemüse gibt es mittags und abends. Typische Gerichte sind Schweinefleisch und Hühnchen." Hong Anh liebt auch Fastfood, aber weil das ungesund ist, erlauben ihr ihre Eltern das nur einmal im Monat.