Hauptspalte:
Das Geheimnis des Werwolfs
Wer hat Angst vorm bösen Werwolf? Falls ihr dazu gehört, gibt es jetzt eine gute Nachricht: Werwölfe sind nichts als erfundene Spukgestalten.
Der Tierarzt Joseph Claudius Rougemont beobachtete im Jahre 1798, wie Menschen, die von Tieren gebissen wurden, Symptome einer rätselhaften Krankheit zeigten. Plötzlich hatten sie Angst vor Sonnenlicht und wollten nichts mehr trinken. Ihr Gesicht verzerrte sich zu fürchterlichen Grimassen. Sie spuckten Schaum, schlugen, bissen und traten um sich. Manchmal brachten sie auch unheimliche Laute hervor, die wie das Knurren oder Keuchen eines Wolfes klangen. Rougemont schrieb all diese Beobachtungen auf und gab der Krankheit den Namen "Hundswuth" - heute bekannt als "Tollwut".
Werwölfe? Gibt´s nicht!
Er widersprach den Leuten, die glaubten, die Gebissenen würden sich in Wolfsmenschen verwandeln, sogenannte "Werwölfe". Die Bücher dieses klugen Tierarztes gerieten in Vergessenheit, bis sie vor kurzem der Geschichtsstudent Utz Anhalt aus Hannover wiederentdeckte. Er wollte herausfinden, ob der Mythos vom Werwolf wirklich aus der Tollwutkrankheit entstanden ist. Es könnte tatsächlich so sein, denn bei genauerem Hinsehen gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen echten Tollwutkranken und den Werwölfen aus den Gruselgeschichten.
Qualvolles Verdursten
Tollwut bewirkt zum Beispiel, dass man nicht mehr richtig schlucken kann. Trinken können die Infizierten nur unter großen Schmerzen. Das ist auch der Grund, warum die Kranken so verzweifelte Geräusche von sich gaben. Früher dachte die abergläubische Bevölkerung, die Patienten würden das Brüllen jenes Tieren nachahmen, das sie gebissen hatte. An den fürchterlichen Grimassen der armen Gequälten ist eine Gesichtslähmung schuld, die die Krankheit mit sich bringt. Mit ein bisschen Phantasie sah das aus wie das böse Grinsen eines Wolfes.
Gefährliche Spucke
Aber was hat das alles mit einem Tierbiss zu tun? Tollwut ist eine Viruskrankheit, so wie die Grippe auch. Viren sind Krankheitserreger im Blut oder Speichel von Menschen oder Tieren. Wenn ein tollwutkrankes Tier einen Menschen beißt, wandern die Viren aus seinem Speichel in das Blut des Opfers, wo sie sich dann ausbreiten. In Mitteleuropa sind besonders Füchse und Wölfe für Tollwut anfällig. Jäger und Tierärzte, die mit kranken Tieren zu tun haben, lassen sich deshalb vorsorglich impfen. Sonst kann eine Bisswunde tödliche Folgen haben. Einem Werwolf ist allerdings noch keiner dieser Tierexperten je begegnet.
Servicelinks:
Druckansicht
Artikel versenden
Deine Meinung
Kontakt
Sitemap


